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Die Wahrheit · 1907-02-01 · Heft 5 (1.2.1907) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 5 (1.2.1907)
Date
1907-02-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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akrtzeit Redaktion u. Administration: Wien. II/, Nvvaragasse 27. Televhu» Nr. der Druckerei i53>>8. ünlvratr: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Abonnementsu. Insertion», betröge sind in Wie» zahlbar und klagbar. »abhängige Heitschrift für jüötsche nteressen» Hr scheint jeden Kr ei tag. Motto : „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!*' Verngspneis: Ganzjährig ... ft 14.— Halbjährig . ft. 7.— Für Cultusbeamte: Ganzjährig . ft. 10.- Für Ausland: Ganziähcig ...» Mart t> Stnbet oder 16 FcS. Wien, 1. Februar 1907 Inhalt: Professor Dr. Moriz Steinschneider. — Der jüdische Räuberhauptmann. — Aus der Wiener Kultusgemeinde. — Aus der Pester Chewra Kadischa. — Chamischa Asser. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Die Rose von Saron. — lieber die einheitliche Gestalrung des Gottesdienstes. — Die Juden von Jamaica. Professor Dr. Moritz Steinschneider. Am 24. Jänner ist in Berlin der berühmte Orientalist und Bibliograph Professor Dr. Moritz Steinschneider im 91. Lebensjahre gestorben. Mit einer Selbstlosigkeit sondergleichen hat er sein ganzes Leben der Wissenschaft gewidmet und von frühester Jugend bis zu seinem Heimgang eine überaus fruchtbare und in der ganzen wissenschaftlichen Welt beider Hemisphären allgemein anerkannte literarische Tätigkeit entfaltet. Steinschneider war ein geborener Oesterreicher, er entstammte einer geachteten Familie aus Proßnitz in Mähren, wo er am 30. März 1816 als Sohn des gelehrten Jakob Steinschneider geboren wurde. Von Hause aus mit bedeutenden talmudischen Kenntnissen ausgestattet, außer seinem Vater waren Rabbi Mordechei B e n e t und Rabbi Nachum Tre b i t s ch seine Lehrer, begab er sich, nicht älter als 17 Jahre, nach Prag, wo er bis 1836 dem Studium der Philosophie, Pädagogik und neuerer Sprachen oblag. Von 1836 bis 1839 betrieb er an der Wiener Universität geschichtliche und damit verwandte Studien und wurde durch Leopold Dukes auf die neuhebräische und orientalische Literatur geführt. Zur Fortsetzung seiner arabischen Studien, die ihm in Wien in Folge konfessioneller Unduldsamkeit zum Teile verwehrt wurden, ging er zunächst nach Leipzig und dann nach Berlin, wo er vergleichende Sprachkunde, Geschichte der orientalischen Litteratur und ähnliche Kollegien hörte. Hier trat er auch mit Leopold Zunz und Abraham Geiger in nähere Beziehung. Nach zweijährigem abermaligen Aufenthalte in Prag, ließ er sich 1845 dauernd in Berlin nieder, wo er, da er zur Uebernahme eines Rabbinates keine Neigung hatte und in Folge seiner Confession eine staatliche Anstellung nicht erlangen konnte, jahrelang ohne Amt und Stellung mit voller Hingebung der Wissenschaft lebte und aus das Erträgnis seiner literarischen Tätigkeit angewiesen war. Den größten Einfluß auf Steinschneider hat Zunz genommen, dessen hervorragendster Jünger er geworden ist. Auf dem Gebiete der jüdischen Bibliographie übertraf er seinen Meister, der ihm im Punkte literarischer Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit ein leuchtendes Vorbild war. Seinen Ruf als Bibliograph begründete sein Katalog der Bodlejana in Oxford, den er als Frucht einer dreizehnjährigen Arbeit in lateinischer Sprache herausgab. Dieser Katalog, dem kein zweiter an Sachkenntnis, Reichhaltigkeit und Umsicht gleichkommt, ist eine unschätzbare Quelle für jüdische Bibliographie und Literaturgeschichte geworden. Auch die handschriftlichen Werke in den Bibliotheken zu Berlin, Hamburg, München und Leyden, die nach Hunderten zählen und die mannigfaltigsten Gebiete der Wissenschaft umfassen, hat er in ausführlichen Katalogen verzeichnet und man kann sagen, daß kaum ein anderer jüdischer Gelehrter soviel Handschriften gelesen und benützt hat, wie er. Steinschneider war auch der erste, der eine jüdische Literaturgeschichte in der Enzyklopädie von Ersch und Gruber veröffentlichte, die daun später vermehrt und verbessert in englischer Sprache erschien. Die polemische und apologetische Literatur zwischen Moslems, Christen und Juden hat er in einem besonderen Bande behandelt und die Memoiren der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Petersburg enthalten von ihm einen starken Quartband über den arabischen Philosophen Alfarabi. Die französische Akademie hat seine Werke „Die arabischen Uebersetzungen aus dem Griechischen", „Die hebräischen Uebersetzungen aus dem Mittelalter und die Juden als Dolmetscher" und „Die arabische Literatur der Juden" preisgekrönt. Eine Bibliographie der europäischen Uebersetzungen aus dem Arabischen vom 11. bis 18. Jahrhundert ist in den Sitzungsberichten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien erschienen, deren korrespondierendes Mitglied Steinschneidergewesen ist. Zahlreich sind die Monographien und Abhandlungen, die er in gelehrten Journalen und in den Schriften der verschiedenen Akademien veröffentlicht hat. Er schrieb deutsch, hebräisch, arabisch, lateinisch, französisch, italienisch und englisch, war ein Polyhistor im besten Sinne des Wortes und dabei ein ausgezeichneter und praktischer Schulmann. Für die immense literarische Tätigkeit Steinschneiders zeigt am besten die Tatsache, daß in der Festschrift, die anläßlich seines 80. Geburtstages im Jahre 1896 erschien, die Titel seiner Werke und Abhandlungen ans 40 Oktavseiten verzeichnet waren. Damals zeichnete Dr. M. Kayserling den Jubilar mit folgenden treffenden Worten: Mit seinen literarischen Arbeiten und seinen monumentalen Werken und vielen Abhandlungen in allen modernen Sprachen reiht sich Steinschneider unmittelbar an Zunz an. Hat Zunz das unbestrittene Vorrecht, den Grundstein für die Wissenschaft des Judentums gelegt und dauernde feste Resultate seiner Forschung geliefert zu haben, so muß die unparteiische Kritik anerkennen, daß Steinschneider das große wissenschaftliche Gebäude sozusagen unter Dach und Fach gebracht und einzelne Disziplinen der jüdischen Literatur in die allgemeine Wissenschaft eingeführt hat. Er war der erste, der die jüdische Literatur bis zu Ende des 18. Jahrhunderts nach Epochen eingeteilt, übersichtlich darstellte, und der erste, der nachwies, was die Juden im Mittelalter auf dem Gebiete der Philosophie, der Medizin, der Mathematik, der Astronomie u. a. geleistet haben.

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