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Die Wahrheit · 1905-05-19 · Heft 19 (19.5.1905) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 19 (19.5.1905)
Date
1905-05-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Aber noch nichr genug mit dieser „Ehre" für den alten Juden, fährt dann der Erzähler fort: . . Bis dann Am Abend, wie schon dunkel war, der König Mit eigner Hand hat angezindt den Holzstoß — Wo drauf mei Vatler war. Und weil das alles Noch mx genug Ehr war für mein Batter, Ham se begonnen schön zu singen, und — Weil er doch Jud' war — ham se ihm zu Ehren, Ihm vorgesungen unsre alten Psalmen, Und ihm zu Eqreil unseren Gott gelobt." Freilich, der Jude, der solchermaßen die Wirkungen der christlichen Nächstenliebe erfuhr (und nicht Einer, Tausende ’ waren in gleicher Weise ihrer teilhaftig geworden), konnte sie nicht nach Gebühr würdigen. Weshalb? „Denn da hat er schon angefangt zu brennen Von unten her, und hat zu schrei» begonnen, Und hat geschrien, ganz laut hat er geschrien — Mei Vatter! laut! und ich Hab ihn gehört: Schma Jisroel!" Der junge, christliche Graf sieht wohl nun schon ein, daß auch ein Jude die Schmerzen begreifen kann, die ein Sohn bei den Leichenbestattungsfeierlichkeiten zu Ehren eines toten Vaters empfindet, aber er begriff darum noch immer nicht den Juden, der — in Gemeinschaft mit den zwei christlichen Gläubigern — fein Geld fordert. .. Nun, der Dichter hat aus Gründen, die hier nicht erörtert werden sollen, es sich versagt, dem .roten Jtzig" die Rolle des edlen, erbarmungsvollen, hilfsbereiten Menschen zuzuweisen. Aber es gibt keinen Juden, dem es als eine Erdichtung erschienen wäre, wenn der Jude voll Erbarmen mit dem Grafen auf seinen Schein verzichtet hätte. Ans der Wiener Kuttnsgemcinde. Die am 14. d. M. stattgehabte öffentliche Plenarsitzung des Kultusvorstandes, unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern, beschäftigte sich vorzüglich mit dem Rechnungsabschlüsse für das abgelaufene Jahr. Während jedoch sonst bei ähnlichem Anlasse sämtliche Zweige der Gemeindeverwaltung von den einzelnen Rednern einer eingehenden Kritik unterzogen wurden, bewegte sich diesmal die Debatte in sehr engen Grenzen. Eine Anfrage des Dr. Spitzer bot dem Präsidenten Gelegenheit, über den Stand der durch den bekannten Beschluß des Wiener Gemeinderates aktuell gewordenen „Schächtfrage" Aufklärungen zu geben, die gewiß auch weitere Kreise interessieren werden. Nach Genehmigung des Rechnungsabschlusses entspann sich über ein vom L Sekretär kais. Rat Dr. Lieb en erstattetes Referat bezüglich der gärtnerischen Ausgestaltung des Währinger Friedhofes eine ziemlich lebhafte Debatte, die zu keinem Resultate gelangte, da die Versammlung beschlußunfähig geworden War. Im Nachstehenden der Bericht, welchem wir den Bericht über die vertrauliche Plenarsitzung vom 9. Mai vorangehen lassen. Plenarsitzung vom 9. Mai. Nach Verlesung des Einlaufes werden zu Vorstandsmitgliedern der Chewra-Kadischa mit dreijähriger Funktionsdauer die Herren S. Heit, Emil Horner und Dr. Markus Spitzer ernannt. Als Zeichen immerwährender Ehrung für den Baron Nathaniel Rothschild, anläßlich seiner in jüngster Zeit neuerlich betätigten Hochherzigkeit für das Spital der Kultusgemeinde, ist im Vestibüle des Spitales eine Gedenktafel anzubringen. Zu Vertrauensmännern in die Kultussteuer-Bezirkskollegien, beziehungsweise Bezirks-Kommissionen werden berufen die Herren: Für den I. Bezirk: Philipp Kohn, Sigmund Mendel, für den II. und XX. Bezirk: Ludwig Herschmann, für den III. und XI. Bezirk: Gustav Heinsheimer, Josef Herzberg, für den IV., V. und X. Bezirk: Anton Beck, für den VI. und VH. Bezirk: Heinrich Böhm, Friedrich Schüller, für den VHI. und IX. Bezirk: Moriz Waizner, für die Bezirke XU—XV: Gustav Reichsfeld. Der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird unter Beitritt der Kultusgemeinde als immerwährendes Mitglied ein Betrag von 400 Mark bewilligt. In Angelegenheit der behördlich vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen im Leopoldstädter Tempel wird beschlossen, vorläufig den hölzernen Dachstuhl 'oberhalb des-Mittelschiffes durch einen eisernen zu ersetzen, weiters aus dem Parterre je einen Seitenausgang herzustellen. Dem Architekten Kultusvorsteher Oskar Marmorek wird für seine außerordentliche Mühewaltung in dieser Angelegenheit der Dank Ausgesprochen. An folgende Bethausvereine werden Subventionen bewilligt: Tempel- und Schulverein VI., Stumpergasfe, Schomer Israel, Machasike Thora, Emnnas Awes, Machasike Hadath, Mikdpsch m'at, Beth-Hachneteth. Nach Erledigung von Stiftungs-, Steuer- und Personal- Angelegenheiten wird die Sitzung geschlossen. Plenarsitzung vom 14. Mai. Nach Verlesung des Spendeneinganges hält der Präsident vor Uebergang zur Tagesordnung dem jüngst verstorbenen Budapester Rabbiner Dr. M. Kayserling einen warmempfundenen Nachruf, indem er dessen hervorragende Leistungen auf wissenschaftlichem Gebiete und als Kanzelredner hervorhebt. Die Wiener israel. Kultusgemeinde war bei dem Leichenbegängnisse durch den I. Sekretär kais. Rat Dr. Lieben und durch den Rabbiner Dr. Feuchtwang vertreten, welch letzterer am Grabe in ebenso ergreifender als formvollendeter Weise der Trauer um den Verewigten Ausdruck gab. Der Präsident verfügt unter Zustimmung der Anwesenden, welche sich zum Zeichen der Trauer von ihren Sitzen erhoben hatten, die Einverleibung dieser Trauerkundgebung in das Protokoll. Rechnungsabschluß pro 1994. Vizepräsident kais. Rat M. Hirsch erstattet folgendes Referat: „Der vorliegende Rechnungsabschluß für das Jahr 1904 schließt — ich werde alle Ziffern mit Hinweglassung der Heller nennen — mit einem Aktiv-Saldo von X 83.741. Dieser, gegenüber dem Präliminare günstige Abschluß erklärt sich daraus, daß, wie es einer vorsichtigen Budgetierung entspricht, einzelne Einnahmspösten geringer, dagegen Ausgabsposten höher eingestellt wurden, daß weiters einzelne Präliminarposten, so z. B. die Reserve für die Renovierung der Mikwah per X 6000, der für ein Krankenpflegerinnen-Jnstitut eingestellte Betrag von X 10.000, endlich ein größerer Teil der allgemeinen Reserve per K 60.000 nicht zur Ausgabe gelangten. Nicht so günstig, wie im Vergleiche mit dem Präliminare, stellt sich der diesjährige Abschluß im Vergleiche zum Ergebnis des Vorjahres, welches mit einem Reinvermögen von K 86.271 schloß. Es resultiert daher für das Jahr 1904 eine Verminderung des Gemeindevermögens um X 2580. Bei Uebergang zu den Details bemerkt der Referent, daß die Kapitel „Bethausverwaltungen Leopoldstadt, Fünfhaus und Währing,, gegenüber 1903 eine Erhöhung der Ausgaben deshalb aufweisen, weil im Jahre 1904 die Rabbinerbestellungen bereits vorgenommen waren. Das Bethaus Ottakring erforderte im Berichtsjahre für durchgehende Renovierungen einen Betrag von X 6074, eine Ueberschreitung von K 4074 gegenüber dem Präliminare. Weitaus bedeutender werden die Kosten sein, welche zu den Adaptierungen des Leopoldstädter Tempels erforderlich sein werden. Den ungünstigsten Abschluß unter allen Zweigen der Gemeindeverwaltung weist das Kapitel „Fleischregie" auf; bei einer Steigerung der Ausgaben von K 88.090 auf K 89.346 sind die Einnahmen von K 66.714 auf K 57.285 gesunken, so daß sich der Zuschuß auf K 31.674, das ist um K 10.299 erhöht hat. Ich hebe dies ausdrücklich hervor, um ein bei der gegenwärtigen Schächthetze ' sehr beliebtes Argument unserer Gegner, daß namentlich die Juden auf die Aufrechthaltung des Schächtens nur deshalb so großen Wert legen, weil es eine, große Einnahmsquelle für die Gemeinde bedeute, an der Hand von Ziffern authentisch zu widerlegen. Das Kapitel. „Beerdigungswesen" weist einen Ueberschuß von K 70.422 auf. Dieser Ueberschuß wurde derart verwendet, daß X 24.656 für Unterstützungen, X 45.766 für Subventionen

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