Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 42 (2.11.1906)
- Date
- 1906-11-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063316-3063358--04521-3071369- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wr. 42. u|u,ui,iiiii|iliUi)|.*|pmjw ^ZL-52öMÄMS- W MM Die Wahrheit etce 11. graduiert, sondern daß dieser Graduierung vor dem Forum einer fachmännischen.Behörde auch die entsprechende Schulung in den mannigfachsten Disziplinen des Wissens vorausgehen müsse, damit das jüdische Kantorat der Zukunft nicht der freibeuterischen Willkür Unberufener anheimgestellt und ein Tummelplatz unberechtigten und unlauteren Gebahrens werde. Für die Ausführung dieses herrlichen Gedankens müssen wir jüdische Kantoren der Gegenwart allesamt einmütig eintreten - wir wollen nicht mehr als Spielzeug in der Hand einzelner Protektoren gelten; wir allesamt müssen mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln danach streben, daß unsere Kantoratskandidaten, gleich anderen Eleven der Kunst und Wissenschaft, auch in unserer K u n st und unserer Wissenschaft von berufenen Lehrern herangebildet werden und nach zurückgelegten ersprießlichen Lehrjahreli ihr Befähigungsnachweis durch das Machtwort einer gesetzlich autorisierten Prüfung s - K oinin ifi4oli — nicht aber durch das Armutszeugnis der Protektion erbracht werde. Der erste Spatenstich zur Verwirklichung dieses herrlichen Gedankens ist bereits getan. Der wohllöbliche Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, der schon so manche segensreiche Institution ins Leben gerufen, geht jetzt daran, eine Lehrerbildnngsanstalt zu kreieren, und ist es der Intervention des österr.-uugar. Kantoren-Vereines gelungen, beim wohllöblichen Kultusvorstande die Geneigtheit zu erwirken,, dieser neu zu gründen Lehrerbildungsanstalt auch eine Bildungsanstalt für jüdische Kantoren anzugliedern. Die Verwirklichung dieses Versprechens bereitete dem Dilletantismus auf jüdisch-kantoralem Gebiete ein Ende und hiedurch wäre auch die pekuniäre Existenz eine bessere und wieder diese letztere würde eine würdigere soziale Stellung im Gefolge haben. Durch eine gehobene soziale Stellung jüdischer Kantoren wäre aber eine der widerwärtigsten Klüfte in unserer Gesellschaft ansgefüllt und jener lächerlichen Ueberhebung ein Ende bereitet, zu der sich einige andere Lebens- I stellungen nnS gegenüber berechtigt glauben. Du^aliolim lies ölieiT.-img.i^untorcu-'öereiues. Donnerstag, den 25. Oktober fand unter dem Vorsitze des Präsidenten I. Singer eine Vorstandssitzung statt, an welcher . die Vorstandsmitglieder PH. B a ß l, I. B a u e r, B. Guttmann, S. Iurberger, I. Löwit, M. Schorr und I. Smotritzky teilnahmen. Vor Uebergang zur Tagesordnung hielt der Vorsitzende dem im heurigen Sommer Heimgegangenen Ehrenmitgliede des Vereines, Oberkantor Jsaac H e y m a n n in Amsterdam, einen warmen Nachruf, und gedachte weiters des Hinscheidens des ehemaligen Vorstandsmitgliedes S. Hirsch- Wien und des Vereinsmitgliedes S. Ro sen b erg er-Komotau. Hierauf erfolgte die endgiltige Konstituierung des Vorstandes auf Grund des letzten Wahlresultates, und begrüßte der Vorsitzende den neugewählten Kassier, Herrn I. Kantor Salomon I u r b e r g e r, der seine ganze Kraft in Dienst des Vereines zu stellen erklärte, sowie die übrigen neueingetretenen und wiedergewählten Vorstandsmitglieder. Infolge Resignation des Vorstandsmitgliedes I. R o t h w e i n wurde Kontrollor Ed. Regner als Vorstandsmitglied und Herr I. S ch l e i s e r als Kontrollor kooptiert. Nach einem Berichte des Vereinssekretärs über die Anhäufung der Rückstände, die sich besonders im heurigen Jahre infolge der starken Inanspruchnahme der Vereinskasse durch Witwen- und Jnvaliditätsbeitrüge fühlbar macht, beschloß der Vorstand, jene Mitglieder, die mit ihren Beiträgen stark im Rückstände sind nach abermaliger, letzter Zahlungsaufforderung aus dem Vereine auszuschließen. Zur Erhöhung der Einnahmen gelangen an die anwesenden Vorstandsmitglieder Blocks zur Werbung von unterstützenden Mitgliedern zur Verteilung und werden dieselben auch sämtlichen Mitgliedern zugesendet werden. Der Witwe Rosenberger -Komotau wird ein Witwenbeitrag von L 400 und dem berufsunfähig gewordenen Vereinsmitgliede- S: Popper- Eger ein Jnvaliditätsbeitrag von K 300 bewilligt. Im Sinne dieser Beschlüsse werden die P. T. Vereinsmitglieder aufgefordert, die Pflichtbeiträge per je K 2 für jeden einzelnen Fall an den Vereinskassier, Herrn I. Kantor S. Jurberger, Wien, H., Tempel gaffe 3 einzufenden. Das Ansuchen der Witwe nach dem ehemaligen Vereinsmitgliede S. Hirsch-Wien um Gewährung eines Witwenbeitrages mußte auf Grund des § 9o abgewiesen werden, da derselbe zur Zeit seines Ablebens nicht im Genüsse der statutarischen Benefizien war. Nach einem Berichte des Vorsitzenden über die in Aussicht stehende Angliederung einer Kamorenschnle an die vom Vorstande der Wiener Kultusgemeinde errichtete Religionslehrer-Bildungsanstalt und einer kurzen an diesen Bericht anknüpfenden Debatte wird die Wahl eines Komitees, das die Vorbereitungen für die Kantoren-Enquete treffen soll, der nächsten Sitzung Vorbehalten und hierauf die Sitzung geschlossen. Kingesendet. Auf vielseitige Anfragen geben wir bekannt, daß die Selcherei des Herrn Gabriel Fischer, II., Große Schiffgasse 18, unter der Aufsicht unseres Rabbiners Ehrwürden Herrn S. Fürst steht. Wien, Marcheschwan 5667 (Oktober 1906). Der Vorstand des Adaß Jisroel (Schiffschul). Israelitische Kultusgemeinde Wien Kundmachungen. Aus den Zinsen der Fanni Jeiteles’schen Stiftung für Hörer der juridisch-politischen Wissenschaften gelangen für das Schuljahr 1906/7 vier Stipendien a K 188 an israel. Hörer der juridischen Fakultät zur Verleihung. Bewerber haben ihre Gesuche, belegt mit Studien-, Geburts-, Moralitätsuud Mittellosigkeitszeugnissen bis 15. November 1906 im Eiureichungsprotokolle der israel. Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Bewerber, welche im abgelaufenen Schuljahre im Genüsse dieses Stipendiums standen, haben bei Fortdauer ihrer stiftbriefgemässen Kompetenz und Würdigkeit den Vorzug. Später einlangende Gesuche werden nicht berücksichtigt. Aus den Zinsen der Fanni Jeiteles'schen Stiftung für Rabbinatskaudidaten, welche zugleich ordentliche Hörer der philosophischen Wissenschaften sind, gelangen im Studienjahre 1906/7 zwei Stipendien k K 188 an Hörer obgenannter Wissenschaften zur Verleihung. Bewerber haben ihre Gesuche, belegt mit Studien-, Geburts-, Moralitäts¬ und Mittellosigkeitszeugnissen bis 15. November 1906 im Einreichungsprotokolle der israel. Kultusgemeinde Wien, I, Seitenstettengasse 4, I. Stock, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Bewerber, welche im abgelaufenen Schuljahre im Genüsse dieses Stipendiums standen, haben bei Fortdauer ihrer stiftbrieflichen Kompetenz und Würdigkeit den Vorzug. Später einlangende Gesuche werden nicht berücksichtigt Aus den Zinsen der Fanni Jeiteles’schen Stiftung für Hörer der medizinischen Wissenschaften gelangen für das Schuljahr 1906/7 vier Stipendien 4 K 188 an israel. Hörer der medizinischen Fakultät zur Verleihung. Bewerber haben ihre Gesuche, belegt mit Studien-, Geburts , Moralitäts- und Mittellosigkeitszeuguissenbisl5. November 1906 im Einreichungsprotokolle der israel. Kultusgemeinde Wien, I., Seiteustenttengasse4,1 Stock, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Bewerber, welche im abgelaufenen Schuljahre im Genuese dieses Stipendiums standen, haben den Vorzug. Später einlaugende Gesuche werden nicht berücksichtigt. Aus den Zinsen der Fanni Jeiteles’schen Heirats-Ausstattungs- Stiftung gelangt der Betrag von K 588 an eine arme hier ansässige Braut, israel. Konfession, für das Jahr 190(5 zur Verleihung. Die Gesuche, belegt mit dem Geburts-, Sitten-, und Mittellosigkeitszeugnissen, ferner mit dem Nachweise, dass die Bewerberin sich bereits im Brautstande befindet, sind bis 15. November 1906 im Einreichungsprotokolle der israel. Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Später einlangende Gesuche werden nicht berücksichtigt. Wien, im Oktober 1906. Die Kuratoren der Fanni Jeiteles Stiftungen.