Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 35 (7.9.1906)
- Date
- 1906-09-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Die Wahrheit Redaktion u. Slbmiiiiftialioii r Wien, II/, Nvvaragasie 27. Televhv» 3tr. der Druckerei I53U2. Unlcvatc 25 Hell, ver Nonvareille-^jeue. Abonnementsu. Jnjertionsbeträge sind iu Wie» zahlbar lind klagbar. nakhängtge Aeiifchrift für Mische Intere^sem ErslHeinl jeden Kreilag. Uotio: „Das 8isA«I Gottes ist Wahrheit!“ jj Verngsppeis: jj Ganzjährig . . . ft. i*.- i| Halbjährig . ft. 6.- Für Cultiisbeamt»:: «Ganzjährig ft. io. Fiir Ausland. «Ganzjährig . . . S Marl 6 Rubel oder ltf Fcs Itv. 85. Wien, 7. September 1906. Inhalt. Aus der Woche — Ein Eriunerungsschatz. — Land, Land! — Zur Präsidentenwahl in der Budapester Gemeinde. — Das nationale Judentum — Verschiedene Nachrichten. — Das Wort. — Feuilleton: Excelsior. Ans der Woche. j In dem schweren Kampfe, den wir österreichische Juden | schon feit einer Reihe von Jahren gegen den in weiten und mächtigen Kreisen herrschenden Geist der Unduldsamkeit und Ungerechtigkeit zu führen gezwungen sind, und angesichts der j mannigfachen betrübenden Erscheinungen, deren Schauplatz bej sonders die Haupt- und Residenzstadt Wien seit dem Beginne der antisemitischen Aera. ist, hat uns niemals das beruhigende Bewußtsein verlassen, daß die Tücken und Ränke der nationalen und konfessionellen Hetzer an dem Throne des geliebten Herrschers Halt machen müssen; denn zu wiederholten Malen hat unser Kaiser bewiesen, daß er alle seine Untertanen, ohne Unterschied der Konfession und Nationalität mit gleicher Liebe umfaßt und daß sein tiefreligiöser Sinn auch der jüdischen Religion die ihr gebührende Achtung bezeugt. Diese erfreuliche und erhebende Tatsache ist auch in den letzten Teschner Kaisertagen offenbar zutage getreten, indem der erhabene Monarch, als er die Huldigungen der schlesischen Bevölkerung entgegennahm, nicht nur die Vertreter der Teschner Knltusgemeinde mit kaiserlicher Huld empfing, sondern auch dem dortigen jüdischen Gotteshause einen Besuch abstattete und an dem aus diesem Anlasse veranstalteten feierlichen Gottesdienste teilnahm. An der hohen Ehre, die dadurch der Teschner Kultusgemeinde zuteil wurde, nehmen alle Juden Oesterreichs freudigen Anteil und dankerfüllten Herzens stimmen sie ein in den Jubelruf: „Gott erhalte, Gott beschütze unfern Kaiser!" * Für das durch den Tod des Reichsratsabgeordneten Dr. Byk erledigte Mandat im Wahlkreise Zloczow-Brody hat in den letzten Tagen auch Herr Dr. R o s e n m a n n, Rabbiner in Wien-Floridsdorf, seine Kandidatur angemeldet, und wie wir vernehmen, soll er für die am 14. d. M. stattfindende Wahl große Chancen haben. Bei der kurzen Lebensfrist, die dem gegenwärtigen Abgeordnetenhause noch gegönnt ist, wird derjenige, der aus der Wahlurne als Sieger hervorgeht, wohl nur eine zeitlich ziemlich beschränkte Tätigkeit im Reichsrate entfalten können, aber trotzdem ist diese Wahl von hoher prinzipieller Bedeutung, denn sie wird zeigen, ob in diesem vornehmlich jüdischen Wahlbezirke die Macht des Polenklubs noch ungebrochen ist, oder ob ein Mann durchzudringen vermag, der nicht als Schleppträger anderer Parteien erscheinen will, sondern als wirklich jüdischer Abgeordneter sich in erster Linie von den -Interessen und Bedürfnissen seiner jüdischen Wähler leiten läßt. Und als solche Persönlichkeit kandidiert Dr. Rosen mann. Von Kindheit ans mit der Lage der galizischen Juden wohl vertraut, durch Beruf und Neigung wahre Religiösitüt mit stark ansgepräglem jüdischnationalen Empfinden vereinigend, ein ausgezeichneter Kenner des jüdischen Schristtnms und dabei ein Mann, der in der Gelehrtetisinbe den Sinn für das praktische Leben nicht abgestumpft, sondern in emsigem Studium sich den mannigfachen Fragen der Zeit gewidmet und schon vor Jahren ein vielbemerktes jüdisch-politisches Programm veröffentlicht hat, ein temperamentvoller Redner, der mit dem Mute innerer Ueberzeugung und seinem reichen Wissen auch dem Gegner Achtung abgewinnen muß; so erscheint Dr. Rosenmann als ein willkommener Kämpe für die jüdische Sache, und wenn den jüdischen Wühlern von Zloczow-Brody daran gelegen ist, einen zielbewußten, aufrichtig jüdische Politik verfolgenden Vertreter in das Abgeordnetenhaus zu entsenden, dann werden sie gut tun, bei der nächste Woche stattfindenden Wahl diesem Manne ihre Stimme zu geben. I * * Die „Jüdische Volksstimme" hat es für gut befunden, einen in vorletzter Nummer unseres Blattes veröffentlichten Artikel über den Kurort Luhatschowitz abfällig zu glossieren und uns aufgefordert, der jüdischen Oeffentlichkeit über diesen Bericht Aufklärung zu geben. Wir danken höflich den liebenswürdigen Kollegen von der Redaktion der „Jüdischen Volksstimme" für ihre Mahnung au unsere publizistischen Pstichten; denn wir wissen wohl selbst ganz gut, was wir unserem Judentum und unseren Lesern schulden. Aber zur Konstatierung der Wahrheit müssen wir nach neuerlicher Anfrage an unseren vollkommen verläßlichen Korrespondenten neuerdings konstatieren, daß derselbe während seiner allerdings nur vierzehntägigen Anwesenheit in Luhatschowitz keinerlei Anzeichen konfessioneller, oder nationaler Unduldsamkeit wahrnahm. Wir haben uns über diese Tatsache aufrichtig gefreut und in derselben eine wohltätige Folge der seinerzeit in jüdischen Blättern gegen die Kurverwaltung gerichteten öffentlichen Kritik erblickt. Es mag nun sein, daß während des Aufenthaltes unseres Korrespondenten in Luhatschowitz daselbst faktisch keinerlei antisemitische Tendenzen zutage traten, oder daß ihm Erscheinungen entgangen sind, die von anderen früher oder später faktisch beobachtet wurden, jedenfalls können wir mit ganz ruhigem Gewissen behaupten, daß ihm jede Absicht, auf Kosten einer feilen Reklame jüdischen Interessen zuwiderzuhandeln oder irgend jemandem im Kampfe um dieselben in den Rücken zu fallen, vollkommen ferne lag. Umsomehr müssen wir aber den geradezu impertinenten Anwurf, daß der in unserem Blatte veröffentlichte Bericht lügenhaft, also eine bewußte Ent- II1111 ■ITTTl— »111