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Die Wahrheit · 1905-12-29 · Heft 50 (29.12.1905) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 50 (29.12.1905)
Date
1905-12-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die Wahrheit Redaktion u. Ilduiinisti alio»: Wien, II/, Novaragasse 27. Telephon Nr. der Druckerei 15302. Juferati* sso Hell, per Nonpareille-Zeile. Slbonueuieiitsu. Jiiseitioiisbeträge sind in Wie» zahlbar »nd klagbar. nabhängige Aeitschrift für Mische Zntere^en^ Erscheint jeden Kreitag. ßlotto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!-* Verngsp^eis: Ganzjährig ... ff. »».— Halbjährig ... ff. tz.— Für Cultusbeainte: Ganzjährig ... ff. io.— | Für Ausland: Ganzjährig . . . s Mark K Rubel oder u> Fcr. Ur. 50. Wien, 39. Dezember 1995. Inhalt: Aus der Woche. nach Rußland. - — Wer ist der Schacherjude? — Baurat Max Fleischer. — Baron Hirsch-Stiftung für Galizien. - Literatur. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Jentali, die Ägune. — Eine Studienreise An unsere Leser! Bei dem Ernste der gegenwärtigen Zeiten bedarf das Judentum mehr denn je einer starken und unabhängigen Presse, die nicht nur mutvoll und unerschrocken den Kampf nach Lützen führt» sondern auch im eigenen Lager strenge Wache hält. Von dieser Ueberzeugung durchdrungen, hat „Are Wahrheit" auch im abgelaufenen Jahre an ihrem Programme, das Interrstr für die erhabenen Ziele des Judentums in allen Bevölkerungsschichten zu wecken, festgehalten, und ihr Bestreben wird auch fernerhin darauf gerichtet sein, jüdisches Leben in allen seinen Erscheinungen zu pflegen, die innere Organisation mit allen Kräften zu fördern, die Vorfälle im Gemeinde-und Vereinsleben mit matzvoller und objektiver Kritik zu beurteilen und dabei gleichzeitig den Kampf nach Nutzen mit Würde und Entschiedenheit zu führen. Diese publizistische Tätigkeit bitten wir durch Nbvnnierung unseres Blattes zu fördern. Abonnements-Bedingungen: ganzjährig Kr. 12.—. Mertetjährig Kr. 3.—, halöjährig Kr. 6.—, Probenummern stehen zur Verfügung. Die Htedaktion. Ans der Woche. Man wird der jüdischen Presse das Zeugnis nicht versagen können, daß sie von allerdings selbstverständlichem Takte geleitet und ans Achtung für jedwede religiöse Ueberzeugung, Erörterungen über die religiösen Feste Andersgläubiger aus dem Wege geht. Das ist, wir wiederholen es, selbstverständlich und j soll nur deswegen überhaupt konstatiert werden, weil wir jahr-! aus, jahrein mit Empörung sehen müssen, wie die angeblich j christliche Presse, nämlich die antisemitische, die Festtage der! Inden mit höhnischen Glossen begleitet. Ob sich dies mlt den j Bedingungen des geltenden Strafgesetzes verträgt, sei hier nicht j näher untersucht. Tatsache ist, daß es noch keinem Staatsanwalt! in den Sinn gekommen ist, das „Deutsche Volksblatt" oder irgend ein anderes der antisemitischen Hetzorgane wegen der regelmäßig wiederkehrenden, spöttischen, aufreizend dummen und frechen Bemerkungen anläßlich des Versöhnungstages oder des Peßach-Festes zu konfiszieren. Aber es gibt trotzdem ein christliches Fest, welches seit Jahren eine stehende Rubrik der jüdischen Presse bildet: es ist das Weihnachtsfest. Wir brauchen uns wohl nicht erst gegen die Vermurung zn verwahren, daß es einem Juden einfallen könnte oder würde, diesem für jeden Christeu von religiösem Sinn, heiliger Pietät und schöner Poesie umflossenen Feste nahezutreten. Aber mit wahrer Beschämung muß immer wieder konstatiert werden, daß auch in zahlreichen jüdischen Häusern der Weihnachtsbaum prangt, der den unverständigen Kindern, dank den unverständigen Eltern, um zunächst die mildeste Bezeichnung zu wählen, die Neigungen zum Jesukindlein völlig aufdrängt. Und darum kann nicht oft und nicht nachdrücklich genug erklärt werden, daß der Weihnachtsbaum in einem jüdischen Hause eine ebenso uuwürdige als lächerliche und empörende Nachäfferei ist, die eine Versündigung an dem jüdischen Gefühle bedeutet. Niemals ist in einem normal denkenden Christen die Idee aufi geflackert, anläßlich des Chanukasestes die „Menorah" anzuzünden;! so müßten sich auch Juden sagen, daß es nur als Entartung j bezeichnet werden kann, wenn sie den Weihnachtsbaum annektieren.! Die Betrachtungen und Reflexionen, die alljährlich in der! jüdischen Presse über diese Perversität angestellt werden, haben j vielleicht hie und da eine Wirkung erzielt, aber einen durchschlagenden Erfolg haben, das konnte in den letzten Tagen ein Spaziergang durch die Stadt lehren, die aus jüdischem Empfinden aussteigenden Mahnworte bisher nicht gehabt. Der Toren und Schwächlinge, die dieser den eigenen Glauben herabsetzenden Nachäfferei nicht widerstehen können, gibt es noch genug und um von den vielen Beispielen nur eines herauszuheben, wollen wir konstatieren, daß selbst ein Mann, der in der Leitung einer großen jüdischen Organisation eine hervorragende Stellung einnimmt und vielleicht als Repräsentant derselben geradeweg von einem Chanukaseste nach Hause kam, seine Familie unter dem Christbaume vereinigte. Daß er dabei seiner Torheit sich vollkommen bewußt war. beweist am besten der Umstand, daß die Bescheerung unter dem Weihnachtsbaume nicht am Christabende, sondern am Abend vorher veranstaltet wurde. Angesichts solcher Erscheinungen sollten alle Juden, welchen an der Würde ihrer Glaubensgenossen gelegen ist, dazu beitragen, daß den Nachäffern des Christentums zu Gemüte geführt wird, welche Beurteilung ihr Vorgehen nicht nur in jüdischen, sondern auch in nichtjüdischen Kreisen findet.

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