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Die Wahrheit · 1908-01-31 · Heft 5 (31.1.1908) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 5 (31.1.1908)
Date
1908-01-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ayr-yeit Nehaktio« 11. Rdmimsti »lioir: Wien, II/, Novaragasse 27. TklrvVv» drr Di-iictrrel Iö3»L K. k. österr. Postsparkafla- Scheck-Konto Nr. ivo.918. Anleratr Tie viermal gesvaltcile?toiivarellle-Zeiie 25 Heller. »ldouiicincnlSu. ZujerlionSbeträae sind iu Wien zahlbar und klagbar. Unabhängige Zeitschrift für jüöische Interessen. Erscheint jeden Kreitng. 9otto: „I)as Liefet (lottee l»t Wahrheit!“ Berngspnei»: Gnnzjabrig . . . Jt u.— Huldjädiig . «. 7 — Fiir CultnSbeuiute: >Miuii)iat)riii 1k I» | Fin Niisland: j| 111(^110>1(1 . . . S 'JHnvC! K Rubel aber >a ,^cs Ur. 3 Wien, 31. Januer 1908. Juhrtlt: Einheit und Einheitlichkeit. — Max Nordau. — Pester Chewra Kadischa. — Responsen des Rabbi Jsak ben Jmanuel de Latas. — Verschiedene Ichchrichten. — Literatur. — Feuilleton: Versöhnte Feinde. — 25 jähriges Jubiläum des österr.-ungar. Kantorenvereines. — „Kantor". — Zur Frage der Peusiousversicherung. Einheit und Einheitlichkeit. Ein offenes Wort an den Gemeinde-Bnnd von Rabbiner Dr, D. Feuchtwang. Als das wichtigste Wort, das nach den Berichten der Presse bei den jüngsten Beratungen des „Bundes" gesprochen wurde, erachte ich dasjenige, das nur gelegentlich geäußert worden ist. Es wurde gesagt, daß der gegenwärtige Zeitpunkt besonders günstig wäre, die staatliche Organisation der Juden in Form einer gesetzlich anerkannten Judenverfassung dnrchzuführen. Es wurde auch beschlossen, ..daß' der,Bund' die einleitenden Schritte behufs Durchführung der Gesamtverfassung der Judenschast Oesterreichs so bald als möglich zu unternehmen habe". Alles andere ist verschwindend unbedeutend gegenüber der Einsicht dieser Notwendigkeit. Ich habe diese, uns allen teuere und die Gesundung des österreichischen Judentums vielleicht bedingende Frage wiederholt mit hervorragenden Männern der Gemeinde besprochen; habe mit einzelnen Vertretern darüber gesprochen, daß in den Kreisen der Regierung die entschiedene Neigung zur Behandlung der Frage bestehe, ja, daß man daselbst nicht begreife, wie es denkbar und möglich sei, daß nach dieser Richtung so gut wie nichts seitens der Juden Oesterreichs, insbesondere der öffentlichen Vertretung der Juden Wiens geschehe. Daß ferner die „geistlichen" Vertreter der Juden der Monarchie — die Regierung legt nämlich aus diese „Geistlichen" Wert und hält sie für wichtiger, als ein beträchtlicher Teil der jüdischen Glaubensbrüder es zu tun pflegt — keinerlei Initiative zur Einigung der Juden ergriffen haben. Die Regierung kann es z. B. schlechterdings nicht begreifen, daß die Juden nicht einmal einen Referenten für jüdische, also Kultus-Angelegenheiten im Ministerium aystrebeu, dem gerne ein Platz im Kultusministerium eingeräumt würde, wofern er den nicht geringen Ansorderuugeu entspräche und die Vollmacht und das Mandat der geeinten Kultusgemeinden in Händen hatte. Die an einen solchen Referenten gestellten Ansprüche wären ungefähr: Akademische Bildung, theologische und jüdisch-literarische Kenntnisse, unbezweifelbare jüdische Ueberzeugung in Gesinnung und Leben, ehrlich-ernster Patriotismus. Doch wozu von einem bestimmten Amte sprechen, bevor wir das Allgemeine erörtert haben? Ich habe aus den Gesprächen mit hervorragenden Beamten des Kultusministeriums verschiedene Eindrücke empfangen. Gelegentlich der ernsten Beratungen über einen einheitlichen Lehrplan für den Religionsunterricht an den Mittelschulen Oesterreichs, die ich als Vorsitzender des „Verbandes der israelitischen Religions lehrer an den Mittelschulen Oesterreichs" irp Jahre 1904 zu j leiten hatte, war mir Gelegenheit gegeben, an oberster Stelle über! diesen Plan eingehend zu sprechen. Und auch später öfter. Die jetzt! von dem „Bunde" ausgeuommene Sache des einheitlichen j Lehrplanes ist nämlich seit dem zwölfjährigen Bestehen der oben! erwähnten Vereinigung unaufhörlich Gegenstand der eingehendsten,! fachmännischen Auseinandersetzungen gewesen. Der im Februar! des Jahres 1904 iu Wien zusammengetrelenen Enquete, in der! alle Krouländer durch würdige Vertreter repräsentiert waren,! wohnten auch Vertreter und Vorstandsmitglieder nuferer Gej meinde, sowie der Herr Oberrabbiner bei. Und auch, der jetzige | Vizepräses und Mitglied des k. k. Landesschulrates Dr. G. Ko hn > folgte mit unermüdlichem Interesse den Beratungen und griff in > die Debatten ein. Die Notwendigkeit der Einheit wurde allerseits! zugegeben und auch eine Basis für die Schaffung eines einheitlichen Lehrplanes geschaffen. Es muß aber an dieser Stelle daran erinnert werden, daß der Landesrabbiner von Mähren, Herr Dr. B. Placzek, bereits vor vielen Jahren eine Grundlage für einen einheitlichen i Lehrplan ausgearbeitet, publizistisch verteidigt und verbreitet? hatte. Man sieht, das Bedürfnis war immer fühlbar. Wenn : mein Gedächtnis mich nicht täuscht, ging die Aktion des mährischen! Landesrabbiners Hand in Hand mit der des damaligen Herreni haus-Mitgliedes Baron Königswarter, der — ganz so wie! jetzt bei den Bundesberatungen Herr Vizepräsident Dr. G. K o h n! — damals die dringende Notwendigkeit der staatlichen Organisierung! der Juden iu Form einer anerkannten Judenverfassung mit Eifer erörterte, wenn auch er diese Organisation mit der Schaffung eines! Konsistoriums identifizierte, was ich nicht tue. Die Tendenz war? dieselbe. Bei der „Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der i israelitischen Religionsgesellschaften" (Gesetz vom 21. März 1890) z wurden diese Fragen lebhaft diskutiert. Der Endersolg dieser in! beiden Häusern gepflogenen Beratungen war aber nur jenes j oben zitierte Gesetz, nicht aber eine Organisation der Juden in; Oesterreich. D i e Zerfahrenheit blieb nach wie! v o r dieselbe.! Alle Fragen der Einheitlichkeit, sei es nun! über Lehrpläne, sei es über andere vitale Inter-! essen der Ku ltus v er b ä n d e, gipfeln in dem G ej danken einer großen Organisation und scheitern häufig an dem Mangel einer solchen. Die iu jenem i Gesetze gewährleistete Autonomie der Gemeinden, die von ihnen j selbst mit Energie gefordert und von der Regierung verliehen worden l ist, erwies sich, wie Herr Oberrabbiner G ü d e m a n n bei der jüngsten Beratung des „Bundes" in anderer Verbindung gesagt hat, auch hier als „Hindernis für die Gemeinde selbst". Jede

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