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Die Wahrheit · 1906-07-27 · Heft 29 (27.7.1906) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 29 (27.7.1906)
Date
1906-07-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 29. Die Wahrheit Lette 9. Der Hauptmann wurde wütend und sagte grob: „Ihr habt mich mißverstanden. Als wir in der Stadt waren, habe ich denn der Rotte zugerufen: „Haut die Juden? " Alles schwieg und der Hauptmann wiederholte viermal seine Frage. Dann erst fanden sich wenige Stimmen, die sich seiner erbarmten und schüchtern antworteten: „Nein, Ew. Hochwohlgeboren l" „Ganz richtig, sagte der Hauptmann. Mehr brauche ich nicht und ihr könnt gehen. Die Zeitungen beschuldigen das Wladimirsche Regiment und namentlich die 3. und 4. Kompagnie, also müssen wir aus Entschuldigung sinnen.-' Verschiedene Nachrichten. Wien. (Spenden z u g u n st e n der Opfer der Exzesse in Bjelostok.) Der „Israelitischen A ll i a nz z u Wien" sind weiters zugekommen: Wien: Emanuel Beer K 800, Paul Hirsch K 100, Verein der Proßnitzer durch Herren M. & I. Mandl K 50, A. B. in T. L 20, R. G. K 20, 2t. H. K 15, Emilie Färber L 10, 2t. I. K 2; Isidor llng er-Gablonz a. 2!. K 20; 2 Schwestern- Gmunden K 5; Jsak Taussig - Prag, Buchhändler. K 40; 2lnony m aus dem Sanatorium Kramer-Prag K 20; 2ldolf Brayer - Nemet! Bogsan H0; H. S ch u l h o f - Semmering X 10. Hiezu die bereits ausgej wieseuen K 2646-80, zusammen bis 25. Juli Ä 3268.80. — 'Weitere > Spende» werden erbeten und dankend bestätigt im Bureau der „Israelij tischen Allianz zu Wien", I., Weihburggasse 10, zwischen 9 und 1 Uhr,! vormittags oder per Postsparkassakonto Nr. 8152.! Wien. Montag, den 23. d. M-, fand von der Zeremonienhalle des Zentralsriedhoses aus die Beerdigung der am 20. d. M. in Ischl per-! storbenen Frau Regine K n r a n d a statt. Unter den zahlreichen Trauer-! gasten, welche der allgemein hochgeachteten Matrone das letzte Geleite; gaben, befanden sich Eisenbahnminister Dr. Julius Derschatta Edler? v. Standhalt, die Bankdirektoren Bernhard Popper vom Wiener! Bankverein und Theodor Ritter v. T a u s s i g von der Bodenkreditanstalt,; Frau Josefine S ch i s f - K ö n i g s w a r t e r, vom Borstande der israelitischen Kultusgemeinde Baural Theodor Ritter v. G o l d s ch m i e d t mit Sekretär-Stellvertreter Dr. Emil 2l d l e r, Wilhelm P a p p e n h e i m mit Sekretär Dr. Kamin ka namens der „Israelitischen Allianz", Schriftführer K o l i s ch vom Taubstummeninstitur, die kaiserlichen Räte Paul L e m b e r g e r und Julius Ster n, sowie viele Freunde der Verstorbenen. Mit gedämpster und gerade dadurch wirkungsvoller Stimme intonierte Oberkantor Singer, unter 2lssistenz der beiden Kantoren Jurberger und Schiller sowie des verstärkten Chores, die rituellen Trauerpsalmen; hierauf hielt Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n it, den ein vierzigjähriges, intimes Frenndschastsband mit der Familie Kuranda verknüpft, einen tiefempfundenen Nachruf, in dem er ein Lebensbild der Verblichenen entwarf und ihre ausgezeichneten Eigenschaften als treue Gefährtin ihres Gatten, der im öffentlichen Leben eine hervorragende Nolle spielte, sowie als fürsorgliche Mutter schilderte. Nun wurde der Sarg gehoben und zu dem offenen Grabe gebracht,: welches bisher die Ruhestätte ihres am 11. 2lpril 1884 verstorbenen Gatten, dem ehemaligen Reichsratsabgeordneten und langjährigen Präsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, weil. Dr. Ignaz Kuranda, war und an dessen Seite die nunmehr verschiedene edle Frau'gebettet, wurde. Der Familie Kuranda kommen aus allen Gesellschaftskreisen Beweise aufrichtiger Teilnahme zu. E. J. Wien. Am.20. Juli ist in Combault bei Paris Frau Särchen R e i t l i n g e r geb. W i m p f h e i in e r, die Mutter der Herren Julius und Theodor R e i t l i n g e r in Wien, im 68. Lebensjahre gestorben. Die Leiche der edlen Frau, die von ihrer zahlreichen Familie innig geliebt und verehrt und infolge, ihrer hohen Tugenden in weitesten Kreisen hochgeschätzt wurde, wurde nach Wien überführt, woselbst Donnerstag, den 26. d. M., das Leichenbegängnis unter großer Teilnahme stattfand. Wien. Dienstag, den 24. d. M.. wurde der langjährige tüchtige Chorsänger am Währinger Tempel, Herr Moriz Beer, zu Grabe getragen. An seinem Leichenbegängnisse beteiligte sich korporativ der 'Wiener Synagogensängerverein. Am offenen Grabe hielt Herr Obmann Salo Lemberger dem Berblichenen einen warmempfundenen Nachruf, der auf alle 2lnwesenden einen tiefen Eindruck machte. Die kantorale Funktion versah I. Kantor Serebrenik in erhebender Weife. Meran. Unser Bezirksrabbiner, Herr Dr. Tänzer, hat einen schweren Verlust erlitten, indem am Freitag, den 20. Juli, abends, seine Mutter, Frau Marie Tänzer, einem längeren, schweren Leiden erlegen ist. Die Verewigte war eine überaus fromme, gottergebene und wohltätige Frau, mit außerordentlichen Herzens- und Geistesgaben, die ihr allenthalben, sowohl in ihrer Heimat Preßburg, wie in Hohenems und hier die aufrichtigste Verehrung zuzogen. Sie hat selbst noch alle Anordnungen für ihr Leichenbegängnis wenige Stunden vor ihrem 2lbleben getroffen, hat ihre Kinder und Enkel gesegnet, noch die Sabbathlichter entzündet und ist dann verschieden. Sie hat ein 2llter von nur 63 Jahren erreicht. Die Beerdigung findet auf dem orth.-isr. Friedhofe in Preßburg statt, wohin, ihrem Wunsche gemäß, die Leiche überführt wird. N'CL'r'ti Eger. Bei den Kanalisierungsarbeiten in der unteren Schmeykalstraße, wo ehemals das alte Obertor stand, stieß man in einer Tiefe von fünf Meter auf eine große Anzahl jüdischer Grabsteine aus dem Anfänge -des XIV. Jahrhundertes. Die meisten _ sind noch gut erhalten und nur wenige stark verwittert. Die Grabsteine sollen, soweit sie historischen Wert haben, im Egerer jüdischen Museum, die anderen auf dem israelitischen Friedhofe oder beim Tempel aufbewahrt werden. Komota«. Sonntag, den 15. Juli, ist der Oberkantor und Religionslehrer der hiesigen Gemeinde, Herr Sigismund Rosenberger, plötzlich und unerwartet im 63. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene, in Stemamanger geboren, kam nach kurzer Amtstätigkeit in Linz im Jahre 1878 nach Komotau und versah hier durch 28 Jahre die Funktionen eines Kantors und Religionslehrers; zudem war er von der Statthalterei autorisierter Rabbiner. Wegen seiner Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit erfreute er sich nicht nur der Anerkennung des Kultusvorstandes, sondern auch der Wertschätzung sämtlicher Gemeindemitgiieder und Bekannten, wovon besonders die Ehrungen Zeugnis ablegten, die ihm anläßlich seines 25jährigen Amtsjubiläums zuteil wurden. 2ln seiner Bahre trauern außer der Gattin drei Söhne, darunter Herr Dr. Erwin Rosenberger in Wien, und eine verheiratete Tochter. Das -Ansehen, das der Verblichene in allen Kreisen der Bevölkerung genoß, kam m der wahrhaft imposanten Beteiligung an dem Grabgange zum 2lusdruck. Im Trauerzuge bemerkte man die Herren Bürgermeister 2lnton Schiefer, Stadtdechanten P i e s ch e l, Katecheten K n e i s e l. Pastor Pies ch, die Vorstände der Kultusgemeinde, Vertreter der Lehrerschaft, der freiwilligen Feuerwehr und anderer Korporationen. Am Grabe hielt Herr Rabbiner Dr. Thieberger einen ergreifenden Nachruf, in dem er die hervorragenden persönlichen und beruflichen Vorzüge des Berblichenen hervorhob. Die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor Lamm aus Brüx in überaus ergreifender und erhebender Weise. Brünu. Im „Mahr. Tagebl." erzählt Bernhard Münz über die Beziehungen, die Papst Pius X. in früheren Tagen zu dem jüdischen Senator R o m a n i n, der in Suizarn eine Weberei besitzt, die über 300 2lrbeiterinnen beschäftigt, pflegte. Beide standen auf gutem Fuße zu einander. Der spätere Papst war im Hause des reichen Fabrikanten und Gutsbesitzers ein gern gesehener Gast: die ganze Familie schätzte ihn hoch und es bedurfte nur einer Bitte, um an Festen und bei besonderen Anlüssen für die Weberinnen die Entlassung ans der 2lrbeit zu erwirken. Seinerseits erkundigte sich Romanin auch wiederholt, ob alle 'Arbeiterinnen in der Messe waren. Seine 2llmosen spendete er am liebsten durch die Hände des Pfarrers und wenn dieser gar nicht mehr wußte, wie er einer schreienden Not abhelfen sollte, dann klopfte er an die Tür des Gutsherrn an. Svüter trafen beide sich in Mantua und setzten ihr sreundschaftschaftliches Verhältnis fort. Olmütz. Sonntag, den 22. d. M.. fand das Leichenbegängnis der Frau Dorotea Herrmann. Schwiegermutter des Herrn k. k. Oberffnauzrates Dr. Fried, statt. Unter den Trauergästen bemerkte man die Vorsteher der hiesigen Kultusgemeinde sowie zahlreiche Freunde der trauernden Familie. Die kantorale Funktion versah Oberkantor Schlesinger mit den beiden Kantoren Stößler und Friedländer und dem Tempelchore. Rabbiner Dr. Gynzig. welcher in Vertretung des hiesigen Rabbiners gekommen war, hielt an der Bahre einen ergreifenden Nachruf. Krakau. 2lm verflossenen Sabbath hielt Herr Oberkantor Mayer S ch o r r aus Wien, der hier bei seinem Bruder, dem Oberkantor der alten Synagoge, zu Gaste werlte, über Einladung des Vorstandes im genannten, bis auf das letzte Plätzchen gefüllten Gotteshaus einen Gastvortrag, bei welchem er durch Stimme und Vortrag eine glänzende i Leistung bot und die große Schar der andächtigen Beter geradezu ent-! zückte. Der Vorstand der Synagoge ist Herrn Oberkantor S ch o r r noch! dadurch zu besonderem Danke verpflichtet, daß er ans den namhaften Erlös j der Einlaßkarten zu seinem Vorträge verzichtete und denselben einem wohlj tätigen Zwecke widmete. I Njpest. Unser verehrter Oberrabbiner Dr. Ludwig Venetianer feierte am letzten Sabbath ein stilles Jubiläum. Es find gerade zehn Jahre, daß er in unserer Gemeinde segensreich wirkt. Er hat es verstanden, sich die Liebe und die Hochachtung aller Gemeindemitglieder zu erwerben. In seiner Kanzelrede streifte er dieses Moment, das ihn tief rührte. Die 2lnwesenden brachten dann dem allbeliebten Oberrabbiner ihre Gratulationen dar. — Unser neuer Oberkantor Friedrich tritt am Trostessabbath sein 2lmt an. Josefssohn. Literatur. Jüdischer National - Kalender (p'w* m1?) von Oberkantor M. Faust, Belovar. Dieser soeben erschienene jüdische W o chen-2l breiß-Kalender. der an Genauigkeit, Vollständigkeit und praktische Anordnung das denkbar Möglichste leistet und nebst den Daten des bürgerlichen und jüdischen Kalenderjahres auch alle nötigen liturgischen und biblischen Erläuterungen über jüdische Riten und Gebräuche enthält, ist für jedes jüdische Haus, besonders aber für jüdische Aemter und Kultusbeamte ein unentbehrliches Handbuch, das den weitesten jüdischen Kreisen nicht genug warm empfohlen werden kann. Besonders zweckmäßig ist die Anordnung der 52 Barmizwah- und Jahrzeittabellen, auf welchen man mit größter Leichtigkeit die den bürgerlichen entsprechenden jüdischen Daten einfach ablesen kann, und wir sind sicher, daß diese Neuerscheinung auf dem Gebiete der Kalenderliteratur viele Freunde gewinnen wird. aus frischen Kokosnüssen „Garantiertnarurechtes feinstes= „Pflanzen- Fett.

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