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Die Wahrheit · 1908-03-27 · Heft 13 (27.3.1908) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ahichsit Nkdakllou ». Sldiniuitti atum : j Wien. II/, 3iol)nraii«iif *27.j YrlrltbiMt brr 'T'nirf'tet 153l)S ' K. k. österr. Postlparkassa- Scheck-Konto Nr. 1V0.818. linlerate Th viermal geivalteii- NonvareiUe-Zeile 35 Heller. «doiliiniiriilS- II. JnlcitlouSdelrä«e und tu aUien jitblbav ind klagbar. Unabhängige Aeitschrift für Mifchi Interessent Erscheint jeden Areitni;. »otlo: „.Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ |i Verngo-iniei»: jj (NaiizlütNig . . . It. U.— || Öulbiiibvifl' 1k 7 — j! | ftiir (&iittu3brmute: j| 'V»„ti^i.11)t iu 1k, lU.! iviir Vliioltitiö:;[ 'ÜuiniaUvi4 S WiUf | K kttuvel ober 16 FcS Nr. 13. Wie». 27. Mär; 1908 ^nljßft: Quousque taudem . . .? — Alls der Woche. — Der Jugendgottesdieilst. — Benützung der Elektrischen am Zabbütti. — Zur Krisis im israelitischen Heiratsausstattnngs-Bereine. — Ans der Wiener Kultusgemeinde. — Abraham Goldfaden. — Berschiedene Aachrichten. — Feuilleton: „Versöhnte Feinde". Die geehrten Kerren Abonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das am 1. April' beginnende 2. Huartat ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Mattes keine Unterbrechung erleide. Abonnements-Bedingungen: Ganzjährig Kr. 14.— Kalvjäyrig Kr. 7.—, Uierteljährig Kr. 3.5V. K. k. Postsparkafsen-Konto 1VV.S18. Die geehrten Herren Abonnenten werden ersucht, bei Einsendung des Abonnementsbetrnges den beiliegenden Erlagschein zu benützen. Die Redaktion. üuousque tsnäem . . .? Einen schönen Mythus erzählen die Dichter Enripides und Ovid. P h n 6 t o h, der Sohn des Helios und der Klymene, bat seinen Vater, ihm den Sonnenwagen ans einen Tag zn überlassen. Aber Phaeton vermochte die Rosse bald nicht mehr zu lenken, sie brachen aus dem Geleise und der senrige Wagen steckte den Himmel und die Erde in Brand. Da tötete Zeus den Uebermütigen und stürzte ihn in den Eridanvs. Das Kind der ecclesia militans, die christlichsoziale Partei, will nun den Wagen der vorwärts stürmenden Zeit, ohne der Lenkung fähig zn sein, weit nach rückwärts dirigieren in jene finstere Zeit des Mittelalters, in der Heinrich IV. barfuß nach Canossa zu Gregor VII. ging. Aber auch sie wird der finstere Schlund verschlingen. Wie lange aber soll dieses'Treiben der Finsterlinge dauern, die die höchsten Stufen bereits errungen haben? Wie lange wird noch die Mehrheit dem frevelhaften Spiel der Minderheit ruhig zusehen? Schon strecken sie ihre Faugarme gierig nach der einzigen Domäne freier Forschung, der Universität, aus. Zuerst galt der Kampf der „Berjudnng", dann den Verbindungen und jetzt' gehen sie gegen die vorurteilslose Wissenschaft los. Es rast die Meute, sie muß ein Opfer haben. Der Papst spricht durch den Mund des Nunzius, die gefügigen Massen der Bauern werden mobilisiert, der Staatsanwalt konfisziert, die Regierung untersucht, weil ein Universitätsprosessor angeblich am Katholizismus Kritik geübt. . Hat sich der gleiche Sturm erhoben, als ein Pfarrer in Wien von der Kanzel herab alljährlich das Judentum verunglimpfte und gegen seine Bekenner in schmählicher Weise hetzle? Sind denn iu Oesterreich nicht alle Religionen gleichberechtigt? : Aber wenn sich auch alle Inden vereinigten, wenn sie auch Versammlungen abhielten und Proteste in die Welt hinansschrieen. der Erfolg bliebe aus, denn hinter dem Judentum st e h t n i ch t d i e M a ch t der herrschenden Kirche, steht nicht das Gros der einflußreichen A r i st ok r a t i e. Wie lange aber sollen diese Faktoren im Reiche des allgemeinen Stimmrechtes tonangebend bleiben? Stehen nicht den Christlichsozialen die Sozialdemokraten und die Freisinnigen aus allen Lagern entgegen? Aber Weiskirchner ist Präsident des; Abgeordnetenhauses und zwei klerikale Slaven sind Vizepräsidenten. Zurück m i t - d e m Wagen der Zeit, zurück i n das Zeitalter der H e x e n p r o z e s s e, der Folter und Scheiterhaufen, zurück t ti das Zeitalter der | Inquisition u n d der entsetzlichen I u d e n m e tz e-! leien, zurück i n d i e S ch m a ch n n d S ch a n d e d e r : s t n st eren K i r ch e n h e r r s ch a s t!! Die schwarzen Horden sollen sich nur in die Speichen des! Rades der Zeit werfen, sie sollen es nur geifernd und schnau-! bend versuchen, die Zeit in ihrem Zuge nach vorwärts auszuj halten. Das Rad, das keinen Stillstand kennt, wird sie in seinem Lause zermalmen und zerschmettern, daß sie zu beiden Leiten I hinfliegen in die Finsternis, die sie über die Welt bringen j wollen. Das Getriebe der Welt strebt immer i vorwärts, nie zu r ü ck!! Die Regierung soll aber wohl bedenken, daß sie nicht allein l für die Christlichsozialeu und ihren Macht- und Ltelleuhunger; da sei, sondern daß sie auch auf die anderen Staatsbürger, die! weitaus die Mehrzahl bilden, Rücksicht nehmen müsse. Es! könnte sich sonst ein Sturm erheben, der den arg zerrütteten Staat ■ ans seinen Fugen heben würde. > Wie lange noch will die Regierung dieses Spiel begün-! stigen? 9k i ch t die Bevölkerung, sondern d e r , Staat w ü r d e bei dieser Strömung den ä r g-; st e n Schaden neh m e n. Daher: . Caveant consulea! A. H. 2.

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