Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 6 (8.2.1907)
- Date
- 1907-02-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6. Die Wahrheit « Seite 7. Don der Person sein Begründers für unmöglich, verspricht sich aber nichts von den Resultaten der historischen Kritik, wie sie /seit Strauß ausgeübt wird. Derjenige Christus, der wirklich in der christlichen Religion lebe, sei die Gestalt des ganzen neuen Testaments; an dieses hätten wir uns zu halten, gleichviel, ob sein Christus den historischen Tatsachen entspreche oder nicht. Jedenfalls entziehe sich die Person Christi jeder dogmatischen Formulierung, und es müsse völlige Freiheit hinsichtlich ihrer Auffassung gewährt sein. Zum Schlüsse seiner Ausführungen stellt Berner folgende These ans: „Die Religion der Zukunft wird sein: ein vom Wunderglauben befreites, durch den Wiedereintritt des Judentums im Gottesglaubeu gefestigtes, und von aller dogmatischen Scholastik wie von allem polytheistischen Beisatz gereinigtes Christentum." Jüdischer Iiürgerverein -,Ito" in Men XV. Im Namen der „Jüdischen T err i t o r i a l- O r g anisatron" (Jto) treten die Unterzeichneten Bürger als Leiter -es oben genannten Vereines an ihre jüdischen Mitbürger heran, um sie anfznfordern, mit ihnen die itoistische Idee zu fördern und sich mit ihnen i:m Israel Z a n g w i l l, dem Präsidenten der Organisation zu scharen. Es ist der Zweck und die Absicht -er ..Jüdischen Territorial-Organisation" für jene Inden, die in ihren jetzigen Wohnsitzen nicht bleiben wollen oder können, ein "Land mit Selbstverwaltung zu gewinnen. Braucht man erst näher auszuführen, daß es eine Judenuot gibt, die zwingt, die jetzigen Wohnsitze zu verlassen? Die täglichen Zeitungsberichte lehren es deutlich nnd die eigene Erfahrung zeigt es, daß der Haß gegen die Juden nnd ihre Verfolgungen nirgends und nie aufgehört haben. In 17 Monaten gab es 639 Pogroms, Angriffe gegen die Juden! Darum erscheint es als eine notwendige Maßregel, den Hunderttausenden von Juden, die jährlich auf der Wanderung sind, um das Leben zu erhalten, eine Heimstätte zu schaffen, in der sie ruhig an der Kultnrentwicklung der Menschheit teilnehmen können. Denjenigen Juden aber, die in ihren alten Wohnstätten Zurückbleiben, wird die stete Sorge um ihre gefährdeten Volksgenossen genommen; sie werden von der Schande und Erniedrigung befreit, daß sie ihren vor Massakres und Verstümmelung fliehenden Brüdern kein Asyl geben konnten. Klagen von Juden und Martertnm der Juden sollen schwinden, wenn der absichtlichen Proletarisierung der Massen durch unsere Feinde Dorgebeugt wird. Und dies ist nur möglich, wenn die Juden das eigene Land haben, in dem sie in Arbeit und Ruhe sich ausleben. Das eigene Judenland heißt also Erhaltung der Judenheit und^des Judentums. Gewinnung der Selbstachtung und der Achtung anderer, Freiheit und Wertschätzung unseres Volkstums, unserer Religion, unserer Kulturmission. Für dieses Ziel hat Z a n g w i l l in allen Erdteilen nnd Staaten Mitarbeiter und Freunde geworben. Ihre Namen verbürgen schon die Sicherheit des Erfolges, den Ernst des Wollens. Äus England nennen wir bloß Lord Rothschild, Lucien Wolf und Sir Alfred Turner, aus Amerika Oscar S. S t r a n s, Daniel Guggenheim und Jacob H. S ch i f f, aus Rußland Dr. I a s s i n o w s k i und Professor Mandelst a m m, aus Deutschland Dr. Klee, Dr. Paul Nathan und James Simon, eine Auslese sozial höchst stehender Männer! Die Zugehörigkeit zur „Jto" legt keine materiellen Opfer auf. Neben den genannten Männern, die bereit sind, große Summen zur Verfügung zu stellen, haben auch die größten und reichsten jüdischen Vereinigungen Z a n g w i l l ihre Bereitwilligkeit erklärt, die früher auf einzelne Unternehmungen zersplitterten Gelder seinem Plane zu widmen, Z a n g w i l l will nur die Lugehörigkeit zur Idee, die moralische Unterstützung seiner Volks¬ und Glaubensgenossen, auf daß er vor den Regierungen sein Anliegen als ein nationales, allgemein jüdisches hinstellen kann. Zu diesem Anschlüsse fordert nun jeden einsichtigen Juden auch der „Jüdische Bürgerverein „Jto" in Wien XV" auf. Er will das Zentrum bilden, für die Anhänger und Freunde Z a n g w i l l s, für alle jene, die in der Erwerbung eines Jto-Landes für die Juden die Befreiung aus der Judennot sehen. Weg von den Bedrängnissen des Tages, fern von den kleinlichen Angelegenheiten der Gemeinde, schweifen Herz und Sinn zur schönen Zukunft unseres Volkes. Wer würde da nicht mittun? Wir hoffen, viele Freunde um uns zu scharen, mir denen wir im engen Gedankenaustausch Diskussionen pflegen, alljndische Angelegenheilen besprechen, Feste feiern, uns national erheben und für die Ideen des Judenstaates wirken können. Ein jährlicher Mitgliedsbeitrag von X 4.— soll zur Erhaltung der Bereinstütigkeit dienen. Anmeldungen nimmt jeder der Unterzeichneten entgegen! Direktor Dr. S. Kren berge r. XIII/z, Anhofstraße 221—2, Obmann. Samuel Mohr, XII., Schönbrunnerstraße 289. erster Obmann-Stellvertreter. Anton P i ck, XV., Mariahilferstraße 140, zweiter Obmann-Stellvertreter. Nathan M e ch o r, XIV., Mariahilferstraße 189, erster Schriftführer. Bernhard Herzog, XIV/z, Wivkelmannstraße 34, zweiter Schriftführer. S. M. H ö n i g s b e r g, XV., Kranzgasse 20, erster Kassier. Julius Baad, XIII., Lainzerftraße 67, zweiter Kassier. Samuel Bernhardt, XV., Mariahilferstraße 144; Isidor G e h l b a r d, XIV/z, Sechshauserstraße 108; Bernhard K a h a n e, XV., Haidmannsgasse 7; Professor Rudolf P i ck, I., Wollzeile 6; Dr. Heinrich Rieger, VII., Mariahilferstraße 128; Beiräte. Aür den jüdischen Turnverein. Von Herrn Hermann K ö n i g, Wien, VII/1, Seidengasse 26 werden wir um Veröffentlichung nachstehenden Aufrufes ersucht: Euer Wohlgeboren! Als vor 6 Jahren die Verhältnisse in den Wiener deutschen Turnvereinen für den Juden unleidlich wurden, traten die jüdischen Studenten zusammen und gründeten einen Studenten-Turnverein. Mit ihrer empfindlichen Auffassung von Selbstgefühl und Ehre wollten sie nicht in solchen Vereinen turnen, wo Antisemitismus herrschte, oder wo antisemitische Verbände sich angliederten. — Dieselben Gründe gaben auch anderen Kreisen des Judentums Anlaß, einen Turnverein aufzusuchen, wo körperliche Kräftigung ohne Opfer des Intellektes und der Ehre erreicht werden konnte; daraus ergab sich im Jahre 1900 die Notwendigkeit, den Studentenverein in einen allgemeinen und zwar den „Ersten Wiener jüdischen Turnverein" umzuwandeln. Ich habe mich bemüht, ungeachtet bedeutend materieller Opfer diese Umwandlung zu ermöglichen. Dieser Turnverein, der schon über 6 Jahre besteht nnd zirka 350—300 Mitglieder zählt, bietet ein Bild eifriger Tätigkeit; an seiner weiteren Entwicklung ist er nur durch den Umstand behindert, daß er ein für die derzeitigen Verhältnisse ungeeignetes Souterrain-Lokal tMölker-Bastei 5) innehat. das weder in räumlicher noch in sanitärer d. h. turnhygienischer Beziehung den Anforderungen entspricht. Es muß getrachtet werden, dem Vereine eine entsprechende Turnhalle zu verschaffen, damit es ihm ermöglicht werde, sein Ziel und den Zweck, die Juden in dem ihnen aufgedrängten harten Kampfe physisch tauglich zu wachen, zu erreichen. — Da heißt es mit dem Nachwuchse beginnen und aus der degenerirten Jugend gesunde, kräftige, ausdauernde und selbstbewußte Männer und Frauen zu erziehen. Als Gründer und Ehrenmitglied dieses Turnvereines richte ich die Bitte an Sie: Helfen Sie mit einem einmaligen größeren Betrage mit für die Errichtung einer Turn-Halle. Sie üben damit eine Wohltätigkeit, die Ihnen zum Lobe und unserer Nation zum Heile gereichen wird; der Saat, die Sie dadurch legen wird in Zukunft reicher Segen entsprießen. Der Ausschuß wird mit Vergnügen bereit sein, falls Euer Wolgeboren es wünschen, behufs Auskunftserteilung vorzusprechen. Hochachtungsvoll Herrman König. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Jüdische Toynbee -Halle, XX., Othmargaffe 46.) Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Beginn der Borträge: An Wochentagen um '/z8 Uhr abends, Samstag, Sonn- und Feiertage 7 Uhr abends. Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle mau an den Obmann Dr. I. Samuely, I.. Fischerstiege 6, gelangen laffen. Wochenprogramm: Freitag, den 8. Februar: Bibelvortrag. Religionslehrer Leopold Weiß. Samstag, den 9. Februar: Kammermusik-Abend des Quartett Specht. Sonntag, den 10. Februar: „Die Entstehung der bildenden Künste als menschliches Bedürfnis." (I.) Akad. Maler Otto H e r s ch e l. Montag, den 11. Februar: „Die Tatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens." Prof. Dr. Wilhelm Jerusalem. Dienstag, den