Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 20 (25.5.1906)
- Date
- 1906-05-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Ockerr-Ungar. Kantoren-Ztitung. Jsaac Heymann. Zu seinem 50jährigen Amtsjubiläum als Oberkantor der israelitischen Gemeinde Amsterdam. Als -einer der Edelsten und Besten des Kantorenstandes feiert Herr Oberkantor Isaak Hey mann am Vorabende des diesjährigen Schewuot-Festes sein 50jähriges Amtsjubiläum in der Gemeinde Amsterdam, und weit über das persönliche Moment erhebt sich die Bedeutung dieses Tages, welcher einen weithin glänzenden Markstein bildet im Leben eines Mannes, dem Gott die seltene Gnade beschieden hat, durch ein halbes Jahrhundert in einer Gemeinde dem heiligen Dienste sich widmen zu können. Und wie hat Jsaac Hey in a u n diesen Dienst verrichtet! Erfüllt von tiefer Religiosität, getragen von edler Begeisterung für die hohe Bedeutung seines Amtes und ausgestaltet mit ausgezeichnetem Wissen und Können leistete er eine bedeutsame Fülle von Lebensarbeit, die seinen Namen hinaustrug weit über die Grenzen seines Wirkens und ihm die ungeteilte Anerkennung, Wertschätzung und Liebe aller Jener erwarb, die in den Bannkreis seiner bestrickenden Persönlichkeit traten und sein Wirken und Schaffen zu bewundern Gelegenheit halten. Mit geradezu kindlicher Verehrung hängt die Gemeinde Amsterdam an diesem seltenen Wanne und zur Verherrlichung seines Jubeltages hat sich ein großes Komitee gebildet, das das Lob des Gefeierten mit folgenden Worten verkündet: „Am 29. Mai feiert unser so beliebter und verehrter Oberkantor der Jsr. Niederl. Gemeinde Jsaac Hey mann sein 50-jähriges Jubiläum. Jsaac Heymann ist der Sohn eines hochberühmten Oberkantors in Rußland und hatte schon von seiner ersten Jugend an die wunderbarsten musikalischen Anlagen. Bereits als Knabe besaß er eine herrliche Tenorstimme, welche Stimme noch stets in derselben jugendlichen Frische in höchstem Maße seine Zuhörer zu fesseln vermag, ja, die Stimme besitzt noch ganz alle Eigenschaften, welche diesen gottbegnadigten Sänger stets ausgezeichnet haben. Schon in seinem neunten Lebensjahre ließ er sich in großen Gemeinden, sowohl in Rußland, wie in Galizien und Preußen nicht nur als Kantor, sondern auch in Konzerten mit schlagendem Erfolg hören. Nachdem er als sehr junger Mann die Kantorstelle in Gnesen eingenommen hatte, bewarb er sich um die hier freigekommene Oberkantorstelle und wurde, trotzdem sich eine sehr große Anzahl Kandidaten vorsand, e i n st i m m i g ernannt. Unbeschreiblich war der Enthusiasmus, mit welchem der neuernannte Ober-! kantor bei seiner Installation begrüßt wurde, ein Enthusiasmus, welcher sich in einer dauerhaften Popularität bewährt hat. Nicht nur als Oberkantor ist Jsaac Heymann berühmt, auch als Komponist, hauptsächlich kirchlicher Gesänge, hat er sich einen außerordentlichen Namen erworben. Obgleich Isaak Heymann schon in Deutschland eine fast vollendete musikalische Ausbildung besaß, studierte er dennoch die ersten fünf Jahre seines Hierseins die höhere Kompositionslehre, mit dem vortrefflichen Erfolge, daß er bei einem konservatorialen Examen in Köln, von Prof. Ferd. Hiller abgenommen, ein hoch bedeutendes Zeugnis als Komponist erwarb. Oesters erhielt der Künstler Auszeichnungen von unserer Königin, sowie auch von Ihrem verstorbenen Vater, Wilhelm HI. Eine der Kompositionen, welche er der Königin widmete und die er für Orchester arrangierte, wurde in Wiesbaden von der kaiserlichen Kapelle auf- Heführt und hatte einen enormen Erfolg. Die Chorgesänge in unseren Synagogen sind fast alle die wundervollen Schöpfungen dieses Komponisten. Dieses wunderbare Talent hat sich bei mehreren seiner Kinder fortgepflanzt; wir brauchen bloß die Namen Carl, Louise, Johanna'Und Sophie zu nennen, welche alle als Künstler einen weit verbreiteten Ruf besitzen. I Haben wir bis jetzt Jsaac Heymann hauptsächlich alS Musiker vorgeführt, wir lernten ihn in dem vergangenen halben Jahrhundert auch von anderen vortrefflichen Seiten kennen. In der Art und Weise, wie er als Abgesandter der Gemeinde als Scheliach Zibbur die Gebete vorträgt, erkennt man den gottbegnadeten Vorbeter. Auch auf dem Gebiete der Humanität hat sich Jsaae Heymann, ebenso wie seine vor Jahren verstorbene Gattin Rebecca, geb. Göttinger, eine edle Frau im wahren Sinne des Wortes, deren Wohltätigkeitssinn und Menschenliebe noch im allgemeinen Andenken dastehen, einen herrlichen Namen erworben. Ist es da nicht selbstredend, daß unser Oberkantor von allen Gemeindemitgliedern geschätzt, geliebt und verehrt wird? Mit vollem Rechte kann man denn auch erwarten, daß das seltene Fest ein prachtvolles und großartiges sein wird. Möge der Allmächtige unserem teuren Oberkanror noch viele, recht glückliche Jahre schenken, im Kreise seiner Lieben, unserer Gemeinde zum Ruhm, dem Judentum zum Heil!" Ebenso geschätzt wie in seiner Gemeinde ist Oberkantor Isaak Hey mann auch in dem weiten Kreise seiner Berufsgenossen. Er gilt ihnen nicht nur als ein leuchtendes Vorbild auf dem Gebiete der kantoralen Betätigung, sondern auch als Muster eines warm und aufrichtig fühlenden Kollegen, der an allen Erscheinungen des allgemeinen Berufslebens, sowie an den Schicksalen jedes Einzelnen innigen, tatkräftigen Anteil nimmt. Und darum kann der hochverehrte Jubilar an dem Tage, da er mit stolzer und befriedigender Genugtuung auf seinen bisherigen Lebensgang zurückblickt, auch der verehrenden Huldigung der großen Kollegenschar gewiß sein, die alle sich in dem Wunsche vereinigen, daß es ihm noch lange gegönnt sein möge, in seinem heiligen Amte zu wirken zur Ehre Gottes und zur Zierde des gesamten Kantorenstandes. Zar Abwehr. Unter diesem Titel glossiert Herr Oberkantor Bela Guttm a n n in der dieswöchentlichen Nummer der „Nationalzeitung" und der „österr. Wochenschrift" einen von mir verfaßten und in voriger Nummer der „österr. ung. Kantorenzeitung" veröffentlichten Artikel: „Ein Beitrag zur kantoralen Organisation". Insoweit diese Glossierung meine Tätigkeit als Redakteur abfällig behandelt, kann ich über dieselbe ganz kühl hinweggehen, und dies umso mehr, als Herr Oberkantor Guttmann sich gar nicht die Mühe gibt, die von mir in dem beregten Artikel wahrheitsgemäß angeführten Tatsachen ernst zu widerlegen, und ich keineswegs gewillt bin, ihm auf das Gebiet der persönlichen Polemik zu folgen. Was jedoch den mir gemachten Vorwurf der Jnkompatibilität der Stellung eines Vereinssekretärs mit der Leitung des Fachblattes betrifft, kann ich das Urteil hierüber ganz getrost jenen Faktoren überlassen, denen ein kompetentes Votum in dieser Angelegenheit znkommt, und diese werden sich gewiß auch dieFrage vorlegen, ob dennnicht die in der „Abwehr" desHerrn Oberkanror Guttmann über die Tätigkeit des „österr.-ung.Kanwren- Vereines" eingestreuten Bemerkungen von dem gleichen „kollegialen" Geiste erfüllt sind, wie seine vorhergegangenen öffentlichen Kundgebungen, die mir Anlaß zu meinem Artikel gegeben haben. Schließlich sei, um falschen Auffassungen vorzubeugen und mein „autokratisches" Vorgehen auf das richtige Maß zurückzuführen, konstatiert, baß mein Artikel vor Drucklegung dem Präsidenten und Vizepräsidenten des österr.-ungar. Kantoren-Vereines vollinhaltlich bekannt war, und an dem von Oberkantor Guttmann angerufenen Vorstandskollegium wird es liegen, zu entscheiden, ob es die Anschauung seines Präsidiums, das mein Eintreten für die Interessen des Vereines in dieser Form billigte, teilt oder nicht. Dr. Moriz Löwy Chefredakteur der „Wahrheit." mm