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Die Wahrheit · 1907-04-26 · Heft 16 (26.4.1907) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 16 (26.4.1907)
Date
1907-04-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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akrhsit >k>-dakiio» 11. Sldministicilion: i!iell, 11/, Novaragasse 27. TMri>t)i>u Nr. t>fv Dl »ck-r-i j| 15302 ü SiUevate Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller.!? NdoiiuemeiltSii. Jiiie,lioiis- / belräge und in Wien zahlbar!! und klagbar. / uakhängige Aeiifchrifi für Mische Interessent Erscheint jeden Ireitag. Motto : „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ j Verntzspyets: j iKanzjiivrig . . . Jt 14.— jj Haivjüvrig . Si 7.— Für CultnSdeiunte: '»„„ziaprig jf. 10.- i *i Für Ausland: Äauziährig ... 3 Mark | Nudel oder i *» FcS. j Ur. 16. Wien, 26. April Anhalt: Zur Lropoldstädter Reichsratswahl. — Unsere Gemeinde. — Dr. Süß. der Jildenstümmling. - die Situation in Rußland — Verschiedene Nachrichten. - Aus der Wiener Kultusgemeinde. — Ueber Zur Leopold stiidter fleichsratswalsi. In dem durch vorzeitige Wahlmache herbeigeführten Chaos persönlicher Aspirationen und kleinlicher Parteirücksichten, das bis vor wenigen Tagen noch die Lösung der Kandidatenfrage für das Kaiviertel und den ersten Wablkceis in der Leopoldstadt fast unmöglich scheinen ließ, hat der in diesem Blatte zuerst an die freisinnige Wählerschaft und besonders an die jüdischen Wählerkreise gerichtete Appell, auf dem Wege der Einigling zur Sicherung der gefährdeten Mandate zu gelangen, zu dem erfreulichen Resultate geführt, daß das fortschrittliche Wiener Zentralwahlkomitee, von den bisherigen Bewerbern absehend, zwei neue Männer als offizielle Kandidaten anfgeftellt hat, und zwar für das Kaiviertel Herrn Hosrat Kamillo K u r a n d a und für die Leopoldstadt Herrn Landesschulrat Dr. Gustav K o h n. Während nun in dem erstgenannten Wahlkreise sämmtliche liberale Kandidaten dem Willen der Partei und dem allgemeinen Interesse Rechnung tragend freiwillig znrücktraten, somit die Kandidatur Knrandas ans freisinniger Seite unbestritten dasteht und, falls die Agitation nicht erlahmt, den Sieg gegen den antisemitischen Bewerber erhoffen läßt, dauert der Zwiespalt der freisinnigen und jüdischen Wählerschaft in der Leopoldstadt noch unentwegt fort. Man ist sich allgemein dessen bewußt, daß eine Zersplitterung der jüdischen Stimmen das Mandat gefährdet, aber trotzdem folgt Dr. Ofner nicht dem Beispiele seiner früheren Mitbewerber, Gemeinderat K l e b i n d e r und Dr. Bloch, die mehr Chancen als Dr. Ofner hatten, aber im Interesse der Sache selbstlos zurücktraten, sondern er hält seine Kandidatur aufrecht und seine Partei wendet sich in heftigster Agitation gegen den offiziellen Kandidaten der liberalen Partei, Herrn Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, dessen Persönlichkeit und Wirken sie nach jeder Richtung hin herabzusetzen sucht. Diesen unschönen Kampf wollen wir nachstehend beleuchten und hoffen damit wol nicht die fanatisierten Anhänger Ofners zu überzeugen, sondern nur dem noch unentschiedenen Teil der jüdischen Wählerschaft zum Bewußtsein zu bringen, daß freisinniges und jüdisches Interesse gebieterisch die Wahl Dr. Gustav Kohns fordert. Dem letzteren wird unter anderem vorgeworfen, daß er ein politischer Neuling, Dr. Ofner hingegen ein alter Parlamentarier sei. Aber ganz abgesehen von der Kleinlichkeit dieses Einwandes, bei dessen Anerkennung ja die Regenerirung jeder politischen Partei ausgeschlossen wäre, müssen wir darauf Hinweisen, daß es Herrn Dr. Ofner trotz seiner parlamentarischen Routine und trotz seiner unleugbar hohen juristischen Befähigung nicht gelungen ist, irgend einen wirksamen Einfluß im Ab- , geordnetenhause zu gewinnen, und zwar aus dem einfachen! Grunde, weil er ohne Anlehnung an einen Parteiverband mit : seinen politischen Anschauungen vereinsamt dastand und auch im : neuen Hause keinen Anschluß an Gleichgesinnte finden dürste. Ueberdies ist es ja stadtbekannt, daß Dr. Gustav Kohn, wenn ' auch kein Parlamentarier, seit vielen Jahren an allen politischen j Aktionen hervorragenden Anteil genommen hat, wiewohl er es! in seiner bekannten Bescheidenheit verschmähte, in der Oeffent-! lichkeit genannt zu werden.! Es wird auch gesagt, daß Landesschulrat Dr. Gustav! K o h n schon aus freundschaftlichen und kollegialen Rücksichten! eine Kandidatur gegen Dr. Ofner nicht annehmen durste. Solchen - Redensarten mußte eigentlich Dr. Ofner selbst entschieden entl gegentreten, denn er weiß es am allerbesten, daß Dr. Gustav! Kohn mit all seinem Einflüsse für die Besserung der Chancen! Dr. Ofners eintrat und sogar, als der Widerspruch gegen dessen! Kandidatur iu der Leopoldstadt in konservativen jüdischen Kreisen ' immer lauter wurde, im letzten Momente noch bestrebt war, den! Hosrat Kur an da zur Kandidatur in der Leopoldstadt zu bej stimmen und für Dr. Ofner das Mandat im Kaiviertel zu sichern, was aber wieder an dem eigensinnigen Widerstande! Dr. Ofners scheiterte. Aber ganz unabhängig von diesen Tatj suchen fragen mir: Gebieten nicht Freundschaft und Kollegiali-! tat gegenseitige Rücksichten, und wäre es nicht ebenso die Pflicht! Dr. Ofners gewesen, dem Kollegen und Freunde gegenüber, der! ursprünglich wider seinen Willen zur Sicherung des Mandates! als Einigungskandidat ausgestellt wurde, die persönlichen ' Aspirationen zu unterdrücken und dem allgemeinen Interesse j sowie dem speziellen jüdischen Interesse ein Opfer zu bringen? | Wenn wir von jüdischem Interesse sprechen, schreit natürlich i der ganze Anhang Dr. Ofners aus, der in einer Zeit, wo das! Li8oüu8 aus allen Seiten sich breit macht, es für gut findet, { für die katholische Eheresorm einzutreten und damit den! Judenfeinden neuen Anlaß zu der allerdings unwahren I Behauptung zu bieten, daß immer Juden es sind, die ihre i heiligsten religiösen Gefühle zu verletzen suchen. In solchen! Kreisen, die sich für Freiheit und Deutschtum begeistern j aber für Judentum nur wenig erwärmen können, spielt! das jüdische Interesse nur eine sehr geringe Rolle, und i darum ist es auch zu begreifen, daß diesen Leuten der Vize-! Präsident der jüdischen Gemeinde als Kandidat für den Reichsrat! geradezu einen hom>r bereitet. Wir aber und alle-Jene, die ' jüdisches Gefühl im Leibe haben, begrüßen es mit Freude, daß, wenn schon in Wien in einem vorwiegend jüdischen Wahlkreise ein Mandat für einen jüdischen Bewerber zu vergeben ist, dasselbe

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