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Die Wahrheit · 1906-05-11 · Heft 18 (11.5.1906) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 18 (11.5.1906)
Date
1906-05-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18, Die. Wabrlfeit Herte 1. Erscheinungihre-. volle Aufmerksalnteit zu widmen, ihrerseits etwa Nachforschungen zn veranlassen. Enqueten zu veranstalten, Wch welche sich'genauer echibt; welche Untergruppen innerhalb örejer äußerorhentliHweiten.Gruppe des Handels' und Verkehrs an der Krimiicalität beteiligt sind, welche Untergruppen es eigentlich sind, die unter den -gegebenen Verhältnissen znm VerhrDen geführt 'werden, und was sich dagegen machen läßt. Es Wre eine Ehrenpflicht, läge zugleich aber auch in dem eigenen Interesse, der jüdischen Mitbürger, wenn sie sich bemühen, alle die' zu dieser Gruppe gehörenden Personen den geänderten wirtschaftlichen Verhältnissen' möglichst anzupassen. Wenn das geschehen würde, wenn durch die im Handel und Verkehr stehenden jüdischen Mitbürger diese Verhältnisse klargelegt und womöglich beseitigt würden, dann würden die antisemitischen Angriffe, jene verleumderischen Angriffe, nicht bloß denjenigen, denen sie schaden sollen, zum Segen gereichen, sondern neben den jüdischen auch den christlichen Mitbürgern und schließlich allen Schichten unseres deutschen Volkes! Die Inden in San Franrisro. Die Kunde von dem entsetzlichen Unglück, welches über die schöne Stadt des westlichen Goldlandes, San Francisco, gekommen, ist, ist natürlich . mit Blitzesschnelligkeit nach allen Teilen der Welt gedrungen, der Juden von San Francisco geschah aber in den Depeschen keine Erwähnung. Darum dürfte ein Bericht, den der Korrespondent des ,,M. Jsr." über die dortigen Verhältnisse bietet, für die jüdischen Leserkreise von besonderem Interesse sein. Die Stadt San Francisco, so heißt es in dem Berichte, ist nicht nur die reichste und bevölkertste Stadt des Staates Calisornien, sie ist auch Sitz der größten jüdischen Gemeinde im fernen Westen Amerikas. Unter einer Gesamtbevölkerung von 400.000 Seelen wohnen etwa 25.000 Juden, weitaus der größte Teil aller jüdischen Einwohner des Staates, deren Zahl 35.000 nicht übersteigen dürfte. Unter unseren Stammesgenossen in der unglücklichen Stadt sind viele sehr reich und die meisten haben stets in sehr guten Verhältnissen' gelebt. Wirtliche Armut ist sehr wenig vorhanden gewesen. Einige der größten Banken und sonstigen Geschäfte stehen unter jüdischer Leitung, darunter die Anglo-California- Bank, die Nevada-Bank, die Union Trust Company und die Alaska Commercial Company. Ans dem Gebiete der Wissenschaft und Journalistik haben sich die californischen Inden nicht weniger hervorgetan. In der Medizin sind zn nennen die Namen Hirschfelder, Rosenstirn und Abrams, in der Jurisprudenz Ackermann, Reinstein und Lilieuthal, als Künstler ragen hervor Peixotto, Roswald und Lisser, in der Journalistik De Ioung und so noch eine große Reihe anderer. In religiöser Beziehung sind die Juden in Calisornien, wie überall in den Pereinigten Staaten, in verschiedene Lager, Radikale,' Konservative und Orthodoxe, getrennt. Die reichsten Elemente bekennen sich zur Reform, das Gros des Volkes neigt zur Orthodoxie. Von wirklicher Gesetzestreue im wahren Sinne des Wortes ist nicht viel vorhanden, wenn es auch an streng-religiösen Familien nicht gänzlich fehlt. In der Stadt San Francisco gibt es sechs organisierte Religionsgemeinden mit Synagogen, Kultusbeamten j und Schulen. Der bestbekannte Knltusbeamte ist wohl der Rei fyrmprediger Dr. Joseph Voorsanger, der sich bei dem gegenwärtigen Unglück als Vorsitzender des Komitees zur Verteilung der Lebensmittel hervorgetan hat. Rev. Isidor Myers ist als Vertreter des konservativen Judentums wohl bekannt. Von dem Vorhandensein eines orthodoxen Rabbiners in San Francisco Kiß'.'itz mKs. WahrscOiMU sind unter dem russisch-polnischen Elemente talmudkundige^PHMtlente .vorhanden, die die rituellen Angelegenheiten in eineik nNsU oder weniger befriedigenden Weise leiten.' "Was die ZukMrHIir ^üIschWMemeinde in San Francisco Wringen rvM, M vorläMg IW Ulbzusehen. Wahrscheinlich Mrd sie sich MitMr>füS die Amerikaner charakteristischen Energie: zusammenraHen nA, ^wie d^Hladt, überhaupt, sich wieder wi^ Mher'entwickeln? ■■'X*1?sr\ Verschiedene Nachrichten Wie«. 'Samstag, den 12. Mai Predigt im Stadttempel. ' Wien Am 5. d. M. fand im Sitzungssaal« der Wiener KultuKgemeinde die konstituierende Sitzung des „Wiener Kredit- und Vorschuß- Vereines".' registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung, statt. Bo» den anwesenden 2o Zeichnern der Genossenschasts-Anleik« wurden die Herren Heim. Beck. S. Brod, Karl Engländer. Dr. M: Stainer und Hofrat S. Taussig in den Vorstand gewählt. Die Ergänzung des- Vorstandes auf die statutengemäß zulässige Zahl von 10 Mitgliedern wurde Vorbehalten. Dem Vereine warb seitens einer Reihe von Gtaubensgenoffon ein Garantiefond von 30.000 Kronen zur Verfügung gestellt. Sobald die Eintragung des Vereinsstalutes in das Genosieuschasts-Register vollzogen ist. wird der Verein seine statutengemäße Geschäftstätigkeit ausnehmend Wien. (B a r m i-z w a f e i e r.) Aiii 28. v. M. fand in der Familie der Frau Rosa Sckle, inger, Firmaurhaberin der großen Wiener jüdischen Verlagsbuchhandlung Jos. Schlesinger, eine sehr interessante Bärmizmafeier statt. Die ehcw. Rabbiner Fürst und Baumgarten, die Oberkailtoren S'.nger und Wmmann, viele Bethausvorsteher und Honoratioren lauschten dem geistvollen Talmudvorirage des zarten, doch äußerst lerneifrigen Konfirmanden S i e g f r i e d, der neben Gymnasialstudien mit besonderem Eriolge „Gemara" lernt und sein Bortragsthema vor der großen Schar von Talmudkenncrn wie-auch die schöne Rede nachher in Üangvoller Summe absolvierte. Schon am Bormittag gefiel allen in der „Schiffschule" das „Leinen" des jungen Barmizwa und wurde der Beweis erbracht, daß auch in der Großstadt gut und gründlich Thora gelernt werden kann, wenn Eltern, Lehrer und Kinder innig Zusammenwirken. Wien. Die Trauung des Fräulein Reuse Eng el. Beamtin im Bureau der Wiener Kultnsgemeinde, mir Herrn Arthur Sp itzer findet am 3. Juni im Stadttempel statt. Wien. Zufolge Einladung seitens des Vorstandes der Fugbach- Synagoge absolvierte Herr Josef Grob vom Josefstädter Tempel, in dem genannten Bethause am vergangenen Samstag einen Probevortrag. Die kantoralen Darbietungen desselben fanden sowohl in gesanglicher wie in liturgischer Hinsicht die vollste Anerkennung des Gesamtvörstandes wie aller Anwesenden. Wien. Herr Paul Opoczynski gibt bekannt, daß er das vormalige Cafö Wurmfeld, XX., Wallenstemstraße 32, übernommen und den modernsten Anforderungen entsprechend renoviert hat. Baden. (Neuwahlen.) Bei den 'am 22. April l. I. erfolgten Neuwahlen in der israelitischen Knltusgemeinde Baden wurden in den Ausschuß wiedergewählt die Herren Moriz Leitner, Dr. Emil Raab, Ignaz Fleischmann, Sigmund Rausnitz, Moriz Daniel, Simon Mandl, Albert Deutsch. Jakob Kohn und Ludwig Lackenbacher; nengewählt die Herren: Alois Fleffchmann, Anton Schneider und Bernhard Rosner. Als Ersatzmänner gewählt sind die Herren: Mathias Adler, Gottfried Flaschner, Max Löbl und Philipp Rotholz. Als Vertrauensmänner in den verstärkte» Kulcusausschuß wurden gewählt die Herren: Alexander Svitzer, Gustav Oedenbnrger, Ignaz Lederer. Jakob Hacker, Dr. Sigmund Kraus, Adolf Weiß. Max Löbl, Adolf Wolf, Ernst Hönigsberg, Karl Schönfeld, Leopold Süß und Josef Ungar. — Am 6. Mai fand die Wahl des Kulkusvorstandes statt und rvurden Herr Moriz Leitner als Knltusvorsteher, Herr Sigmund Rausnitz als Kultusvorsteher-Stellvertreter, Herr Dr. Enul Raab als erster Betrat und Herr Srmon Mandl als zweiter- Beirat gewählt. An Stelle des Herrn Leovold Süß, der das aus ihn gefallene Mandat abiehnte, wurde Herr Alfred Leitner in den verstärkten Kultusausschuß gewählt. Jglau. Am 21. April d. I. veranstaltete der hiesige Tempelgesangverein „Schir Zion" unter der Leitung des Obmannes kaif. Rates Gustav H e l l m a n n und des Obmanustellvertreters Zahnarzt Adalbert P ok o r n y, sowie des um das gesamte Arrangement hochverdienten Chormeisters I. Kohn im Saale des Hotels Czap einen Unterhaltungsabend, der nach jeder Richtung als glänzend und überaus gelungen bezeichnet werden kann. Sämtliche zur Aufführung gelangten Chöre, sowie die anderen instrumen-- taken, gesanglichen und schauspielerischen Darbietungen der einzelnen Damen und Herren und die Produktionen der Musikkapelle des k. u. k. Jufanlerie- Regiinentes Nr. 81 unter der Leitung des Herrn Kapellmeisters Domes standen aus künstlerischer Höhe und verdienten vollauf den stürmischen Beifall, der ihnen zuteil wurde. Von den Mitwirkenden seien weiters genannt: Frau Lola Braun, Kapellmeister Riegel, Frau Dr. Jenny Kraus, Fräulein Greta W o h r y z e k, Oberkantor D. W e i ß, Fräulein Gaby S t i a ß n y, Fräulein Elsa Schwarz, Herr Edwin B o n d y-, Fräulein Elsa Grünfeld, Herr Hugo Müller, Herr I. U. C. Karl Weiner und Herr Karl B e r a n. Zwischen der 1. und 2. Abteilung des reichhaltigen Programmes sprach das Publikum den kulinarischen Genüsse» des Buffets zu, welches die Damen des hiesigen Frauenvereines in liebenswürdigster Weise verwalteten. Der Erlös wurde wohltätigen Zwecken zugeführt. Mit einem flotten Tanzkränzchen, deffen letzter Walzer um 4 Uhr morgens getanzt wurde, fand die überaus animierte Unterhaltung ihr Ende. Eine besondere Ehrung wurde dem Herrn Chormeister I. Kohn zuteil, dem unter lautem Beifall des Publikums ein mächtiger Lorbeerkranz überreicht wurde. An dieser Stelle sei noch dem Bergnüqungskomitee, an deffen Spitze kaff. Rat Gustav Hellmann und Adalbert Pokorny> itanden, ferner den Damen des Frauenvereines gedankt, welche mit dem Arrangement und der Verwaltung des Buffets nicht geringe Mühe hatten. Besonderen Dank verdient Mch Frl. Grete Wohryzek, welche in liebenswürdiger Weise auch: die Begleitung sämtlicher Chöre übernommen harre. Schließlich mögen alle, die'durch, ihre .Spenden den wohltHtigen Zweck, den sich der Verein des der- Veranstaltung gesetzt hatte-, fördernhalfen, int Namen des

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