Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 31 (9.8.1907)
- Date
- 1907-08-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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X ... V-i , * Seite 8. -Die Wayrtieu - - Nr. 31. reichen Glückwunschschreiben, die . dem Künstler bei diesem Anlsffezugingen, ist.das bemerkenswerteste das des Generaldirektors der kgl. Museen, .des Herrn' Gehrimrats Wilhelm Bod e, in dem es heißt/ daß Wir - in Liebermann den rrsten deutschen Maler der Gegemvart zu ehren haben. Mannigfache Betrachtungen ließen sich an dieses Urteil-' ichüpfm.. Man-;»»«&. -dabei auch einigermaßen an die biblische Historie vou Bileam erinnert. Aber für uns bleibt es immerhin.nach fo vielen Zurüch'etzungen und Enttäuschungen ein Gefühl berechtigten Stolzes/ daß der erste deutsche Maler der Gegenwart ein Jude ist. Magdeburg. (K uno Fis ch er ü b:c r T r e i ts ch k e.) In seinen anläßlich des Ablebens des großen Gelehrten in der ,-Magdb. Ztg." veröffentlichten „Erinnerungen eines Schülers" schreibt Justizrat Schubert- Stendal: „Kuno Fischer, der damals, wie er mir selbst erzählte, sich um die Tagesereignisse wenig oder gar nicht bekümmerte und nicht einmal eine Tageszeitung las, erfuhr durch mich, da ich ja in Berlin am Herde der Bewegung saß, zuerst Näheres über den Stand der Berliner antisemitischen Bewegung und über die Beteiligung Treitschkes daran. Ich besaß die Streitschriften Bambergers und Treitschkes und lieh sie ihm. Treitschkes Schrift fand Fischer recht schwach; er bemerkte treffend : Treitschke nehme mit der einen Hand, was er mit der anderen gebe; sein mit allem Ernst und Vorbedacht getaner Ausspruch: es sei der allgemeine Ruf : Die Juden sind unser Unglück — müsie unbedingt verurteilt werden. Treitschke war ihm auch sonst nicht sympathisch. „Ich bin selbst Preuße," sagte er, „und, wie ich meine, guter Patriot. Doch das Wesen, welches sich gebärdet, als habe die Weltgeschichte von Anbeginn an nur Preußen im Mutterleibe getragen, ist mir zuwider." Ich konnte später in den Vorlesungen wiederholt bemerken, wie Kuno Fischer mit offenbarer Absicht zur Toleranz mahnte." Hamburg. Die Hamburg-Amerika Linie meldet: Nordamerika: D. A r c a d i a, von Newyork kommend. 1. August 6 Uhr 35 Min. nachm. Scilly passiert. D. B a d e n i a, 1. August 2 Uhr nachm, von Newyork nach Boston. D. Barcelona, nach Philadelphia, 1. August 9 Uhr 30 Mm. morgens Dover passiert. Schnelldampfer Deutschland von Newyork kommend, 1. August 9 Uhr 50 Min. abends auf der Elbe. W e st in dien, Mexiko, Südamerika: D. Bavaria, nach Westiudien, 1. August 2 Uhr morgens von Havre. D. Constantia, von Westindien kommend, 1. August 2 Uhr morgens von Havre. D. F ü r st Bismarck, von Mexiko und Havana kommend, 2. August 12 Uhr 30 Min. morgens von Plymouth. D. König Wilhelm H., nach dem La Plata, 2. August 12 Uhr 30 Min. morgens von Southampton. D. M a c e d o n i a, von Mittelbrasilien kommend, 1. August 9 Uhr morgens in Rotterdam. D. Nicaria, nach der Westküste Amerikas, 1. August 8 Uhr abends Cuxhaven passiert. D. P a t a g o n i a, 30. Juli von St. Thomas über Havre nach Hamburg. O st a s i e n: D. B e l g r a v i a, auf der Ausreise nach Ostasien, 1. August 9 Uhr 50 Min. morgens Cuxhaven passiert. D. S c a n d i a, 31. Juli in Shanghai. D. Senegambia, aus der Heimreise von Ostasien, 1. August 5 Uhr nachm, von Antwerpen nach Hamburg. | Verschiedene Fahrten: D. Hoerde, 1. August morgens! in Narvik. D. S i c i l i a, nach Persien, 1. August in Port Said. Feuilleton. Keimweh. In der Stadt Marmaros-Sziget, der Capitale des gleichnamigen Komitates, herrschte am 8. Juli des Jahres 1808 reges Leben. Es wurden die Vorbereitungen für den Montag beginnenden Peter-Pauls-Markt getroffen. Schwerbepackte Wagen langten an, die Marktfieranten belegten ihre Standplätze und sicherten sich Unterkunft in den Einkehrhäusern. Das an der Peripherie der Stadt gelegene Einkehrhaus „Zur Sonne" in der Breitegaffe des Chajim Lebenstein hatte zahlreichen Zuspruch. In dem großen Hofe und dem vorgebauten Schuppen standen die Marktwagen, im Wirtshause saßen die Marktfieranten, Handwerker und Landleute an den großen Tischen bei Speise und Trank, die Zigeuner spielten lustige Weisen auf und der sammelnde Zimbalos^) erntete reichlichen Obolus. In der rückwärtigen Stube saßen die Viehhändler und Kaufleute und ließen sich die von Frau Rochel zubereiteten Speisen und den guten Hegyallyaer Wein wohl schmecken, manche arrangierten dann ein Tartel- oder Klabriasspielchen und viele begaben sich gegen Abend in die bestellten Schlasräume. Reb Chajim, sein Sohn Lebel, seine Tochter Resel, sein Neffe Schlome und der Kellnerbursche hatten vollauf zu tun, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Lebel, der die Zahlungen entgegennahm, hatte stets seine Hosentaschen mit Silber- und Kupfermünzen, seine Brieftasche mit Banknoten voll, so daß Reb Chajim, der sie zur Aufbewahrung übernahm, öfters in die Wohnstube gehen mußte, um das Geld abzulegen. i) Zimbalschläger. . Schon, bei anbrechender Dämmerung begann am Montag. , das lärmende Markttreiben, das besonders noch dadurch erhöht wurdedaß ,dieser Tag auch, ein.Werbungstag war!. Zu jener : Zeit wurden nämlich die Soldaten nicht so wie heute, als wehr-; pflichtig ausgehobensondern angeworben. - Die Werbungskommission war tagsvorher unter Leitung eines Hauptmannes mit einem Auditor, Feldscher, 20 Palffy- Husaren und ebensoviel Palffy-Bakancsos'*)' eingerückt und die Kanzlei wurde im Stadthause installiert. Bor dem Stadthause war eine mit Plachen gedeckte Hütte aufgeschlagen, in der die Kommission platzgenommen hatte. Auf einem großen Tische lag das Werbüngsprotokoll, sowie ein Haufen Zwanziger als Werbungsgeld. In der anstoßenden Hütte saßen die Soldaten bei ' Speise und Trank, sangen Soldatenlieder und die Musikbande spielte die Volkshymne „szöszat“. Die Soldaten bemühten sich, unter den Umstehenden und Vorbeiziehenden, junge Männer anznwerben, indem sie ihnen mit dem Ausrufe: „Mjen a haza, eljen a kiräly“2) zutranken und den Handschlag entgegennahmen. Der Angeworbene wurde ins Werbungsprotokoll eingetragen, der Freiter führte ihn dem Feldscher vor, richtete ihm, falls er tauglich befunden wurde, die Soldatensrisur her und gab ihm dann die fünf Zwanziger Werbungsgeld. Gegen 11 Uhr, als das Gewoge des Marktes den Höhepunkt erreicht hatte, arrangierte der 8ztraz8ame8ter^) den Werbuugszug. Voran die Banda, den Verbinskos- und den Rakoczymarsch spielend, mischten sich die Soldaten, mit Weinflaschen in den Händen, unter das Volk, spähten nach jungen Männern aus, um sie anzuwerben, und besuchten alle Gasthäuser und Schenken.! So kamen sie auch in das Gasthaus „Zur Sonne" in der Breitegasse. Dieses war voll gepfropft. Der Zzkrazsarusstsu ließ sich mit seinen Leuten in eine Ecke nieder, bestellte Wein, die Banda spielte Patriotische Stücke und der Primgeiger pro-! duzierte sich mit dem repnl fecske (Solo von Remenyi). Als! sich mehrere junge Leute, darunter auch der Schmied Pista, angeworben hatten, kommandierte der 8ztrüz8ame8ter zum Aufbruch. Schon lange hatte er Lebel wohlgefällig betrachtet, seine hochgewachsene Gestalt, sein schönes Mannesantlitz entlockte ihm ein schmunzelndes Lächeln, und seine Faust dröhnend auf den Tisch schlagend, rief er: „Fmk, ezt a szep Zsidöifjnt meg keil käpni!u 4) Lebel, der wie der Blitz kam und verschwand, erschien auf > den Ruf fizetni5), der sztrazsamester umklammerte seinen | Arm, Pista setzte ihm gewaltsam das Weinglas an die Lippen, ein Soldat öffnete ihm die Hand und auf die Fläche schlagend und „eljen a kiraly, eljen a haza“ ausrufend, schrie er: „No8b a mienk“.6) Auf einen Wink des 8zträz8amesten bildeten die Soldaten ein Carre um die Angeworbenen, der 8ztrüz8ame8ter und Pista zogen Lebel gewaltsam mit sich, die Banda voran, bewegte sich der Zug zur Türe hinaus und zog unter Spiel und Gesang dem Stadthause zu. Nach der üblichen Prozedur wurde Lebel als tauglich befunden und von dem Freiter seiner schönen Locken und seines noch jugendlichen Bartes beraubt. Die Rekruten wurden in den Hof geführt, das Tor wurde abgesperrt, ein Tisch aufgestellt, daraus zwei brennende Kerzen und ein Kruzifix, und die Fahne wurde entrollt. Der Lapitano erklärte den Schwur, hervorhebend, daß das Desertieren mit Pulver und Blei bestraft wird, und forderte die Rekruten auf, die zwei Finger zu erheben und den Schwur nachzusagen. In die Wachstube zurückgeführt, wurden sie mit Speise und Trank bewirtet. - Lebel setzte sich in eine Ecke und starrte-die Hände gefaltet, mit weit aufgerissenen Augen das wüste Treiben der Soldaten an und verschmähte alle Anerbietungen von Ssteise und Trank, was den Spott der Soldaten hervorrieft-s (Fortsetzung folgt.) *) Infanterie. J; -; 3) Es lebe das Vaterland, es lebe der König/ 7 ' 3) Wachtmeister. ",V; *) Kinder! Diesen schönen^Jud?njüngling müssen'wir erwischen.. 6). zahlen. :^ r i;! 7;:;v - . ■ ®) Jetzt gehört er uns. : -:v. ■% > 1 ■!«MH