Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 49 (21.12.1906)
- Date
- 1906-12-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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te akt-heil llieboftiou h. Rdmiiiisualion: j Wien, 1J/, Novaragasse 27. Yflebboii!>tr. bfr D> ucterci 15808. 3uletäte Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. SlboiiiiemeiitSn. .Jnieetionsbelräge find tk äUieii zahlbar | nnd klagbar. mkhängige Keilschrift für j Interessen. Erscheint jeden Kreitng. Motlo : „Das Siegel Gocie:s ist Wahrheit!*' Gerngspueis: Ganzjährig . . . Jt. »8 — j Halbjährig . . St. 6.—! li Für lLultttSdeuilite: >, i ^»„zjährig St. 10 - I - ■ j || Für \’ln?hmb: ji i Ii l^anzjahrig . . . s Mark! j 6 Rudel i>bft 16 (fco. M i_ __ __ii Ur. 49. Wien, 21 Dezember 199«. Inhalt: Aus der Woche. — Georges Clemenceaus, der Dichter. — Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim. — Die Konstituierung eines Zeutralverbandes für Oesterreich der Wiener Territorialisten. — Adele Brody-Kinderspital. — Verschiedene Nachrichten. — Zur Gründung einer öffentlichen Kantoren-Bildungsanstalt. Ans der Woche. Prinz Alois Liechtenstein, dem die antisemitische! Partei, nebst Dr. Lueger zu so großem Danke verpflichtet ist, I bat endlich den schon lange zugedachten Lohn für seine, den; Antisemiten geleisteten Dienste durch die Ernennung zum Land-! marschall von Niederösterreich erhalten. Dieser Tage fand nun die Amtseinführung des neuen Landmarschalls statt und bei diesem Anlasse verwies der Statthalter Graf Kielmannsegg auf das einträchtige Zusammenwirken, das in den letzten Jahren j zwischen der staatlichen und autonomen Verwaltung herrsche, j Hoffentlich wird die Regierung bei der Bedachtnahme ans den,! wie der Statthalter sich ausdrückte, zum Gedeihen des Landes! notwendigen Einklang der beiden Faktoren auch nicht die Rücksicht! auf die Staatsgrundgesetze vergessen, welchen der neue Land-! marschall und seine Partei, so oft es sich um Juden handelte, bisher nur sehr geringen Respekt bezeugt haben. j * *! * In der „Neuen Freien Presse" lasen wir jüngst folgende j Notiz: j „Aus Leserkreisen werden wir aufmerksam gemacht: In Meyers „Kleinem Konversationslexikon", 7. Auflage, 1. Band, Seite 280, findet sich unter dem Schlagworte „Antisemiten" am angeführten Orte folgende merkwürdige Bemerkung: . . zugleich wuchs in Ungarn die Bewegung infolge jüdischer Ritualmorde. . . Es läge wohl im öffentlichen Interesse, der Verbreitung solcher antisemitischer Unwahrheiten durch > sogenannte „populäre" Werke entgegenzutreten."! Da wir nun das genannte Konversationslexikon in letzter! Zeit sehr oft in liberalen und auch jüdischen Blättern inseriert! fanden, hoffen wir, daß die Oeffentlichkeit nach dieser Stich- > probe von der „Vorurteilslosigkeit" des Lexikons sich selbst das; richtige Urtel über den eigentlichen literarischen Wert desselben! bilden wird. * * i *; Während die liberalen und konservativen deutschen Blätter,! ja selbst antisemitische, wie .Kreuzzeitung", „Deutsche Tagesj zeitung" und ähnliche, den Kolonialdirektor Dernburg, der durch sein offenes Auftreten den Bruch mit dem Zentrum herbeiführte, vollste Anerkennung zollen, gibt die antisemitische „Deutsche Hochwacht", die Herrn Dernburg seine jüdische Abstammung nicht vergessen kann, folgende Hauswurstiade zum Besten: Ja, Dernburg! Was soll man zu dem Manne sagen, nachdem er sich scheinbar enthüllt hat! Wir meinen, daß er seine Rolle gut spielt. Erharden Kampf zwischen Rom und Juda eröffnet. Seine ganze Kolonialpolitik zielt zweifellos auf eine Auslieferung der Kolonien an die privatkapital i.st i f cf) e Spekulation hinaus. Es ist kein Zusall. daß ihm von seiten Roms der verpsaffteste aller Zentrnmslente, Herr Rören, gegenübergestellt wurde. Die Schwarzen nnd die Goldenen spielen sich unsere Kolonien ans! An Dernburg zu ..glauben", ist unmöglich — das beweist seine Vergangenheit. Dernburg hätte sich sowieso an der Darmstädler Bank nickt mehr halten können; er hatte die Karre gründlich verfahren. Es ist daher nicht ein Opfer von ihm, daß er seine schöne Stellung aufgab. Eitlen glänzenderen Abgang konnte er ja gar nicht mimen, als die Erhebung zum Wirklichen Geheimrat und zur Exzellenz! Aber nun wird er aus seiner Haut nicht heraus können und darf es auch nicht — als echter Jsraeliter. Was Rören und Dernburg sich da gegenseitig an den Kopf geworfen haben, das sind beiderseits Wahrheiten gewesen. Und wir stehen abseits und schauen dem lustigen Treiben zu und — trauen beiden nicht? Es ist ja beschämend für die Deutschen, daß ein H e b r ä e r es ihnen vormachen muß, wie man mit römischen I n t r i g u a n t e n umgeht. Nur sei festgestellt, daß es nicht das deutsche Volk sein wird, wofür der Herr so „mannhaft" auftritt. Es ist eine andere Macht und eine andere Interessengruppe, die ihm den Rücken deckt. Sehr richtig bemerkt das „Berliner Tageblatt", dem vor Wonne der Mund übergeht, daß sich anscheinend eine andere Aera einleite: daß der Bund zwischen der Negierung und dem Zentrum sich lockere, und daß man nun zu einer neuen, gesunderen Gestaltung unserer politischen Verhältnisse gelangen werde. Das Mosseblatt sollte ruhig sagen: zu einem neuen Bunde — zwischen der Regierung und Juda. Denn so liegt der Fall. Dernburg, Arnim sind ebensowohl durch ihr Blut legitimierte Bindeglieder, wie in Oesterreich der Aehrenthal, in Frankreich der Picquart. Wo bleibt B a l l i n? Wird man vielleicht von ihm hören, falls Fürst Bülow wieder einmal einen Ohnmachtsanfall erleiden sollte —-? * Um die öffentliche Meinung in Rußland irrezuführen, wird die völlig grundlose Nachricht verbreitet, daß die Juden, die wahrlich am wenigsten Grund haben, sich zu beruhigen, die linken Parteien verlassen hätten und sich an die „Rechte" anschlössen. Dem gegenüber veröffentlicht das Zentralkomitee des Verbandes für Erreichung der Gleichberechtigung der russischen Juden folgendes an die Filialen versandtes Telegramm: