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Die Wahrheit · 1907-05-24 · Heft 20 (24.5.1907) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 20 (24.5.1907)
Date
1907-05-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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unaar Laiitomi-Zeitung. Inbilämns-Kantorentag. In diesen Tagen werden es 25 Jahre, seitdem auf dem ersten großen Kantorentage, der am 29., 30. und 31. Mai 1882 in Wien abgehalten wlirde, der Grundstein zum österr.-ungar. Kantoren-Berein gelegt ward, der ersten kollegialen Organisation, welcher die Ausgabe zufiel, ein einigendes Band um die Berufsgenossen Oesterreich-Ungarns zu schlingen und sie zu gemeinsamer Förderung der bisher unbeachtet gebliebenen Standesinteressen zu sammeln. Wenn man die Berichte aus jenen Tagen liest, die im ersten Jahrgange dieses Blattes niedergelegt sind, dann muß man wahrhaftig von Wehmut erfaßt werden, daß so viel Begeisterung, wie sie sich damals unter den zahlreich hier versammelten Kollegen aus der ganzen Monarchie kundgab, im Laufe der Jahre so erkalten konnte, daß der Wille zu gemeinsamer und gemeinnütziger Arbeit bei Vielen so schwach wurde, daß Uneinigkeit und engherzige provinzielle Standpunkte das hoffnungsreiche, am Kantorentage gegründete Gebäude wiederholt zu untergraben suchten und daß an der Indolenz und Teilnahmslosigkeit der Kollegenschaft so viele verheißungsvolle Pläne und Gedanken scheiterten, die der österr. ungar. Kantoren-Verein im Interesse der Berufsgenossenschaft zu verwirklichen bestrebt war. Der Verein hat wohl im Laufe der 25 Jahre trotz der vielen Hemmnisse und Widerwärtigkeiten große und segensreiche Arbeit geleistet, er kann mit vollster Genugtuung auf seine Tätigkeit zurückblicken, und wenn im heurigen Herbste, wo der Vorstand zur Feier des 25 jährigen Bestandes des Vereines einen großen Kantorentag in Wien zu veranstalten gedenkt, über das bisherige Wirken und Schaffen des Vereines ausführlicher Bericht erstattet werden soll, wird auf manche Errungenschaft und auf manche segensreiche Tat hingewiesen werden können, die dem österreichisch-ungarischen Kantoren-Vereine zu danken ist und ein Ruhmesblatt in der Geschichte des jüdischen Kantorentnms bildet. Allein vieles blieb unvollendet, vieles unerfüllt und manches wichtige Erfordernis für eine wirksame und erfolgreiche Organisation des Kantorenstandes, wie auch manche notwendige Voraussetzung für eine gedeihliche Entwicklung auf dem Gebiete der materiellen und sozialen Fürsorge mußte der Zukünftigen Arbeit Vorbehalten bleiben. Dies alles in die richtigen Wege zu leiten, Plan und Ziel all dieser Bestrebungen genau abzustecken, wird nun Aufgabe des nächsten Kantorentages sein, und darum ergeht an die gesamte Kollegenschaft die eindringliche Aufforderung, nicht nur an diesem Kantorentage in möglichst großer Zahl teilzunehmen, sondern schon jetzt durch Anregungen und Vorschläge, zu deren Diskussion wir die Spalten dieses den Interessen der Kantoren seit einem Vierteljahrhundert dienenden Blattes bereitwilligst zur Verfügung stellen, den Beratungen des Jubiläums-Kantorentages eine möglichst breite Basis zu schaffen. Wenn jeder sich seiner Pflicht der Gesamtheit gegenüber bewußt wird und in diesem Sinne seinen Teil zur gemeinnützigen Arbeit beiträgt, dann ist sichere Gewähr gegeben, daß der Eintritt in das zweite Vierteljahrhnndert der Vereinstätigkeit des „Oesterr.-ungar. Cantoren-Vereines" auch einen erfreulichen Wendepunkt in der Entwicklung der kantoralen Organisation bedeuten wird. Enthüllung dieser Botivtafeln findet am 30. Mai, 4 Uhr nachmittags im israelitischen Tempel XI. Braunhubergasse 7, statt. Wien. Mittwoch, am 15. d. M.. 2 Uhr nachmittags, fand im Leopoldstädter Tempel, II., Tempelgasse, die Trauung des Fräulein Stefanie H e i m a n n, Tochter des Herrn Julius H e i m a n n. Chordirigenten der israelitischen Kultusgemeinde mit Herrn Karl Schnitzer, dem Sohne des allgemein geachteten Ledergroßhändlers Herrn Alois Schnitzer, statt. Der Tempel war von einem distinguierten Publikum dicht gefüllt und bemerkte man u. a.: Den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Herrn Dr. Alfred Stern, die Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n und Baurat Ritter v. G o l d s ch m i d t und mehrere Kultusvorstäiide, die Bethausvorsteher S. A. W a s s e r v o g e l, Albert W i n t e r b e r g, Gemeinderat H e l b i g, Hofrat Doktor Munk, BezirkSrat Pöchhacker, Polizeikommissär Doktor Gans. Polizeikommissär Dr. Wagner. Polizei- Bezirksarzt Dr. Baumgarten. Regierungsrat Dr. Schlag, Lektor Fried mann. Sekretär Dr. Adler in Vertretung der Beamtenschaft der israelitischen Kultusgemeinde, mehrere Kantoren und Berufskollegen, sowie viele andere Honoratioren. Rabbiner Dr. S ch m i e d l hielt an das Brautpaar eine herzliche, ergreifende Ansprache, in welcher er auch auf die mehr als vierzigjährige, von ieltenem Pflichteifer erfüllte Dienstzeit des Vaters der Braut hinmies. Den kantoralen Teil der Trauungszeremonie versah Oberkantor Guttmann, assistiert vom Chore mit Orgel- und Harfenbegleitung unter Leitung Professors S u l z e r s. Dem Brautpaare kamen aus nah und fern hunderte von Telegrammen und Glückwunschschreiben zu, welche von der Sympathie und Wertschätzung Zeugnis geben, welcher sich sowohl die Familie der Braut, als auch die des Bräutigams allenthalben erfreuen. Budapest. Se. Majestät hat dem Oberrabbiner der Pester israel. Religionsgemeinde, Dr. Samuel K o h n, in Anerkennung seines langen und verdienstvollen Wirkens den Titel „königlicher Rat" verliehen. Berlin. In der letzten allgemeinen Versammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt Geheimrat Professor Franz v. Liszt einen sehr interesianten Bortrag über „Berufskriminalität und Konfessionskriminalität". Die wirtschaftlichen, die Kulturverhültnisse eines Landes, die Jahreszeit u. s. w., so bemerkte er einleitend, seien vielfach bestimmend bei Verbrechen und Vergehen. Eine eigentliche Konfessionskriminalitüt könne es nicht geben, da die Religion mit dem Verbrechen in keinerlei Zusammenhang stehe. Wenn man danach frage, in welchem Verhältnis Verbrechen und Vergehen von Christen und von Juden begangen würden, so könne man das nur Berufskciminalität nennen. Straftaten gegen Staat, Religion, öffentliche Ordnung haben von 1882 bis 1891 von 10.000 strafmündigen Zivilpersonen begangen 124 Christen, 104 Juden, von 1892 bis 1901: 167 Christen. 274 Juden. Straftaten gegen die Person 1882 bis 1891: 401 Christen, 330 Juden, 1892 bis 1901: 523 Christen, 382 Juden. Straftaten gegen das Vermögen im ersten angegebenen Jahrzehnt 500 Christen, 346 Juden, im zweiten Jahrzehnt 513 Christen, 410 Juden. Groß sei die Zahl der Verurteilungen von Juden wegen strafbaren Eigennutzes, Wuchers, betrügerischen Bankerotts, Vergehens gegen Sonntagsruhe und Ladenschluß. Hehlerei, verbotener Beschäftigung von Arbeiterinnen und Jugendlichen. Dagegen seien die Bestrafungen äußerst gering wegen schweren Diebstahls, gefährlicher Körperverletzung» Gewalt und Drohung gegen Beamte, Raub und räuberische Erpressung, Brandstiftung u. s. w. Gar nicht beteiligt seien Juden an Mord und Menschenraub. Die Berufskriminalität sei aber noch nicht erschöpfend, da die Kriminalität der jüdischen Kaufleute von der der christlichen abweiche. Nach den Ursachen sei noch zu forschen. Ein Grund sei vielleicht der, daß die Juden überwiegend in großen und mittleren Städten leben. Die Kriminalität lasse sich auch nach Gesellschafrsgruppen verteilen. Während z. B. eine Gesellschaftsgruppe den Streikbruch für das Verwerflichste halte, sei eine andere Gesellschaftsgruppe der Ansicht: Arbeitswillige brauchen größten Schutz. Eine Gesellschaftsgruppe halte den Zweikampf für ein Verbrechen, das woniöglich gleich dem Totschlag zu bestrafen sei, während eine andere den Zweikampf für eine erlaubte Handlung halte, gegen die höchstens eine ganz glimpfliche Strafe angewendet werden dürfe. Die Kriminalität der Juden sei in Holland bedeutend geringer als in Rußland. Hauptsächlich sind die Juden an Straftaten beteiligt, die auf dem Gebiete von Handel und Verkehr liegen, dagegen nur in verschwindend geringer Zahl oder gar nicht an Kapitalverbrechen. Beides ist nach der historischen Entwicklung begreiflich. Verschiedene Nachrichten. Wien. Dienstag, den 28. d. M.. ^4 Uhr nachmittags, findet im Leopoldstädter Tempel, H., Tempelgasse 3, die Trauung des Herrn Oberkantor Bela Guttmann mit Fräulein Melanie F a n t l statt. Wien. Der VIEL Z i o n i st e n k o n g r e ß findet von Mittwoch, den 14. bis Dienstag, den 20. August d. I. in H a a g in „Het Gebouw poor Kunst en Wetenschappen" statt. Wien. Anläßlich des 25jährigen Bestandes der Chewra Kadischa Wien, XI. Bezirk, hat der Vorstand dieses Vereines beschloffen, zwei Votivtafeln, auf welchen die Namen der verstorbenen Vereinsmitglieder für immerwährende Zeiten verewigt werden sollen, zu stiften. Die feierliche Ab alle geehrten Freunde, Kollegen und Bekannten, welche bisher, aus Mangel an Adresse oder aus Versehen, nicht in den Besitz einer Einladung gelangt sind, ergeht hiemit auf diesem Wege die höfliche Einladung zu meiner Trauung mit Fräulein Melanie F a n 11, welche Dienstag, den 28. Mai d. J., um 724 Uhr, im Tempel, II., Tempelgasse 3, stattfindet. Bela Guttmann, Oberkantor der israel. Kultusgemeinde Wien, II. rares*'

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