Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 35 (8.9.1905)
- Date
- 1905-09-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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akrchsit Redaktion u. Sldministialion: Wien, II/, Novaragasse 27. Telephon Dir. der Druckerei 15302. JUiJ'vratr 20 Hell, per Nonpareille-Zeile. Abonnementsn. JusertionSbelräge sind in Wien zahlbar und klagbar. ^abhängige Aeitschnft für Mische Intere^em Erscheint jeden Ireitag. Uotto: „Os.8 8lSAs1 Gotte« ist Wahrheit!' Nerugspqeis-: Ganzjährig ... ft. 12.— Halbjährig ... ft. 6.— Für ©nltusbeamte: j Gonzjährig . . . ft, 10 — '! Für Anslaud:!> Ganzjährig ... 8 Mark.!! 6 Rubel oder >6 Fcs. Ur. 33. Wie». 8. September 1905. Inhalt: Aus der Woche. — Jüdischer Patriotismus. — David Ney. — Zur Geschichte der Juden Mährens. — Eine neue Textausgabe der heiligen Schrift. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Briefe eines Unglücklichen. — Neue Synagogengesangswerke. Ans der Woche. Von einem Freunde unseres Blattes erhalten wir unter der Spitzmarke „WiewirJuden dieJuden behandeln" folgende Zuschrift: In der von Juden gelesenen und geschriebenen „Extrapost", welche in einer jüdischen Druckerei hergestellt wird, deren Besitzer in der jüdischen Volkspartei eine hervorragende Rolle spielen soll, lesen wir in der Nr. 1229, vom 28. August d. I., unter der Spitzmarke „Herr Julian Weiß" Folgendes: „Wer ist dieser Herr Julian Weiß, von dem in jüngster Zeit so eifrig die Rede war? Ein über den Durchschnitt emporragender ungarischer Journalist, dessen schnellfüßiger Witz oft über eigene Phrasenhecken stolpert. Ein schlauer Jude." Uebrigens wird auch in derselben Nummer dieses Blattes gegen die „Arbeiter-Zeitung" losgezogen, welche sich erfrecht hat, die intime Freundschaft des bekannten antisemitischen Abgeordneten Schneider mit dem Alkohol zu konstatieren. Wir möchten die Leser und Schreiber der „Extrapost" fragen, ob wir Juden nichts Besseres zu tun haben, als den Juden zu beschimpfen und den Antisemiten zu verteidigen. Ich fühle mich deshalb verpflichtet, gerade jetzt auf diesen traurigen Unfug aufmerksam zu machen, weil ich dieser Tage von hervorragender christlicher Seite, Herrn Sektionschef v. .. z, einen Brief erhielt, in welchem er seme unangenehme Empfiudunng über die Art und Weise, wie jüdische Kuratoren in jüdischen wohltätigen Vereinen und Stiftungen sich über die Juden äußern und dieselben behandeln, zum Ausdruck brachte. Es ist schon die höchste Zeit, daß wir von dieser unerzogenen, um nicht in den Jargon dieser Herren zu verfallen, „jüdischen" Sitte lassen, um nicht unseren überaus zahlreichen Gegnern selbst die Waffen gegen uns zu reichen. N. B. * * --- Anläßlich des vierzigjährigen Regierungsjubiläums des Königs von Rumänien wird im nächsten Jahre in Bukarest eine nationale Ausstellung stattstnden, die gleichzeitig mit der achtzehnhundertjährigen Erinnerungsfeier an die Besiedelung Daciens durch Kaiser Trajan mit römischen Kolonisten verbunden werden soll. Es würde dadurch gleichzeitig der Tag der Entstehung des rumänischen Volkes selbst gefeiert, offenbar in Nachahmung der Millenniums-Ausstellung, welche im Jahre 1896 in Budapest stattgefunden hat. Selbstverständlich wird auf dieser Ausstellung die allmählige kulturelle Entwicklung Rumäniens zur Darstellung gelangen, und dabei wäre es gewiß sehr lehrreich zu zeigen, welchen Anteil daran die rumänischen Juden genommen haben und wie der Dank aussah, der ihnen seitens der rumänischen Regierung und des rumänischen Volkes zuteil wurde. * * * Uebrigens scheinen auch den rumänischen Politikern die Augen aufzugehen und sie erkennen, daß sie mit der Unterdrückung der jüdischen Bevölkerung ihrem Vaterlande einen schlechten Dienst erwiesen haben. Während durch die seitens der rumänischen Regierung gegen die Juden geübte systematische Vernichtungspolitik mehr wie 60.000 Juden — lauter kräftige, arbeitsame Leute, die kein anderes Vaterkand als Rumänien kannten — zur Auswanderung gezwungen wurden, ließen sich an deren Stelle Griechen als Kaufleute, Dorswirte, Gutspächter häuslich nieder. Obgleich verschiedene bekannte Antisemiten in ihren Schriften wiederholt festgestellt haben, daß die Griechen die Bauern aufs schlimmste ausbeuten, zogen sie doch daraus keine Konsequenzen und hetzten gegen die Juden weiter. Die Bevorzugung der Griechen ging so weit, daß, während Juden von den Kammern stets mit der Forderung der Bürgerrechte zurückgewiesen wurden, die Griechen dutzendweise das rumänische Bürgerrecht erlangten, ja, bereits in erster Generation als Abgeordnete, Bürgermeister u. s. w. die Geschicke des Landes zu leiten berufen wurden. In einer liberalen Kammer befand sich ein Abgeordneter aus Galatz, ein Herr Sekiaris, der noch nicht einmal die rumänische Sprache erlernt hatte, und es sollen sehr viele angesehene Politiker, die, wenn nicht der rumänischen Sprache unkundig, doch es vorziehen, unter sich und in ihren Familien griechisch zu sprechen. Diesen Griechen wurde die Erwerbung der bürgerlichten Rechte dadurch erleichtert, daß sie — wie der hochoffiziöse „Conservatorul" selbst konstatiert — auf Grund falscher Atteste als Kutzowalachen sich ansgeben und derart die Vorteile ausnutzen, die ein Absatz der Verfassung den Rumänen, die nicht rumänische Staatsbürger find, bei Erwerbung des Bürgerrechtes gewährt. Dieser selbe „Conservatorul" findet jetzt sein Herz für die Juden wieder. Er hebt hervor, daß die Juden wohl ihre Fehler hätten, was ja niemand bestreitet, daß sie aber doch gute Patrioten seien, die im Lande bleiben und zur Vermehrung des Wohlstandes und des Fortschrittes desselben im Gegensatz zu den Griechen redlich ihr Teil beitragen. Ob danach zu erwarten ist.