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Die Wahrheit · 1907-05-24 · Heft 20 (24.5.1907) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 20 (24.5.1907)
Date
1907-05-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 20. Josef Brukner & Söhne K 50, Moriz Ornstein K 50, Adolf < Pichler K 50, Friedrich Pollak K 50, Ernst Pollak K 30,! faif. Rat Alexander Engel von I a n o s i die Zusage, Tischlerarbeiten im Betrage bis £ 500 in natura beizustellen. Kais. Rat Paul Lemb e r g e r anläßlich der Verehelichung seiner Tochter für diverse Wohltätigkeitsvereine £ 500. Ferdinand Gombrich anläßlich der Vermählung! seines Sohnes für Arme und humanitäre Vereine £ 300. Richard Gombrich anläßlich seiner Verehelichung für diverse Vereine £ 200. Arthur Friedmann für diverse Wohltätigkeitsvereine X 100. Sophie Quittner anläßlich des Sterbetages ihres Gatten Max Quittner zur Verteilung an sechs arme würdige Männer im Rothschild-Spital £ 60. Dr. Ferd. Brüll, Floridsdorf, für die rumänischen Juden £ 29*70. Grethe und Edith Bauer für Ausspeisung armer Schulkinder (XX.) £ 13-50. Franz Worel für die russischen Juden £ 4. Josef Wondra für die russischen Juden K 4. Nach Verlesung des Einlaufes referieren II. Vizepräsident Ritter v. Goldschmidt und Baurat S t i a ß n y über den vom Vertreterkollegium beantragten Erweiterungsbau des Verforgungshauses, der dadurch notwendig wurde, daß für die durch eine hochherzige Widmung der Frau Elise Thorsch gestifteten neuen 40 Betten Raum geschafft werden mußte. Nach einer längeren, den verschiedenen Projekten gewidmeten Debatte, an welcher sich die Referenten, sowie die Herren Salo Cohn, kais. Rat Sachs, Oberfinanzrat Dr. RappaPort, Baurat M a r m o r e k. kais. Rat S. Kauders, kais. Rat Weil, Dr. Maximilian Steiner und S. Steiner beteiligten, wurde der Antrag des Vertreterkollegiums einstimmig angenommen. Hierauf erteilt der Vorsitzende dem Finanzreserenten das Wort zur Vorlage des .Nechnungsabschlusses pro 1906. Kais. Rat Bernhard v. Pollak: „Ich bin in der angenehmen Lage Ihnen berichten zu können, daß das Gebarungsergebnis des Jahres 1906 ein günstiges war. Nach dem Voranschläge für das Jahr 1906 waren die Ausgaben mit K 2,611.551-88, die Einnahmen mit K 2,455.704 47 angenommen, so daß ein Betrag von K 155.847*41 als unbedecktes Erfordernis, beziehungsweise als Defizit veranschlagt wurde. Nach dem vorliegenden Rechnungsabschlüsse betragen jedoch die Ausgaben K 2,447.324*82, die Einnahmen K 2,608.816*87, so daß sich ein scheinbarer Ueberschuß von K 161.492*55 ergibt. Dieses günstige Ergebnis erklärt - sich zum Teile daraus, daß, wie es einer vorsichtigen Budgetierung entspricht, in der Festsetzung der Ausgaben und der Reserven etwas karger vorgegangen wurde, dagegen in der Präliminierung der Einnahmen man sich strenge an das Ergebnis der Vorjahre gehalten hat. Andererseits wurde eine größere Anzahl Bauten, Rekonstruktionsarbeiten rc. nicht ausgeführt, demnach die hiefür eingesetzten Posten nicht in Anspruch genommen; hiedurch ist jedoch meiner Ansicht nach — und ich werde diesbezüglich später darauf zurückkommen — keine wirkliche Ersparnis, sondern ein bloßer Aufschub erzielt worden. Von diesem Standpunkte aus betrachtet, ist also das Gebarungsergebnis kein so überaus günstiges, wie es sich im ersten Momente darstellt, und es muß meiner Ansicht nach auch bei der Verwendung des Gebarungsüberschusses darauf Rücksicht genommen werden. Ich erlaube mir daher, bevor.ich auf die Details des Rechnungsabschlusses eingehe, Ihnen bezüglich der Verwendung des scheinbaren Ueberschusses folgende Vorschläge namens des Vertreterkollegiums zu erstatten: Nachdem in dem Gebarungsüberschuß auch zum Teile der Ueberschuß aus den Kapiteln „Zentralfriedhof" und „Beerdigungswesen," insoferne dieser Ueberschuß nicht bereits für wohltätige Zwecke, das heißt zur Dotierung der Kapitel „Unterstützungen" und „Subventionen an Wohltätigkeitsvereine" verwendet wurde, auch enthalten ist, wäre zunächst entsprechend dem Vorgänge früherer Jahre ein Teil des Ueberschusses dem „Friedhoferwerbungsfond" zuzuführen. Dieser Fond beträgt derzeit K 589.184*22. Durch Zuwendung eines Betrages von K 60.815*78 würde sich dieser Fond auf K 650.000*— erhöhen, ein Betrag, welcher meines Erachtens zur Erwerbung eines Friedhofgrundes in jenem Ausmaße genügen dürfte, um den Bedarf für einen größeren Zeitraum zn decken. Auf Generationen hinaus nach dieser Richtung hin Vorsorge zu treffen, ist, glaube ich. nicht unsere Aufgabe, da rvir vorerst näherliegende Ansprüche zu erfüllen haben. Was den sodann verbleibenden Rest des Ueberschusses l per K 100.676*77 anbelangt, stellt das Vertreterkollegium den Antrag, damit einen Reservefond zu kreieren, aus welchem größere Auslagen für geplante Neu- oder Rekonstruklionsbauten! gedeckt werden sollen. Daß die Gründung eines solchen Fondes eine Notwendigkeit ist, glaube ich nicht erst besonders betonen zu müssen. Ich verweise nur auf die seinerzeit geplanten Zwischenbauten im Leopoldstädter Tempel, deren Ausführung bis jetzt unterblieben ist, auf die Errichtung einer neuen Mikwah, auf die Adaptierung der nicht gerade im besten Zustande befindlichen Gemeinde-Ubikationen, auf die Erweiterung der Versorgungsanstalt behufs Aktivierung der von Frau Ernestine Thorsch beabsichtigten Schenkung, auf die Ausgestaltung des Spitales, ich erinnere nur an die mit ansehnlichen Kosten verbundene Errichtung eines Röntgen-Laboratoriums, endlich auf die in nicht allzu ferner. Zeit erforderlich werdende Errichtung eines neuen Administratwnsgebäudes. Wenn die geehrten Herren diese Anträge hinsichtlich des scheinbaren Gebahrungsüberschusses genehmigen, so treten wir in das Jahr 1907 ohne Vortrag ein und es wird nur durch Aufwendung der größten Sparsamkeit auf allen Verwaltungsgebieten unserer Gemeinde möglich sein, das für das Jahr 1907 präliminierte Defizit per K 153.127*— ganz oder teilweise vermeiden zu können. Daß die Erzielung eines Ueberschusses in diesem Jahre ausgeschlossen ist, glaube ich schon jetzt mit ziemlicher Gewißheit behaupten zu können." Kais. Rat v. Pollak übergeht nun auf die Details des Rechnungabschlusses, indem er kapitelweise das tatsächliche Ergebnis des Jahres 1906 dem Präliminare, in einzelnen Fällen auch die Ergebnisse des Jahres 1905 gegenüberstellt und schließt dann mit folgenden Worten: „Hiemit wäre mein Referat über den vorliegenden Rechnungsabschluß beendet und ich erlaube mir den Antrag zu stellen, denselben zu genehmigen. Ich kann meine Ausführungen jedoch nicht schließen, ohne darauf hingewiesen zu haben, daß, wenngleich der Rechnungsabschluß gegenüber dem Präliminare ein günstiger ist, die Ausgaben in fast allen Positionen gegenüber dem Jahre 1905 sich nicht unwesentlich vermehrt haben. Diese steigende Tendenz der Ausgaben ist in der naturgemäßen Entwicklung unserer Gemeinde begründet und es ist nur bedauerlich, daß die Einnahmen nicht in dem gleichen Maße sich erhöhen. Es wäre meiner Ansicht nach verfehlt, sich durch den diesjährigen Abschluß zu einer allzu optimistischen Auffassung unserer Finanzlage verleiten zu lassen; es bleibt vielmehr nach wie vor ein dringendes Gebot auf allen Gebieten der Gemeindeverwaltung die größtmöglichste Sparsamkeit walten zu lassen, um das derzeit erfreulicher Weise bestehende finanzielle Gleichgewicht im Gemeindehaushalte auch weiter zu erhalten." (Lebhafter Beifall.) Nach einer kurzen Generaldebatte, an der sich kais. Rat Weil, Dr. Spitzer, Präsident Dr. Ster n, Salo Cohn und Oberfinanzrat Dr. Rappaport beteiligten, wird der Rechnungsabschluß en bloc einstimmig genehmigt. Der Vorsitzende dankt dem Referenten kais. Rat Bernhard v. Pollak, welchen Dank letzterer erwidert, indem er gleichzeitig seinen Mitarbeitern im Bureau, besonders den Herren Buchhalter Ruf und Sekretariatsadjnnkt Emil Engel vollste Anerkennung zollt. Hierauf wird die öffentliche Sitzung geschlossen. In der hierauf folgenden vertraulichen Sitzung wird nach Verleihung von diversen Stiftungen und Subventionen die Einsetzung einer 9gliedrigen Spezialkommission für Wohltätigkeitsangelegenheiten beschlossen, der die Beratung prinzipieller und organisatorischer Fragen, sowie die Fürsorge für die verlassenen Kinder übertragen werden soll. Protestversarrrmlmig in Derlin. Am Mittwoch,* den 15. Mai tagte in der Viktoriabrauerei, Lützowstraße 111—112, eine imposante Protestversammlung gegen die Amtsenthebung des Predigers an der Jüdischen Gemeinde, Herrn Rabbiner Dr. Emil Cohn. Angesehene Gemein.demitglieder verschiedenster Richtung hatten die Einladnng ergehen

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