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Die Wahrheit · 1907-12-06 · Heft 47 (6.12.1907) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 47 (6.12.1907)
Date
1907-12-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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akicheit Diebnftiou u. Sldiiuiiislialiou: Wien, II/, Novaragasse *27.?rlf»t)uii Nr. bfr Driickrr-l 153112 il nitrate Die viermal gespaltene Aonvareille-Zeile 25 Heller. rldouiieilieiilS- >1. JilleilloiiSbeträae sind in 'JlMen zablbae und klagbar. «abhängige Aeitschrifl für jäöische Interessent HrsÄeint jeden Kreitag. Uotio: „D^s 8i«ß:el Ovttes ist Wahrheit!“ | Kerngsptket». i iKuiijjävrlg ... ft «4.— j Halbjährig . ft. 7.— Fnr Lultnsbeiimte: jährig . . ft nt Fnr An^lnud: Ganzjährig . . . a Marl 6 Rubel aber ltt ,{c5. Ur. 47. Wie», 6. Dezentster 1907. Inhalt: Ans der Woche. — Aesthetik und Judentum. — Aus der Wiener Kultusgemeinde. — Der Moralist Kalonymos beu Kalonymos. — Berschiedeue Nachrichten. — Literatur. — Feuilleton: Versöhnte Feinde. — Kantorenkvutrakte von heute und von einst. Ans der Woche. j Um den üblen Eindruck zu verwischen, den der von j Dr. Lueger am Katholikentage inszenierte klerikale Vorstoß z gegen die Freiheit der Wissenschaft in allen gebildeten Kreisen! Oesterreichs hervorrief, wird von der antisemitischen Presse das > Thema von der Verjudllng der Universitäten nud insbesondere der Wiener Universität mit großer Behaglichkeit und mit noch größerer Lügenhaftigkeit breit getreten. Die statistischen Nachweise : des „Deutschen Volksblattes", daß das Bildungsbedürfnis der; jüdischen Jugend ein größeres als der arischen ist und in dem j stärkeren Hochschulbesuch zum Ausdruck kommt, ist vollkommen richtig und kann uns nur stolz machen, aber alle anderen Konklusionen über den übermächtigen Einstuß des Judentums : sind aus der Luft gegriffen' und können durch die Tatsachen j leicht widerlegt werden. So hat auch Professor Ehrlich von j der Czernowitzer Universität jüngst nachgewiesen, daß die Zahl! der ordentlichen Professuren, die mit Juden besetzt sind, eine! sehr geringe ist. und daß Juden trotz ihrer anerkannten wissen-; sch östlichen Bedeutsamkeit, zumeist nur als außerordentliche! Profestoren oder Dozenten ernannt werden, was besonders im! letzteren Falle wohl einen Titel aber keinerlei Einfluß und , Einkommen verleiht. I * , * Ja das Lernen und Arbeiten auf wissenschaftlichem Gebiete! ist uns Gott sei Dank in Oesterreich noch nicht versagt, aber wo es sich ums Einkommen handelt, da verstehen es schon die Herren Antisemiten, uns Juden sowohl als auch den gesetzlichen Bestimmungen ein Schnippchen zu schlagen. So hat auch jüngst wieder eine Konknrsansschreibnng des niederösterreichischen Landesausschusses ftattgefunden, die für die Besetzung von Hilfsarztstellen an den Landesirrenanstalten die Vorlage des Taufscheines fordert und damit eine Verletzung der Staatsgrundgesetze involviert. Der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde hat in dieser Angelegenheit folgende Eingabe an den Landesausschuß gerichtet: Z. 13270 ex 1907. Wien, 28. November 1907. An den hohen Landesausschuß des Erzherzogtums Oesterreich u n t e r d e r E n n s - Wien. Im Amtsblatte zur Wiener Zeitung No. 273 vom 27. November 1907 ist eine Kundmachung des hochlöblichen Landesausschusses publiziert, in welcher 3 Hilfsarztensstellen in den niederösterreichischen Landesirrenanstalten behufs Besetzung zur Ausschreibung gelangen. Nach Inhalt dieser Kundmachung haben die Bewerber nebst anderen Nachweisen den Taufschein beizubringen. Die niederösterreichischen Landesirrenanstalten sind, wie der Name besagt, Landesanstalten, welche aus Laudes-, d. i. öffentlichen Mitteln, zu denen Angehörige aller Konfessionen beizutragen verpflichtet sind, gegründet wurden und erhalten werden. Demnach sind die Dienststellen an diesen Landesanstalten öffentliche Aemter, und steht das Erfordernis, daß als Geburtsdokument ausschließlich der Taufschein beizubringen ist, im Widerspruche mit der staatsgrundgesetzlichen Bestimmung des Artikel 3 des Gesetzes vom 21. Dezember 1867, R.-G.-Bl. No. 142 über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger, wonach die öffentlichen Aemter allen Staatsbürgern gleich zugänglich sind. Da nun nach dem Wortlaute der gegenständlichen Kundmachung Angehörige der Wiener israel. Kultusgemeinde, überhaupt Israeliten, von der Bewerbung um die ermähnten Stellen ausgeschlossen wären, beehrt sich der Unterzeichnete Vorstand mit dem Beifügen, daß in ähnlichen Fällen, so z. B. in dem Falle, welcher die in der Wiener Zeitung vom 25. und 28. Oktober 1898 verlautbarte Konkurs-Ausschreibung der erledigten Stellen eines Ober-Kommissärs und eines Kommissärs bei der Normal-Aichungs- Kommission betraf, der k. k. Handelsminister dem h. o. Einschreiten laut des in Abschrift beiliegenden Bescheides vom ö.November 1898, Z. 63641 stallgab, die Bitte zu stellen: Der hochlöbliche Landesausschuß wolle die Richtigstellung der eingangs zitierten Kundmachung im Sinne dieser Eingabe dahin anordnen, daß neben den Worten: „unter Anschluß des Taufscheines" die Worte „oder des Geburtsscheines" einzufügen seien und des ferneren mit Rücksicht darauf, daß der Konkurstermin bereits mit Ende dieses Monates abläufr, eine entsprechende Verlängerung dieses Termines verfügen. Erster Sekretär: Der Präsident: Dr. Theodor Lieben na. p. Dr. Alfred Ster u na. p. In der Debatte über den Dringlichkeitsantrag Professor M a s a r y k s, in welcher Unterrichtsminister Dr. M a r ch e i namens der Regierung die Erklärung abgab, daß sie die Bestimmungen des Staatsgrundgesetzes bezüglich der Freiheit der Lehre gegen alle Angriffe jederzeit schützen werde, hat auch der Abgeordnete Professor Dr. Mahler bem Standpunkte der jüdischen Staatsbürger treffenden Ausdruck gegeben. Der Redner erhob zunächst feierlichen Protest dagegen, daß jüdische Lehrer oder Lernende die Universitäten zu Umsturz-

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