Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 38 (28.9.1906)
- Date
- 1906-09-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Oksterr.-ungar. Kantoren -Leitung. Indem wir die geehrten Herren Kantoren zur Erneuerung des Abonnements einladen, ersuchen wir um Einsendung des Pränumerationsbetrages, sowie eventueller Rückstände. Gleichzeitig bitten wir die geehrten Kollegen, für unser Blatt in den Kreisen ihrer Gemeindemitglieder tätig zu sein und Abonnenten für dasselbe zu gewinnen. Die Redaktion. KantorenCugnetc und Organisation Die Tage der großen und schweren, aber auch bedeutungsvollen beruflichen Arbeit sind bald vorüber und nach den Mühen und Plagen im Dienste der Gemeinde, die die Reihe der Feste uns gebracht hat, wird es an der Zeit sein, daß die Kantoren auch an sich selbst denken und ihr eigenes Haus bestellen. Aber nicht jeder nur für sich selbst, sondern in einträchtigem Zusammenwirken muß jeder einzelne für die Allgemeinheit tätig sein, um die tristen Verhältnisse, die den gesamten Beruf überall so schwer bedrücken, besser zu gestalten. Eine notwendige Vorbedingung für diese gemeinsame Tätigkeit scheint uns die vom österreichisch-ungarischen Kantoren-Vereine geplante Kantoren-Enquete zu sein, und es ist sehr erfreulich, daß sich in den Kollegenkreisen ein lebhaftes Interesse für dieselbe zeigt. In den mannigfachen Zuschriften, die an die Redaktion dieses Blattes gelangen, wird über alles mögliche geklagt, besonders geben aber die offenbaren Mißstände bei Anstellung und Entlassung der Knltusbeamten und die Unsicherheit der Stellungen in kleineren und auch größeren Gemeinden Anlaß zu vielen, leider nur allzu berechtigten Klagen, und darum wollen wir zunächst nach dieser Richtung einiges aus unserer Redaktionsmappe als Substrat für die Kantoren-Enquete mitteilen: „Seit einigen Jahren," so schreibt ein Kollege, „verfolge ich mit großer Aufmerksamkeit die Konkurse in diesem geschätzten Blatte und habe die Erfahrung gemacht, daß gewisse Gemeinden nach kurzen Intervallen immer mit Vakanzen wiederkehren und einen Verbrauch an Kräften zeigen, der mit ihren Verhältnissen gar nicht in Einklang steht. Kaum hat da ein Funktionär sich ein halbes oder gar ein ganzes Jahr warmgesessen, wird schon wieder ein neuer Konkurs ausgeschrieben. Und warum ist der arme Familienvater gekündigt worden? Hat er etwa mit seinem Lebenswandel Anstoß erregt, oder seine Berufspstichten nicht ordentlich erfüllt? Ach, Gott bewahre, nicht deshalb, sondern nur aus dem einzigen Grunde, weil die ehrenwerte Gemeinde ein neues Gesicht sehen will. Unbegreiflich und beschämend ist es, daß eine Gemeinde so grausam gegen ihre Angestellten handelt und Familienväter nur deswegen brotlos macht, weil sie die Abwechslung liebt und an ihrem bisherigen Funktionär nicht Gefallen findet. Derlei geschieht aber nicht nur in kleinen, unbedeutenden Provinzgemeinden, sondern auch größere Gemeinden gehen so vor, und selbst in der Haupt- und Residenzstadt Wien haben sich Fälle ereignet, die manches Kopfschütteln erregten und offenbar gegen Recht und Billigkeit verstoßen. Daher wäre es wahrhaftig schon an der Zeit, daß wir die kleinen Zänkereien bei Seite lassen, vor allem aber aufhören, von Ungarn nach Oesterreich und von diesseits nach jenseits der Leitha hinüberzuschießen, und uns ernstlich zu organisieren. Hier decken sich die Interessen der österreichischen Fachgenossen ganz genau mit denen der ungarischen, und darum müssen wir einheitlich Vorgehen, vor allem aber müssen wir uns gegenseitig verpflichten, ohne Zusicherung der Reisespesen auf keine Berufung zu reflektieren und auf eine Akzeptation unter 3 Jahren nicht einzugehen. Vielen Gemeinden würde dann der Appetit vergehen, jedes Jahr einen Konkurs auszuschreiben und wenigstens 20 Kantoren zur Probe zu berufen. Vielleicht genügt dieser Wink, den hoffentlich jeder von uns, der nur ein bischen Ehrgefühl hat, beherzigen wird. Die löbliche Redaktion dieses Blattes, das immer die Interessen unseres Standes vertreten hat, wird gewiß unsere Sache fördern, nur müssen wir auch alle wie ein Mann uns an Sie wenden und dürfen nicht so indolent wie bisher sein. Halten wir uns immer vor Augen, daß die Gemeinden unsere jungen Jahre nur zu ihrem Vorteile ausbeuten und für unsere Familien absolut nicht sorgen wollen. Sie wollen nur jedes Jahr frische Opernsänger hören. Daher, Kollegen, richte ich an Euch den eindringlichen Appell: Wir haben ein Fachblatt, organisieren wir uns und unterstützen wir unser Blatt, dann können wir bei ernstem und einmütigem Streben unsere Stellung auf ein höheres Niveau bringen." Einer für Alle. Verschiedene Nachrichten. Wien. Bei dem Gottesdienste, den der „Gegenseitige israelitische Hilfsverein für Handwerker" an den Roschhaschonoh-Tagen in einem Lokale, II., Rotensterngasse 7 a, veranstaltete, versah Herr Jakob Schwarz, ein junger russischer Konservatorist, die kantoralen Funktionen und führte die zahlreiche Beterschar durch seine prachtvolle Stimme und sein vielversprechendes chasonisches Talent zu erhebender Andacht. Mähr.-Ostrau. Samstag, den 15. September, ist hier nach längerem Leiden Herr Berthold Schwarz, Seniorchef der Firma Berthold Schwarz & Sohn, im 68. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene hat besonders in früheren Jahren an der Entwicklung der hiesigen Kultusgemeinde regen Anteil genommen und namentlich, da er aus chasonischem Gebiete viel Verständnis und reiche Erfahrung besaß, den gottesdienstlichen Verhältnissen viel Mühe und Aufmerksamkeit zugewandt. Zur Zeit der Gründung des Kantoren-Vereines brachte er demselben aufrichtige Sympathie entgegen und lieferte auch einige diesbezügliche Beiträge in der „österr.-ungar. Kantoren-Zeitung". Das Leichenbegängnis fand am 17. d. M. unter zahlreicher Beteiligung statt. Szempcz. Die hiesige Kultusgemeinde weihte am 16. d. M. im Rahmen einer erhebenden Festlichkeit ihren nach den Plänen des hiesigen Baumeisters Josef H a l z l neuerbauten Tempel ein. An der imposanten Feier nahm die Bevölkerung der Stadt ohne Unterschied der Konfession teil, darunter die Behörden, die besten Kreise des Ortes und der Umgebung. Die Einweihungsfeier begann um 3 Uhr nachmittags mit einer ungarischen Begrüßungsrede des Preßburger Rabbinats-Kandidaten Emanuel B r e s n i tz, Sohn des Szempczer Rabbiners, der in schwungvollen, zu Herzen dringenden Worten die Bedeutung der Symbole des Tempels erörterte und in einem hinreißenden Gebete den Segen Gottes auf König und Vaterland herabflehte. Nachdem der Preßburger Kantor Josef Kijewsky und Chorobmann Luzzato mit dem Gesangsverein „Schir Chadasch" einige herrlich vorgetragene Tempel-Gesänge absolvierte, dankte der Präses der Gemeinde der Tempelbau-Kommission, hauptsächlich aber dem verdienstvollen Tempelbau-Präses Herrn Daniel D u k e ß für seine aufopferungsvolle Mühe, worauf ihm von mehreren Damen Kränze und Buketts überreicht wurden. Mit dem Absingen des „Hymnus" schloß die schöne Feier Die Wirkung der Festrede des Herrn Emanuel Bresnitz war eine so mächtige, daß zahlreiche Herren, darunter höhere Funktionäre der Stadt, ihn in seiner Wohnung aufsuchten, um ihm ihre Anerkennung auszusprechen. — Szempcz besitzt nun einen imposanten und auch architektonisch schönen Tempel, der des Baumeisters Josef H a l z l Fähigkeit weithin kündet. An dem schönen Bau war aber auch das Poszonyer Gewerbe in hervorragender Weise beteiligt, denn es haben die Kunstschlosser- Firma Ferdinand Kohl und ebenso die Schlosserfirma H a j n 6 c z y dazu schöne Arbeiten geliefert. Der dortige Turmuhren-Erzeuger Ferdinand Winkler hat eine ganz moderne Turmuhr und eine Uhr im Innern des Tempels zur allgemein befriedigenden Aufstellung gebracht. Helstngfors. Am 30. August wurde die erste jüdische Synagoge in Finnland feierlich eingeweiht. Nachdem gegen' 8 Uhr morgens die Thorarollen aus der bisherigen provisorischen Synagoge in das neue Bethaus hinübergetragen worden, begann die Feier mit einer kurzen Ansprache des Schulvorstehers Herrn Bonchdronz. Es sprachen darauf der Gemeinderabbiner Bekanz sowie Professor Klein aus Stockholm. Der engeren Feier folgte am Nachmittag eine große öffentliche Veranstaltung, der außer den Juden eine große Anzahl angesehener Nichtjuden, darunter 6 Senatoren, 4 Reichstagsmitglieder, Vertreter des Magistrats sowie der Festungskommandant beiwohnten. Auch der Generalgouverneur von Finnland, Wirklicher Geheimrat Gerard, hatte sich vertreten lassen. Nach einem vom Chor der Petersburger Synagoge vorgetragenen Gesang hielt Professor Klein-Stockholm eine Festpredigt in schwedischer Sprache, worauf die Feier mit einem Rundgang unter Vorantragung der Thorarollen würdigen Abschluß fand.