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Die Wahrheit · 1906-08-24 · Heft 33 (24.8.1906) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 33 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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'Jit. 33. Die Wahrheit. Leite v. das beharrlichste Volk der Erde; es ist, es war, es wird sein, um den Namen Jehovah durch alle Zeiten zu verherrlichen." Wem Harden das Schlagwort vom „Wirt- und Gastvolke", das er ut Parasit umwandelte, verdankt, ist unseren Lesern aus unserem Artikel „Eduard v. Hanmann und sein Verhältnis zum Judentum" wohlbekannt. Warum nennlnnnHarden den Ailtor nicht, desjen Grabhügel noch frisch ist? Ein Antisemit sollte den anderen nicht bestehlen und plagisieren. Halten doch selbst die Gaunervereinignngen einander Treu und Glauben! Doch genug der Polemik gegen eine Schmähschrift, einen Anachronismus europäischer Kultur des XX. Jahrhunderte,! Dieser intolerante Kapuziner, wie er sich ahnungsvoll selbst nennt, möchte gerne die europäische Kultur zum asiatischen Kultus des Moloch umformen und liebäugelt darum über die Grenze mit dem mongolischen Tartarentum, denn dort sind gegenwärtig diesem Gotte dampfende Altäre aufgerichtet „und Menschenopfer fallen unerhört". Dieser pfäffische Lobredner rückständigsten Bojarentums betet die Knute an, welche er bei einiger Konsequenz zur Selbstgeißelung verwenden sollte, wie seine zelotischen Vettern aus dem Mittelalter. Wahrlich er verdiente sie so oder so zu kosten. Es müßte freilich nicht durchaus eine russische Knute, oder eine englische ueunschwänzige Katze sein, ein ordentlicher, ehrlicher deutscher Stecken täte es zur Not auch; diese ultima ratio müßte die Theorie Lardens ad absurdum führen. Abraham a Santa Clara, dem es Harden danken kann, daß er fein jüngstes Pamphlet mit lakonischer Kürze als ..Kapnzinade" bezeichnen kann, dem wir aber unrecht tun, ihn mit Harden zu vergesellschaften, schrieb nach dem Wüten der Pest ein Büchlein „Mert's Wien", d. h. vergiß nicht der Geißel, der Pest. . eine Schrift mit natürlichem, ungezwungenem Humor, die noch heule lesenswert ist. Wie wir schon unseren Jdeenassoziationeu unterworfen sind, möchten wir folgendes, wenn auch hinkendes Gleichnis nicht unterdrücken: Merkt Euch diese Kapnzinade, die mit ihrem Pesthauch die Massen infizieren will und die moralische Seuche, an der Oesterreich, Rußland, Rumänien und auch, freilich in geringerem Grade, Deutschland kranken, ausdehnen und verbreiten möchte, merks Liberalismus und Scheinliberalismus, merkts Euch. Ihr anständigen und scheinanständigen Leute, denn die Heuchelei ist nach Lessing das Kompliment, das selbst das Laster der Tugend macht, merkt es Euch und vergesse es nicht!! Doch der kennt unsere Zeit und deren Psychologie nicht, dem dieser Wunsch mehr bedeutete, als ein frommer Wunsch. Zu solchen pia desideria würde es auch gehören, Harden nicht mehr in der „Neuen Freien" zu begegnen. 8. Vineta. Indemnajfakre und Indensrage. Unter diesem Titel behandelt Lucien Dreyfus in der literarischen Wochenschrift ..Funken", die von Doktor Hans Fischer in Berlin herausgegeben wird, einen in derselben Zeitschrift erschienenen Artikel Eduard Goldbecks, der das Einschreiten der Israeliten der ganzen Welt gegen die entsetzlichen Schlächtereien in Bjelostok weniger dem allgememen Gerechtigkeitsgefühl, als vielmehr dem jüdischen Rassegefühl zuschreibt. (Und der dabei ganz übersieht, daß die ganze Kulturwelt, Christen u n d Juden, entschiedensten Protest gegen die russischen Mörder erhoben haben. Die Red.) Ueber dieses Rassegesühl sagt Lucien Dreyfus: „Wenn man einer bestimmten Gruppe von Menschen, die nach den vier Enden der Erde zerstreut sind, überall aus demselben Grunde dieselbe Abneigung entgegenbringt, so muß das ihnen zukommende gemeinsame Merkmal, sagen wir das Judentum, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit erzeugen, das kein ehrlicher Christ den Betroffenen verargen wird. So haben jahrhundertelange, wahnsinnige Verfolgungen und Qualen aller Art um die Juden die Bande eines natürlichen Solidaritätsbewußtseins geschmiedet, das durchaus anzuerkennen ist und das ihnen keineswegs zur Unehre gereicht. Die gemeinsame Not, der gemeinsame Feind, hält die Träger des Judentums zusammen, und die heftigsten Antisemiten haben sich als die schlechtesten Entjuder bewährt. Was man so jüdisches Rassegesühl nennt, das ist dem Wesen nach nichts anderes, als das zusammenbindende Bewußtsein, als Juden verachtet, gehaßt und unterdrückt zu werden." Was soll inzwischen mir den Juden Rußlands geschehen? fragt der Verfasser. „Es gibt keinen anderen Ausweg als den Appell au die politische Einsicht und an das ethische Gewissen der Kulturvölker. Die Kardinaltugend der Gerechtigkeit soll sich hier mit einer Maßregel von weltpolitischer Tragweite verbinden, um über das Schicksal der Juden zu entscheiden. Wenn Amerika, das freie, ruft, wenn England, das stolze, folgt, dann wird Frankreich, das edle, nicht zurückftehen. Dem internationalen Kongresse der Großstaaten, die an der Spitze der Zivilisation marschieren, liegt die Aufgabe ob, die Judenfrage zu lösen." Ans dein Kurorte Kuhatfchonntz. Was eine fürsorgliche und umsichtige Kurverwaltung vermag, das tritt in geradezu eklatanter Weise im Kurorte Luhatschowitz zutage. Trotz der bewährten Heilkraft seiner Heilquellen, die schon vor Jahrzehnten von hervorragenden medizinischen Kapazitäten anerkannt und gewürdigt wurde, und trotz seiner herrlichen Lage, die Gesunde und Kranke in gleichem Maße zu entzücken vermag, wies Luhatschowitz bis noch vor wenigen Jahren eine verhältnismäßig geringe Frequenz auf, so daß z. B. die Anwesenheit von 1000 Kurgästen schon eine gute Saison bedeutete. Das hat sich nun wie mit einem Schlage geändert, seitdem im Jahre 1902 über Anraten des Herrn med. Dr. Franz SBejely, des Besitzers der berühmten mährischen Bitterquelle „äawatica", eine Aktiengesellschaft konstituiert wurde, die es unternahm, den alten Ruhm der Luhatschowitzer Salzquellen wiederherzustellen und durch zweckmäßige, moderne Einrichtungen die Frequenz des Kurortes qualitativ und quantitativ zu heben. Große Geldopfer wurden gebracht, um wesentliche Neu- und Zubauten ausznführen. die meisten Wohnungen wurden besser und komfortabler eingerichtet, eine elektrische Beleuchtung des Kurrayons installiert, das Badehaus umgebaut, glasgedeckte Warteräume errichtet, die Badekabinen erster Klasse elegant ausgestattet und mit Zentralheizung versehen, eine ganz neue und moderne Kaltwasserheilanstalt zur Vornahme aller hydriatifchen Prozeduren, nebst Dampfbad, Schwimm- und Sonnenbad usw. hergestellt, ebenso eine gegen früher rationellere Art und Weise der Erwärmung der stark kohlensäurehaltigen Mineralwasferbäder eingeführt, wodurch das Entweichen der Kohlensäure verhütet ist: ein solches Bad braust und schäumt jetzt, und unzählige kleine Gasbläschen setzen sich den ganzen Körper entlang an, die dann an der Wasseroberfläche knisternd platzen; ferner wurde auch ein mit besten Einrichtungen versehenes Inhalatorium zur Inhalation zerstäubten Mineralwassers aufgebant. dann auch noch eine Molkerei mit Kefyrerzeuguug eingerichtet. Nicht geringere Aufmerksamkeit wurde auch der kurgemäßen Verköstigung, sowie der nötigen Zerstreuung und Unterhaltung der Kurgäste zugewendet, und vor allem wurde durch den Bau der Lokalbahn Aujezd— Luhatschowitz die Möglichkeit geschaffen, den Kurort, der bisher fern vom Eisenbahnverkehr lag, leicht und bequem zu erreichen. Die Erfolge dieser intensiven und zielbewußten Tätigkeit stellten sich sehr rasch ein und während Luhatschowitz, wie nur einem Aufsatze des seit 28 Jahren hier wirkenden Brunnenarztes Dr. Spielmann entnehmen, im Jahre 1901 bloß 1601 Kurgäste zählte, konstatierte die amtliche Kurliste vom Jahre 1903 schon 2667 Kurgäste und die heurige Saison weist bereits eine Frequenz von zirka 4000 auf. Präsident der Aktiengesellschaft ist Otto Graf Serenyi, Verwalter Herr Cyrill H o l u b y, Rechnungsführer Herr Parma und Badedirektor Herr Dr. Franz V e s e l y, der unterstützt von den ausgezeichneten Brunnenärzten mit Umsicht und Fachkenntnis nach jeder Richtung für das Wohl der Kurgäste sorgt. Ueberaus wohltuend wirkt der zwanglose und angenehme gesellschaftliche Verkehr, der hier zwischen den Kurgästen herrscht. Hier gibt es keine nationalen und konfessionellen Gegensätze,

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