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Die Wahrheit · 1906-12-07 · Heft 47 (7.12.1906) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 47 (7.12.1906)
Date
1906-12-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. it.: ij f v il r *4» L", Die Wahrheit Nr. 47. Umstande zuzuschreiben, daß durch die selbständige Aufstellung der Kandidaturen der Herren Hermann Eltbogen und kais. Rat Wilhelm Pollack seitens eines Teiles der Wählerschaft eine starke Stimmenzersplitterung in der offiziellen Liste stattfand, die naturgemäß den oppositionellen Kandidaten zugute kam. Die ziemlich bedeutende Zahl von Stimmen, die Hermann El tbogen und kais. Rat Pollack erhielten, ist übrigens ein offenbarer Beweis dafür, daß sie sich in der Gemeinde noch immer großer Beliebtheit erfreuen und daß das Zentralwahlkomitee sich diesmal nicht in voller Uebereinstimmung mit den ihm sonst unbedingt folgenden Wählerkreisen befand. Indem wir uns einen Epilog zu den heurigen Kultuswahlen noch Vorbehalten, wollen wir heute nur das Resultat der bisherigen Wahlen, wie es in der Dienstag, den 4. d. M., stattgehabten öffentlichen Vertretersitzung verkündet wurde, im Nachstehenden mitteilen: Mit sechsjähriger Funktionsdauer (4416 giltige Stimmen). Als gewählt erscheinen: Dr. Alfred Berger. . mit 2414 Stimmen Emanuel Hoffmann. . „ 2240 „ Dr. Gustav Kohn. . 2473 Dr. Josef Pollak. . 2228 Dr. Maximilian Stein e r. . „ 2336 „ Dr. Alfred Stern.. . „ 2276 „ In die engere Wahl kommen: Adolf Schramek (2208 Stimmen) Kommerzialrat Leopold Simon (1959 Stimmen) Dr. Isidor Schalit (1887 Stimmen) Adolf Brecher (1808 Stimmen). In der Minorität blieben: Hermann Böhm (1793 Stimmen), Herm. Ellbogen (871 Stimmen), Emil Fried (1800 Stimmen), Moses Hammer (1657 Stimmen), kais. Rat Wilhelm Pollak (736 Stimmen), Dr. Karl Pollak (1781 Stimmen), Anton Stern (1672 Stimmen), Doktor Jos. Z i p s e r (1773 Stimmen). Mit vierjähriger Funktionsdauer (3944 giltige Stimmen). Als gewählt erscheint: Kais. Rat Leopold Langer. mit 2066 Stimmen. In der Minorität blieb Herm. König (1763 Stimmen). Mit zweijähriger Funktionsdauer (3469 giltige Stimmen). Als gewählt erscheinen: Max Frank. mit 2705 Stimmen Dr. Hermann L ö w i. „ 2628 „ Samuel Steiner... „ 2537 „ In der Minorität blieben: Hermann E l t b o g e n (411 Stimmen), kais. Rat Wilhelm Pollak (114 Stimmen). Wahl der Dertrauensmäimer. Die bezirksweise vorgenommenen Wahlen der Vertrauensmänner für eine 2jährige Mandatsdauer ergaben folgendes Resultat: 1., Innere Stadt: Dr. Julius Bermann, Hermann Elias, Adolf Fleischmann, Samuel Goldmann, Max Heim, Bernhard Hofbauer, Dr. Moriz Horovitz, Josef Jelinek, Dr. Edmund Kohn, Julius Kopstein, Dr. Jakob Löwinger, Adolf Nußbaum, Eduard Schwarz, Adalbert Winterberg, Dr. Albert Wagner. 11., Leopold st adt und Brigittenau: Bak Moriz, Bondy Markus, Kohn Jakob, Löwy Ignaz, Pollak Julius, Pollitzer Adolf, Raubitschek Moriz August, Ripper Jakob, Rosenthal Dr. Ernst, Rothziegel Benno, Schramek Adolf, Wasserpogl S. A., Winter Leopold, Winternitz Dr. Josef, Wünsch Josef. HL, Landstraße und Simmering: Ehrentheil Dr. Leo, Juer Osias, Markus Max, Metzger Samuel, Ornstein Dr. Jakob, Ornstein Siegfried, Tausch Adolf, Uugar Adolf. IV. , Wiede«, M a r gar e t h e nun d F a v o r i t e n: Fültitschek Moriz, Frankl Franz, Hofmann Adolf, Schidrowitz Emanuel, Lichtblau Adolf, Seligmann Karl, StraMerg Jakob S. V. , Mariahilf u n d N e u b a u: Bäk Heinrich, Barkan Josef, 'Felsenburg Moriz, König Hermann, Heller Moriz, Knöpfelmacher Max, Liebermann Hermann, Michelstädter S. E. VI. Iosefstadt und Al serg r,iut d: Beck Adolf, Beck Hermann, Bettelheim Gottlieb, Brod Salomon,. Glogau Dr. Alfred, Landau Alexander S., Melcher Edmund, Modern Jakob, Pappenheim. Wilhelm, Quittner Josef. VII. Meidling, Hietzing, Rudolfsheim, Fünfhaus: Duschinsky Jakob, Hecht Alexander, Landeis Leopold, Mohr Samuel, Neufeld Heinrich, Pick Anton, Stern Siegfried. VUL Ottakring und Hernals: Berkowitz Isidor, Goldblatt Alexander, Kohn Adolf, Pollitzer Eduard, Trebitsch Leopold, Weiler Sigmund, Waizmann Salomon. IX. Währing, Döbling: Koretz Anton, Lederer Heinrich, Müller Moriz, Nossig Josef, Renner Jakob, Winter Ignaz Dr. __ Jüdische Apologetik von De. Moritz Güdemanu, Oberrabbiner in Wien. G ü d e m a n n ist wie kaum ein anderer in der jüdischen Gelehrtenwelt berufen, das Gebiet der jüdischen Apologetik zu behandeln. Seine gründliche Gelehrsamkeit, seine erstaunliche. Belesenheit, seine elegante Schreibweise, die sehr oft mit feinem Humor gewürzt ist, — alles hat sich hier vereinigt, um die jüdische Wissenschaft mit einem Werk zu bereichern, das eine, glänzende, oft herzerquickende Zurückweisung der christlichen Beschuldigungen gegen das Judentum darbietet. Von den Evangelte n angefangen, die den Grund zum Judenhaß im Christentum gelegt haben (S. 34), bis herab zu W e l l h a n s e n und B o u s s e t, die, ohne das Judentum zu kennen, über dasselbe wissenschaftlich abzuurteilen sich, vermessen, gegen alle kehrt sich die scharfe, siegreiche Feder Güdemanns. — Allerdings will es uns scheinen, als ob das Werk entsprechender ..Apologie des Judentums" heißen könnte, während der gegenwärtige Titel teils zu viel, teils zu wenig sagt. Apologetik ist ein theoretischer Begriff, oder wie Güdemann selbst sagt, „die Wissenschaft ihrer (der Apologie) Behandlung". Nun hat aber Güdemann nicht etwa bloß die Theorie entwickelt, wie eine jüdische Apologie zu schreiben sei, sondern eine wissenschaftliche Apologie geschrieben, wobei es uns gestattet sei, an Lazarus' „Eth ik" und an E s ch e l b a ch e r s „Das Judentum und das Wesen des Christentums" zu erinnern, die doch auch in ihrer Art eine wissenschaftlicheApologie des Judentums bieten. Dann aber würden wir von einer jüdischen Apologie erwarten, daß sie sich mit allen antijüdischen Tendenzen auseinandersetzt, und zwar nicht nur mit den bornierten, oft wippchen artigen (S. 157) Aeußerungen, sondern namentlich mit der sogenannten Bibelkritik auf Grund textlicher Untersuchungen oder der assyrischen Funde. Ein Jehuda Ha-Levi, auf den sich ja Güdemann mit Recht beruft, konnte schreiben: Wenn ich von einem zivilisierten Volke oder einem allgemein anerkannten Buche erfahren würde, daß die Welt schon mehrere hunderttausend Jahre besteht, so würde das meinen Glauben (an die Göttlichkeit der Thora) erschüttern (Knsari I., 61). Wäre es nicht interessant und lehrreich, zu erfahren, wie ein Güdemann darüber denkt? Was nützt uns da, wenn er in höchst geistvoller Weise ansführt, daß die Thora (oder die jüdische Religion) zugleich göttliche Offenbarung und Produkt des jüdischen Volksgeistes sei? Wie, wenn die Bibelkritik gerade darauf hinaus will, daß die jüdische Religion nur ein Produkt des jüdischen Geistes ist? Freilich ist eine Kritik, die beim Christentum Halt macht, als erbärmlich heuchlerisch gebrandmarkt, aber dem Juden-? tum ist dadurch nicht viel geholfen.

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