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Die Wahrheit · 1907-08-16 · Heft 32 (16.8.1907) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 32 (16.8.1907)
Date
1907-08-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Xebnfliou ii. Slbmiiiifliaiion: üMeit, 11/, VU'varaqassi: 27. L-Iephuii Nr. bcr Druck-r-i I53UL. Anl'rratr Die viermal geipaltene Sionvareille-Zeile 25 Heller. Slbon»ci»c»lSu. Jiiicilious-!'errä>ie sind in aUten zahlbar und klagbar. Unabhängige Aeitschrift für jüöische Interessent Erscheint jeden Kreitag. Motto : „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ | Kezugsrnreis-: : Äaiizjävri^ ... ff. 14 — | Halbjährig . . ff. 7.— I Für Lultnsbeuiittr: jj ^»>„zjährig ... ff. 10.- Fnr NuSlond: '^»Iijiahrig . . . -> Mart 6 Rubel aber lü FcS. Kr. 32. Wien, 16. August 1667 Inhalt: Aus der Woche. — Die „Arbeiter-Zeitung" gegen Dr. Güdemann. — Hofrat Theodor Gomperz. — Die Juden in England und das Oberhaus. — Vom Zioniftenkongreß im Haag. — Das nationale Judentum. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Heimweh. Ans der Woche. Wieder Einer! Wieder ist eines der geistigen Häupter des Antisemitismus, K r u s ch e w n n. als gemeiner Dieb und Defraudant entlarvt worden. Kruschewan hat sich nie mit Kleinigkeiten abgegeben. So wie er die Judenhetzen, unterstützt von einer gewissenlosen, pflichtvergessenen Bureaukratie und einem zu jeder Scheußlichkeit bereuen, blutrünstigen Mob, im großen Style arrangierte, so bat er auch im großen Style gestohlen. 300.000 Rubel! Kruschewan reiht sich nun auch durch sein gemeines Verbrechen würdig der großen Gemeinde antisemitischer Häuptlinge an, die den Antiseniitismus und die Gaunerei, den einen angeblich zum öffentlichen Wohle, die andere aus innerer Neigung kultivierten. Die Geschichte des Antisemitismus in Oesterreich zeigt uns, wie häufig der mörderische Judenhaß mit der beispiellosen Skrupellosigkeit über Mein und Dein verbunden ist. Man kann eine nette Verbrecher-Galerie zusammenstellen, in welcher illustre antisemitische Führer hervorleuchten. Die Wiener Antisemiten haben früher, wohl um Herrn Vergani zu schmeicheln, diesen den Kruschewan von Wien genannt. Wir wagen es nicht zu behaupten, daß das „Deutsche Volksblatt" die frappierende Aehnlichkeit zwischen den Beiden auch in dem Momente noch betonen wird, wo Kruschewan als 300.000 Rubel-Defraudant erscheint. Herr Vergani erinnert sich allerdings auch in diesen für Kruschewan so bitteren Tagen feiner, sagen wir — Obligation, dem ins Unglück geratenen Antisemiten hilfreich beizustehen. Im „Deutschen Volksblatt" ist die ganze 300.000 Rubel-Affaire unterschlagen. Für die Wiener Antisemiten, die nur das Verganiblatt lesen, ist Kruschewan heute noch gerade ein solcher Ehrenmann, wie. . . nun, nomina sunt ocliosa. Wir müßten auch zu viele Namen nennen. * * * Apropos. Da wir gerade von antisemitischen Defraudanten sprechen: Dieser Tage war, wenn wir nicht irren, bloß im „Vaterland" folgende Rotiz zu lesen: Begnadigung eines Wiener Advokaten. Die Krakauer Zeitungen berichten, daß der Wiener Hof- und Gerichtsadvokat Josef Ritter v. Lubicz-Orlowsky, der im Jahre 1904 von den Wiener Geschwornen wegen Betruges schuldig erkannt und vom Gerichtshöfe zu vier Jahren schweren Kerkers verurteilt worden war, wegen seines guten Verhaltens in der Strafanstalt Stein begnadigt wurde und ihm der Rest der Strafe uachgesehen worden sei, so daß er schon dieser Tage aus der Strafhaft entlassen werden wird. Wer der Ritter von Orlowsky sonst war, wird in dieseri Notiz nicht mit einem Sterbenswörtchen angedemet. Undankbares „Vaterland"! Wir wollen das Versäumnis gut machen und kurz daran erinnern, wer der edle Manu war, der jetzt Stein verläßt. Orlowsky war sozusagen der Vergani von Krakau. Er hatte dort eigens zur Bekämpfung der ..jüdischen Korruption" ein Blatt begründet, welches unausgesetzt aus die Inden schimpfte, sie als Betrüger, Erpresser, Schädlinge der Gesellschaft kennzeichnete und nebenbei — allerlei Pauschalien von „jüdischen" Instituten sich gefallen ließ. Der Manu hatte weniger Glück als Vergani mit seinem Blatte, er verlor in Krakau den Boden unter seinen Füßen und ging nach Wien, wo Leute seinesgleichen, die herrlichste Karriere machten. Orlowsky hatte Pech. Er kam wegen ein paar kleiner Betrügereien mit dem .Strafgesetze in Konstikt und der Staatsanwalt machte durch einen notgedrungenen harten Griff allen seinen volksbeglückenden Znkunftsträumeu ein Ende. In Stein hat sich Orlowsky, wie man nun erfährt, vortrefflich benommen. Ja in Stein! Dort haben sich auch andere hervorragende Antisemiten in ganz einwandfreier Weise aufgeführt. * * * Von Kruschewan, von Orlowsky spricht das Verganiblatt nicht. Aber mir dem „Juden" Hertzka füllt es täglich die Spalten seines Blattes, um aus dem Verbrechen eines verworfenen Individuums eine blindwütige Hetze gegen alle — Juden herauszuschlagen. Dieses Treiben ist ebenso infam als gefährlich, denn die Leser des „Deutschen Volksblattes" sind nur zu geneigt, dem Wahnsinn zu huldigen, daß alle Juden dafür verantwortlich gemacht werden müssen, wenn einer sich einer verbrecherischen Schandtat schuldig gemacht hat. Der Staatsanwalt stört dieses infame, volksvergiftende Treiben nicht, wohl in der optimistischen Annahme, daß diese Kampfmethode, wegen ihrer Albernheit und Verlogenheit nicht ernst genommen werden dürfe. Leider ist der Mob, wie die Juden es so oft schaudernd erfahren, nur zit häufig ganz anderer Meinung. * * * Was würde der Staatsanwalt aber dazu sagen, wenn irgend ein „liberales" oder gar „jüdisches" Blatt auf den vermessenen. tollen Einfall käme, von einem Verbrecher, der Christ ist, Schlüsse auf seine Religion, seine Glaubensgenossen rc. zu ziehen. Und es gibt sogar „religiöse" Christen, die ihren verbrecherischen Instinkten folgend, Mordtaten begehen. In der Berliner Wochenschrift „Das Blaubuch" — die nicht von Juden redigiert wird — ist ein interessanter Aufsatz über Hau, den Helden einer der schrecklichsten Mordaffairen, veröffentlicht worden,

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