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Die Wahrheit · 1906-04-06 · Heft 14 (6.4.1906) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 14 (6.4.1906)
Date
1906-04-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Huartal ersucht, damit die regelmäßige Zusendung des Mattes keine Mnterbrechung erleide. Metzers Wirken für das Indentirm in der deutschen Nationalversammlung. (Ein Gedenkblatt zu seinem hundertsten Geburtstag).! Die Revolution des Jahres 1848 brach unversehens über j die europäische Welt aus. Sie verdankte ihren Ursprung nicht materiellen Notständen, nicht der Ueberhebung eines Standes über den anderen, nicht den grellen Mißstünden, die am Ende des 18. Jahrhunderts die Umwälzung in Frankreich herbeiführten, sondern sie war wirklich nur die Folge zufälliger Ereignisse, die in Frankreich das Königtum stürzten und mit einer Schnelligkeit, wie sie die Weltgeschichte nicht kennt, den Anstoß zu den Auf-! ständen in Deutschland gaben. Gleichzeitig war überall ein steter! Drang nach Volksvertretung sichtbar geworden, man hatte das! Verlangen nach Gleichheit der Stände vor dem Gesetze, nach! bürgerlicher Gleichstellung aller Religionsparteieu in jedem Lande, nach Freiheit der Presse und der Lehre. Unter den leitenden! Männern der liberalen Opposition in den Kammern der deutschen; Staaten war, begünstigt durch die Pariser Februar-Revolution, kein Zweifel darüber, daß man zur Konstituierung eines all-! gemeinen deutschen Parlamentes schreiten müsse. Diese erste deutsche; Nationalversammlung wurde endlich am 18. Mai 1848, unter! dem Geläute aller Glocken und dem Donner der Geschütze, in j der Paulskirche zu Frankfurt a. M. eröffnet. Der allgemeine Ruf nach Freiheit und Gleichheit forderte j in allen Gauen Deutschlands, welche die Mürzstürme erschütterten, j auch für die Bekenner des Judentums die Rechtsgleichheit, und j zwar dies in so nachdrücklicher Weise, daß sie, wenn auch nicht > in vollem Umfange, gewährt werden mußte. Diese mächtige Umj Wandlung aller Verhältnisse und Anschauungen hatte zur Folge, | daß auch Juden als Abgeordnete gewählt wurden, die in den I Parlamenten nicht geringen Einstuß übten. Die Wahlen zu der j deutschen Nationalversammlung wurden allenthalben unter leb-! Hafter Beteiligung vollzogen. 586 Abgeordnete zogen endlich an i einem schönen Maientage vom Kaisersaal im Römer nach dem für sie bestimmten Sitzungslokal, der Paulskirche, darunter auch der vortreffliche, unerschrockene jüdische Hamburger Notar Gabriel Rieß er. Als Vertreter des Herzogtums Lauenburg trat Rießer in der deutschen Nationalversammlung, bei der Beratung der Grundrechte des deutschen Volkes,, mutig und entschlossen für das heilige .Recht seiner Glaubensbrüder in die Schranken. Mt ebenso feinem Takt und Verständnis, als mit mannhafter Ueberzeugungs treue verteidigte er ihre bürgerliche Gleichstellung, enthüllte er Trugschlüsse und bekämpfte mit edler Entrüstung die Lieblosigkeit und Unduldsamkeit, der von so manchem Judenhasser Ausdruck geliehen ward. Durch seine „Politik des Gemütes", die auch von dem Präsidenten der Nationalversammlung Heinrich v. Gagern des öfteren rühmend hervorgehoben wurde, hatte er sich viele Freunde erworben, so daß er nicht selten bei den wichtigsten Fragen als Generalredner gewählt wurde. Mit selbstbewußter Ueberlegenheit und unnachahmlicher Eleganz und Grazie trat er seinem einzigen Gegner Moritz v. Mo hl, dem berühmten Nationalökonomen und Abgeordneten des Wahlbezirkes Heidenheim- Aalen, entgegen. Mohl hatte nämlich keine Gelegenheit außeracht gelassen, um gegen die Judenemanzipakion Gründe anzuführen. Die Juden, so behauptet er, können nicht emanzipiert werden, weil sie. allein nur dem Handel hingegeben, Handwerk und Ackerbau von sich weisen. Ja, durch die Emanzipation würden bald die Staatsämter ganz in den Händen der Juden sein und diesem Nachteile könne man das Vaterland nicht aussetzen. Mit flammender Beredsamkeit entkräftet Rießer diese Vorwürfe. „Die Geschichte, die große Lehrerin und Erklärerin der Gegenwart", so läßt er sich wörtlich in seiner Zeitschrift „Der Jude" vernehmen, „dient unser» Gegnern nur dazu, Fesseln fiir uns zu schmieden und Beschuldigungen aus ihren tiefsten Tiefen herauf zu wühlen' sie sind aber auch taub gegen ihre Lehren, da wo sie allein beklagenswerte Uebelstände zu erklären und auf ihre wahre Quelle zurückzuführen vermöchte. Wie möget Ihr mit den Unseren so rauh und hart umgehen, daß Ihr verlangt, die Opfer der Beschränkungen vieler Jahrhunderte sollen in weniger als einer Generation, in einem Augenblicke verschwinden? Steigt doch von der vornehmen Höhe herab, von welcher Ihr auch die kleinen, alltäglichen Verhältnisse herniederschauet, ich bin überzeugt, daß von all' den hämischen Rednern, die so voll waren von der Abneigung der Juden gegen die Handarbeit, sich kein einziger je eine Vorstellung von den Schwierigkeiten gemacht hat, die teils die Umstände, teils die Härte und Vorurteile der Christen dem armen jüdische Knaben, der ein Handwerk erlernen will, entgegenstellen." Und an einer anderen Stelle sagte er: „Wie, die Konkurrenz von einem verschwindend kleinen Teile Feiertage halber erscheint die nächste Nummer am 20. April.

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