Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 17 (1.5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 17. Oesterr.-ungar. Kantoren-Zeitung. Leite 15. Inbiliinrns-Kimtorentag. Nachdem zur Abhaltung des anläßlich des 25 jährigen Vereinsjubiläums in Wien stattfindenden Kantorentages die Tage vom 22. bis 24. Juni d. I. endgiltig bestimmt sind, wurde in den letzten Vorstandssitzungen des österr.-nngar. Kantoren-Vereines das Programm für denselben im Detail festgesetzt. Das Hauptgewicht wird auf ernste Beratungen von aktuellen Standesfragen gelegt werden und werden im Anschluß an die am ersten Tage vornuctags stattsindende Festsitzung Referate über die soziale und materielle Lage des Kantorenstandes und über die Mittel zur Hebung derselben erstattet werden. Diesbezügliche Anträge sind spätestens 14 Tage vorher, also bis zum 8. Juni d. I. beim Vereinsvorstande. I., Seitenstettengasse 4, anzumelden und werden die geehrten Herren Kollegen, die am Kantorentage teilznnehmen gedenken, gleichzeitig ersucht, ihre Anmeldungen rechtzeitig an den Vereinsvorstand gelangen zu lassen, damit nach verschiedenen Richtungen, eventuell für Beschaffung von Fahrtermäßigungen, billige Logis rc. Vorsorge getroffen werden kann. Dienstfntnliinm. Nach mehr als 50 jähriger Dienstzeit als Kantor der ehemaligen Neusynagoge in Prag wurde Herr Adolf K o h n von allerhöchster Stelle mit der silbernen Verdienstmedaille für 40jährige treue Dienste ausgezeichnet. Samstag, den 11. d. M., wurde ihm im Beisein des Gesamtvorstandes des Kaiser Franz Josef-Jnbilänmstempels im Sitznngssaale vor Beginn des Gottesdienstes der Orden überreicht. Der Obmann, Herr Dr. J.-U. Dr. Gustav Haas richtete an den Jubilar eine Ansprache und fügte den Wunsch bei, derselbe möge noch viele Jahre sich dieser hohen Auszeichnung erfreuen. Beim Gottesdienste selbst waren viele Mitglieder der ehemaligen Nensynagoge und der gewesene Obmann Herr I. U. Dr. Heinrich Rosenbaum anwesend. Herr Rabbiner Dr. Aladar Deutsch begrüßte den Jubilar mit wahrhaft zu Herzen gehenden Worten, hob hervor, mit welcher Treue und Ausdauer er stets seine Stelle bekleidete und wie wohlverdient er diese hohe Auszeichnung erhalten hat. Nach Absingung eines Chorals und nach Rezitation eines aus diesem Anlässe verfaßten Segenssprnches „"pzv *ö" schloß diese schöne Feier. B. H5 er so hnte Keinde. Bon Babette Fried. (Forrsetzuug. Es war die erste Nachricht, welche dem jungen Soldaten von den Seinen ward, seit er das Vaterhaus verlassen, und seine Angen, die ohnehin fieberhaft glänzten, erstrahlten in wunderbarem Feuer, als der Doktor ihm Szenen ans dem Vaterhause schilderte. „Aber warum," so schloß er seine lange und für den Zuhörer so ungemein fesselnde Erzählung, ..warum haben Sie eigentlich nichts von sich hören lassen? Ihre Wunde befindet sich ja am Fuße, da hätten sie ja ganz gut schreiben können?" „Das hatte ich auch getan, und zwar mehr als einmal, jedoch niemals eine Antwort erhalten." „Ihre Briefe sind eben im Wirrsal des Krieges verloren gegangen. Der ,rauhe Kriegsbeseist hat sie irgendwohin gefegt, von wo sie vermutlich niemals zum Vorschein kommen werden. Doch heute werden Sie noch einmal schreiben, und diesen Brief nehme ich selber zur Besorgung mit. Hoffentlich werden ihn jetzt nach Friedensschlnß die lieben Ihren erhalten. Und nun noch eine Frage an Sie: Warum hat sich die junge Dame, welche vorhin neben Ihrem Bette stand, bei meiner Annäherung so schleunigst entsernt?" „Dies ist mir selber ein Rätsel, das ich mir nicht zu erklären vermag." „Ich wohl, wenn es dieselbe ist, die ich vermute. Wie heißt sie-denn, diese Dame?" „O, eigentlich sollte sie heißen : Der Engel der Barmherzigkeit und Güte, diese unermüdliche Pflegerin, diese treue, goldige Seele," ries begeistert der bleiche junge Mann und suchte sich von seinem Schmerzenslager zu erheben, während sein Gesicht wundersam errötete, was ihm eine auffallende Aehnüchkeit mit seiner Schwester Rosa verlieh. „Ruhig liegen bleiben, junger Mann," sagte strenge der Doktor, ..sonst muß ich Sie sofort verlassen. Daß ein jedes Mädchen ein Engel der Barmherzigkeit ist, welches sich freiwillig zum Krankendienst hergibt, das weiß ich als Arzt besser, als Sie zu erkennen. Doch jeder Engel hat noch einen speziellen Namen; wie lautet denn der Name dieses Engels?" „Den Familiennamen kenne ich nicht. Es ist hier eingesührt. daß alle Pflegerinnen, gleichviel, ob sie Nonnen oder weltlich sind, Schwester und mit dem Vornamen angeredel werden. Der ihre lautet: Schwester Deborah." „Ich wußte dies." murmelte mit innerer Befriedigung der junge Doktor. „Sie ist auch eine Glanbensschwester von uns," fuhr der Soldat fort, ..dies verrät mir nicht so ihr Name, denn hierzulande führen auch viele nichtjüdischen Frauen allbiblische Namen, was bei uns in Böhmen nicht vorkommt, als vielmehr der Umstand, daß an ihrem Halse statt eines Kreuzes, wie die andereil es tragen, ein Geschmeide funkelt, welches das Bild unseres Gesetzgebers Moses mit einer hebräischen Anischrist trägt. Sie hatte es auch einmal abgenommen, um es mir zu zeigen, und bemerkte dabei, daß sie es als Andenken ans sehr lieber Hand erhalten." „Von mir," bemerkte lächelnd der Andere. Und wieder wäre der Kranke erregt aufgesprungen, wenn ihn nicht die starke Hand des Arztes zurückgehalten hätte. ..Sie müssen lernen, sich ruhig zu verhalten. Freund, wenn Sie genesen wollen. Ich sehe schon, Sie sind ein ungeberdiger Patient. Wenn eine so leichte Schußwunde am Fuße, wie die Ihre war. Sie so ungewöhnlich lange ans Lager fesselt, dann waren gewiß öftere Aufregungen mit) Ihr den Anordnungen der Aerzte bewiesener Ungehorsam Schuld an der Verzögerung Ihrer Heilung. Doch jetzt muß es anders werden! Noch heute setze ich mich mir Ihrer bisherigen Pflegerin, die, wie ich sehe, großen Einfluß auf Sie übt, in Verbindung: wir bürgen für Sie. der Sie ja noch immer ein Gefangener sind, und nehmen Sie zu uns nach Breslau, wo Sie im Hanse meiner Tante, welche gleichzeitig die der Schwester Deborah ist. hoffentlich eher .gesunden werden, als hier in dieser Spitallnft und dieser grausigen Umgebung. Dann aber müßten Sie mich als Arzt nnd Schwester Deborah als Krankenpflegerin annehmen. Könnten Sie sich wohl dazu entschließen?" Der Kranke faßte die Hand des Doktors, ohne daß es dieser wehren koirnte nnd führte sie mir dem Ausdrucke tiefster Dankbarkeit an seine Lippen. „Wie komme ich armer, kranker Gefangener zu dieser unverdienten Güte?" „Es soll dies nur eine geringe Abschlagszahlung sein für die Gastfreundschaft, weiche ich, der Feind, in Ihrem Elternhause genossen habe." Nach kltrzem Bemühen gelang es Goldenkron, die vor ihm geflohene Dora aufzufinden. Sie war in eine Ecke des weitläufigen Parkes geflüchtet, und dort in freier Natur wollte sie die Ankunft des Jugendfreundes erwarten, von dem sie annahm, daß er um ihretwillen hierher gekommen. Hier im Schalten der allen Bäume halte sie den Mut, ihm entgegenzuireten, der sie in dem überfüllten Krankensaale, unter den Augen des fremden Soldaten verlassen hatte. (Fortsetzung folgt.) Anonymus. Vor kurzer Zeit wurden mir von anonymer Seite fynagogale Rezitationen und Kompositionen zur Begutachtung eiugefeudet. Nach Durchsicht derselben ersuche ich nun den geehrten Einsender seine Anonymität zu lüften und mich behufs Rücksprache über seine Arbeiten gefälligst besuchen zu wollen. Oberkantor Josef Singer, Wien.