Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1908-04-10 · Heft 15 (10.4.1908) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 15 (10.4.1908)
Date
1908-04-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3062972-3063418-3063433--05398-3072317
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

ütrbnftiou 11. Slbmintltiaiiou: Wien, II/, Vivvala^nsi- 27.! YflfpDnii t>rv ^nutetet löSUt K. k. österr. Postsparkasia- Scheck-Konto Nr. I0».9l8. Hnleratr Tie viermal gejpalte»- Nonvareille-Zeiie 25 Heller. /idoilllciiiclilSil. ^Illc>no»sbelräge nnb m Mie» zadlva-. uiib tlcinoiu. Unabhängige Heitschrift Interessen. für Mische Erscheint jeden A r c 11 u tj. Motto! „Dus Siegel (•iotLe.'s ist. \Va)ir(i«il!'‘ lil.uijiabvirt ...» 14.— Hoidjätiria . . J? 7 — t%itt lLultiiSdruttite: | ' iMiimitibiM if i» | | iViir A«»St«i»d:! •.lillHJIiltJvitf ...» ’llnil j | fl iilllDfl ade, lö jjes. Ur. 15. Wien. 10. April 1008 Inhalt: Von wein kommt das Heil? —Einige Gesichtspunkte bezüglich der jüdisch-aramaischen Papyrifunde in Assuan und Elepyantiile und deren Bedeutung für die Bibelkunde. — Aus der Wiener Knltusgemeinde. — Abraham Goldfaden. — Berjetnedene Aactirichren. — /venitteton: „Versöhnte Feinde." Don wem kommt das Heil? Die Zeit, von der Herder geweisfagt hatte: „Es wird eine Zeit kommen, da man in Europa nicht mehr fragen wird, wer Jude oder Christ sei, denn auch der Jude wird nach europäischen Gesetzen leben und zum Besten der Staaten beitragen, woran j nur eine barbarische Verfassung ihn hindern, oder seine Fähigkeit! schädlich machen könnte", scheint noch lange nicht herannahen! zu wollen, denn selbst in unserer lichtvollen aufgeklärten Zeit | wird das Judentum, besonders dessen Schrifttum, sogar die > h. Schrift „das Alte Testament" von antisemitischen Häuptlingen j auf eine jedes menschlich fühlende Herz empörende Weise herabge-! würdigt, beschmutzt, befleckt, gefälscht und entstellt, ohne zu be-! denken, daß sie, die sich stets als die einzigen Beschützer und. Erhalter! der Religion, des Staates und der Regierung gerieren, durch > das Verlästern des „Alten Testamentes" selbst an den Stifter j ihrer Religion, der einstansgerufen: „Das Heil kommt von den Juden" schwer versündigen.! Daß dieser die Thora hoch und heilig gehalten und über- > Haupt nicht im entferntesten daran gedacht, an ihr zu rütteln mii) 1 etwas Neues zu schaffen, beweist ja sein Anssprnch: „Ich bin! nicht gekommen, das Gesetz umzustoßen, sondern es zu erfüllen,! kein Jota darf davon aufgehoben werden". (Sabb. 116) Er! wollte bloß das Landvolk, Amkoorez, das ans einer sehr niedrigen j Stufe der Bildung stand und daher von der Bahn der Religiosität - und Moral abgewichen war, zur Buße aufforderu und für das Himmelreich vorbereiten. Seine moralischen Lehrsätze, die er ihnen : vortrng, beweisen klar und deutlich, daß er nicht bloß die Lehren 1 der Thora sondern auch jene der wahrhaft frommen Weisen in j Israel besonders beherzigt und gewürdigt hatte. Sein Ausspruch: j „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit j erlangen", ist fast wörtlich der Ausspruch R. Gamliels: „Wer! sich der Geschöpfe erbarmt, flndet Barmherzigkeit bei Gott, und! wer sich der Menschen nicht erbarmt, findet bei Gott kein Er-! barmen. (Sabb. 151. Rosch Hasch. 16.*) Hillel I, der ungefähr! ein halbes Jahrhundert früher geblüht, scheint sein Musterbild! gewesen zu sein; denn der Grundsatz Hillel's: „Was Dir nicht angenehm ist, füge deinem Nebenmenschen nicht zu", war das; Grundprinzip seiner Lehren, was sehr leicht bewiesen werden ' könnte, wenn die Antisemiten sich überhaupt von einem Bekenner : des Judentums eines Bessern belehren lassen wollten. Wir wollen ' ,*) Auch der Ausspruch Christus: „Du willst den Splitter aus dem; Auge deines Bruder ziehen, siehst aber nicht den Balken im eigenen Auge" > findet sich wörtlich im Talmud Erachin 16. wo R. Tarfon sagte: im amor j iu tul kisem miben enecho omar lu tul koreh miben enecho. | daher lieber die diesbezüglichen Ansichten eines frommen christlichen Priesters hier ansühren, damit jene Verächter des „Alten Testamentes" und des jüd. Schrifttums Horen, wie ihr Vorgehen von einem streng gläubigen Christen be- und verurteilt wird. C. Wagner, Pastor der deutschen evang. Gemeinde in Sydenham halte im Dezember 1888 in der Friedenskirche zu Barmen eine Rede gehalten, in der es heißt: „Das .(?eil kommt von den Juden." Ein recht zeitgemäßes Wort ist es, „Das Heil kommt von öeu Juden", das wir ans dem Munde des Herrit vernehmen, zeitgemäß darum schon, weil es dem Geiste der Zeit so scharf entgegentritt. „Das Heil kommt von den Juden", sagt Christus, lind in unseren Tagen — was verlautet da? Jetzt heißt es: Das Unheil — alles Unheil kommt von den Inden. Hören und lesen wir es nicht so fast täglich? — aber ernste Christen hüten sich wohl, in das wüste Geschrei einznstimmen: an allem Uebel sind die bösen Inden schuld! Sie wissen, es gibt auch eine Menge christliche Wucherer, christliche Spötter, christliche Volksverführer; und sie beherzigen das Wort der Propheten: Ein jeder mttrre wider seine Sünde". (Klaget. 3. 39.) -Müssen wir nicht die Christenheit anklagen, daß sie gerade dem Volke Israel gegenüber sich schwer versündigt hat? Hat man nicht die Juden Jahrhunderte lang in unchristlicher Weise gehaßt, verfolgt, verbannt, getötet? Erhob Luther nicht mit vollem Rechte „wider die Päpste. Bischöfe. Mönche und die ganze Kirche des Mittelalters" die Anklage: „sie haben mit den Juden gehandelt, als wären es Hunde, nicht Menschen"? Ach, daß man das Jesuswort vergaß: Das Heil kommt von den Inden! Darum erfüllt sie nunmehr: Woran man sündigt, damit wird man gestraft. Denn Gott läßt sich nicht spotten. An Israel hatten sich die e n t ch r i st l i ch t e tt Christenvölker versündigt zwiesältig, darum wird Israel ihnen zum Gericht und zur Gottesgeisel. Dies erkenne auch du, mein deutsches Volk, schlag au deine Brust, greif in den eigenen Busen und bekenne: Die Sünde — nicht die der Juden, sondern meine Sünde ist mein Verderben. (Spr. 14. 34.) „Das Heil kommt von den Juden". Was der Heiland ansspricht, ist unleugbare Tatsache. Dreifach wird sie bestätigt durch die Geschichte des Volkes Israel. Schon von der v o rchristlichen Zeit gilt es „das Heil kommt von den Inden". Den Beweis dafür hat kein Geringerer als der Zlpostel Paulus erbracht. Röm. 3 wirst er die Frage aus: „Was haben sie denn für Vorteils?" Seine Antwort lautet: „Fürwahr sehr viel: zum ersten: ihnen i st a u v e r t r a tt t, wasGottgeredetha t.'- Und Kap. 9. fügt er ergänzend hinzu: Denen von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.