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Die Wahrheit · 1907-03-15 · Heft 11 (15.3.1907) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 11 (15.3.1907)
Date
1907-03-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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aki-heit Redaktion u. Slbminifti atiou: 'HMeit, 11/, Notiaragasse 27. Telephon Nr. der Druckerei 15302. üufevate Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. rlbonneineulSn. Jnsertionsbelräge sind in Wien zahlbar »nd klagbar. nakhängige Heiischrifi für Mische Interejsem Erscheint jeden Areilag. Motto : „D»a Siegel Gottes ist Wahrheit!“ j Verngspllei»: j Ganzjährig . . . ft 14.— j Halbjährig .ft 7 — i Für Cultttsbeamte: j G„,,zjährig . . ft. i» - ji _ Für Ausland: Jj G»,»zlährig ... 8 Mark | || 6 Rubel oder 16 FcS. j Nr. 11 Wien, 15. März 1907. Inhalt: Aus der Woche. — Bor den Wahlen in Galizien. — Ans der Wiener Kultusgemeinde. — Aus der Pester israelitischen Religionsgemeinde. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Die Rose von Saron. — Neue Synagogengesangswerke. — Ueber die einheitliche Gestaltung des Gottesdienstes. Ans der Woche. Während die christlichsoziale Partei in emsiger Wahl- und Wühlarbeit den Aufstieg von einer niederösterreichischen Landespartei zu einer mächtigen Reichspartei anstrebt, ist man in den Wiener liberalen Kreisen noch nicht über die Anfänge der Kandidatenfrage hinausgekommen und auch die Frage, wer in den! beiden Wahlbezirken mit jüdischer Majorität auf den Schild erj hoben werden soll, ist durch das Auftreten zweier neuer Man- > datsbewerber, kaiserl. Rat Jonas Weil und Gemeinderat Ferdinand Kleb in der, verworrener als bisher geworden. Jede Partei hat ihren eigenen Kandidaten, oder jeder Kandidat seine eigene Partei, von einer Einigung mit Rücksicht auf die allgemeinen Interessen keine Spur, und leider mangelt es an einer zielbewußten Führung, die die jüdische Wählerschaft unter einen Hut bringen könnte. Die Unentschlossenheit und Verdrossenheit in der Wählerschaft ist eine so große, daß die absurdesten Kombinationen und Gerüchte auftauchen und unter letzteren auch das, daß die Christlichsozialen unter Favorisierung der Regierung nicht abgeneigt sein sollen, zum Kampfe gegen die Sozialdemo-! traten den Anschluß an die Judenliberalen und Juden zu suchen. Wenn auch dieses Gerücht nicht ernst zu nehmen ist und überhaupt, was uns Juden betrifft, ein solcher Plan perhorresziert werden muß, so sollte doch die Tatsache, daß das Gerücht überhaupt entstehen konnte, die jüdischen Wähler zur Ernüchterung bringen und ihnen klar werden lassen, auf wessen Mühlen sie das Wasser treiben, wenn sie nicht einig und geschlossen ihren Gegnern im Wahlkampfe gegenübertreten. * * -i- Das ungarische Abgeordnetenhaus hatte jüngst eine interessante Debatte über den Antrag des Komitates Tolna. daß auch der i s r a e l i t i s ch e n Ko n f e s s i o n eine offizielle Vertretung im Magnaten Hause ein geräumt werde. Vom Ausschußreferenten, wie auch von der klerikalantisemitischen -Volkspartei wurde die Ablehnung der Petition beantragt, aber in den Reihen der übrigen Reichsratsparteien fand dieselbe energische Fürsprecher und wurde schließlich der Regierung zum Studium anempfohlen. Die Debatte über diese Petition nahm ungefähr folgenden Verlauf: Referent Hermann beantragt namens des Ausschusses, diese Petition ab zu lehnen, da die jüdische Konfessiion noch keine Organisation besitze. Dem gegenüber beantragt namens der Unabhängigkeitspartei Abg. Bakonyi unter Hinweis auf die Religionsgleichheit und um darzulegen, daß die Unabhängigkeitspartei nicht einmal den Schein aufkommen lassen wolle, als ob sie nicht die Gleichberechtigung aller Konfessionen anerkennen würde, die Befürwortung der Petition. Abg. B u z a t h führt aus, daß der Wunsch des Komitats Tolna rmerfüllbar fei, nicht nur weil die jüdische Konfession nicht orgamsiert ist, sondern auch weil ein großer Teil der Rabbiner in Ungarn nicht einmal die ungarische Staatsbürgerschaft besitzt, sondern aus Galizien eingewandert ist. Graf Theodor B a t h y a n y bezeichnet das Verlangen, daß die jüdische Konfession auch im Magnatenhause vertreten sei, als durchaus berechtigt und nimmt den Antrag Bakonyi an. Abg. R a t k a tst der Ansicht, daß keiner einzigen Konfession als solcher eine Vertretung im Magnatenhaufe gebühre. Nachdem jedoch die anderen Konfessionen im Magnatenhause vertreten sind, gebühre von Rechts wegen auch der israelitischen Konfession dieselbe Vertretung. Gegen den Antrag Bakonyi äußerte sich noch Karl Hencz von der Volkspartei. Schließlich erklärte Abg. Gabriel U g r o n, daß zu den rezipierten Konfessionen auch die israelitische Konfession gehöre. Es gibt somit keinen Grund, die Rechte, welche die anderen Konfessionen genießen, nicht auch auf diese a u s z u d e h n e n. Daß die israelitische Konfession keine einheitliche Organisation besitze, indem es Orthodoxe und Neologen gibt, könne umsoweniger ein Grnnd sein, die Konfession aus dem Magnatenhause auszuschließen, weil auch die serbische und rumänische Kirche nicht einheitlich organisiert ist und in zwei Glaubensbekenntnisse zerfalle. Die Petition wurde hierauf mit Annahme des Antrages Bakonyi der Regierung zum Studium anempfohlen. Der Antrag des Ausschusses wurde abgelehnt. * An den deutschen Universitäten wird wieder einmal ein künstlich angefachter Rummel gegen die Ausländer inszeniert. Man versteht darunter natürlich nur die russischen Juden, wie auch verschiedene Herren mit großer Offenheit erklärt haben. Die anderen Ausländer läßt man sich gerne gefallen. Es ist aber sehr charakteristisch, so bemerkt bei Registrierung dieser Tatsache die „Allg. Ztg. d. Judent.", daß in einer Akademiker- Versammlung, die sich mit dieser Frage beschäftigte, der bekannte Wochenschauer der „Kreuzzeitung". Herr Prof. Schiemann, der selbst ein Balte ist, das große Wort geführt hat. In einer zweiten Studentenversammlung erstattete das Referat Herr Prof. Samassa, der aus Laibach stammt! Beide Herren eiferten gegen die jüdischen Studenten aus dem Osten als Ausländer — was soll man dazu sagen?

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