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Die Wahrheit · 1905-12-08 · Heft 47 (8.12.1905) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 47 (8.12.1905)
Date
1905-12-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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£•- Nr. 47. Die Wahrheit Seite 11. Ploesti (Rumänien). Sonntag, den 26. v-.M,..wurde im.hiesigen Choral-Tenipel eine Trauerandacht für die grausam hurgemordeten Inden in Rußland abgehalten, an welcher die ganze Judengemeinde teilnahm. Nachdem Oberkantor Jakob S ü ß e r m a n n Psalm 49 wie das El-mole, das alle zu Tränen rührte, vorgetragen hatte, schilderten Herr Oberräbbiner Breizis und Herr Jlie Zacharia die grausamen, schändlichen Vorgänge, die unsere Brüder in Rußland betroffen haben. Der von Herrn A. D. R v s e n gestellte Antrag, den zurückgebliebenen Brüdern teilnehmenden Trost wie die vollste Sympathie für ihre heldenhafte Verteidigung anszusprechen, wurde einstimmig angenommen. Die eiugeleitete Sammlung hatte folgendes Ergebnis: Der bekannte Philanthrop unserer Gemeinde H- M. Schavira spendete 1000 Frcs., Kultuspräses M. M e n d e l o v i c i 100 Frcs., M. P r e d i n g e r 70 Frcs., H. Golde n b e r g 50 Frcs., H. M e n d e l o v i c i 40 Frcs., S. Feldman n 20 Frcs., I. Wagner 100 Frcs., M. R a d o v i c i 100 Frcs., H. Rotte nberg 20 Frcs, zusammen 1500 Frcs.. Ier Emigrant. Von M. Markstein. (Schluß.) So verstrich der ganze Nachmittag mit Entwürfen und Plänen für die bevorstehende Hochzeit. Abends kehrten die Orlofs nach der Stadt zurück, um im Hotel von den Erlebnissen des Tages ausznruhen. . Am andern Morgen fuhren Jakob, Orlof und sein Vater nach dem unweit gelegenen Gute, das von Jakob genau besichtigt und für kanfwürdig erklärt wurde. Der Kauf ivnrde mit dem Gutsherrn abgeschlossen, die bare Summe von zweimal Hunderttausend Rubeln ansgezahlt, das Gut sammt dem Inventar übernommen und als Eigentum des jungen Orlof und feiner schönen Braut intabnliert. Jetzt wurden auch alle Vorbereitungen zur Hochzeit getroffen, die in wenigen Tagen stattfinden sollte. Abends saßen gewöhnlich Alle im Hanfe Jakobs gemütlich beisammen, wobei Verschiedenes über die russischen und österreichischen Verhältnisse gesprochen, vom Drucke und der Verfolgung der Inden in Rußland, von der Freiheit und Gleichberechtigung .derselben in Oesterreich. So war es auch an einem Abende, acht Tage vor der festgesetzten Trauung. Im ersten Zimmer saßen die alten Orlofs, Jakob und Marie, im angrenzenden Anna und der junge Orlof. Da vernahmen sie das Heranrollen eines Wagens, der vor dem Hause stehen blieb und dem ein feingekleideter Herr entstieg. Kurz darauf trat er mit freundlichem Gruße ins Zimmer und ging auf Jakob zu, den er, nachdem er ihm die zitternde Rechte gereicht hatte, mit sichtbar bewegter Gemütsstimmung sprachlos anstarrte. Jakob erwiderte den Gruß des Fremden, bot ihm einen Stuhl an nnd fragte ihn liebevoll, mit wem er die Ehre habe und was er von ihm in der späten Abendstunde wünsche. Der Fremde nahm alle seine Kraft zusammen, umarmte Jakob und sprach folgendes: „Edler Jakob, du mein Retter und Helfer, Pflegevater meines verwaisten Kindes, erinnerst du dich nicht mehr an jene schreckliche Oktobernacht, in der ein verwundeter russischer Ausreißer mit einem kleinen Mädchen am blutenden Arme bei dir Schutz und Gastfreundschaft liebevoll fand? Dieser Flüchtling bin ich! Nach einem dreizehnjährigen Aufenthalte im gesegneten, freien Amerika komme ich als einer der reichsten Juwelenhändler zurück und mein teuerstes Kleinod, das ich dir und deiner edlen Marie. zurückließ, mein allerliebstes, einziges Wesen auf dieser Welt, wünsche ich zurück. Für meine Tochter allein lebte ich durch diese geraume Zeit, erwarb mir Reichtünler und Schätze einem Fürsten gleich, sie will ich auch fürstlich ausstatten und ihr Glück begründen. Auch Euch will ich jetzt fürstlich belohnen, daß euer Haus ein gesegnetes bleibe, daß Ihr sorgenlos lebet und stets Wohltaten bis an Euer Lebensende üben könnet. Wo ist also meine Tochter, wo weilt sie jetzt? Ich brenne vor Sehnsucht und Ungeduld, sie an mein Vaterherz drücken zu können". Kaum hatte er das gesagt, da öffnete sich die Tür des zweiten Zimmers und die reizende Anna trat am Arme ihres Bräutigams herein. /..Sehet Kinder'/ sprach nun Jakob, „das ist Euer Vater, Euer, totgeglaubter Vater, er kommt von Amerika, von fernem, fernem Lande her und fordert dich, meine liebe Anna, von mir zurück; eile nun in seine Arme und erbitte seinen väterlichen Segen für dich mid.deinen lieben Bräutigam zu deinem bevorstehenden Ehebüuduisse". Anna warf sich in die ausgebreiteten Arme ihres Vaters, der vor Überraschung sich kaum halten konnte. Schluchzen und kindliches Weinen war der Ausdruck der Freude des Wiedersehens nach so langer, langer Trennung. Endlich beruhigte sich der Vater, der seine Tochter an der Seite eines Bräutigams so glücklich wieder fand. Jetzt wurden ihm auch seine reichen Eltern vorgestellt, die Alles erzählten, was sie ihrem Sohn bieten und welch schöne Gntsherrschast ihm zur Mitgift angekaust wurde. Gustav, so nannte sich Annas Vater, erwiderte hierauf: „Auch ich will nicht nachstehen und meine Tochter als armes Waisenkind von einem reichen Bräutigam als Gattin heimführeu lassen. Zu ihrer Morgengabe kaufe ich ihr ebenfalls eine schöne Gntsherrschast an, die der erfahrene und fürsorgliche Jakob wird ausfindig machen. Ich aber kehre nicht wieder nach Amerika zurück, sondern bleibe in Oesterreich, wo ich Kolonien für russische Emigranten, für meine geknechteten, heimatslosen, verfolgten Brüder gründen will. Mein Leben soll von nun an dem Dienste der leidenden Menschheit geweiht sein, da mein bedeutendes Vermögen mir das reichlich gestattet". Orlofs Eltern waren durch diese Erklärungen ihres einstigen Landsmannes höchst erfreut, sein edles Vorhaben faßte auch in ihren Herzen Wurzel und seinem Beispiele folgend, taten sie kurzer Zeit ein Gleiches. Nach der Vermälnng des jungen Orlofs mit der schönett Anna bezogen diese das herrliche Schloß, Jakob verkaufte seine kleine Wirtschaft und übersiedelte in das nahe Gut, das Gustav seiner Tochter für eine bedeutende Geldsumme ankaufte. Gustav selbst siedelte sich in der Gegend an, wo er ein ausgebreitetes Ackerland erstanden hatte, das er seinem Vorhaben gemäß zur Kolonisation für russische Auswanderer verwendete. Die Orlofs fuhren nach Rußland zurück, wo sich die Verhältnisse der Juden noch verschlimmerten. Nach kurzer Zeit wickelte daher der alte Orlof dort seine Geschäft ab, verkaufte seine prachtvollen Häuser, seine Geschäfte und auch sein sonstiges unbewegliches Gilt, kehrte dem verhaßten Lande den Rücken und wunderte nach Oesterreich aus, wo er ebenfalls in der Nähe seiner Kinder sich ansiedelte und mit Gustav vereint die Emigration unterstützte. So lebten sie alle glücklich, von Gott und den Menschen gesegnet, zum Wohle und Heile der leidenden Menschheit bis an ihr spätes Lebesende. Volkswirtschaft. Kapitalserhöhung der Depositenbank.) Dem Beispiele der meisten anderen Wiener Bankinstitute folgt nunmehr auch die Depositenbank mit einer Erhöhung ihres Aktienkapitals. Der Berwaltungsrat hat nämlich mit Rücksicht aus die erweiterte Geschäftstätigkeit der Bank beschlossen, von dem ihm nach dem Statut znstehenden Rechte zur Ausgabe von noch 10.000 Aktien ä K 400 Nominale Gebrauch zu machen und demnach das gegenwärtige Aktienkapital von l6Millionen Kronen auf 20 Millionen Kronen zu erhöhen. Die Begebung der Aktien, welche vor geraumer Zeit nicht auf den Markt gebracht werden dürfen, ist zum Kurse von K 440 und Stückzinsen an private Kapitalisten erfolgt. An dem Erträgnis des heurigen Jahres nehmen die neuen Aktien gleich den alten teil. Der erzielte Agiogewinn wird in den Reservefonds hinterlegt. itoti}. Zirkus Henry (im Gebäude des Zirkus Busch, k. k. Prater). Tie Besucherzahl ist noch immer in steter Zunahme begriffen. Die Leistungen aus dem Gebiete der Pferdedressur sind ganz hervorragend, auch übt die japanische Infanterie, infolge ihrer glänzenden Exerzitien große Zugkraft aus. Ueberhaupt ist alles Gebotene erstklassig, weshalb sich der Besuch recht verlohnt. ^aranrtert narurechtes jS. feinstes S3&si,^la^zen• aus Frischen^W Kokosnüssen^

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