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Die Wahrheit · 1907-06-07 · Heft 22 (7.6.1907) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 22 (7.6.1907)
Date
1907-06-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 22. Die Wahrlieri Lette 9. Feuilleton. Alt Marjim. Novelle von Babette Fried-Prag. (Fortsetzung.) „Du hast recht, das geht nicht an, auch würden sie Dir das Leben da oben schwer machen, die drei: der Doktor, der Abbee und der Amtmann. R o s ch e' nennt Ihr ihn doch da unten in der Kitte, nicht wahr?" fuhr der Graf, mit einem schwachen Versuche zu lächeln, fort. „Aber ich vertraue Dir die Kinder, mein höchstes Gut, an. Nimm sie mit Dir nach Hause. Dem Inwohner in Chajims Haus muß man eine andere Wohnung beschaffen, und sein Zimmer lasse ich als Kinderzimmer einrichten, wo Du mit der Amme und den Kindern leben wirst, wenn —" Der Graf vollendete den Satz nicht, wußte er ja, daß ihn Marjim verstanden hatte. Noch in derselben Nacht, während Marjim im Schlosse weilte, hauchte die junge Gräfin ihren letzten Seufzer aus. Die Verwirrung, die im Schlosse ausbrach, läßt sich nicht beschreiben; unter dem Schutze dieser Verwirrung gelang es Graf Berthold, Amme und Kinder unbemerkt ins Dorf hinüberführen zu lassen, wo er sie unter der Aussicht der verständigen und treuen Marjim gut aufgehoben wußte. IV. Seit diesen hier geschilderten Ereignissen waren ungefähr zehn Jahre verstrichen; die beiden gräflichen Kinder hatten längst schon die Kille verlassen und waren aufs väterliche Schloß übersiedelt, wo der Abbee ihre Erziehung leitete, während die bejahrte Frau des Amtmannes für ihre körperliche Pflege Sorge trug. Der Graf befand sich seit mehreren Jahren mit kurzen Unterbrechungen auf Reisen, oder lebte in Paris, gleich seinem Vater. Es litt die Grafen von Sokolow nicht lange auf der heimatlichen Scholle, es trieb sie mit unwiderstehlicher Macht i hinaus in die Fremde, dem Genüsse nach, während ihre Sprößlinge fremder Obhut anvertraut waren. In jedem seiner Briefe an den Abbee sowohl als an den Amtmann wiederholte er den Befehl, der alten Marjim jederzeit den Zutritt zu den verwaisten Kindern zu gestatten, und sich deren Anordnungen bezüglich deren Pflege zu fügen. „Die alte treue Dienerin," so schrieb er einst an seinen früheren Erzieher, den Abbee. „hat meiner sterbenden Gemahlin den Schwur geleistet, treulich über das Wohlergehen der Waisen zu wachen, und Hochwürden werden ja nicht verlangen, daß jemand durch unser Verschulden meineidig werden solle." Aus diesem Grunde war es Alt-Marjim, wie sie genannt wurde, gestattet, die gräflichen Kinder nach Belieben zu besuchen, sie zu pflegen und ihnen Naschwerk zu bringen, so wie dereinst deren Vater. Der Knabe, das Ebenbild seines Vaters, schlank aufgeschossen, mit blond gelocktem Haare, eine richtige Germanengestalt, fühlte zu der alten Jüdin eine fast kindliche Zuneigung, während das Comteßchen, eine zarte Elfengestalt gleich ihrer Mutter, sich zu den Liebkosungen und Geschenken Marjims mehr passiv verhielt. Der Amtmann beklagte sich oft und bitter darüber, daß der abwesende Graf nicht nur ihm die Sorge um das Gut gänzlich überließ, sondern auch draußen in der Welt mehr verbrauche, als er ihm von dem Ertrage des Gutes schicken könne. Er schränke den Haushalt nach Möglichkeit ein, aber das alles nütze nichts, es seien Unsummen, die der Graf beanspruche. Da kam einmal die Nachricht vom Grafen Berthold, daß er in Paris eine junge Dame kennen lernte, die er zur Gräfin Sokolow zu machen wünschte. Sein Brautstand, namentlich die Geschenke an seine Zukünftige, beanspruchten viel Geld, welches aufgebracht werden wüsse. Der Amtmann geriet in Verzweiflung. Die Kinder wurden mit der künftigen Stiefmutter geängstigt, dem Grafen aber wurde geradewegs geschrieben, er möge sich die benötigte Summe auf irgend eine andere Weise zu beschaffen suchen, das Gut gleiche einer ausgepreßten Zitrone, aus dem gar nichts mehr herauszubringen wäre. Damit hielt er die Sache flir abgetun, und hoffte im stillen, den Grafen von seinem Heiratsprojekte abgegebracht zu haben, welches ihm. dem Amtmann, in mehr wie einer Hinsicht recht ungelegen kam. Die Einzige, die sich mit der Verlobung des Grafen recht innig freute, das war Alt-Marjim. „Jetzt wird er zurückkommen, und wie mit seiner ersten Gemahlin auf seinem väterlichen Gute hausen, ich werde die Sorge für die Kinder in die Hände der Eltern legen, und die große Verantwortung wird mir abgenommen, die ich in seiner Abwesenheit trage." (Fortsetzung folgt.) Subskription auf 30.000 Stück Aktien der Skodawerke, Aktiengesellschaft in Pilsen. Das Grundkapital der im Jahre 1899 begründeten Skoüawerke, A k t i e n g e s e l l s ch a f t in Pilsen, beträgt 25 Millionen Kronen, zerteilt in 125.000 Aktien ä 200 Kronen. Die seit Begründung der Aktiengesellschaft wesentlich ausgestalreten Betriebe umfassen folgende Abteilungen: Die Waffenfabrik, Maschinenfabrik, Presserei, Eisengießerei, Armaturen- und Feilenfabrik. Stahlhütte, ferner eine elektrische Zentrale. Die Etablissements nehmen ein Areale von ungefähr 390.000 Quadratmeter ein. Die Zahl der Beamten beläuft sich auf 380, die Zahl der Arbeiter auf 4300. Für die erste Geschäftsperiode vom 1. Juli 1899 bis zum 30. September 1900 wurde eine Divideilde von 6"/g pro rata, temporis — K 15'— pro Aktie bezahlt und der Reservefond mit X 108.349 40 dotiert. Das Geschäftsjahr 1900/1 schloß mit einem Reingewinne von X 100.539-81, welcher auf Rechnung des folgenden Jahres vorgetragen wurde. Im Geschäftsjahre 1901/2 ergab die Bilanz einen Verlust von X 984.449 17, zu dessen teilweiser Deckung die oben erwähnte Reserve herangezogen wurde und wurde sodann der Restbetrag des Verlustes mir X 876.099-77 aufs neue vorgetragen. Dieser Verlust erhöhte sich im Geschäftsjahre 1902/3 um X 723.105-20 und im Geschäftsjahre 1903/4 um X 546.044-74 auf die Summe von X 2,150.249-71. Das Geschäftsjahr 1904/5, welches infolge einer Statutenänderung die Zeit vom 1. Oktober 1904 bis 31. Dezember 1905 umfaßte, lieferte einen Nettogewinn von X 1,536.296-82, welcher von dem Verlustsaldo der vorausgegangenen Jahre in Abzug gebracht wurde, so daß sich der aufs neue zu übertragende Verlustsaldo auf X 613.952-89 reduzierte. Im Jahre 1906 erzielten die Werke einen Nettogewinn von X 2,476.671.67, aus welchem der aus dem Vorjahre übertragene Verlustsaldo getilgt, eine Dividende von 6% d. i. X 12.— per Aktie verteilt, der allgemeine Reservefond mit X 200.000 dotiert und ein Betrag von X 110.760-50 auf die Rechnung des Jahres 1907 übertragen wurde. . Der in das Geschäftsjahr 1907 übernommene Bestand an unerledigten Aufträgen beziffert sich mit ungefähr 20 Millionen Kronen. Von den 125.000 Stück Aktien werden 30.008 Stück Aktien mit anhaftenden Coupons für das Geschäftsjahr 1907 am Samstag, den 8. Juni 1907 unter folgenden Modalitäten zur öffentlichen Zeichnung l aufgelegt: 1. Die Zeichnung findet in Wien bei der K. K. p r i v. Oe st e rreichischen Credit-Au st alt für Handel und Gewerbe und bei der N i e d er ö ste r r e i ch i s ch en Es k o mpt e- G es ellschaft während der üblichen Geschäftsstundenstatt. Anmeldungsformulare können bei den genannten Stellen kostenfrei bezogen werden. 2. Der Subskriptionspreis ist mit K 270.— für jede Aktie zuzüglich der vom 1. Jänner 1907 laufenden 5°/« igen Stüctzinsen festgesetzt. 3. Jeder Zeichner hat bei der Zeichnung eine Kaution von X 20.— für jede Aktie entweder in bar oder in solchen Wertpapieren zu hinterlegen, welche von der Zeichenstelle als zulässig erachtet werden. 4. Die Zuteilung erfolgt spätestens bis 13. Juni d. I. unter schriftlicher Benachrichtigung der Zeichner. Die Zuteilung auf jede einzelne Zeichnung unterliegt dem Ermessen derjenigen Stelle, bei welcher die Zeichnung erfolgt ist. 5. Spätestens bis 18. Juni d. I. ist, bei sonstigem Verlust der erlegten Kaution, für jede zugeteilte Aktie der Betrag von l( 70 — in bar bei jener Stelle zu erlegen, bei welcher die Zeichnung erfolgte und wird diese Zahlung von der betreffenden Stelle auf dem Zuteilungsbriese ersichtlich gemacht. Gleichzeitig wird die geleistete Barkaution verrechnet, respektive die erlegte Effektenkaution zurückgegeben. 6. Die Zahlung des restlichen Betrages von K 200 — ne bst den 50/gigen Stückzinsen vom 1. Januar 1907 bis zum Erlagstage hat. bei sonstigem Verluste des bereits entrichteten Betrages, innerhalb der Zeit vom 13. Juni bis 31. Juli 1907 zu geschehen, wogegen dem Zeichner unter Einziehung des Zuteilungsbriefes die entfallenden Stücke erfolgt werden. Wien, 5. Juni 1907. K. K. priv. Oesterreich. Credit-Austalt für Handel ». Gewerbe. Niederösterreichifche Eskompte-Gefellfchaft.

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