Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 7 (16.2.1906)
- Date
- 1906-02-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7. Die Wahrheil Seite 9. Derkehrt hat. Daß seine Kinder fast alle getauft sein sollen und selbst von ihm die gleiche Sage umging, mag die Oeffentlichkeit Wohl wenig berühren und will ich auch gar nicht -auf die Wahrheit prüfen; aber eines steht fest, daß jemand, der nur zu solchen Gerüchten Anlaß gibt, zur Führung der Kollegenschaft 'keine Eignung hat. Vizepräsident ist Klemens Klein, der sich seit Jahren in den verschiedensten Weltgegenden, bald als Kantor und bald als Konzertsänger, herumtreibt und jetzt in Neupest, vielleicht auch nicht auf allzulange Zeit, als Kantor angestellt ist; der andere Vizepräsident Kraus ist Lehrer und neunter Vorbeter im Tempel, und alle übrigen mit Ausnahme von David .Hartmann sind Schächter, zumeist ohne fixe Anstellung und leben von allen möglichen Nebenbeschäftigungen. Es muß doch auch unbedingt befremden, daß Oberkantor Lazarus, die Kantoren von der Rombachsynagoge, Jakobovics, Keller rc., Oberkantor Weiß in Ofen und noch andere hiesige Kantoren dieser ganzen Sache, die in Fachkreisen einfach als Schwindel bezeichnet wird, vollkommen fernstehen. Seinerzeit vor 24 Jahren, als der gottselige Friedmann es unternommen Hat. einen Kultusbeamtenverein zu gründen, hak er in erster Reihe die Zustimmung der angesehenen' Kantoren im Lande ungestrebt, dann ist er ans Werk gegangen, jetzt hingegen nehmen -sich unberufene Personen das Recht heraus, im Namen der Kollegenschaft aufzutreten, und rechnen sogar auf Erfolg auf Kosten der armen Kultusbeamten. Als einzig bestehendes und weit verbreitetes Fachblatt ist die ..Oesterr.-ungar. Kantoren-Zeitung" geradezu verpflichtet, der Kollegenschaft die Wahrheit zu sagen und den Stand zu ichützen, zu warnen, und Sie werden gewiß bei allen besseren -Kollegen Unterstützung finden. Hochachtungsvoll Kantor Gottlieb- Budapest." Zurückgefunde». Novelle von Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.) „Nein, sie sind es nicht, Herr Doktor, außer da. wo sie ffich frei und offen zum Deutschtum bekennen, da dürften sie natürlich zu den Stützen desselben gezählt werden, so wie diejenigen eine Stütze des Slavismus sind, welche zu dieser Nationalität halten. Alles, was man dem einzelnen Juden zum Vorwürfe machet! zu dürfen glaubt, macht man allen Juden zum Vorwurfe. Das eben ist das Unglück unseres Lebens. — Aber, Herr Doktor, es wird spät, ich muß an den Aufbruch denken. Ich habe der Großmama versprochen, mit den Kindern bald heimzukehren, und habe mich mit Ihnen verplauscht." „Es spricht sich so gut mit Ihnen, auch ich habe an Zeit und Ort vergessen, um mit Ihnen zu plaudern. Darf ich Sie in die Stadt begleiten?" „Warum denn nicht? Es wird mir ein Vergnügen sein. Zdinka, Ladislav," rief sie in der Richtung hin, wo die Kinder eben Erdbeeren sammelten. Die nationalen Namen klangen dem Ohre des jungen 'Enthusiasten wie Musik. Die Kinder kamen herangelaufen, nahmen ihre und des Fräuleins Umhänge und Schirme an sich, und schickten sich an, den Wald zu verlassen. „Und wie darf ich Sie nennen, Fräulein? Auch mit einem so süßen, vaterländischen Namen?" „Ach nein! In meiner Jugend war das noch nicht Mode. Damals entschied bei der Namenserteilung bei den orthodoxen Juden die Aehnlichkeit mit dem, dem Kinde beigelegten jüdischen Namen, oder bei den Modernen, der Name der Helden eines Lieblingsromanes oder klassischen Dramas. Bei mir war ersteres der Fall. Ich heiße Hedwig, und damit Sie meinen ganzen Namen kennen: Hedwig Müller. Also urgermanisch, wenn das nicht Ihr Ohr verletzt." „Ihr Name, von Ihren Lippen ausgesprochen, ist mir von bezauberndem. Wohlklange!" Die beiden jungen Leute schritten so nebeneinander einher, als wären sie jahrelang bekannt gewesen, und ein Fremder, der ahnen begegnet wäre, hätte annehmen können, daß ein zärtliches Liebesverhältnis ihre Aufmerksamkeit derart in Anspruch nahm, daß sie alles um sich her vergaßen. Und doch war es nur die leidige Politik, oder eigentlich die Sprachenfrage, welche den Gesprächsstoff bildete, „Herr Doktor," sagte Hedwig ganz unvermittelt, „das Schicksal der deutschen Sprache scheint mir eine Aehnlichkeit mit dem des jüdischen Volkes zu besitzen. Die Unduldsamkeit jedes Volkes richtet sich seltener gegen ein anderes Volk, als gegen das jüdische, gegen eine andere Sprache, als die deutsche. In allen slavischen Ländern, ferner in Ungarn, Frankreich, Italien, überall gönnt man jeder fremden Sprache das Gastrecht, sie darf frank 'und frei in jeder Gesellschaft, in jedem öffentlichen Lokale gesprochen werden, nur die deutsche Sprache ist verhaßt, so wie der Jude in allen Landen der Verfolgung ausgesetzt ist, wo man sonst gegen Fremdlinge zuvorkommend ist. Und die Ursache ist auch dieselbe. Man erkennt die Bedeutung des Juden im Weltverkehr an, die geistigen und moralischen Vorzüge, die er besitzt — ohne sie eingestehen zu wollen, und verfolgt den Juden, um ihn nicht aufkommen zu lassen; man erkennt unwillkürlich die Bedeutung der deutschen Sprache im Weltverkehr an, ohne sie eingestehen zu wollen, und verfolgt sie, um - ihre Bedeutung herabzusetzen. Die deutsche Sprache findet Sympathien und Würdigung bloß in deutschen Landen, trotzdem man sie in anderen kaum entbehren kann — der Jude nur mitten unter seinen Glaubensgenossen. Ausnahmen — gestehe ich — gibt es auch da, aber diese dürften meine Ansicht kaum, entkräften." (Fortsetzung folgt.» Wolizen. L. k. yriv. wechselseitige Brandschaden-Versicherungs- Anstalt in Wien. Aus dem von dem Oberkurator der Anstalt Abt Alexander Karl in der Versammlung des Ausschusses am 29. v. M. erstatteten Berichte sind nachstehende C4ebahrungsresultate zu entnehmen: In der Gebäude-Versicherungs-Abteilung hat sich die Zahl der Versicherungen auf 105.497 und die Versicherungssumme auf K 1.928,803.892 erhöht; in der Mobilar-Versicherungs- Abteilung ist die Zahl der Versicherungen auf 51.424 und die Versicherungssumme auf K 371,268.519 gestiegen. Der Gesamt- Versicherüngsstand beider Abteilungen erhöhte sich daher im Jahre 1905 um K 69,285.688 und beträgt K 2.300,067.411. Die Zahl der Versicherungen ist von 154.351 auf 156.921 gestiegen. In der Stadt Wien hat sich die Versicherungssumme abermals und zwar um K 42,414.351 und in dem übrigen Teile Niederösterreichs um K 13,018.646 gegen das Vorjahr erhöht. Die Prämieneinnahme betrug in der Gebäude-Versicherungs-Abteilung K 1,779-990, .in der Mobilar-Versicherungs-Abteilung K 559.433 und in der ganz selbstständigen Hagel-Versicherungs-Abteilung K 44.504 zusammen K 2,383.927, erhöhte sich daher gegen das Vorjahr um K 61.802. An Schadenvergütungen wurden für Gebäude K 888.758, für Mobilien K 268.938 und für Hagelschäden K 81.223 zuerkannt. An Zinsen von den verschiedenen Vermögensbeständen wurden K 343.510 vereinnahmt. An gesetzlichen Feuerwehrbeiträgen wurden K 39 832, an Feuerwehren und Gemeinden zur Anschaffung von Löschgerätschaften freiwillige Beiträge in der Höhe von K 13.235 und als Remunerationen für besonders erfolgreiche Löschhilfe bei Bränden K 8.606 verausgabt. Die Betriebsrechnung weist folgende Gebabrangsüberschüsse aus: In der Gebäude-Versicherungs-Abteilung Iv 357.564, in der Mobilar- Versicherungs-Abteilung K 37.484 und in der Hagelschaden-Versicherungs-Abteilung K 8432. Die Ueberschüsse der beiden letzteren Abteilungen fallen statutenmässig den Reservefonden zu, von dem Ueberschüsse in der Gebäude-Versicherungs-Abteilung werden den Mitgliedern K 351.593, das sind 20 Prozent ihres im Jahre 1905 vorgeschriebenen, normalmässigen Versicherungsbeitrages rückerstattet, bezw. auf ihre Beitragsleistung im Jahre 1906 gutgeschrieben, der Rest mit K 5971 wurde dem Abteilungs- Reservefonde zugewiesen. Die Anstaltsfonde erhöhten sich gegen das Vorjahr um K 29.987 und betragen zusammen K 8,275.602; hievon entfallen auf den Reservefond der Gebäude-Versicherungs- Abteilung K 6,524.781, aut jenen der Mobilar-Versicherungs- Abteilung K 1,115.440 und auf den Reservefond der Hagelschaden- Versicherungs-Abteilung K 635.380. Niederösterrelchisehe Escompte-Gesellsehaft. Die Aktionäre der Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft werden laut der in der Wiener Zeitung vom 10. Februar 1906 erschienenen Kundmachung zu der am 8. März d. J. um 5 Uhr abends im Gebäude der Gesellschaft I., Freiung 8 stattfindenden 53. ordentlichen General-Versammlung, eingeladen. Gegenstände der Verhandlung die üblichen. Deponierungs-Termin vom 10. Februar angefangen bis längstens 22. Februar 4 Uhr nachmittags.