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Die Wahrheit · 1907-06-28 · Heft 25 (28.6.1907) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 25 (28.6.1907)
Date
1907-06-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion r>. SlbmiuiftnUioii: j Wien, Jl/, Novaragasse 27.; Televdon 3!r. bev Dliickrrel I I53U2. jl üufeuati’ | Die viermal gespaltene!l Nonpareille-Zeile 25 Heller, Jj IdonncmenlSu. Siiteiitoiiö-! oelräqe sind in Wien zahldai und klagbar. jj akr-heit nabhängtge Aeitschnfi für jüöische Interejfen. Erscheint jeden Areitng. : „Das Liefet Gottes ist Wahrheit!“ Ij Rerngspyei»: II Ganjjävrig ... ft. 14— i| Halbjährig . ft. 7.— Für Cnltusbeumte: '^»»zjährlg . . ft. it«. — Für Ausland: ««anziährig a Mark 6 Rubel oder >6 Fc«. Nr. 23. Wien, 28. Imn Zuhalt: Aus der Woche. — Unsere Gemeinde. — Deutschtum und Judentum. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Feuilleton: Alt Marjim. — Zur Kritik des Wiener Kantorenwesens. Die geehrten Kerren Köonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements durch Einsendung des Aöonnementsöetrages für das am 1. Juli beginnende 111. Kuartat ersucht, damit! die regelmäßige Expedition des Mattes keine Unterbrechung erleide. 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Die deutschen, polnischen, slovenischen und italienischen Referenten erstatteten ihre Berichte, wie dies die Gepflogenheit seit jeher ist, in deutscher Sprache. Nur dem czechischen Referenten gefiel es, die Neuerung einzuführen, in czechischer Sprache zu referieren. Der Obmann der i Abteilung, Baron P r a z a k, der natürlich der czechischen Sprache | mächtig ist, wiederholte die Anträge in czechischer Sprache und j wollte sodann die Anträge ohneweiters zur Abstimmung bringen.! Der einzige, der gegen diesen Vorgang mit schlagfertigen und! überzeugenden Argumenten protestierte, war Hofrat Kuranda. i Die Anträge mußten in deutscher Sprache wiederholt werden.! Hofrat Kuranda wurde von Dr. Steinwender und Dr. v. j Oberleithner in seinen Ausführungen nachträglich allerdings! unterstützt. Jedenfalls hatte der „Jude" Kuranda die Initiative; und zwar mit Erfolg ergriffen. Es gibt doch eine Ironie der ' Weltgeschichte. I * | Ein merkwürdiger und wieder ironischer Scherz der Weltgeschichte ist es auch, daß in dem Abgeordnetenhause, dessen deutsche Parteien die Juden so artig hinauskomplimentierren, gerade die Juden es sind, welche alle Kalküls bezüglich der nationalen Blocks über den Haufen warfen und den Deutschen die Mehrheit im Hanse sicherten. Die so langen, sorgfältigen und mühsamen Kombinationen, welche dahin gingen, in Uebereinstimmung mit allen Parteien eine Mehrheit des sogenannten slavischen Blocks um zwei Stimmen zu schaffen, sind durch die unerwarteten Wahlerfolge der Zionisten in Galizien zu nichte geworden. Das Abgeordnetenhaus hat, dank den Zionisten, die sich nicht zu den nationalen Polen zählen lassen, eine deutsche Mehrheit und die nächste Folge davon war, daß die Deutschen mit voller Berechtigung die Wahl des Präsidenten aus ihrer Mitte fordern konnten. Wie die Juden einmal Glück haben, wurde richtig auch Dr. W e i ß k i r ch n e r — die Christlichsozialen werden auch zu den Deutschen gerechnet, obgleich sie nur Römlinge sein wollen — der Schützling Luegers und radikalste Bekämpfer der Gleichberechtigung der Juden, zum Präsidenten des Hauses gewählt. „Die Tugend eines Präsidenten ist die Objektivität." In diesem schönen Satze gipfelte die Antrittsrede des neuen Präsidenten Dr. Weißkirchner. Ein schöner, wahrer und selbstverständlicher Satz. Wenn nur die Erinnerungen an die Art und Weise nicht wären, in welcher christlichsoziale Vorsitzende die Versprechungen objektiv zu sein, mit der tatsächlichen Leitung des Präsidiums ins Einvernehmen zu bringen pflegten! Alle aus der christlichsozialen Partei hervorgegangenen Präsidenten, mochten sie in welcher Körperschaft immer zum Vorsitz berufen sein, begannen damit, daß sie ein Kompliment vor der Heiligkeit ihrer Pflicht objektiv und gerecht zu sein, machten, und endeten damit, daß sie das Recht des Gegners, insbesondere aber der Juden, mit Füßen traten. Wenn Dr. Lueger die von ihm bei seiner Wahl zum Bürgermeister feierlich verkündeten Grundsätze eingehalten hätte, gäbe es in Wien längst keinen Antisemitismus oder — Dr. Lueger wäre von seinen fanatischesten Verehrern längst von dem curulischen Stuhle gedrängt worden, von dem aus er heute eine geradezu terroristische Macht übt, der sich — es ist wie eine Massen-Suggestion — alles fügt. Die Wahl Dr. Weißkirchners, des gelehrigen, willfährigen, ganz unter dem Willen Luegers stehenden Dr. Weißkirchner, war ja auch nur eine Kraftprobe Dr. Luegers. Die maßgebenden Parteien waren alle geneigt, den Dr. Ebenhoch, einen Mann von vornehmen, *

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