Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 19 (18.5.1906)
- Date
- 1906-05-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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♦ ♦ Die geehrten Herren Kantoren werden höfliihst und dringend ersucht, die restlichen Abonnemrntsbeträge umgehend ein;nsenden, damit wir der Einhebung durch Pvstansträge, welche Geld und Mühe Kostet, enthoben werden. Gm Seitrag -zur Geschichte der kautoraien Organisation. Wir haben von jeher den Standpunkt vertreten, daß die Wirksamkeit der kantvralen, wie jeder anderen beruflichen Organisation von der Größe ihres Interessentenkreises abhängt, und! aus diesem Grunde halten wir auch jetzt noch, im Einklänge mit den hervorragendsten ungarischen Kollegen, daran fest, -daß bei der vollständigen Gleichheit der kantoralen Verhältnisse in Oesterreich und Ungarn und bei dem steten Wechsel zwischen hüben und drüben, der ösrerr.-ungar. Kantoren-Verein den Stützpunkt für die einheitliche Organisation der Kantoren Oesterreich-Ungarns bilden soll. Der gegen diese Argumentation immer wiederkehrende Einwand der politischen Trennung ist vollkommen haltlos, denn die Erfahrungen der in kurzem ablaufenden 25 Vereinsjahre lehren, daß die Leitha kein einziges ungarisches Vereinsmitglied oder dessen Angehörige gehindert hat, die materiellen Benefizien des Vereines zu genießen, und noch weniger wird man glauben machen können, daß in dem Zeitalter der internationalen beruflichen Vereinigungen eine ■■ ideale Landesgrenze oder selbst ein ausgestellter Zollschranken für die österreichisch-ungarischen Kantoren ein Hemmnis sei, Hand in Hand die Besserung ihrer sozialen Lage anzustreben. Trotzdem können wir es aber begreifen, daß bei dem allgemeinen Rufe nach Trennung von Oesterreich, der ja auch auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete ohne Rücksicht auf mannigfache daraus entstehende schwere Schäden derzeit in Ungarn ertönt, auch in unserer dortigen Berufsgenossenschaft die Sicherung ihrer Zukunft nur in einer separaten Vereinsgründung erblickt wird; und obwohl wir überzeugte Anhänger -unb eifrige Verfechter einer einheitlichen Organisation sind, werden wir schon aus kollegialer Rücksicht derartigen Bestrebungen, soferne sie nur von ernsten Persönlichkeiten verfolgt werden und irgend einen Vorteil für die ungarische Kollegenschaft bringen können, nicht hindernd in den Weg treten. Was uns aber unfaßbar erscheint und was wir entschieden verurteilen müssen, das ist, daß ein Wiener O b e r k a u t o r. ein Vorstandsmitglied des ö st e r r. - u n g a r. Kantoren-Vereines, der noch heute immer gerne mit seinem ungarischen Patriotismus kokettiert, in offenbarer Schädigung der Interessen des ö st e r r. - u n g a r. K a n t o r e n - V e r e i n e s sich jedesmal, so oft ein derartiger Anlauf zu einer Vereinsgründung in.Ungarn genommen wird, zum Wortführer dieser Bewegung aufdrängt und dabei immer Gelegenheit nimmt, sich abfällig über die Tätigkeit und die Leitung des österr.-ungar. Kantoren- Vereines zu äußern. Das hat .veir Oberkantor Bela Guttmann schon wiederholt getan und diese völlig unkollegiale Haltung bekundet er neuerdings in einem Artikel, der jüngst in der neugegründeten Budapester „Kultus-Beamten-Zeitung" zur Veröffentlichung gelangte. Auf den Inhalt dieses Artikels, soweit er die Ziele der Organisation behandelt, wollen wir nicht näher eingehen, denn dieses schwülstige Phrasengeklingel, das keinen einzigen originellen Gedanken verrät und nnr abgebrauchte Schlagworte wiederkaut, kann niemand interessieren. Aber was wir nicht mit Stillschweigen übergehen wollen, das ist das abfällige Urteil, das Oberkantor Guttmann auch bei diesem Anlasse in Bausch und Bogen über die Leitung des österr.-ungar. Kantoren-Vereines fällt, und eine energische Zurückweisung ist hier umso dringender geboten, als man ja sonst einem Vorstandsmitglieds, bei dem man gewöhnlich eine eingehende Vertrautheit mit der gesamten Vereiusgebarung voraussetzt, eine gewiffe Glaubwürdigkeit beimessen müßte. Wir stehen keineswegs auf dem Standpunkte, daß die Tätigkeit des Vereines über jede Kritik erhaben sei, und es wäre geradezu lächerlich, zu behaupten, daß nicht vielleicht die eine oder andere Aktion des Vorstandes besser oder anders hätte gemacht werden können, als es in Wirklichkeit geschah. Gegenteilige Anschauungen kommen in jeder Korporation zum Ausdruck und haben auch jederzeit im Schoße des Vereinsvorstandes, in! würdiger Weise vorgebracht, gebührende Beachtung gefunden. Aber das Recht der Kritik kann man nur jenen eiuräumen, die auch den ernsten Willen gezeigt haben, mitzutun und mitzuwirken zum allgemeinen Wohle und an der gedeihlichen Arbeit des Vereines teilzunehmen, nicht aber einem Manne, der nicht auf eine einzige Tat im Vereine Hinweisen kann, der die Pstichten eines Vorstandsmitgliedes immer sehr leicht genommen und, während andere nach des Tages Mühen sich zu kollegialer Beratung zusammenfanden, häufig von den Sitzungen fernblieb, weil er sich die Genußfreudigkeit seines Soupers nicht stören lassen wollte. Wenn solche Leute sich das Recht nehmen, im allgemeinen über die Tätigkeit des österr.-ungar. Kantoren-Vereines abzuurteilen, so gehört allerdings ein gewisser Mut dazu, aber wenigstens mögen auch die Kollegen erfahren, welcher Wert diesem Urteil beizumessen ist. Herr Oberkantor Guttmann scheint sich in Wien nicht behaglich zu fühlen, er schielt immer noch über die Leitha hinüber und sein Herz zieht ihn nach Ungarn. Nun denn, so möge er dem Zuge seines Herzens folgen, sich an die Spitze der Kollegen in Ungarn stellen, und wenn er diese zu einer großen Organisation vereint hat, werden wir ihn gerne und ohne Neid als einen großen Mann feiern. Solange er aber in Wien ist, hat er nicht nur mit Rücksicht auf seine Stellung, sondern auch als Vorstandsmitglied des Kantoren-Vereines, die Pflichten der Solidarität gegenüber seinen Kollegen hier zu erfüllen. Diese Pflichten nun hat er durch seine vollkommen unkollegiale und illoyale öffentliche Stellungnahme gegen den österr.-ungar. Kantoren-Verein in gröblichster Weise verletzt und die Konsequenzen dieses Vorgehens werden gewiß auch nicht ausbleiben. ipitofilsatioiieii des ölterr -mig.Üuntorai-lemnes. In der letzten unter Vorsitz des Präsidenten I. Singer stattgehabten Borstandssitzung des österr.-ung. Kantoren-Vereines, an welcher die Vorstandsmitglieder Ph. Bassl, I. Bauer,! S. Dünmanu, S. Jurberger, I. Löwit, E. Regner! und I. Schiller teiluahmen, wurden im Sinne des § 11 , der Statuten die Äitwenbeiträge Schlesinger und B l a tr fest-! gesetzt und nach einem Bericht des Sekretärs über den dermaligen I Stand der Bereinskasse Anregungen zur Hebung der Einkünfte des Vereines gegeben. Mit Rücksicht auf zahlreiche Rückstände an Vereins- und Pflichtbeiträgen wurde beschlossen, eine diesbezügliche Mahnung an die säumigen Vereinsmitglieder zu richten und nötigenfalls strenge nach den Bestimmungen der Statuten vorzugehen. Da die Mandatsdauer des dermaligen Vorstandes im heurigen Jahre abläuft, wurde die Neuwahl des Vorstandes laut § 23 der Statuten für den 26. Juni 1906 festgesetzt und werden die Stimmzettel den Mitgliedern rechtzeitig zugesendet werden. Dabei wird aufmerksam gemacht, daß nur jene Mitglieder ihr Wahlrecht ausüben können, die mit ihren Beiträgen nicht im Rückstände sind. Der Bereinsvorstand.