Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1908-01-17 · Heft 3 (17.1.1908) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 3 (17.1.1908)
Date
1908-01-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063418-3063421--05256-3072163
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Okstm.-uiMr. Kantort»-Zeitung. Peverend Alois Kaiser. Wie uns aus Baltimore berichtet wird, ist daselbst vor kurzem einer der hervorragendsten Repräsentanten des Kantorenstandes in Amerika, Reverend Alois Kaiser, der Präsident des amerikanischen Kantorenbundes, gestorben. Der Verblichene, der einer Wiener Familie entstammt, hat erst im Vorjahre sein 25jähriges Amtsjubilänm als Oberkantor der Gemeinde Baltimore begangen. Er war einer der begabtesten Schüler des Altmeisters Salomon S nlzer, sang als Knabe im Chore des Seitenstettentempels und hat sich in ernsten Studien znm kantoralen Berufe vorbereitet. Der Gottesdienst, den er in Baltimore nach dem Sckir-Zion einrichtete, war ein Mnstergvttesdienst nnd als würdiger Interpret der Gesänge seines Meisters hat er zur Verbreitung derselben in Amerika viel beigetragen. Alois Kaiser war auch als Komponist und Schriftsteller eifrig tätig, er stand in stetem Kontakte mit den Bernfskreisen in Europa und von ihm ist auch die erste Anregung zur Bildung einer kantoralen Organisation in Amerika ausgegangen. Das Andenken an seine achtenswerte und liebenswürdige Persönlichkeit wird nicht nur ' an der Stätte seiner engeren beruflichen Wirksamkeit sondern auch in den weitesten Kollegenkreiseu unvergeßlich bleiben. Der Ursprung der Synagoge. Löbliche Redaktion! Die Frage nach dem Ursprünge der Synagoge, die durch meine gleichnamige Schrift*) in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Diskussion gestellt wurde, ist von solcher Wichtigkeit und Tragweite, daß all das reichliche Lob, das mir der geehrte Rezensent F. K. in Nr. 1 l. I. Ihres geschätzten Blattes spendet, und ebenso das halbe Entgegenkommen, das er am Schlüsse seiner Besprechung in den Worten: „Sie bestand während des zweiten Tempels in den Synagogen der Standmanns ch a f 1 e n" meiner Theorie zu zeigen scheint, mich nicht abhalten können, seinen Ausführungen höflichst entgegenzutreten und unter Widerlegung der vorgebrachten Einwände die Richtigkeit meiner These zu beweisen. Der springende Punkt meiner Arbeit ist die Erforschung und Feststellung, daß das Judentum vor der Entwicklung der Institution der Standmannschaften keinen Kult ohne Opfer kannte. Ebensowenig das jetzige Judentum einen legalen Gottesdienst ohne M i n j a u anerkennt — Gebete einzelner werden von dieser Bedingung nicht berührt — ebensowenig galt im alten Judentum eine Kult Übung für zulässig, w e n n das Opfer dabei fehlte. (Vgl. Ex. XXIII 15 und a. St. ap,T'3S naT1; vide meine Arbeit p. 13 ff.) Gebete e i nz e l n e r wurden auch damals von dieser Forderung nicht getroffen, wenn sie auch zumeist derselben entsprachen. Und gerade der im Werke „Assuan Aramaic Papyri“ sowie in der Veröffentlichung von Sachau: „3 aramäische Papyrusurkunden aus Elephantin e" enthaltene Bericht über das Vorhandensein einer tnuK mit Opfern 408/7 vor der christl. 2. in Aegypten (unter x-iuk ist nach wie vor, wie ich dies in meiner Arbeit, p. 12, Anm. 1, unabhängig von Schürer, festgestellt habe, zunächst ein Altar, eine ..Anhäufung" von Steinen zu verstehen; vgl. Onkelos zu Genesis XXXI, 46: b: wi a-njn rojn, ebenso Onkelos zu Exodus Vm, 10: pin p-nn — a'iöfi, anttn; erst im Sinne von par8 pro toto wird diese Bezeichnung auch auf Gotteshaus augewendet) spricht für die anf- •*) Auch in Wien bei R. Löwit, Rotenturmstraße 22, erhältlich. Anmerkung der Redaktion. gestellte Theorie, daß selbst die Juden in der Diaspora. fern von d e n d a m a l s schon in Jerusalem wieder h e r g e st e l l t e n Tempel, feine Kult- Übung ohne Opfer kannte n. Die ägyptischen Priester des Götzen Chinb zerstörten die tnux (auch »ra-ta rra, Altarhaus genannt, Sachau l. C. 40) der Juden in Elephantine und diese nehmen n n n drei Jahre lang keine K n l t ü b u n g vor, sondern traue r n. Diese Kultübung bestand in mbn nn:a Speiseopser, Weihrauchopfer und Brandopfer! Sachau l. C. p. 10. Erst mit der Einführung der Standmannschasten beginnt sich allmählich ein o p s e r l o s e r Kult herauszubilden, worüber die Beweise bis. ins Einzelne in meiner Schrift 311 finden sind. Was der Herr Rezensent über ein Herantreten der Exulanten an Ezechiel bezüglich Erbainlng eines Tempels mtb dessen „mächtiges Entgegensetzlenderu.-r.-m rrv?" sagt, ist homiletisch sehr s ch ö n, w i s s e n s ch a s t l i ch a b e r d u r ch a u s f a l s ch, da sich diese Zurückweisung des Propheten — wie sich selbst der Laie aus C. XX. 32, überzeugen kann — n u r ans Götzen ' — ja M 0 l 0 chdienst u n d nicht ans eine O p s e r n n g für Adonai i nt Exil bezieht. — lieber Ezechiel XXXIII mich hier nochmals zn äußern, wäre umständlich, da meine Arbeit p. 14 sich mit dieser strittigen Stelle eingehend befaßt. — Zum Schluffe sei noch daraus hingewiesen, daß der vom Herrn Rezensenten beanständete Passus meiner Arbeit: Die Synagoge mußte.... nicht als Nachahmung griechischheidnischer Einrichtungen, sondern als ureigene jüdische Schöpfung von hervorragenden religiösen Autoritäten ins Leben gerufen werden usw." sich wohl nicht gegen Löw, aber gegen Renans zweite Annahme (Historie du peuple d’Israel IV. t. VIII. 1. 3), d i e Synagoge sei nach dem Vorbilde der griechischen E r a n e n u n d T h i a s e 11 e n t st ande n, wendet. Den jüdischen Ursprung der Synagoge, und zwar ans dem T e m p e l b e r g e s e l b st, aus Grund einer biblischen Vorschrift n a ch g e w i e s e n zu haben, dies Ver d ie n st u im mt meine A r b ei t, in a l l e r B es ch eid e n h e i t. fü r sich in A n s p r u ch. Rabbiner Dr. M. R 0 s e n m a n n. Wien, 10. Januar 1908. KONKURS. Die Stelle eines zweiten Kantors ist in der Chor- Tempel-Gemeinde zu Bukarest (Rumänien) mit dem 1./14. Mai 1908 za besetzen. Bewerber müssen gründliche musikalische Bildung besitzen, mit dem modernen Synagogalgesang vertraut, den Chor leiten können und tüchtiger Kore sein. Nicht. älter als 35 Jahre. Jahresgehalt Frcs. 3000 nebst üblichen Emolumenten. Anträge mit Zeugnissen sind an den Präsidenten Dr. Adolphe Stern in Bukarest, Strada St. Vineri Nr. 13 bis I./I4- Aoril 1908 einzusenden. Warnung! Ein gewisser Juda Büchler in Päszte, Heveser Komitat, Sohn des seligen Kabbiners David Büchler, fährt fort, mit dem Namen seines seligen Vaters Missbrauch zu treiben, indem er in ganz unberufener Weise Hechschorim für Koscherwaren ausstellt. Dieser Mann hat schon bei Lebzeiten seines ehrwürdigen Vaters mit dessen Siegel Missbrauch getrieben, ist dieserhalb auch wiederholt mit den Gerichten in Konflikt gekommen und wird vor dessen Hechschorim, die absolut Vertrauens unwürdig und wertlos sind, gewarnt. Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums (Alle jüdischen Blätter werden ersucht, diese Warnung nachzudrucken.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.