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Die Wahrheit · 1905-09-15 · Heft 36 (15.9.1905) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 36 (15.9.1905)
Date
1905-09-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 36. Die Wahrheit Seite 9. Ähr David hat der junge Mann gewiß noch, brav ist er und ehrlich, würde Fanni vergöttern. Nein, das paßt Ihnen nicht, -aber Ihre Nachkommenschaft vergiften, dazu geben Sie sich her. Sie glauben nicht daran! Gott bewahre Sie davor, daß Sie nicht an dem Lager eines siechen Enkels, an dem Sarge eines erlösten, zur Erkenntnis gelangen. Ich beschwöre Sie, Juda Kohn, ich beschwöre Sie im Namen der Ungeborenen, die ein Recht haben, Gesundheit und Lebenskraft von ihren Eltern zu fordern. Versündigen Sie sich nicht!" So erzählte Marischka, auf dem Schemel neben meinem 'Divan sitzend, die Ellenbogen auf die Knie gestützt, das Kinn auf die verschlungenen Finger gelegt. Ich aber konnte nicht hindern, daß Träne um Träne die Wange herabrann. Es war völlig dunkel in der Stube, nur bisweilen, wenn der Wind die 'Wipfel des Apfelbaumes vor dem Fenster bewegte, flog ein blinkender Lichtstrabl des Mondes stüchtig über uns hin. Ich -erhob mich. „Willst Du etwas?" fragte Marischka, aus ihren Gedanken auffahrend. „Nichts, nichts!" meinte ich und schritt dem Garten zu. Ich mußte hinaus. Unter Gottes freiem Himmel wird mir besser. Ich habe eine volle Woche an dem Briefe geschrieben. .Nun will ich ihn endlich absenden. Dein Rudolf. Geliebter Freund! Was hätte ich Dir schreiben sollen? Daß Richard nicht -mehr ist? Wie er schied? Das Entsetzliche lastet so grauenhaft -auf meiner Seele, wie eine Bürde, die einem ewig den Atem benimmt. Lasse mich schweigen. Deine Zeilen, die Du mir nach Gleichenberg sandtest, haben mich tief ergriffen. Welch eine eigentümliche Frage von Dir? Sie hat mich zu langem Denken angeregt, aber zu keinem Schluß geführt. Ob ich meinem Urgroßvater grolle? Ich bin allzusehr den wechselvollen Stimmungen meines leidenden Gemütes unterworfen, als daß es mir möglich sein könnte, mich darüber bestimmt zu äußern. Sicher ist, daß ich ihn und all die, welche ihren Egoismus, ihren fluchwürdigen Starrsinn Gottvertrauen nennen, all die, welche sich ihrer Verantwortlichkeit entledigen, indem sie in frevelnder Gedankenlosigkeit auf Gottes Wort Hinweisen, an das Sterbelager des Märtyrers gewünscht, dem ich die Augen zugedrückt habe. Marischka ist' nun auch erkrankt. Sie hat sich überanstrengt und wohl auch zuviel abgehärmt. Heute morgens, als ich in ihr Zimmerchen trat, um nach ihr zu sehen, bat sie mich, eine kleine Geldsumme an die Adresse ihres Großneffen gelangen zu lassen, der übermorgen einrücken müsse. „Armer Bub, bei den Dragonern wird er es hart haben," meinte sie. Ich senkte den Kopf. Sie schien meine Gedanken zu erraten, ihr wehmütiger Blick haftete lange an mir, bis ich ihn endlich nicht mehr ertrug. Ich hob die Lider und sah zwei schwere Tränen über die faltenreichen Wangen rollen. Fest biß ich die Zähne zusammen und starrte zu Boden. Ein qualvolles Mitleid über mich arme Kreatur, wie ich es noch nie empfunden hatte, überkam mich. »O, Ihr unschuldigen, guten Kinder, o, Ihr lieben, lieben Geschöpfe, warum müsset Ihr so jung und so elend zugrunde Lehen! Ach, Du mein Herr und Heiland, warum müssen die dafür büßen, daß..." Sie schluchzte krampfhaft und verbarg für Minuten ihr Gesicht in die Kissen. „Marischka," brachte ich mühsam hervor, „sei doch vernünftig, ich kann ja noch gesund werden. Du selbst hast mir ja doch immer Mut und Hoffnung zugesprochen." Sie hatte alle Fassung eingebüßt. „Verloren bist Du, verloren! Und ich muß es mit ansehen und kann nicht helfen! Heiliger des Himmels, erbarme Dich! Wenn ich bedenke, wie es gekommen ist und es hätte doch nicht sein müssen!" Sie trocknete sich die Augen, vermochte aber noch lange nicht ruhig zu werden. „Ein Verbrechen wars, ein Verbrechen!" begann sie endlich wieder langsamer. „Deine arme Großmutter war in ihrer Ehe unglücklich. Eines Abends, es war um die Weihnachtszeit, erschien Fanni plötzlich im Hause ihrer Eltern. Sie hatte ihren einzigen Buben, den dreijährigen Adolf, mitgebracht. Das halberstarrte Kind klammerte sich weinend an seine Mutter, die bleich und schweigend den Schlitten verließ. ,Jetzt bin ich wieder da und will nicht mehr zu ihm zurück/ stieß sie hervor und sank schluchzend auf einen Stuhl. Sie lebe in ewigem Zwiste mit ihm. Er sei ja eigentlich ein ganz guter Mensch, aber sie könne doch nicht mit ihm harmonieren, ja, sie müßte ihn sogar verabscheuen. „Mißhandelt er Dich?" fragte Dein Urgroßvater. Sie schüttelte verneinend den Kopf. „Aber ich kann doch nicht mit ihm leben! ' „Er ist der Vater Deines Kindes. Doch, Du bist jetzt zu erregt. Wir sprechen morgen darüber." Er verließ die Stube. Ich übergab den Knaben, den ich mühsam beruhigt hatte, seiner Großmutter und eilte dem alten Herrn nach. „Zünde die Lampe an, Marie, und eines will ich Dir geraten haben: Niemand in der Stadt soll durch Dich etwas erfahren," sagte er schroff. Ach, du grundgütiger Himmel. Natürlich wußte jedermann schon am folgenden Tage/ Fanni Kohn sei ihrem Manne davongelaufen, wolle nicht mehr zurück. Hatte der Schlittenlenker geplaudert? Ich weiß es nicht. Ich konnte mich nicht auf der Gaffe zeigen, ohne ausgefragt zu werden. Dennoch war ich sehr überrascht, als mich Frau Wand an ihr Fenster rief. „Marischka, Du bist ein gutes Mädchen und hängst an Fanni. Lasse sie nicht wieder allein fort, fahre mit ihr," sagte sie eindringlich. „Aber, Frau Wand, sie will ja doch nicht mehr zu ihm!" rief ich, mich vergessend. „Sie wird müssen," meinte die alte Frau mit einem tiefen Seufzer. „Ihr Vater wird sie zwingen." „Frau Wand, wollten Sie nicht doch noch einmal versuchen ..." bat ich. „Reb Juda hat mich wiederholt beleidigt," kam es zögernd über ihre Lippen. „Ach, was liegt Ihnen daran! Kommen Sie doch! Niemand wagt es, dem alten Herrn zu widersprechen. Vielleicht hört er diesmal doch auf Sie. Wenn Sie wüßten, wie die arme Fanni elend ist!" (Schluß folgt.) Wotiz. Wir erlauben uns die geehrten Leser aus die neu er öffnete» streng rituelle Restauration des Herrn Jakob Pinkas, II., Lilienbrunngaffe 9, aufmerksam zu machen. MMswirlschaft. Erste kroatisch-slavonische Zurkerindustrie-Aktiengeseltschaft in Effet. Der Prospekt obgenannter Gesellschaft ist erschienen und wird die Gesellschaft vorläusig mit eiueui Aktienkapital von X 4,000.000 zerlegt in 8000 aus den Inhaber lautende Aktien ä X 500 Nominale errichtet. Bon diesem Betrage werden zur öffentlichen Subskription 4000 Aktien zum Kurs von X 500 aufgelegt und bemerken, daß sowohl die Banken als auch die Gründer die Aktien zu demselben Kurs übernehmen. Im Falle der Ueberzeichnung des Aktienkapitals behalten sich die Gründer das Recht der Reduktion der gezeichneten Beträge nach eigenem Ermessen vor. Die Subskription findet in der Zeit vom 4. bis inklusive den 16. September 1905 bei nachfolgenden Geldinstituten und Bankhäusern statt: in Essek: bei der Filiale der Ersten Kroatischen Sparkassa, bei der Slavonischen Landes-Zentralsparkassa, bei der Esseker Sparkaffe, bei der Landes- und Gewerbebank, bei der Serbischen Spargenossenschaft, Essek Unterstadt, bei der Esseker Spargenoffenschaft, bei dem Spar- und Aushilfsverein Effek-Unterstadt, bei dem Bankhause Sorger, Weißmayer & Co. in Agram: bei der Ersten Kroatischen Sparkassa, bei der Serbischen Bank, bei der Kroatischen Kommerzialbank, bei der Kroatischen Kreditbank, bei der Hrvatska poljodjelska banka, bei dem Bankhause Kronfeld & Co. in Warasdin: bei der Filiale der Ersten Kroatischen Sparkassa, in Fiume: bei der Filiale der Küstenländischen Bank- und Svarkassa-Aktiengesellschaft, in Laibach: bei der Laibacher Kreditbank, in Prag, Brünn und Wien: bei der Ävnosteuska banka pro Öechy a Moravu. Die P. T. Subskribenten haben bei der Zeichnung aus jede gezeichnete Aktie gegen schriftiiche Bestätigung X 200.— bar zu erlegen und den Rest in einer Frist, welche die Generalversammlung oder der durch diese gewählte Direktionsrat bestimmt. Nach voller Einzahlung der zngeteilten Stücke werden den Zeichnern die Aktien gegen Rückerstattung der Bestätigungen ausgefolgt. Das beste Gelränk u.Nahrungsmittel fürfiebernde Kranke ist Ceres-Apfelsaft der Nährmil'telwerke„CERES"Aussig

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