Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 34 (1.9.1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3. Seite 9. Die Wahrheit -faßte, mit mir durch die Küche - stob, wie ein Kind fröhlich lachte und allerlei Narreteien trieb. So war der Donnerstag gekommen. Eine eigentümlich drückende Stille herrscht im Hause. Am Mittag fand sich Bittner ein. 'Nach kaum zehn Minuten verließ er gesenkten Hauptes das Haus, am Abend die Stadt, um nie wieder zurückzukehren. Fanni war fassungslos. Sie Wagte nicht zu widersprechen, so war ihr der unbedingte Ge- .horsam anerzogen worden. Es schien mir damals, daß es ein Mahres Glück sei, als vor dem Seder ihr Vetter eintraf, ein -schmucker hochgewachsener Mann, dessen große Blauaugen unter -em blonden Lockenhaar treuherzig in die Welt blickten. Er war vor einem halben Jahre vom Militär heimgekommen, befaß nichts und war eben jetzt stellenlos - geworden. Ich wußte nichts besseres, als mich des guten Essens zu freuen, daß da kommen würde, als ich am nächstfolgenden Morgen erfuhr, bei uns werde Verlobung gefeiert. Fanni sah mit ihren blassen Wangen noch viel schöner ans. Ihr Frohsinn war aber verschwunden. Neben Deinen Urgroßeltern wohnte eine gewisse Frau Wand. Man nannte sie weise, fürchtete ihre rücksichtslose Wahrheitsliebe, ihre schroffe Geradheit. ..Wo ist Herr Kohn? fragte sie mich, in die Küche tretend. Ich. mahlte gerade den Kaffee, es war nicht weil von sechs abends. Fanni verließ gleich darauf die Stube, ließ ihre Eltern mit dem Gaste allein. Seine laute verweisende Stimme drang bis zu mir. ..Morgen ist also Verlobung bei Euch? Das geht aber schnell. Reb Inda! Ihr habet ^es eilig, das Mädel unter die Haube zu bringen! Ich hätte Euch für gescheiter gehalten. Wegschicken sollet Ihr sie. Zerstreuung bietet dem armen Ding, aber bürdet Ihr keinen Mann uns, wenn ihr Herz noch an einem andern hängt." „Sie wird ihn bald vergessen, glaubet mir." „Ich denke auch, daß sie sich bald trösten werde, wenn man die Wunde ausheilen läßt. So kann sie unheilbar werden, wenn dieses Experiment mißglückt. Wer wird sich denn so überstürzen? Solch eine Unvernunft! Solch eine Unbedachtsamkeit!" „Und frisch draus los! Nur immer zu! Wozu lange Aachdenken! Ob der Mann, den man dem armen Mädel gibt, paßt oder nicht!" „Aber, Frau Wand, Sie kennen doch David nicht so gut, daß Sie..." hörte ich die schüchterne Stimme Deiner Urgroßmutter einwenden. „Leuteln, seids denn alle vernagelt? Du lieber Gott, was soll man denn da noch sagen? Ich kenn ihn nicht? Verwandt ist er, verwandt! Ganz nahe verwandt! Das leibliche ^Geschwisterkind von Eurer Tochter und noch dazu mütterlicherseits! Versteht Ihr denn nicht, was das heißt?!" „Das sollte schaden?" „Frau Kohn, Sie fragen, als ob Sie gestern zehn Jahre alt geworden wären. Soll ich Ihnen hier, in unserer Stadt, die Verwandtenehen aufzählen? Ich habe nachgedacht, Hab' bloß eine einzige Verwandtenehe unter zwölfen gefunden, die gesunde, schöne Nachkommen besitzt. Und ich sage Ihnen, daß es ein Verbrechen ist, ein Verbrechen, das Sie da begehen wollen." (Fortsetzung folgt.) Motiz. Unentgeltlich werden die zwei hochinteressanten nnd spannenden Romane: „Der Kampf um die Stephanskrone", historische Erzählung aus der Wiener Türkenzeit, von R. Kraßuigg, und „Gebrochene Herzen", Sensationsroman von dem meistgelesenen Pariser Dichter £. de Montspin, allen neuen Abonnenten der Wiener Oesterreichifchen Volks-Zeitung nachgeliefert. Weiters bietet dieses hochgeachtete, in fast 100.000 Exemplaren erscheinende Wiener Blatt zahlreiche Neuigkeiten aus allen Weltgegenden, gediegene, belehrende und unterhaltende Feuilletons Ic. ^rc. Zu ihren Mitarbeitern zählen viele hervorragende Schriftsteller, wie:^A4 l r a m, H. B a h r, B i e n e n st e i n, C h i a v a c c i, M i l o w, H a w e4, Hiuterhuber, Kraßuigg, die oberösKrr. Dichterin Susi Wchl.lner rc. Das „Kleine Feuilleton" enthält interessante, unterhaltende und belehrende Mitteilungen. Jeden Samstag erscheint die Rubrik „Die Frauenwelt", und das wöchentliche gediegene Familienblatt dieser beliebten Zeitung bietet eine Fülle belehrenden und unterhaltenden Lesestoffes, Novellen, Humoresken, Artikel über Gesundheitspflege, Natur-, Länderu. Völkerkunde, Gartenbau, Landwirtschaft, Erziehung und Unterricht, Kinderzeitung, Küchenünd Hausrezepte, Gedichte, Anekdoten, Preisrätsel mit jährlich über 100 wertvollen Gratis-Prämien rc. Weiters erscheinen die Spezialrubriken: Gesundheitspflege, landu. sorstwirischastl., Pädagog, und literar. Rundschau. Im „Ratgeber" werden alle Anfragen bezüglich Gesundheitspflege. Steuer-, Militäru. Rechtssachen unentgeltlich beantwortet. Die Bezugspreise für Oesterreich-Ungarn u. das Okkupationsgebiet betragen: mir täglicher Postzuseudung monatlich 2 K 70 b, vierteljährig 7 K 90 », mit wöchentlicher Postzuiendung des Samstagblattes iMit Beilagen) vierteljährig 1 ft 70 halbjährig 3 K 30 I», mit zweimal wöchentlicher Postzuseudung der Samstag- und Donnerstag-Ausgaben iuut Beilagen) vierteljährig 2 ft 64 I», halbjährig 5 ft 20 <>. Probenummern versendet überallhin gratis die Verwaltung der „Oesterr. Volks-Zeitung", W i e n. I, Schülerstraße 16. Das beste Getränk u.Nahrungsmittel fürfiebernde Kranke ish Ceres-Apfelsaft der Nährmtttelwerke,, CERES"Aussig Ierzeichnis der Derstorbenen vonr 20. bis 26. August 1905. Samuel Raudnitz, Musiklehrcr, 63 I.; Amalia Herschan geb. Schneider, Kaufmannswitwe, 92 I.; Michael Groß, ohne Beruf, 75 I.; Emil Schmiedl, Komptoirist, 23 I.; ... Pollitzer, Arztenskind, 3 Tage; . . . Baros, Privatenskind, 1 Tag; Baruch Lieberman, Bierverschleißerinskind, 5 I.; Helene Felsenfeld, Händlersgattin, 42 I.; Laura Wilder, Hausiererskind, 6 Monate; Anna Bloch. Kaufmannsgattin, 54 I.; Salomon Chilf, Anstreichergehilfe, 55 I.; Dora Buchwalter geb. Goldenzeit, Marqueursgattin, 38 I.; Katharina Bernfeld geb. Seelenfried, Gastwirtswitwe, 80 I.; Alois Bichler, Privatier. 52 I.; Anna Herz, Bedienerin, 42 I.; Helene Leon geb. Friedmann, Photographensgattin, 54 I.; Alfred Rosenberg. Buchhalterskind, 4 Monate; Martha Jügerndors, Beamtenskind, 9 Monate; Josef Wertheimer, Kaufmann, 75 I.; Leopold Skalka, Fleischhauerskind, 1 Monat; Aron Leibl, Hausierer, 34 I.; Ludwig Herzfeld, Pfründner, 59 I.; Josefine Neufeld geb. Neufeld, Handelsmannswitwe, 75 I.; Jakob Rosenfeld, ohne Beruf, 60 I.; Bernhard Ritzer, Privatenskind, 2 Monate; Slava Lande, Uhrmachersgattin, 35 I.; Cäcilie Oppenheim geb. Tedesko, Tuchhändlerswitwe, 56 I.; Hermine Haag, Schneiderin, 20 I.; Mirjam Spitz, Schriftsetzersgattin, 47 I.; Elisabeth Friedmann, Geschäftsreisendenskind, 6 I.; Julius Wiegenfeld, Glasergehilfenssohn, 3J.; Rudolf Karpel. Handelsagent, 47 I. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Men, II., Taborstraße 5Y Am 26. August 1905 standen in Vormerkung: I. Klaffe: Manuelle Arbeiter. — Anstreicher 6 Aufpapper 4 Bäcker 3 Buchbinder l Buchdrucker 1 Bürstenbinder — Cartonnagearbeiter 4 Drechsler — Elektromonteur 5 Fleischhauer 2 Friseure — Glaser 3 Goldarbeirer 1 Gürtler 25 Hausknechte.Geschäftsu. Bureaudiener 50 Hilfsarbeiter 1 Hutmacher — Kappenmacher — Kellner S Kutscher 5 Laufburschen 2 Lehrlinge 4 Magazineure 2 Maschinisten und Heizer — Mechaniker — Merallarbeiter — Monteure — Schildermaler 12 Schlosser 50 Schneider 4 Schuhmacher — L-chriftseyer 5 Svengler 2 Tapezierer — Taschner — Tischler 2 Uh macher — Zeichner — Zimmermaler Tüchtige und verläßliche Hausbesorger Tüchtige und verläßliche Hausbesorger. 11. Klasse: Kaufmännische Angestellte. 5 Brantweinverschleißer 23 Buchhalter und Korrespondenlen 189 Kommis diverser Branchen 25 Komvloirisren und Strazzisteu — Inkassanten 10 Kanzlisten und Schreiber 3 Mailipulanren und Expedienten 5 Playagenren nnd -Vertreter — Praktikanten 7 Reisende. Weibliche Abteilung. 2 Bonnen und Kindergärtnerinen — Buchhalterin 32 Komploirininnen u. Kanzlistinnen — Komptoirislinnen Ans. 13 Expedientinneu und Manipulantinnen 3 Hilfsarbeiterinnen 1 Kassafräulein, Probierfräulein — Kellnerinnen — Laufmädchen — Praktikantinnen — Schn-'iderinnen 23 Verkäuferinnen diverse Brauchen 1 Verschleißerin 10 Wirkbschasterinnen und Stützen der Hausfrau 2 Wärterinnen HI. Klane Geistige Arbeit. 42 Hauslehrer und Hofmeister (meistens Hochfchüler. welche Gymnasiasten nnd Realschüler unterrichten). — Lehrerin