Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 33 (23.8.1907)
- Date
- 1907-08-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 11. Nr. 33. Die Wahrheit , Bukarest. Am 28. Juli hat die erste Gruppe rumänischffjüdischer Auswanderer mit der Londoner Unterstützung der „Jto" und des „Emigratiyn-Regulation-Departement" das Land verlassen. Die Auswanderer rrafen in Bremen mit der vierten Gruppe russisch-jüdischer Auswanderer .zusammen. Mit der Vorbereitung und der Ausrüstung der jüdischen Auswanderer in Rumänien ist der Vertreter der „Jto" in Rumänien, Dr. Oskar Nacht in Jassy, betraut. In zwei Wochen wird eine zweite und nach den jüdischen Feiertagen im Herbste eine dritte Gruppe jüdisch-rumänischer Emigranten auswandern. Paar!. (Südafrika.) Ueber Einladung der „Hebräische» Konversations-Gesellschaft" hielt Mr, Gold b lat t, Herausgeber des „Jewish Advocate" aus Ca s e To w n eine Vorlesung. Der Saal war zum Erdrücken voll. Als Thema ivählte er : „Was ist unsere dringendste Notwendigkeit?" und beantwortete diese Frage im Sinne der „Territorialistischen Organisation": „Zu find en ein Land für diejenigen, welche in ihren gegenwärtigen Aufenthaltsorten .nicht bleiben können, oder nicht bleiben wollen. Mister Goldblatt betont, daß der Ruf — einen autonomen Judenstaat zu errichten — i n naher Zukunft erhört sein wird, und jedermann wird dann die Pflicht haben, das Seine beizutragen. Die Zionisten -können unbesorgt sein. Wenn Palästina erreichbar sein wird, werden sich noch Menschen genug finden, es zu bevölkern; doch dürfen sie auch nicht vergessen, daß Palästina für jene bis jetzt unerreichbar war, die einer Hilfe bedurften. Uerlchiedene Nachrichten. Wien. Anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers fanden in allen Synagogen und Bethäusern Festgottesdienste statt, in welchen die Bedeutung des Tages iu würdiger Weise zum Ausdrucke gelangte. Ein zahlreiches Publikum wohnte diesen Feierlichkeiten bei. Wien. Am 20. d. M. fand von der Zeremonienhalle des Zentraliriedhofes das Leichenbegängnis des Leiters des Polizeikommiffariates Hernals, Polizeirat Heinrich W e l l i m, statt. Der Tranerfeier wohnten bei Oberbeamte der Polizeidirektion mit den Beamten des Kommissariates, die Familienangehörigen und viele Freunde des Verblichenen. — Am selben Tage wurde der am 16. d. M. nach langjährigem Siechtum in Baden verblichene, hochverdiente ehemalige Bezirksrat und kais. Rat Herr Leopold S ch o st a l unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Oberkantor Singer exekutierte die üblichen Trauergesänge und Öberrabbiner Dr. G ü d e m a n n widmete dem Verblichenen einen ehrenden Nachruf. Znaim. Anläßlich des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers fand Samstag, den 17. d. M., im Tempel der isr. Kultusgemeinde ein solenner Festgottesdienst statt. Unter den Festgästen bemerkte man Bürgermeister Dr. H o m m a, Vertreter der hiesigen Garnison, des Bezirksgerichtes, den Vorstand der Kultusgemeinde unter Führung des Vorsteherstellvertreters Dr. Sigm. R o s e n f e l d, den Obmann der Chewra Kadischa David 'Schlesinger, die Präsidentin des isr. Frauenvereines Frau Louise Brüll. Die Feier begann mit der Aufführung, des großen Halleluja von S. Sulz er vom gemischten Chor, Orgel, nebst ausnahmsweiser Mitwirkung mehrerer bewährter Musiker der städtischen Kapelle. Bei den Solis kam die hübsche, angenehme Stimme, der Vortrag des Kantors S. H a n d g r i f f in ausgezeichneter Weise zur Geltung. Tie Festrede hielt Ehrw. Rabb. Dr. I. Kahan, welche auf die zahlreich erichienenen Festgäste tiefen Eindruck machte. Um das Arrangement des Festgottesdienstes hat sich Borsteherstellvertreter Dr. R o s e n f e l d besonders verdient gemacht. Die musikalische Leitung hat Frau Dr. Kahan aus Gefälligkeit ausnahmsweise übernommen und wurde ihr von Seite des Kultusvorstandes durch ehrende Zuschrift vollste Anerkennung ausgesprochen. Luhatschowitz. Im hiesigen isr. Bethause wurde anläßlich des Geburtstages unseres Kaisers ein Festgottesdienst, an welchem viele Kurgäste teilnahmen, abgehalten. * Heber Ersuchen des Komitees hat der hier zur Kur weilende Herr Kantor G o l d m a n n aus Brünn die Funktion übernommen und fand derselbe durch seine schön geschulte Stimme und Vortrag allgemeine Anerkennung. Budapest. Ungarns gekrönter König vollendete in voller Rüstigkeit am 18. August d. I. sein 77. Lebensjahr. Der Geburtstag des erhabenen Monarchen ist für die vielen Millionen seiner loyalen Untertanen ein Freudentag allerersten Ranges und ein Landesfeiertag, an welchem sich alle Gotteshäuser der verschiedenen Kulten weit öffnen, um die Andächtigen in sich aufznnehmen, die herbeiströnien, um zum Könige aller Könige inbrünstige Gebete für das Wohl des allverehrten und segenvoll wirkenden Landesvaters empor zu senden. Daß die Bekenner des Mosaismus mit den Andersgläubigen in der Liebe zu ihrem glorreich regierenden Herrscher wetteifern und ihnen darin nicht nachstehen, braucht nicht erst betont zu werden, das ist bekannt und anerkannt. In allen Tempeln und Synagogen des ungarischen Israel fanden offizielle Festgottesdienste statt und auch die Bethäuser veranstalteten Privatfeierlichkeiten. In der ungarischen Hanvt- und Residenzstadt besorgte im großen Tempel Oberrabbiner kön. Rat Dr. Samuel K o h n die Festrede. Derselbe wohnte auch dem Galadiner beim Ministerpräsidenten Dr. Alexander Weckerle bei. Im Altofner Tempel hielt Oberrabbiner Dr. Elias Adler die Festbetrachtung. Patriotische Kanzelreden hielten noch im Ofner Haupttempel Oberrabbiner Dr. Arnold Kiß und in Ujpest im dortigen Tempel Oberrabbiner Dr. Ludwig B en e t ianer. Im orthodoxen Tempel sprach vor offenem Tabernakel Oberrabbiner Koppel Reich ein tiefempfundenes Gebet für den Gesalbten Gottes. Sämtliche Gotteshäuser waren glänzend beleuchtet und festlich geschmückt. Es versammelten sich daselbst die Rabbinen, die Führer und Leiter der Gemeinden und zahlreiche Andächtige. Alle beseelte nur der eine Wunsch: Gott erhalte Franz Josef I., den Gütigen, noch lange, recht lange! v. H. 8. Budapest. Jüngst hat die Gutsverwaltung des Csanader Bistums bekannt gegeben, daß sie auf ihrer Leleer Niederlassung Arbeiter zu stabilisieren gedenke, die jedoch ausschließlich dem katholischen Glauben angehören müssen. Diesen Vorgang hat, mit Ausnahme der ultramontanen Blätter, die gesamte Presse als Intoleranz stigmatisiert. Die.bischöfliche Gutsverwaltung, welcher offenbar diese gerechte Rüge nicht genehm war, hat nun an die Journale von Temesvar folgende Erklärung gesendet: „Mit Bezug auf die Angelegenheit des Baues von Arbeiterwohnungen des Csanader Komitats wird von der bischöflichen Aula in Temesvar folgendes erklärt: „Die bischöfliche Gutsverwaltung hat an den Bizegespan des Csanader Komitats eine Zuschrift gerichtet, in welcher sie der Hoffnung Ausdruck gab, daß ihr Wunsch, auf der Niederlassung in der Gemeinde Lele im Winter ausschließlich katholische Arbeiter zu stabilisieren, zu keinem Mißverständnisse Anlaß geben wird, weil diese Arbeiter in erster Reihe auf Beschäftigung Anspruch erheben können. Abgesehen davon, daß die bischöfliche Gutsverwaltung verpflichtet ist, in erster Reihe katholische Arbeiter zu beschäftigen, ist es zweifellos, daß die Niederlassung von Arbeitern anderer Konfessionen den übrigen Arbeitern Lasten aufbürden würden (?) und daß die Arbeiter anderer Konfessionen in religiöser Beziehung verkommen müßten, weil dort Niemand wäre, der für ihr Seelenheil Sorge tragen könnte (!)" Auf diese Zuschrift hat der Bizegespan bisher nicht geantwortet. — Es genügt wohl einfach zu konstatieren, daß die kuriose Zuschrift der bischöflichen Gutsverwaltung die gegen diese erhobene Beschuldigung der Intoleranz als in jeder Hinsicht begründet erscheinen läßt. 8. Budapest. Als im Vorjahre der Generalmajor Ritter von Schweitzer in Pension ging, glaubte nian, daß es in der österr.-ungar. Armee keinen General mehr gebe, welcher dem Judentum anqehört. Jüngst brachte das Armee-Verordnungsblatt die Ernennung des Obersten Ritter von Eiss zum k. und k. Generalmajor und nun glaubte man. daß dieser der einzige jüdische General der gemeinsamen Armee sei. Herr Peter B o s ch a ii aus Budapest, welcher zur Zeit in Ischl weilt, teilt nun dem „Egyeulössg" mit, daß der Brigadier von GyulafehsrvLr (Karlsburg) Heinrich Ulrich Edler von Trenkheim ebenfalls dem Judentum angehört. Dessen Gemahlin ist die Tochter des kais. Rates Mandl, einstigem Präsidenten der Brünner Jsraelitengemeinde. Eine Neffe des Generals. Severin Ulrich, ist Oberstleutnant und dabei ein treuer und strenggläubiger Sohn Israels. v. H. 8. Berlin In der letzten Gesamtsitzung der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften berichtete Prof. Dr. S a ch a u über drei aramäische Papyrusurkunden des Königlichen Museums in Berlin und legte dieselben in hebräischer Umschrift, Uebersetzung und Kommentar vor. Die Haupturkunde, die in zwei Exemplaren vorhanden, ist ein Schreiben der Vertreter der jüdischen Gemeinde in Elephantine an den Statthalter von Judäa, datiert vom Jahre 407 v. Chr. Geb. Die Schreiber ersuchen den Adressaten um seine Hilfe zur Erlangung der Erlaubnis für den Wiederaufbau ihres 410 zerstörten Gotteshauses. Die dritte Urkunde berichtet von dem Erfolg der Pention. Im einzelnen werden die sprachlichen und sachlichen Berührungen dieser Urkunden mit den jüngsten Geschichtsbüchern des Alten Testaments, den Büchern Esra und Nehemia, nachgewiesen. Berlin. Eine interessante Statistik der I u d e n m i s s i o n bringen konservative Blätter. England steht in der Judenmission weit voran. Es hat nicht weniger als 666 Missionsarbeiter und verwendet jährlich über 2,000.000 Mark für das Werk. Deutschland steht weit zurück, obwohl es die dreifache Zahl der Inden hat, denn die deutschen Judenmissionsgesellschaften haben nur 2l Arbeiter und einen Jahreshaushalt von 90.000 Mark. Auf die Schweiz kommen zwei Gesellschaften mit vier Arbeitern und 40.000 Mark, auf Frankreich vier Arbeiter und 8000 Mark, auf die Niederlande drei Gesellschaften mit fünf Arbeitern und 15.000 Mark, auf Dänemark eine Gesellschaft mit drei Arbeitern und 4000 Mark, auf Schweden und Norwegen drei Gesellschaften mir 20 Arbeitern und 72.000 Mark, auf Rußland drei Vereine mit drei Arbeitern und 14.000 Mark. In Nordamerika gibt es dagegen 50 Judenmissionsgesellschaften mit 150 Arbeitern mir einer Jahreseinnayme von 180.000 Mark. Die evaligelische Judenmission weist also etwa 880 Arbeiter auf und verfügt jährlich über mehr als 1V2 Millionen Mark. Worms. Die der hiesigen aus dem X. Jahrhundert stammenden Synagoge anfangs des XVII. Jahrhundert angegliederte Raschikapelle, die außer dem in die Umfassungsmauer eingelassenen steinernen Sitz des berühmten Gelehrten viele wertvolle Pergamente und mit der Geschichte der Wormser jüdischen Gemeinde in Beziehung stehende Reliquien enthält, muß auf Anordnung des hessischen Denkmalrats zum Teil niegergelegt und rekonstruiert werden, um dem drohenden Verfall zu entgehen. Hamburg. Hamburg-Amerika-Linie.) Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagierdampfern finden statt: Nach Newyork: Schnellpostdampfer Deutschland 15./8., die Postdamvfer: Patricia 17./8., Kaiserin Auguste Victoria 22./8, President Lincoln 24.,8., Blücher 29./8., Graf Waldersee 31./8., Oceana 4./9., Amerika 5./9, Pennsylvania 7./9., Batavia 11./9. Nach Boston: Die Postdamvfer: Macedonia 20.,8., Bethania 31./8. Nach Baltimore: Die Postdampfer: Macedonia 20./8.. Bethaina 31./8. Nach Philadelphia: Die Postdamvfer: Andalusia 17:/8., Arcadia 27/8. Nach Neworleans: Postdampfer Granada 2.;9. Nach Westindien: Die Postdampfer: Cheruskia 16.-8/ Calabria 24.,8., Syria 27./8., Patagonia 1./9. Nach Mexiko: Die Postdanlpfer: Schaumburg 17./8., Westphalia 20./8., Allemania 28./8. Nach Ostasien: Die Postdampfer: Brisgavia 16./8., Hohenstaufen 20./8., Senegambia 25./8., Sithonia 30. 8. Arabisch-Persischer Dienst: Die Postdampfer: Canadia 15./8., Affyria 24./8.