Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 42 (1.11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Leite 8. Tie Wahrheit lUr. 42. Dr. Schlag XXIV. Josefstädter Frauen- Wohltätigkeitsverein und Rekonvaleszenten heim „Philanthropia": Präsideuriu Amalia Beck, Johanna Beck. XXV. Berein zurHebung der Gewerbe: Präsident S. Brod, Max Makler. XXVI. Jüdische Toynbee-Halle: Vizepräsident Karl Freund. XXVII. Berein zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder: Vizepräsident Max Frank. XXVIII. Kaiserin Elisabeth-Institut für israel. Krankenpflegerinnen: Präsident Primarius Dr. Fleischmann. Einzelpersonen: Von der Familie des Jubilars desien Bruder Hermann Ritter von Goldschmidt samt Frau und Tochter, Herr Karl Mayer und Frau, ferner Oberrabbiner Dr. Güdemaun, die Rabbiner Dr. David, Dr. Feuchtwang. Dr. Gelbhaus, j Dr. Grunwald, Dr. Rosenmann, Oberkantor Singer, Oberkantor Gutmann. der ehemalige Reichsratsabgeordnete Dr. Vogler, Negimentsarzt Dr. Stiaßny und viele andere. Vom Museum aus begab sich die Gesellschaft nach dem Restaurant T o n e l l o, in desien großem Saale bald eine sehr animierte Stimmung herrschte. Der Vorsitzende Baurat Stiaßny begrüßte die Versammlung und erteilte dem Präsidenten der Knltusgememde Doktor Alfred Stern das Wort, der in launiger Weise den Gefeierten beglückwünschte. Gemeinderat Dr. v. Dorn feierte Baurat v. Goldschmidt als langjähriges Mitglied dieser Körperschaft und hierauf erhob sich Oderregipenr Ritter ».Sonne nthal, uni einen von Julius Bauer verfaßten überaus humoristischen Toast vorzutragen. Dr. Vogler feierte den Jubilar als Freund, Hosrat Politzer namens der Gesellschaft des jüdischen Museums, Gemeinderat A l l m e d e r trank auf die Damen und Professor E h r m a n n leerte sein Glas auf das Wohl Meister Sonnenthals. Es sprachen noch Dr. Spitzer, Kommerzialrat S ch e f t e 1, Rabbiner Dr. R o s e n m a n n, und nun erhob sich der Jubilar, um in längerer Rede für die ihm dargcbrachten Ovationen zu danken. Um das Gelingen des schönen Festes haben sich die Herren Baurat Wilhelm Stiaßny und Emil I e l l i n e k besondere Verdienste erworben. prüstdentenmahl bei der fester Chewra-Kadischa. Bor einiger Zeit sah sich der verdienstreiche Präsident der Chewra-Kadiscba wegen langdauernder zerrütteter Gesundheit bemüssigt, seiner Ehrenstelle zu entsagen. Mit aufrichtigem Bedauern hat die Chewra-Kadischa dies zur Kenntnis genommen und nachdem jeder Versuch, Herrn Jacob B o s ch a n zur Rücknahme seiner Abdankung zu bewegen, vergebens geblieben, mußte die Chewra sich in das Unabänderliche fügen und zur Wahl eines Präsidenten schreiten. Zu dem Behufe' berief sie für den 27. Oktober d. I. eine außerordentliche Generalversammlung ein, die unter enormer Beteiligung der Repräsentanz im Prunksaale des Chewrahauses stattgefunden und einen festlichen Anstrich »hatte. Vizepräsident Emanuel I. Weiß eröffnete die Sitzung und teilte mit, daß der bisherige allgemein beliebte Präsident unwiderruflich zurückgetreten ist, was mit tiefstem Bedauern zur Kenntnis genommen wurde. Gemeindevorsteher Dr. Wilhelm Grauer ergriff nun das Wort, um rückschauend das edle Wirken B o s ch a n's in beredten Worten zu schildern und ihm den gebührenden Dank und Anerkennung zu zollen. Seinem Anträge zufolge wird dies im Protokolle zum Ansdrucke kommen. Sodann forderte Gustav G. Ehrlich die Versammlung auf, den für das verantwortungsvolle Amt eines Präsidenten in Aussicht genommeuen, sich der Hochachtung und Wertschätzung Aller erfreuendell Herren Julius W i n t e r b e r g, mittelst Akklamation zu wählen, was auch mit großer Begeisterung geschah. Vorsitzender enunziert die einhellige Wahl des Präsidenten und ersuchte, daß unter Führung des Hofrates Dr. Armin Neumann, Gemeindevorsteher Ludwig Adler, Tempelvorsteher Berth. H e r z m a n n, Synagogenvorsteher Direktor Arnold K o h n, kön. Rat Ladislaus Fürst de Maroth. Siadtrepräsentant Koloman D o s a u. A. den neugewählten Präsidenten von seiner Wahl verständigen und in die Versammlung geleiten mögen. Kurz darauf betrat der Neugewählte den Saal. Stürmische Eljenrnfe umbrausten ihn. Als Winterberg die Estrade betreten hatte, begrüßte ihn Vorsitzender Emanuel I. Weiß, worauf der neugewählte Präsident seine Jnstallationsrede hielt. Dieselbe war so erhaben schön, so formvollendet und so inhalts- und gedankenreich, daß wir sie an anderer Stelle wortwörtlich wiedergeben. Nichtendenwollender Beifall und Händeklatschen lohnte die nicht gewöhnliche oratonsche Leistung Winterberg's. — Dann wendete er sich an seinen Jugendfreund, an den Gemeindepräsidenten Hofrat Dr. Philipp Wein mann und ersuchte denselben, eingedenk des Frenndschaftsbandes, das diese beiden Herrn seit der Morgenröte ihres Lebens mit einander innig verbunden, möge er ihn auch jetzt, wo die Abendröte des Lebens sie umlenchtet, mit seiner Freundschaft beglücken und mit seinem Rate zur Seite stehen. Hofrat Dr. W e i n m a n n erwiderte, er werde sowohl seinerseits, als auch im Vereine mit seinen Vorstandskollegen sehr gerne dem Präsidenten der Chewra-Kadischa zur Seite stehen und dessen humanitäre Bestrebungen jederzeit mitfördern helfen. Winterberg habe zwar kein Programm entwickelt, doch ist seine großangelegte Rede, die soeben hier verklungen, und von so mächtiger Wirkung gewesen, schon an und für sich das denkbar beste Programm. Nachdem Dr. Emil Farkas noch den Antrag gestellt, es mögen sämtliche bei der feierlichen Installation des neuen Präsidenten gehaltenen Reden vollinhaltlich in's Protokoll ausgenommen werden, welcher Antrag angenommen wurde, verkündete Generalsekretär Dr. Franz M e z e i, daß Dr. Stefan Freund für das von der Chewra-Kadischa zu erbauende „Haus der Liebe" 100.000 Kronen gespendet hat, die als Stiftung den Namen seiner Eltern: Adolf Freund und Frau in der Männerabteilung ersichtlich gemacht werden soll, worauf die Sitzung geschlossen wurde. Hieraus pilgerren mehr als 120 Repräsentanten zum neugewühlten Präsidenten^ dem sie herzlichst gratulierten. * * * Antrittsrede des n engewählten P r ä s i d e n 1 e n der Pest er Chewra-Kadischa, I. Winterberg, in der am 27. Oktober 1907 abgehaltenen Generalv e r s a m m l n n g. „Geehrte Generalversammlung! Aus der abgeschlossenen Stille meines Lebens zieht mich Ihr Wunsch in neue Pflichtenkreise; mag es zu Nutz und Frommen sein! — Mein Erstes aber ist, Sie herzlich zu begrüßen und Ihnen für Ihr Erscheinen zu danken. Es hat mich Ihre Wahl auf diesen Platz beschieden und ich leiste diesem Rufe Folge — willig und freudig; willig, weil ich die Ehrung, die darin liegt in ihrem vollen Umfange würdige, freudig, weil die Einhelligkeit dieser Wahl mir einen manifesten Beweis Ihres Vertrauens bietet, wofür ich Ihnen danke. Ich betone „Vertrauen". Nur hievon kann die Rede sein; denn viel zu kurz ist die Zeit, die ich dem Verbände Ihres Vorstandes angehöre, daß ich auch etwas Ersprießliches hätte leisten können, kaum daß ich mich in der Gebahrungstechnik einigermaßen umschaute. Aber Eines habe ich selbst in dieser kurzen Epoche genügend und gründlich erfahren — daß im Schoße dieser Körperschaft redliche, gute Arbeit geleistet wird mit hingebendem Fleiße und opferfreitdiger Treue. Vom Berufspersonale, unseren externen Mitarbeitern, unseren so sehr geschätzten Vertrauensmännern, in ansteigender Linie bis hinauf zu der intellektuellen Leitung und Führung ist Jeder bemüht, sein Bestes zu tun, Jeder nach seiner Art, Jeder nach seinem Können. Und fürwahr ein reiner, ein edler Eifer muß es sein und eine heilige Triebkraft, die hier fördernd eingreift, denn an der Schwelle dieses Hauses tritt die Selbstsucht zurück, hier wachsen keine Ambitionen, hier winken keine äußeren Ehren, noch viel weniger äußere Vorteile, hier geschieht das Gute um der Guttat willen, um Gotteslohn, und die Chewra Kadischa kann weit berechtigter als andere sagen, ihr Streben ziele einzig und allein ad majorem dei glori am. Geehrte Generalversammlung, vielliebe Freunde, denn solche nur erblicke ich, soweit ich Umschau halte in diesem Saale, Sie gestatten mir eine anspruchslose Aussprache von Mund zu Mund, von Herz zu Herzen, keine Programmentwicklung, keine Zukunftsversprechen, das schiene mir zu frostig und gering für diesen Fall, ich bringe Ihnen gerne, was ich kann, Sie habeü Nachsicht damit, was mir fehlt. Tief in unser religiöses Gefühl schlägt die Chewra Kadischa ihre Wurzel, dies alte Mutterhaus zieht uns mächtig und gewaltig an, es ist so alt, ehrwürdig, schier historisch im Gepräge — ein Ahnensitz, bei dessen Betrachtung uns kindliches Erinnern