Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 22 (8.6.1906)
- Date
- 1906-06-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Oesterr-ungar. Kantoren -Zeitung. Zur Uereinsgrmldnng in Ungarn, j Seit einiger Zeit ist, wie wir an dieser Stelle schon wiederholt berichteten, eine neuerliche Bewegung im Zuge, um! in Ungarn einen Kultusbeamten-Verein ins Leben zu rufen, i Von dem Standpunkte ausgehend, daß jedes Streben, die tristen! Verhältnisse des jüdischen Kultusbeamtenstandes zu verbessern. 1 zu begrüßen ist, haben wir diese Bewegung in keiner Weise zu stören gesucht, sondern zu unserer Orientierung uns einzig und! allein daraus beschränkt, hervorragende und anerkannte ungarische! I Fachgenossen diesbezüglich um ihre Anschauungen zu befragen,! die allerdings der geplanten Vereinsgründung kein günstiges > Prognostikon stellten. Auch von dieser Tatsache haben wir bisher : keinen öffentlichen Gebrauch gemacht und wir wären auch j weiterhin in unserer zuwartenden Stellung verblieben, wenn uns nicht Vorkommnisse in der letzten Zeit zwingen würden, ans der von kollegialer Rücksicht uns auserlegten Reserve heraus- I zutreten. j Zur Propagierung der Vereinsidee erscheint nämlich seit! kurzem ein neues Blatt, die „Jüd. Kultusbeamten-Zeitung" in! Budapest, und diese scheint es, statt positive Arbeit zu leisten, > als ihre Hauptaufgabe zu betrachten, in gehässigen und feindseligen Artikeln gegen den „Oesterr.-ungar. Kantoren-Verein" und die „Oesterr.-ungar. Kantoren-Zeitnng" loszuziehen. Beide haben es wohl nicht nötig, sich gegen derlei Angriffe, die sich von selbst richten und die der neuen Bewegung in Ungarn nicht sonderlich viele Freunde aus respektablen Kollegenireisen gewinnen dürften, zu verteidigen, aber da nach einer alten Erfahrung das Stillschweigen leicht als Bekenntnis der Schwäche ausgelegt wird, können wir uns einer kurzen Erwiderung nicht enthalten. j Seit den 25 Jahren, da wir den Kantorenstand aus langem, bangem Schlaf geweckt und das Standesbewußtsein in den Reihen desselben ausgerüttelt haben, ist jede Aeußerung der beruflichen Organisation nicht nur in Oesterreich-Ungarn, sondern auch in Deutschland und in der Kollegenschast jenseits des Meeres auf unsere Initiative zurückzusühren, und während in Ungarn wiederholte Versuche von Vereins- und Zeitungsgründung an der Ungunst der Verhältnisse und der Indolenz der Kollegenschaft gescheitert sind — von dem ungarischen Kultusbeamten-Vereine und der ungarischen Kultusbeamten- Zeitung, die der selige Friedmann gegründet hat. ist heute längst mehr keine Spur — haben mir hier in Wien in dem „Oesterr.-ungar. Kantoren-Vereine" und der ..Oesterr.-ungar. Kantoren-Zeitnng" trotz aller Mißlichkeiten, und während andere erlahmten oder verdrossen die Fahne wegwarfen, unermüdlich das Panier des Kantorenstandes hochgehalten und ein Zentrum > der beruflichen Organisation gebildet, in dem der gesamte Stand l in freudigen und ernsten Tagen eine würdige Vertretung und i und unzählige Kollegen Schutz und Beistand, Belehrung und! Förderung gefunden haben. Hiemit haben wir unsere kollegiale Pflicht erfüllt und wir verlangen hiefür weder Dank noch Anerkennung, am wenigsten von den Herren Vereinsgründern in Ungarn. Aber worauf wir zum mindesten Ansvruch erheben müsfen, das ist Wahrheit und Gerechtigkeit bei Beurteilung unserer Wirksamkeit. Und beiden heißt es ins Gesicht schlagen, wenn in einer der letzten Nummern des vorerwähnten ungarischen Blattes bei der Besprechung des i letzten Jahresberichtes unseres Vereines einfach hinweggeleugnet wird, daß der „Oesterr.-ungar. Kantoren-Verein" überhaupt etwas für ungarische Kollegen geleistet hat, oder wenn aus dem Nechnungsausweis eine einzelne Post „diverse Unterstützungen" willkürlich herausgehoben wird, um sie zum Gegenstände hämischer Glossen zu machen. Der Herr Artikelschreiber hat wohl absichtlich die vorhergehende Post übersehen, in welcher fast die doppelte Summe für andere Unterstiitzungen ausgewiesen ist, und er wird wahrscheinlich auch davon nichts wissen wollen. daß in allen vorangegangenen Jahren die Unterstützungen, an welchen österreichische und ungarische Kollegen fast immer zu gleichen Teilen partizipierten, sich weit über 2000 Kronen beliefen, oder daß in den fünf Monaten des heurigen Jahres für solche Zwecke ebenfalls nahezu 1000 Kronen verausgabt wurden. Ob dies den geehrten Herren Kollegen von der Kultusbeamten-Zeitung genug scheint oder nicht, ist uns vollkommen gleichgiltig, mögen Sie selbst schauen, daß sie es in dem von ihnen geplanten Vereine besser machen. Solange sie aber nicht durch Taten diesen Nachweis erbracht haben, steht ihnen nicht das Recht zu, unsere 25jährige Wirksamkeit im Dienste der Berufsinteressen abfällig nnd geringschützend zu glossieren, und wir werden auch in Zukunft auf derartige Angriffe in keiner Weife reagieren. Der ehrlich nnd billig henkende Teil der Kollegenschast in Oesterreich-Ungarn läßt sich durch solche Anrempelungen sein Urteil, dem wir mit ruhigem Gewissen entgegensetzen, gewiß nicht trüben. <f)n&Fißniioneti des öierr.-ung. Jluntorm-Demnes. In der am 5. Juni unter dem Vorsitze des Präsidenten Oberkantor I. Singer stattgebabten Vorstandssitzung, an welcher die Vorstandsmitglieder PH. B a ß l, I. Bauer, S. Dünmann, B. Guttmann, S. Jurberger. A. K u l k a, I. L ö w i t, E. R e g n e r, I. S ch i l l e r und I. Schlesinger und Vereinssekretär Dr. M. L v w y teilnahmen, wurde die durch einen in der Budapester israelitischen „Kultusbeamten-Zeitung" veröffentlichten Artikel des Vorstandsmitgliedes Oberkantor B. Guttmann „Zur Organisationsfrage" angeregte Zeitungspolemik eingehend besprochen. Der Vorstand nahm die von Oberkantor Guttmann abgegebene Erklärung, daß er mit dem erwähnten Artikel und den später folgenden Publikationen weder das Ansehen des Vereines zu schädigen, noch die Leitung desselben herabzusetzen oder dem Vereinssekretär und Redakteur des Fachblattes persönlich nahe zu treten beabsichtigte, mit Befriedigung zur Kenntnis und stellte an denselben das vertrauende Ersuchen, seine schätzbare Kraft auch ferner dem österr.-ungar. Kantoren-Verein zu widmen. Vereinssekretär Dr. M. L ö m y erklärte seinerseits, daß ihm mit der in Nr. 19 der „Oesterr.-ungar. Kantoren-Zeitung" veröffentlichten Erwiderung ..Ein Beitrag zur kantoralen Organisation" ein persönlicher Angriff auf Oberkantor Guttmann fernlag, und daß sein Artikel lediglich eine energische Verteidigung der Interessen des Vereines bezweckte. Infolge dessen sah sich der Vereinsvorstand veranlaßt, dem Vereinssekretär Dr. Löwy, in Anerkennung seiner langjährigen, dem Vereine geleisteten ausgezeichneten Dienste, das vollste Vertrauen äuTzusprechen. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde ein Bericht des Sekretärs über die Erledigung der in der letzten Sitzung gefaßten Beschlüsse entgegengenommen. KONKUR8. In der israel. Kultusgemeinde ZablOCie bei Saybusch ist ab I. August 1906 die Stelle eines qualifizierten, der deutschen Vortragssprache mächtigen Religionslehrers zu besetzen. Derselbe hat auch als pn zu fungieren und event. auch Gesangsunterricht in der Schule zu erteilen. Der Gehalt beträgt 1400 Kronen jährlich, nebst den üblichen Emolumenten. Bewerber haben ihre Zeugnisse nebst Angabe des Alters und des Familienstandes längstens bis zum 15. Juni I. i. an den gefertigten Kultusvorstand zu richten. Reisespesen werden nur dem Akzeptierten vergütet. Zablocie bei Saybusch, 20. Mai 1903. Der Kultusvorsteher: Moritz Seifert.