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Die Wahrheit · 1907-03-01 · Heft 9 (1.3.1907) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 9 (1.3.1907)
Date
1907-03-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 9. Seite 7. Die Wahrheit Dr. Samuel Mühsam. Ein Seelsorger, wie er sein soll, voll gründlichen jüdischtheologischen Wissens und von echt jüdischer Gemüts- und 'Gefühlswärme durchdrungen, ist dem Judentume mil Samuel Mühsam, Rabbiner für Steiermark, Kärnten und Kram, durch den unerbittlichen Tod entrissen worden. Rabbiner Mühsam war nicht mir für die Kanzel, sondern auch für den Lehrstuhl geboren. Er war ein ausgezeichneter und tüchtiger Pädagog und zugleich ein Muster jüdischen Strebens, ein Priester Gottes und ein Priester der Humanität. Ein milder frommer Sinn begleitete diesen wackern Mann durch seinen ganzen Lebensweg und als würdiger Namensträger des Propheten Samuel konnte man von dem Verblichenen mit Recht sagen iTirrb bxiöir svr» -o „Samuel war als Prophet des Ewigen beglaubt," es erkannte ganz Israel, daß Samuel ein wahrhafter Prophet des Ewigen sei. Das hervorragende und vielseitige Wirken Dr. Mühsams hat auch vielfache Anerkennung und Würdigung gefunden. Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone und der -Ehrenmedaille für vierzigjährige treue Dienste, Mitglied des Grazer Stadtschulrates, Gründer vieler humanitärer Institutionen, war dieser treffliche Seelsorger ein gerechter Stolz seiner ausgezeichneten Familie, seiner geliebten achtbaren Gemeinde und ein wahrer Stolz des Judentums. Das Andenken dieses Priesters fei zum Segen! Albert Löw. * * * Von anderer Seite werden uns über den Lebenslauf Dr. M ü h s a m s nachstehende Mitteilungen gemacht: Rabbiner Dr. Samuel Mühsam teilte mir im Jahre 1900 seine Lebensgeschichte und Amtstätigkeit in folgenden Daten mit: Im Jahre 1863 wirkte er im Vorstande des Rabbinatskandidaten-Vereines in Wien (Obmann Friedman n) und hielt Vortrüge im Bethamidrasch über die Geschichte der Juden. Auf Grund des von H o r w i tz ihm verliehenen „Morenu-Titels" und einer „Hatara" von P l a t s ch e k in Boskowitz, wurde er im Jahre 1865 zum Rabbiner in Postelberg engagiert. 1870 wurde er als Rabbiner nach Znaim berufen, wo er an der Landesoberrealschule Supplent für Französisch und Ordinarius der 2. Klasse war. Im Jahre 1872 wurde er als Rabbiner in Bisenz angestellt, von wo aus er zur Einweihung des Tempels nach Hradisch berufen wurde. Die ihm auf Empfehlung Baumgartens angebotene Direktorstelle an der jüdischen Schule in Kremsier lehnte er ab. 1877 kam er als Rabbiner nach Graz, wo er fast 30 Jahre segensreich wirkte. Im Jahre 1878 gründete er den Frauenverein und wurde zum „Protektor" des Vereines „Humanitas" und zum Vizepräsidenten des Komites zur Errichtung eines Hospitales und Friedhofes in Gleichenberg ernannt. Im Jahre 1882 gründete er einen Verein für Armenverteilung und wurde er .zum Dolmetsch der hebr. Sprache beim Gerichte ernannt. 1883 hatte er Audienz beim Kaiser, bei welcher Gelegenheit dieser das berühmte Wort aussprach: „Die Ihrigen können auf meinen Schutz rechnen." 1884 hatte er Audienz, um die Bewilligung zu einer Geldlotterie zum Tempelbau zu erlangen. Er selbst unternahm weite Reisen, um Geld für den Tempel zu sammeln. Damals wollte der Gemeinderat von Graz das Schächten -verbieten. Dr. Mühsam arbeitete ein Memorandum dagegen aus, welches auch ins Italienische übersetzt wurde. 1898 erhielt er das „Goldene Verdienstkreuz mit der Krone". So oft der Kaiser, der auch im Jahre 1895 den Tempel besuchte, in Graz weilte, wurde er zur Hoftafel geladen. Arbeiten sind von ihm erschienen in „Neuzeit", „Zeitstimme", „Hilber'sche Monatshefte", ..Abendland", „Zeitung' des Judentums", „Gegenwart" und „Encyclopädie". Als ich auf der Reise nach Gleichenberg in seinem Hause gastliche Aufnahme fand, las er mir eine Arbeit „Pädagogisches im Talmud" vor. IT. G-. Amerikanischer Kries. <§««,! hätte selbst die massenhafte Einwanderung won Juden ans Rußland, Rumänien und Galizien wohl nie- Jn der Tat mals besondere Aufmerksamkeit erregt und wäre sie noch weniger die Ursache gewesen, daß man auch in Amerika jetzt ernstlich von der Möglichkeit einer antisemitischen Gefahr spricht, wenn nicht diese jüdischen Einwanderer unglücklicherweise zum weitaus größten Teil in New Jork landeten und blieben. New Jork beherbergt jetzt 800.000 Juden und ist die größte Judenstadt, die es jemals in der Weltgeschichte gegeben hat. Man hat nun versucht, die eingewanderten Juden mehr über das Land zu verteilen. Aber das ist eine schwierige, kostspielige und langwierige Geschichte. So ist denn der Plan aufgetaucht, eine Schiffslinie nach G a l v e st o n zu eröffnen und von dort aus die Eingewanderten über Texas und andere Süd- und Weftstaaten zu verteilen. Es war sogar davon die Rede, die Nordhäsen den Einwanderern ganz zu verschließen. Der Plan mit Galveston ist indessen bereits der Ausführung nahe. Zwei Rothschilds haben je 200.000 Mark, ein anderer Jude, der nicht genannt sein will, eine halbe Million zu diesem Zwecke hergegeben. Wie bekannt, pflegen antisemitische Zeitungen, manchmal aber auch andere, wenn es sich um einen jüdischen Verbrecher handelt, gern zu ermähnen, daß es ein Jude sei, während man nie von einem katholischen Mörder oder protestantischen Fälsche^ vermerkt, welcher Religion er augehört. Doch das sind bei den antisemitischen Blättern kleine Bosheiten, bei den anderen kleine Entgleisungen des Gefühles für Recht und Billigkeit. Wenn von Juden etwas Rühmliches gemeldet wird, wird nicht so regelmäßig, ja nur selten bemerkt, daß der Betreffende ein Jude sei. Eine solche Entgleisung ist auch dem Historiker James Ford Rh ödes in seinem Werke „Geschichte der Vereinigten Staaten" an einer bestimmten Stelle passiert. Darauf schrieb Herr Louis Marshal, einer der bekanntesten jüdischen Führer, an ihn: „Warum, bitte, war es nötig, von einem dieser diebischen Gouverneure (es handelt sich um die berüchtigten Carpet-Baggers) zu erwähnen, daß er ein Jude war? Wenn die historische Wahrheit eines Hinweises auf seinen Glauben bedürfte, warum erstreckte sich ihre Untersuchung nicht auch auf die Erforschung der speziellen christlichen Konfession oder Sekte, der der erfahrenere Dieb angehörte. Wenn Sie das Wort Jude in ethnologischem Sinne brauchen, wäre es nicht ebenso interessant für Ihre Leser, i zu erfahren, welcher Abstammung der andere Dieb angehörte?! In den sieben lehrreichen Bänden, in welchen Sie die Schurkereien j eines Vierteljahrhunderts bloßgelegt haben, fanden Sie es nur I in diesem einzigen Falle nötig, die erwähnte Bezeichnung zu! machen. Was ist aus dieser außerordentlichen Entgleisung zu! schließen? Aufrichtig hoffe ich nicht, daß Sie angesteckt worden! sind von jenem blinden und unvernünftigen Vorurteil, das den j traurigstell Fleck der modernen Zivilisation ausmacht. Indes; meine Kritik ist noch nicht zu Ende. Wenn Sie auf geschichtliche! Wahrheit Gewicht legten, dann würden Sie gefunden haben, j daß, wenn auch der Vater jenes korrupten Gouverneurs von jüdischer Abstammung war, seine Mutter eine Christi n gewesen! ist, u. zw. nach ihrem Namen zu urteilen, von schottischer oder irischer Herkunft. Sie war eine Miß Mc Clenehan, und von ihrem Sohn sagt E l z a s in seiner authentischen Geschichte der Juden von Süd-Carolina, daß er nicht als Jude erzogen wurde, und daß auch seine Beziehlingen in keiner Weise jüdische waren. Ueber ein Jahrhundert hatten seine Vorfahren von väterlicher Seite als ehrbare Bürger in Süd-Carolina gelebt. Sie haben die Sache der Revolution unterstützt und waren hervorragend im geschäftlichen und beruflichen Leben; sein Vater hat seinem Staate bemerkenswerte Dienste geleistet. Warum dann legen Sie das Verbrechen dieses entarteten Sohnes dem jüdischen eher als dem christlichen Blute zur Last, das in seinen Adern strömte? Unter solchen Umständen fühle ich mich berechtigt, Sie zu bitten, die anstößige Bemerkung, aus welche ich Ihre Aufmerksamkeit gelenkt habe, in den kommenden Auflagen, die das gelehrte Werk so sehr verdient, anszumerzen." Nicht minder bezeichnend wie dieser Brief ist die Antwort des amerikanischen Gelehrten. Es heißt darin: „Hätte irgend jemand an mich die Frage gerichtet. ,ob ich infiziert sei von jenem blinden und unvernünftigen Vorurteil?^ dann hätte ich erwidert: ,ganz entschieden NeiM. Ich fürchte jedoch, daß die von Ihnen zitierte Stelle eine unbewußte Wirkung desselben ist.

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