Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 50 (27.12.1907)
- Date
- 1907-12-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Die Wahrheit | Verugsrnlei»: j j Äuuzjiivrjg ... ft. >4 — j I Halbjähri« . ft. 7 — j I i^riic CultnSbenmte:;• (Muiisiät)vii) ... ft io Fin Vliilltuib: i! (Wimjiaöviv) s 'iHmr | t> IJiiibel obre I« Fcr. | Nrdaktio» u. Siduiiinflianon: Wien, ll', viovaragasje 27 DrlrvVvn Sir. drr Dmckrr-l I5Ä»L. Inserat L Die viermal geivalteiie Nonvareille-Zeile 25 Heiler. ridoiniclilcues- I1. ZiijerlloiiSbelräge und in aiiten jnblbav uub klagbar. «abhängige Heitschnft für Mische Intere^en^ Erscheint jeden K r e i t a g. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ |lt\ 50. Wie», 27. Dezember 1007. Inhalt: Aus der Woche. — Budget der Wiener Kultusgemeinde. — Aus der territorialistischen Bewegung. — Verschiedene Nachrichten. — Ein Ruf nach Orgauisatiou. An unsere Leser I Bei dem Ernste der gegenwärtigen Zeiten bedarf das Judentum mehr denn je einer starken und unabhängigen Presse,; die nicht nur mutvoll und unerschrocken den Kampf nach Nutzen führt, sondern auch im eigenen Lager; strenge Wache hält. Von dieser Ueberzeugung durchdrungen, hat „Die Wahrheit" auch im abgelanfenen Jahre an ihrem Programme, das I Interesse für die erhabenen Ziele des Judentums! in allen Bevökerungsschichten zu wecken, sestgehalten, j und ihr Bestreben wird auch fernerhin darauf gerichtet sein, j jüdisches Leben in allert seinen Erscheinungen zu; pflegen, die innere Organisation mit allen Kräften! zu fordern, die Vorfälle im Gemeinde- und Vereins-! leben mit matzvoller und objektiver Kritik zu beur-! teilen und dabei gleichzeitig den Kampf nach Nutzen mit Würde urrd Entschiedenheit zu führen. ' j Diese publizistische Tätigkeit bitten wir durch Nbonj nierung unseres Blattes;n förderrr.! Abonnements-Bedingungen:! Knnzjäyrig Kr. 14 — Kal'bjährig Kr. 7.—, Aierteljährig Kr. 3.59. Die Weöaktion. Aus der Wache.! Die Frage, ob und wann der niederösterreichische Landtag! aufgelöst wird, ist noch nicht entschieden, aber die Vertrauensi männer der christlichsozialeu Partei sind schon an der Arbeit,! um die nächsten Wahlen vorzubereiten und die Kandidaten für! die Wiener und niederösterreichischen Wahlbezirke zu nominieren.! Angesichts dieser Tatsache ist es dringendst geboten, daß auch die; jüdischen Wähler in Wien sich baldigst über die Kandidatenfrage klar werden, um dort, wo ihre Stimmen für die Wahl entscheidend sind, nur Männer ihres,.vollsten Vortranens znzulassen. Vor allem kommen da der erste, zweite und neunte Wiener Bezirk in Betracht, und die traurigen Erscheinungen, wie sie in Folge Uneinigkeit der Wähler bei der letzten Reichsratswahl, namentlich im zweiten Bezirke, zutage traten, dürfen sich nicht wiederholen. Es ist wohl schwer, die Wiener Inden bei politischen Aktionen unter einen Hut zu bringen, aber wenn mau bedenkt wie von seiten der gegenwärtig in Wien herrschenden Partei die Erwerbsadern der jüdischen Steuerträger immer mehr unterbunden, bewährte Kräfte beamteter Juden nicht gewürdigt oder brachgelegt, die wahnwitzigsten Beschuldigungen gegen die Bekenner des Judentums erhoben und die Erfolge ihres Fleißes, ihrer Fähigkeit und Nüchternheit als Resultate ihres angeblich betrügerischen Vorgehens bezeichnet werden, dann wird wohl jeder Einsichtige zu der Ueberzeugung gelangen, daß alles Trennende bei der Lösung der Kandidatenfrage beseitigt und Einigkeit das Losungswort im Kampfe gegen die antisemitische Hochflut bilden muß. So mancher wird sich auch bei diesen Wahlen für ein Mandat berufen fühlen, aber die Berechtigung zur Erlangung desselben darf nur jenem zuerkannt werden, der die vollste Eignung besitzt, mit Hingebung, Unerschrockenheit, Verständnis und Gewissenhaftigkeit den Kampf gegen die antisemitischen Angriffe zu führen. * * Der Kasseneinbruch im Wiener Arsenal gab dem „Deutschen Volksblatt", das sich durch den jüdisch klingenden Flamen des verwegenen Gauners gerne zu der Annahme verleiten ließ, daß derselbe ein Jude sei, Anlaß zu folgender Betrachtung: „Es ist das neuerlich ein Beweis dafür, wie berechtigt die Stellungnahme des Militärs gegen das Judentum ist. Der Jude scheut zwar den Waffendienst, drängt sich aber mit Vorliebe in die militärische Aerzteschasr, das Berpflegswesen und die Rechnungsbranche ein: mit welchem Erfolge, zeigt der gestrige Fall." Ist es schon an sich eine Schurkerei, wegen eines einzelnen Individuums eine ganze Gemeinschaft zu beschimpfen, so wird dieselbe im speziellen Falle noch größer, da die amtlichen Erhebungen ergeben haben, daß der Einbrecher Leopold Goldschmidt als katholischer Christ geboren ist und ans rein arischer Familie stammt. Trotzdem diese Tatsache auch dem „Deutschen Bolksblatt" nicht unbekannt blieb, machte es dennoch nicht den geringsten Versuch, die Pauschalverdächtigungen zu widerrufen und feine Leser über den wahren Sachverhalt aufzuklären, sondern leistete sich sogar die Frechheit, noch in der nächsten Nummer von dem „Judenstämmling" Goldfchmidt zu sprechen. Muß da nicht selbst ein Antisemit, der nur eine Spur von Schamgefühl besitzt, geradezu Ekel empfinden vor einem Blatte, das wegen eines Nichtjuden das ganze Judentum beschmutzt und tausende jüdischer Soldaten, die in Ehren den Rock des Kaisers tragen, beschimpft? Wie infam und niederträchtig erschiene d e r Jude, der z. B. aus der Tatsache, daß die b e r ü ch-