Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 26 (5.7.1907)
- Date
- 1907-07-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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akrchsit Redaktion ». Adunuistialion: Wien, 11/, Rvvailiqciii'L *27. Yrlfpbim Rr. der Diuctrr-l Anakhängige Aeitschrift für jü5ische «Vanzjäyriq . . . Jt 14.— Haldjähria . R. 7 — 15S02. ünlfvatc Interessent Für Cilltnsbemitte: Die viermal gespaltene Nonvareille-Zeile 25 Heller. l ^»„»iädria R. 10.- Erscheint jeden Kreitng. Abonnementsu. Injei ttons- Für Aiislnild: beirn , e iiild in vvie» ,ablbar «»nnziatirig ... 8 Mark im» klagbai. Motto: „Das Siegel (4ottes ist Wahrheit!“ 6 Rubel oder ><J Fc«. Jlv. 26 1907. Inhalt: Aus der Wvche. — Ein Reisegespräch. — Amerikanischer Brief. — Literarische Notiz. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Alt Marjim Z)ie geehrten Kerren Abonnenten werden um j umgehende Erneuerung des Abonnements durch Gin-! sendung des Aöonnementsöetrages für das am; 1. Juli begonnene III. Quartal ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Mattes Leine! Unterbrechung erleide.! Abonnements-Bedingungen:! Kalvjährig Kr. 7.—, Merteljährig Kr. 3.50. j An unsere geschätzten Mitarbeiter richten wir die! Bitte, Manuskripte und sonstige redaktionelle Mitteilungen an die Adresse unseres Chefredakteurs, I. Wipplingerstraße 19, zu senden. Die UedaLtion. Ans der Woche. Nun hat auch Herr Bielohlawek eine hohe Auszeichnung erhalten: die eiserne Krone HI. Klasse. Dieser Hetzer und Schimpfer 1. Klasse braucht sich nickt mehr vor seinen gleichwertigen Kollegen zu schämen. Wenn Berg ani kaiserlicher Rat und Geßmann Hofrat wird, dann verdient auch ein Bielohlawek seinen hohen Orden. Das Wort des Evangeliums: „Hütet Euch vor den Gezeichneten!" müßte aber jetzt in gewissem Sinne ein wenig geändert werden: „Hütet Euch vor den — Ausgezeich neten!" Die Kulturpolitische Gesellschaft in Wien hat eine Enquete veranstaltet, in welcher Gymnasiasten und Realschüler der höheren Klassen zu Wort kommen. In einem Fragebogen wurde an sie n. a. die Anfrage gerichtet, was man sie über Heine in der Schule lehrte. Ans den Antworten möchten wir hier, da sie ein ungemein bezeichnendes Licht auf die Verhältnisse in Oesterreich werfen, einige mitteilen: Gymnasiast (8. Klasse) Wien: „Heine wurde beschimpft." Gymnasiast (7. Kl.) Wien: „Heine nach Aussage des Deutschprofessors ein Schwein." Ein 18jähriger Maturant antwortete: „Heinrich Heine existierte in unserem Lesebuche nicht". Ein Schüler stellte einmal die Frage an den Professor, woher das komme. Dieser antwortete: „Nun, wissen Sie nicht, daß Kummer und Stejskal gut katholisch gesinnt sind?" Schüler: „So ist also das, was den Schülern beigebracht wird, vom Verfasser abhängig?" Professor: „Nun ja, gewiß." — Unter den Beantwortungen ehemaliger Gymnasiasten lautet eine inbezug aus Heine: „Man sagte uns über Heinrich Heine: daß er ein Jude war." Wir erhalten folgende Zuschrift: Die „Deutsche Zeitung" hat ein langes Feuilleton über das Drama „Der Gott der Rache" von Salom A s ch veröffentlicht, welches auch dem beschränktesten Antisemiten — wenn er einer vernünftigen Erwägung überhaupt noch zugänglich — klar machen müßte, daß die antisemitischen Schreiber wohl nur mit den greifbarsten Lügen gegen die Juden hetzen können, denn sonst würden sie sicherltch zu raffinierteren, minder durchsichtigen Mitteln ihre Zuflucht nehmen.! In dem Feuilleton wird nämlich u. a. behauptet, daß n n r bei! den Juden eine moralische Ausfasiung denkbar sei, welche znläßt, > daß Jemand mit Sündengeld ein frommes Werk fördert, oder daß er den Segen Gottes zu einem häßlichen, unsittlichen Unternehmen ersteht. Der Autor des Feuilletons begeht allerdings nebenbei die kleine, oder richtiger gesagt, die große Lumperei, daß er die Absichten eines jüdischen Autors, der in der Hauptfigur seines Stückes einen Juden und nicht einen Typus, geschweige denn alle Juden charakterisiert, in der schamlosesten Weise fälscht. Aber ich glaube, kein noch so bornierter Antisemit | dürfte dem Feuilletonisten der „Deutschen Zeitung" in Wahrheit i den Wahnsinn glauben, daß eine so verkommene, unsittliche! Denkart eine spezifisch jüdische sein könnte, denn es gibt wohl keilten Antisemiten, der nicht schon davon gelesen hätte, daß es z. B. in Italien häufig vorkommt, daß Mörder, bevor sie an ihr Werk schreiten, in der Kirche für das Gelingen des-! selben beteten. Freilich, es kann keinen Zweifel darüber geben, daß die Hetze der „Deutschen Zeitung" trotzdem den gewünschten Erfolg haben und daß die Rezension über „Gott der Rache" als ein neuer geschätzter Beitrag zur „jüdischen Moral" angenommen werden wird. Im Kampf gegen die Juden ist ja jedes Mittel gut genug. Man denke aber nur, welches Schicksal dem Juden erblühen würde, der so blödsinnig wäre, die Moral jener zahlreichen Verbrecher, die in den Kirchen Gottes Segen erstehten und für das Gelingen eines Verbrechens geweihte Kerzen anzünden ließen, als die Moral des Christentums stigmatisieren wollte. Er käme ins Zucht- oder ins Irrenhaus. Und mit Recht. Die Antisemiten 'rrra