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Die Wahrheit · 1905-11-24 · Heft 45 (24.11.1905) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 45 (24.11.1905)
Date
1905-11-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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■J '2^,'.3iii.;.;-//?.-'l'\ ■ 0h-..,45. Die Wahrheit Seite 11.. ab gelehnt.. .-Als Vertreter des Vorstandes-waren die Herren Louis Eliel - und Dr. Callmann anwesend; für die Repiäfesttanten- Versammlungsvar Herr Sally Bielefeld erschienen und die konservative ' Minorität war durch Herrn Hermann van Cleef. vertretend .Räch Eröffnung der Sitzung: gab - Herr Hermann van Cleef einen Protest gegen das Schiedsgericht ab, aber Herr Profefspt^Dr^ MiKäum erklärte zutreffend, daß er sowie sein Kollege Dr. . Samuel den Protest, nicht zu Protokoll nehmen könnten, da die ganze Verlesung desselben deplaziert sei und er bei den G emeindebehörden eingebracht werden Müsse. Auch seien die Vertreter der Minorität sowie die änderen Herren der Verwaltung nur als stumme Korona bei dieser Verhandlung anwesend. Nachdem Professor Maybaum dem Herrn van Cleef sein Schriftstück zurnckgegeben hatte, konstatierte er vor allem, daß sämtliche Schiedsrichter ordnungsmäßig eingeladen worden seien und daß der Vertreter der Minorität, Herr Dr. Cohn-Fulda, kurz vor dem Termin aus nichtigen Gründen sein Erscheinen verweigert hat, nur um die Angelegenheit noch weiter zu verschleppen. Sodann begründeten zuerst Dr. Samuel, dann Professor Maybaum ihr Votum und einigten sich zuletzt zu einer protokollarischen Erklärung, die ungefähr den folgenden Inhalt hat: Für denjenigen, der von der Ueberzengung durchdrungen ist, daß das Gesetz der Entwicklung auch das Leben der Religion wie alles auf Erden beherrscht, kann es keine Frage sein, daß jedes Geschlecht die Berechtigung hat, sein religiöses Denken und Empfinden im gottesdienstlichen Leben zum Ausdruck zu bringen. Wer diesen Standpunkt mit uns teilt, der wird bei einer angestrebten Reform nicht fragen, ob sie im früheren Kultus ihre vollkommene Analogie hat, sondern nur darnach wird er fragen, ob sie aus dem Geiste geboren ist, der die religiösen Reformen der Vergangenheit durchwaltet hat. Hiernach genügt es, zur Rechtfertigung für die Einführung einer Orgel darauf hinzuweisen, daß die Musik auch von den Alten als ein wesentliches Mittel zur Verherrlichung des Gottesdienstes geschätzt wurde. „Schön ist es, dem Ewigen zu danken und Deinem Namen, Erhabener, zu saitenspielen, zu verkünden am Morgen Deine Huld und Deine Treue in den Nächten, und bei dem Zehnsait, dem Psalter und dem Harfenklang", singt der Psalmendichter in dem bekannten Sabbathpsalm, und tatsächlich ist der Opserdienst im jerusalemischen Tempel stets von Gesang und Musik der Leviten begleitet gewesen. Daß der Gottesdienst in der Synagoge jener alten Zeit der Verherrlichung durch die Musik entbehrte, kann kein Grnnd sein, sie unserer Synagoge zu versagen. Denn während die Synagoge der alten Zeit mit allen ihren Einrichtungen nur ein Anhängsel des Opfertempels zu Jerusalem bildete, sind unsere Synagogen die einzige Stätte unserer gottesdienstlichen Verehrung; sie stehen daher vollkommen im Range des alten Opfertempels und dürfen daher alle seine Vorrechte in Anspruch nehmen. Und wie es im Geiste unserer Religion ist, die Musik zur Verherrlichung des Gottesdienstes heranzuziehen, so ist es auch in ihrem Geiste, bei der Wahl des Instrumentes nicht darnach zu fragen, ob dasselbe bei fremden gottesdienstlichen Kulten benützt wird. Denn es unterliegt keinem Zweifel, daß auch die musikalischen Instrumente der alten Israeliten weder Werke ihrer eigenen Erfindung waren, noch auch nur von ihnen beim Gottesdienste gebraucht wurden. Die musikalischen Instrumente im salomonischen Tempel waren, wie der ganze Bau und seine Einrichtung, Werke phönizischer Kunstfertigkeit?) Solche Entlehnungen können daher durchaus nicht unter das Verbot der Nachahmung heidnischer Bräuche fallen. Vollends in unserer Zeit, wo die Orgel, um die es sich hier handelt, ist fast allen größeren Gemeinden Deutschlands beim Gottesdienste! im Gebrauch ist und in 150 Synagogen an Sabbathen und Festtagen gespielt wird, kann der Gedanke gar nicht mehr aufkommen, daß die Orgel als ein dem Judentume fremdes, nur der christlichen Gottesverehrung eigentümliches Instrument anzusehen sei. Wir sind daher der Ansicht, daß die Kölner israelitische Gemeinde bei der Einführung der Orgel in ihrer Hauptsynagoge sich nicht bloß geistig, sondern auch materiell in vollkommener Uebereinstimmung mit der Gottesverehrung unserer Vorfahren befindet und wir hoffen zuversichtlich, daß sich diese Einrichtung als ein Segen für die religiöse Erweckung und Erbauung der Gemeinde bewähren wird. Gegen diese Erklärung wird wohl kaum jemand einen berechtigten Einwand erheben können. Es fragt sich nun, ob unsere Gemeindebehörden die bisher viel zu weit getriebene Konnivenz gegenüber einer intoleranten und herrschsüchtigen Minderheit aufgeben und mit der nötigen Energie darangehen, den Wunsch der Majorität der Gemeinde durch Aufftellung einer Orgel in der neuen Synagoge nun endlich zu erfüllen.?) Vergl. II. Ehr. 9, 11.- Der Emigrant. Bon M Markstein.. (Fortsetzung.) Nach Verlauf einiger Monate erhielt Jakob ein Telegramm aus Rußland, öas die Ankunft der Eltern Orlofs meldete. Jakob, Anna und ihr Bräutigam begaben sich unverzüglich zu ihrem Empfange auf den Bahnhof, nach B. Als bald darauf der russische Zug cheranbrauste und demselben die sehnsuchtsvoll erwarteten Eltern entstiegen,-fiel der junge Orlof seiner Mutter um den Hals, umarmte seinen Vater und stellte ihnen seine Braut und ihren Vater vor. Orlofs Eltern konnten sich kaum fassen vor Freude und Entzücken über das reizende Wesen, das ihnen ihr Sohn als Tochter zuführte, und sie waren ganz bezaubert von ihrer anmutsvollen Schönheit. Alle bestiegen jetzt bereit gehaltenene Wagen und im Trabe ging es ins Hotel, um sich der vielen Gepäcke zu entledigen und dann zur Grenze nach Jakobs Behausung, wohin er sie zu einem vorbereiteten Mittagsmale eingeladen hatte. BeimBetreten derselben waren Orloss Eltern sichtlich betroffen. Sie, diese enorm reichen, höchst vornehmen Leute, deren Domizil ein herrlicher Palast und eine luxuriöse Villa in Rußland war, j betraten eine niedrige Hütte, das jetzige Heim ihres Sohnes, | das ganz einfach und ländlich eingerichtet war. Doch alsbald j gestaltete es sich ganz anders, jede Voreingenommenheit wich j und die trüben Wolken schwanden. An dem Glücke ihres ein-! zigen Sohnes erheiterten auch die Eltern ihr Gemüt, und sie konnten die liebliche Anna nicht genug bewundern. Dieses > Häuschen erschien ihnen bald als ein Tempel, in dem eine Göttin thronte. Sie setzten sich hierauf zum Miltagsmahle, das Marie und Anna selbst mit meisterhafter Hand hergerichtet hatten, und das allen wohlschmeckte. Nach dem Speisen wurde ein echter russischer Tee serviert, bei dem ein lebhaftes Gespräch über die Zukunft des jungen Paares sich entwickelte und Orlofs Vater folgendes sagte: „Mein Sohn darf nicht mehr nach Rußland kommen, da ihm als Derserteur eine große Strafe bevorstünde. Er sollte nach der Schweiz gehen, aber Gott will es anders, er fand hier ein Wesen, das ihn bezauberte, das er aufrichtig liebt und mit dem er mit meiner Einwilligung vereint durchs Leben gehen will. Anna soll nun bald seine Frau werden, er wird die österreichische Staatsbürgerschaft anstreben und hier sein eigenes Heim gründen, wie es mir und ihm zusteht. Ich habe mich zu diesem Zwecke an einen Geschäftsfreund in Oesterreich gewendet, der mir den Ankauf einer ausgebreiteten Gutsherrschaft von einem polnischen Edelmanne vermittelte. Dieselbe soll nicht weit von hier gelegen sein, hat bedeutendes Ackerland, große Wiesen und Waldungen, herrliche Gebäude und ein elegant eingerichtetes Schloß. Dieses Gut kaufe ich meinem Sohn an und gebe es! ihm als Mitgift. Von dir, mein lieber Jakob, verlange ich nur | nur, daß du dich mit mir morgen auf das Gut begibst und Alles > besichtigst, bevor ich den Kauf abschließe. Aber noch eine zweite Bedingung stelle ich dir, die du meinen und deinen Kindern zuliebe wirst erfüllen müssen. Du sollst nämlich mit deiner lieben Marie diese Hütte verlassen und mit den Kindern das angekauste Gut und Schloß beziehen, wo du meinem Sohne auch ferner Helfer, Leiter und weiser Ratgeber bei der Landwirtschaft bleiben mögest. Ich komme dann öfters zu euch als Gast". Nach dieser unerwarteten, überraschenden Enthüllung, die jetzt der alte edelgesinnte Orlof machte, jubelte und jauchzte Alles. Der junge Orlof und Anna umarmten ihre Ellern mit heißem Danke für ihre so außerordentliche Fürsorge und reichliche Ausstattung, und Jakob durch dieses Anerbieten gerührt, versprach dem Wunsche in jeder Beziehung nachzukommen. (Schluß folgt) Woll-u.Seidenkleider reinigt man am besten mit Schichts Schwanseife (feste Kaliseife)

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