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Die Wahrheit · 1905-09-22 · Heft 37 (22.9.1905) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 37 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die ZFayrSeit Redaktion u. Adunuistiation: Wien, II/, Nvvaragasse 27. Telephon Nr. der Druckerei I53U2. Inserate LU Hell, per SionpareiUe-Zeile. Abonnementsn. JnsertiouSbeträge sind in Wie» zahlbar und klagbar. Unabhängige Heitfchrift für Mische Iniere^sen^ Erscheint jeden Kreilag. Illotto: „Orrs Siegel Gottes ist Wahrheit!“ Gejngspneis: Ganzjährig ... ff. »2.— Halbjährig ... ff. 6.—! Für Cnltnsbemnte: | Ganzjährig . . . ft. u> - jj Für Ausland: \ |t Ganzjährig . . . s Mark! Ü!>inbel oder >6 Fc» Kr. 37. Wien, 22. September 1333. Inhalt: Die jüdisch-territorialistische Organisation. — Der polnische Jude. — Hofrat Professor Dr. Adam Politzer. — Fünfundzwanzigjähriges Jubiläum der „Korrespondenz Kulka." — Neue Synagogengesangswerke. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Briefe eines Unglücklichen. Die jüdisch-territorialistische Organisation. Bekanntlich hat auf dem letzten Basler Kongresse die Ablehnung des Uganda-Projektes seitens der Majorität zu einer Spaltung innerhalb der zionistischen Partei geführt, indem die Territorialisten, politischen Zionisten und Sozialisten unter Führung Z a n g w i l l s mit Protest den Kongreß verließen und sich zu einer eigenen Organisation zusammenschloßen. Wie nun die „Jüdische Presse" mitteilt, hat sich die neue Partei, die den Namen „jüdisch-territorialistische nationale Organisation" führen wird, auf nachfolgendes Programm geeinigt: 1. „Die jüdisch-territorialistische nationale Organisation" hat den Zweck, ein Territorium auf autonomer nationaler Basis fsir diejenigen Juden zu finden, die in den Ländern, in denen sie jetzt leben, nicht bleiben können oder wollen. 2. Zur Verwirklichung dieses Zieles stellt sich die Orga-! nisation zur Aufgabe: j a) Alle Juden, welche mit dem Zwecke dieser Organisation einverstanden sind, zu vereinigen, b) mit Regierungen, öffentlichen und privaten Institutionen in Verbindung zu treten, c) die Schaffung von Finanzinstitutionen, Arbeiterbureaus und anderen Einrichtungen, welche nötig sind, den Zweck der Organisation zu erreichen." Die Stellung zum Zionismus wurde in einer einstimmig angenommenen Resolution folgendermaßen präzisiert: ..Die Organisation als solche nimmt zu der bereits bestehenden zionistischen Organisation keine Stellung. Jedem! Angehörigen derselben, eventuell auch jeder an ihr beteiligten! Gruppe, steht es frei, ihre Beziehungen zur zionistischen Organisation nach eigenem Ermessen zu bestimmen."; Der Ehrenvorsitzende der Organisation, Herr Israel! Zangwill-London, hat sich zur Verwirklichung des ersten! Teiles des Programmes an die englische Regierung mit dem > Gesuche uM Ueberlassung eines anderen als des ursprüglich an-! gebotenen, aber ungeeignet befundenen Territoriums in Ostafrika! gewendet und eine zusagende Antwort erhalten. Durch diesen | Erfolg ermutigt, ist Herr Zangwill mit den Leitern der in Be-! tracht kommenden jüdischen Körperschaften in Verbindung gej treten und, wie verlautet, warmen Sympathien für die von ihm vertretenen Bestrebungen und prinzipieller Bereitwilligkeit, dieselben unter gewissen Vorbehalten zu fördern, begegnet. Neben anderen Persönlichkeiten von Einfluß und Werbekrast hat der gefeierte englische Politiker und Publizist Herr Lucien W o l s - London seine Mitwirkung zugesichert. Davon gibt ein zwischen letzterem und Israel Zangwill vor kurzem stattgefundener Briefwechsel Kenntnis, der das erhöhte Interesse weitester Kreise finden dürfte, weil darin die Endziele des Herrn Zangwill, die Art, wie er dieselben zu erreichen hofft, und die innere Ausgestaltung, die er der künftigen autonomen Kolonie zu geben gedenkt, zur orientierenden Darstellung gelangt. Die beiden Briefe seien nachfolgend in Uebertragung aus dem englischen Orginal mitgeteilt: Hotel Gibbon, Lausanne, 1. September 1905. Mein lieber Zangwill! Ich habe eingehend über unsere Besprechungen in Gießbach nachgedacht, und es freut mich, sagen zu können, daß ich zu dem Schlüsse gekommen bin, daß unsere Ansichten genügend übereinstimmen, um die Möglichkeit eines Zusammenarbeitens mit Ihnen in der Jüdisch-Territorial Organisation herzlichst willkommen zu heißen. Ich habe meine öffentlich über den Zionismus geäußerten Ansichten nicht im geringsten modifiziert, doch kommen diese, soweit ich sehe, bei dem jetzt von Ihnen geplanten Werke nicht in Betracht. Als ein Zionist hoffen und glauben Sie ohne Zweifel, daß eine autonome jüdische Kolonie auf der von uns besprochenen Basis eventuell zur Etablierung eines unabhängigen jüdischen Staates in Palästina führen kann. Ich würde eine solche Hoffnung, auch wenn ich sie für ausführbar hielte, nicht hegen, denn ich habe noch immer die Ueberzeugung, daß wir Juden dem uninationalen Stadium unserer Geschichte entwachsen sind, und daß wir weit größere Bestimmungen in unserer Zerstreuung zu erfüllen haben. Auch halte ich es nicht für ausführbar, denn ich sehe keine Aussichten auf Erfüllung in den Tendenzen europäischer Politik und der politischen Lage in Klein-Asien. Möglich ist natürlich, daß Sie im Recht sind und ich im Unrecht bin, aber ich bin bereit, dieses Risiko einzugehen, wenn wir inzwischen durch Ihr Projekt in wirksamer Weise etwas zur Lösung des Problems, das uns in der Unterdrückung unserer Glaubensgenossen in Rußland und anderen reaktionären Staaten entgegentritt, beisteuern können. Ich sage „in wirksamer Weise etwas beisteuern". Hiermit meine ich nicht, daß die jüdische Frage in Rußland durch Auswanderung zu lösen ist. Die Zukunft der russischen Juden liegt, wie diese es auch selbst erkannt haben, in Rußland selbst, und ich bin nicht geneigt, irgend etwas zu unternehmen, sie in einer Ueberzeugung zu schwächen, an welcher Sie jetzt mit so viel Heroismus festhalten, welche bereits so viel für ihre sittliche Rehabilitierung getan hat und in so hohem Maße auf die Befreiung des ganzen russischen Volkes hinstrebt. Es handelt sich jedoch im jüdischen Ansiedlungsrayon sowohl um ein soziales, wie um ein politisches Problem in Rußland, und hier sind Auswanderung und Kolonisation wirksame Mittel. Sie sind bestrebt, diese Mittel in einer neuen Form und im großen Maßstabe anzuwenden, indem Sie das Angebot von Land in Lstafrika seitens der Regierung Seiner Majestät an den verstorbenen Dr. H e r z l akzeptieren, oder indem Sie sich eine andere Landkonzession

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