Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1905-09-29 · Heft 38 (29.9.1905) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 38 (29.9.1905)
Date
1905-09-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063265-3063303--03874-3070669
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

akrhsit iltebaftiou it. Sldmiiiistiaiioii: Wien, II/, Nvvaragasie 27. Telephvu Nr. der Druckerei! 1530L Inserate 20 Hell, per Nonvareille-Zeile. Abonnementsu. Jnsertionsbeträge sind in Wien zahlbar und klagbar. Unabhängige Heitfchrifl für Mische Interessent Erscheint jeden Ireitag. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ j| Verugsplret»: p Ganzjährig ... ft. ,s.— j Halbjährig ... ft. 6 — Für Cultnsbeamte: ii Ganzjährig . . . ft. 10 -1| Für Ausland: Ganzjährig ... 8 Mark/ 8 Rubel oder 16 FcS. > Ur. 38. Wien. 29. September 1993. Inhalt: Neujahr. — Aus der Woche. — Witte und die amerikanischen Juden. — Aus der Wiener Kultusgemeinde. — Tie körperliche Minderwertigkeit der Juden. — Verschiedene Nachrichten. — Isaak Schiller. Allen geehrten Abonnenten, Gönnern und Mitarbeitern unseres Blattes entbieten wir zur Jahreswende den Wunsch ♦D'fcen nr“D D”P! njtr Die Redaktion. Die geehrten Kerren Abonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das am 1. Aktober beginnende 4. Huartat exfudjt, damit die regelmäßige Zusendung des Mattes keine Hinter vrechung erleide. Abonnements-Bedingungen: Vierteljährig Kr. 3.—, halbjährig Kr. 6.—, Probenummern stehen zur Verfügung. Die Weöclktion. -Neujahr! Von Dr. Kahan, Znaim. Der Anfang des jüdischen Jahres, der auch diejenigen ins Gotteshaus lockt, welche sonst ihm gern aus dem Wege gehen, führt verschiedene Namen, deren jeder eine besondere Art seiner Bedeutung zum Ausdruck bringen. In der heiligen Schrift heißt er njmn nv Tag des Posaunenschalles, oder nin-in pnst Erinnerung an den Posaunenschall — eine Bezeichnung, welche uns völlig rätselhaft wäre, wenn nicht die Ueberlieserung uns über die Bedeutung des Posaunenschalles aufklären würde. Es ist nämlich -£>ö nynn ein Huldigungszeichen für den König aller Könige, den Schöpfer und Erhalter des Weltalls. Es ist ferner eine Erinnerung an jenen Schosarton, den unsere Väter am Sinai vernommen und der uns daran erinnern soll, daß Gott der König auch unser Gesetzgeber ist, der uns seinen Willen kund getan. Und dann soll der Schosarton ein Weckruf für uns sein, daß wir aus dem Schlafe der Alltäglichkeit erwachen, wo wir zu vergessen scheinen, daß ein Gott regiert und baß wir an bestimmte Gebote gebunden sind. Daher heißt auch dieser Tag in den Gebeten p-orn av Tag der Erinnerung, ein Tag, an dem wir uns auf uns selbst besinnen und an Gott und seine Gebote uns erinnern sollen, und so wird uns der Iren-an der Tag der Erinnerung zum p-ifi 2" zum Tag des Gerichts, zum Tag, an dem wir uns vor Gottes Richterthron binstellen, um — nicht nach unseren Taten gerichtet zu werden. Denn pa -paP p-rr> "v rufen wir, uns selbst anklagend aus: wer kann, o Gott, vor deinem Rlchterauge gerecht befunden werden? — Der freundliche Leser wird gemerkt haben, daß unter allen Namen unseres Festes gerade der bekannteste, der geläufigste sehlt, denn wir stehen ja am rown wtn, am Anfänge des Jahres, und welches Kind wüßte es nicht? Und doch ist dieser Tag in der ganzen heiligen Schrift nicht ein einziges Mal n:tsrr wn-, genannt, ein Name, den erst die Rabbinen zur Zeit des zweiten Tempels ihm gegeben haben, während die heilige Schrift bekanntlich den Monat Nissan als den ersten bezeichnet und unsern Tag nicht anders als den ersten des siebenten Monates nennt. Was hat nun unsere Weisen veranlaßt, den ersten Tischri zum Anfänge des Jahres, zum nrcrr csi zu machen? Ein Blick in die Blätter unserer großen Vergangenheit wird uns die Frage beantworten, wir werden sehen, daß dieser Tag einen Wendepunkt im Leben, des Judentums bedeutet. --Am ersten Tischri, fünfzig Jahre nach Zerstörung des ersten Tempels, hat der Fürst Serubbabel mit seiner aus^ der babylonischen Gefangenschaft heimgekehrten Scbar den Gottesdienst in Jerusalem wieder begründet (Esra 3, 6), und ungefähr siebzig Jahre nachher, hat der Priester und Schriftgelehrte E s r a,. wiederum a m e r st e n T i s ch r i, zum ersten Male die Thora dem versammelten Volke auf einem offenen Platze in Jerusalem vorgelesen und es seitdem zur stehenden Einrichtung gemacht, daß an allen Sabbathen und Festtagen dem Volke aus der Thora vorgelesen werde (Neh. 8, 1—8). Wir sehen nun die Bedeutung unseres Festes: zwei . Grnndsäulen des Judentums, Thora und Aboda, sind an ihm neu errichtet und fest begründet worden. Verdient nicht ein solcher Tag, neben seiner sonstigen Heiligkeit als Anfang des jüdischen Jahres gefeiert zu werden? Und legt uns nicht diese geschichtliche Bedeutung des Tages die Ausgabe auf, der Frage näher zu treten, wie fest diese beide Grnndsäulen, der Gottesdienst und die Thora, noch jetzt in unserer Mitte dastehen? Was beten wir, wie beten wir und wie steht es um die Thorakenntnis bei uns? Also: was beten wir, namentlich am Neujahrstage? Ist aber diese Frage nicht überflüssig oder mindestens sehr sonderbar? Wie? Was wir beten, willst du wissen? £, das läßt sich mit einem Worte sagen: wir beten um ein gesundes, gutes, glückliches Jahr! Was sollen wir denn sonst noch beten? — Wirklich, lieber Leser? O, welch elende Rolle würden wir vor Gott spielen, wenn das wirklich wahr wäre, wenn wir ihm an

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.