Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 14 (12.4.1907)
- Date
- 1907-04-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 14. Die Wahrheit Sette 9. Räumen von einem distiiiguirten Publikum dicht gefüllt. — Bor Beginn des Gottesdienstes begab sich eine Deputation des Vorstandes, geführt von ihrem Vorsteher Herrn Benedikt Schwager in die Wohnung des Rabbiners, woselbst letzterer die Glückwünsche im Namen des Gesamtvorstandes und der ganzen Kultusgenieiude anläßlich der verliehenen hohen Auszeichnung und des gleichzeitigen 25jährigen Dienstjubitäums zum Ausdrucke brachte und dem Jubilar ein sehr wertvolles Ehrengeschenk überreichte, gewidmet von der israel. Kultusgemeinde Linz und einen prachtvollen seidenen Tallis gewidmet vom Vorstände. Freudig bewegt dankte der Rabbiner dem Vorstände für die Glückwünsche und Ehrengeschenke und versprach auch fernerhin, seine schwachen Kräfte in den Dienst und zum Wohle der hiesigen Kultusgemeinde, sowie des Gesammtjudentums zu stellen. Hierauf wurde er vom Vorsteher B. Schwager und vom Tempel-Vorsteher Herrn Elias P o l l a k in den Tempel zu seinem Sitze geleitet. Knapp vor 11*/* Uhr langte Statthalter Freiherr von Handel an und wurde vom Gesamtvorstande am Portal des Gotteshauses ehrfurchtsvoll begrüßt und unter den mächtigen Klängen der Orgel in den Tempel zu seinem Ehrensitze geleitet. Außer ihm hatten sich eingefunden: Hofrat Binder, Statthaltereirat Berger, die Landesschulrnspektoren Doktor Zenz und Dr. Loos, die Direktoren der Mittel- und Bürgerschulen, Platzkoinmandant Major Steiner, die Mitglieder des Landes- und Stadtschulrates und viele andere Persönlichkeiten. Aus Steyer erschienen Rabbiner Schön, Kultusvorsteher Reiß und H. Kronberger, Präses der Chewra Kadischa. Eingeleitet wurde die Feier mit dem herrlichen Ma-towu von Sulzer, der vom Tempelchore mit Orgelbegleitung unter der Leitung des Kapellmeisters S ch a n t l sehr exakt gesungen wurde, worauf Oberkantor Löweusohu mit seiner klangvollen Stimme den Psalm 100 von Naumburg mit Chor- und Orgelbegleitung äußerst wirkungsvoll zum Vortrage brachte. Nun hielt Kultusvorsteher Benedikt Schwager in sehr beredten Worten eine Ansprache, in der er der fünfundzwanzigjährigen ersprießlichen Tätigkeit des Rabbiners Friedmann in der hiesigen Gemeinde gedachte und dessen treue Pflichterfüllung als Seelsorger, Religionslehrer und als Mitglied des oberösterr. Landesschulrates, dem er nahezu ein Vierteljahr- Hundert angehört, hervorhob. — Diese seltenen Eigenschaften dürften es auch gewesen sein, welche die allerhöchste Anerkennung fanden. In dieser hohen Auszeichnung ihres Seelsorgers fühlt sich die gesamte Judenschaft von Oberösterreich und Salzburg hochbeglückt und blickt dankerfüllten Herzens auf die erhabene Person Sr. Majestät unseres allergnädigsten Kaisers und Herrn, welcher allen seinen Völkern und Untertanen ohne Unterschied der Konfession ein allgütiger, allgerechter Vater ist. — Schließlich richtete der Vorsteher herzliche Begrüßungs- und Daukesworte an den Statthalter, sowie an alle Anwesenden für deren Teilnahme an der Feier und bat ihn, die Dekorierung vorzunehmen. Vor der Dekorierung richtete der Statthalter an den Rabbiner eine tiefempfundene Rede, in welcher er auch die segensreiche vierzigjährige Tätigkeit desselben als Seelsorger und Religionslehrer im allgemeinen und auf sein fünfundzwanzigjähriges pflichttreues Wirken als Rabbiner und Religionslehrer der hiesigen Kultusgemeinde und als eiftiges Mitglied des oberösterreichischen Landesschulrates insbesondere verwies, und es freue ihn, hervorheben zu können, daß dessen segensreiches Wirken nicht nur seine, sondern auch die vollste Anerkennung seiner Amtsvorgänger gefunden hat, und es gereicht ihm zum Vergnügen, dem verdienstvollen Rabbiner dieses hohe Ehrenzeichen selbst überreichen zu können, mit dem aufrichtigen Wunsche, es möge ihm vergönnt sein, diesen Orden noch recht lange tragen zu können. Sichtlich bewegt erwiderte der Dekorierte: „Eure Exzellenz, hochverehrte Versammlung! Es stürmen in diesem Augenblicke so viele Gefühle auf mich ein, daß ich kaum in der Lage bin, richtige Worte zu finden, um j denselben nur einigermaßen Ausdruck zu verleihen. Ich halte mich nur an i das eine: Ich fühle mich hochbeglückt darüber, daß meine bescheidene, seelsorgerische Tätigkeit auch an allerhöchster Stelle Anerkennung gefunden und so nehme ich denn das von Sr. Majestät unserem erhabenen Kaiser und Herrn allergnädigst mir verliehene Ehrenzeichen mit überströmendem Dankgefühl aus den Händen Euer Exzellenz. Wohltuend wirkt auf mich insbesonders das Bewußtsein ein, daß diese allerhöchste Gnade nicht nur für mich allein, sondern in gleicher Weise eine auszeichnende Ehrung bedeutet für meine liebwerte Gemeinde, in deren Mitte ich lange Jahre hindurch gelebt und gewirkt, und die sich durch die auszeichnende Ehrung in ihrer patriotischen Diensttreue noch gestärkt und gehoben fühlt. Euer Exzellenz! Es ist mein heißestes Verlangen, daß es mir ehebaldigst gegönnt sein möge, auch an den Stufen des Thrones meine tiefste Ergebenheit alleruntertänigst zum Ausdrucke zu bringen. Einstweilen bitte ich Euer Exzellenz, und diese Bitte strömt aus der Tiefe meiner ergriffenen Seele, den Dank wohlwollend für die hohe, auszeichnende Ehre, die uns, meiner lieben Gemeinde und mir selbst durch die persönliche Anwesenheit Euer Exzellenz, bei diesem feierlicheu Akte, zuteil geworden war, entgegen zu nehmen. Gott erhalte, Gott segne Euer Exzellenz in Ihrem Wirken und Schaffen zum Wohle und Heile dieses unseres teuren, engeren Vaterlandes!" Sodann verrichtete der Rabbiner vor der offenen Bundeslade das Gebet für den Kaiser, in das er auch den Statthalter einschloß und mit dem Absingen der Volkshymne endete diese schöne, würdevolle Feier. ' Prag. (Vom jüdischenSchulverein.) Das engere Komitee für die Statutenberatung richtete an die Mitglieder des Exekutiv-Komitees zur Gründung des jüdischen Schulvereines für Böhmen in Prag folgende Zuschrift: Euer Wohlgeboren! In der Beilage erhalten Sie einen Entwurf der Statuten des jüdischen Schulvereines. Wir bitten, denselben gefälligst durchsetzen zu wollen und falls Sie irgendwelche Aenderungen oder Aufklärungen wünschen, sich diesbezüglich an Herrn Dr. Gustav Kuh, Advokat in Prag, Wenzelsplatz, wenden zu wollen. Sollte diese Rundfrage bei den Mitgliedern des Exekutivkomitees ergeben, daß irgendwelche wesentliche Aenderungen im Wortlaute der Statuten gewünscht werden, dann würden wir eine Versammlung des Exekutivkomitees nach Prag einberufen. Wenn jedoch bis zum 25. £>. M. von den Mitgliedern des Exekutivkomitees keine derartigen Wünsche zum Ausdruck gelangen, dann werden wir aunehmen, daß das Exekutivkomitee mit dem Entwurf einverstanden ist und werden die Statuten in der vorliegenden Form der Behörde einreichen. Wir bemerken noch, daß nebst dem vorliegendem Text auch ein tschechischer Text und überdies ein fast gleichlautendes Statut für die einzelnen Ortsgruppen der Behörde überreicht werden wird. Die Texte dieser beiden Beilagen haben wir, um Kosten zu sparen, nicht ausfertigen lassen. Hochachtend: Das engere Komitee. Fiume. In der Generalversammlung am 10. März d. I. wurde der Beschluß gefaßt, Herrn S. R o s e n b a u m, ftüher Oberkantor zu Alt-Ofen, zum Oberkantor der hiesigen Kultusgemeinde zu wählen. Herr Oberkantor R o s e n b a u m tritt seinen Posten am 1. Mai an. Hamburg. Die Hamburg-Amerika-Linie meldet: Nordamerika: D. Acilia, von Baltimore kommend, 8. April 7 Uhr 30 Min. morgens auf der Elbe. D. Amerika, 7. April 11 Uhr 30 Min. nachts auf der Elbe. D. B a d e n i a, 7. Avril 9 Uhr morgens in Newyork. D. Barcelona, nach Newyork, Boston und Baltimore, 7. Avril Lizard passiert. D. Graf W a l d e r s e e, 6. April 2 Uhr nachm, von Newyork über Plymouth und Cherbourg nach Hamburg. D. H a m b u r g, von Newyork nach Neapel und Genua. 6. April Ponta Doarnel passiert. D. M o l t k e, von Genua nach Newyork. 7. Apr.l 2 Uhr nachm, von Neapel. W e st i n d i e n, Mexiko. Südamerika: D. A l l e m a n n i a, nach Havana und Mexiko, 7. April 11 Uhr morgens von Santander. D. A s c a n i a. von Westindien kommend, 6. April 2 Uhr 30 Mm. nachm, in Nordenham. D. C o n st a n t i a, 6. April von St. Thomas über Bremen nach Hamburg. D. E g e r, 7. April von Rio de Janeiro. D. Georgia, von Westindien kommend, 7. April 10 Uhr morgens Lizard passiert. D. Karthago, 6. April von Rio de Janeiro. D. L a P l a t a, 6. April von Para über Madeira nach Lissabon, Vigo, Havre und Hamburg. D. N a s s o v i a, nach dem La Plata, 6. April St. Vincent passiert. D. P o l y n e s i a. von der Westküste Amerikas kommend, 7. April Qneffant Creach passiert. D. Prinz Adalbert, von Buenos Aires nach Genua, 6. April nachm, von Santos. D. R u g i a von Mitielbrasilien kommend, 7. April 2 Uhr nachm, von Funchal. D. S t. I a n, von Mexiko und Havana kommend, 7. April 7 Uhr 30 Min. abends auf der Elbe. D. T r o j a, von Mittelbrasilien kommend, 6. April St. Vincent passiert. Leeds. In der Herzl-Jto-Hall fand eine größere literarische Veranstaltung zu Ehren und zu Gunsten des leider noch immer schwer kranken und in äußerst dürftigen Bermögensverhältnissen sich befindenden jüdischen Dichters Morris R o s e n f e l d statt. Es wäre herzlich zu wünschen, daß dem teilweise gelähmten und halb erblindeten Dichter Gaben zuflößen, damit wenigstens die drückendste Sorge von ihm genommen würde. Aus Johannisburg wird gemeldet, daß Max Langermann, der Präsident der isr. Gemeinden von Transvaal, ins Oberhaus berufen ist. Langermann ist Mitglied des großen Rates der „Jto" und seit Jahren neben seiner umfangreichen politischen Tätigkeit, die jetzt durch den König von England so glänzende Anerkennung gefunden hat, ein warmherziger Förderer oller jüdischen Angelegenheiten Transvaals._ Die Amulette des Wunderrabbi. Burleske von Adolf Steinschneider. In einem Dorfe nahe der Bukowinaer Grenze betrieb Herr Nathan Blumenschein ein Schankgewerbe, welches er von > seinem Gutsherrn in Pacht hatte. Das Geschäft ging flott, hatte ein gutes Erträgnis und er war im Wohlstände. Mit seiner jungen schönen Gattin lebte er in glücklicher Ehe, doch trübte ein Umstand dieses Glück. Ihre Ehe war kinderlos. Vergeblich bemühten sie sich seit vielen Jahren, taten alles mögliche dazu, umsonst, der Kindersegen blieb aus. Mit Neid und Kümmernis sahen sie bei ihrem Nachbar eine Schaar von Kindern sich hernmtummeln. Sie blieben einsam. Doch noch ein viel größeres Unheil drohte ihnen. Bei irgend einem Anlasse hatte er die Unzufriedenheit feines Gnts-- herrn sich zugezogen und dieser drohte ihnen mit der Kündigung des Pachtvertrages. Das wäre ein bedeutendes Mißgeschick. Aus ihrem gutgehenden, sie ernährenden Geschäfte verdrängt, aus ihrem behaglichen Heim hinausgewiesen, der Ungewißheit preisgegeben, einen anderen Erwerb zu finden, war für sie niederschmetternd. Trübselig saßen sie bei einander und dachten nach über ihr Mißgeschick. Da sprach die Frau: Mir fällt ein, daß der Rabbi von Sadagora so vielen Unglücklichen geholfen, so manchen Leidenden erfolgreiche Hilfe geleistet, versuchen auch wir es einmal, vielleicht hilft er auch uns, sowohl bei unserer Kinderlosigkeit, als auch um die Gunst des Gutsherrn wieder zu gewinnen. Du hast recht, liebe Sarah, wir werden diesen Schritt machen. Sie überließen das Schankgeschäft einem verläßlichen ehrlichen Kellner, mieteten eine Pritschka und fuhren nach Sadagora.