Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 17 (5.5.1905)
- Date
- 1905-05-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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m Beite 8. Die Wahrheit Nr. 17. Vater der Braut ist der angesehene Kaufmann und Hausbesitzer Herr Adolf Feuer und der Bräutigam ist der Sohn des seligen Herrn Emanuel Hager, einstigen Vorstehers des Brigitteuauer Tempelvereines, der wegen seines Biedersinnes und" der großen Liebe zur angestammten Religion und jüdischen Lehre allgemein geachtet wurde. Es kann ruhig gesagt werden, daß die ganze jüdische Bevölkerung unseres Bezirkes, wir bemerkten übrigens in dem besonders geschmückten Tempel auch einige christliche Bürger, das Brautpaar mit ihren Sympathien zum Traualtar geleitete. Herr Oberkantor Basier, vom gesamten Chorpersonal assistiert, versah mit Orgel- und Harfenbegleitung in ausgezeichneter Weise die kantorale Funktion und den Trauakt vollzog Herr Rabbiner Dr. Bach, der anknüpsend an die Worte des nächstwöchentlichen Wochenabschnittes vno®ä ritt antiffi eine gehaltvolle Ansprache an das Brautpaar richtete. Wien. (Verein „Tomech Ewjonim".) Dieses seit Jahren bestehende Wiener Wohltätigkeilsinstitut hat an den verflossenen Pessachfeiertagen in dem zur Ausspeisung armer zugereister Israeliten bestimmten Restaurations-Lokal, H., Große Schiffgasie 17, 750 Personen, darunter an IM jüdische Soldaten, mit Freitisch und überdies eine namhafte Zahl würdiger Bewerber auch mit Geldunterstützung bedacht. Es "ist dies eine Leistung, uni die sich zum großen Teile die Vorstandsmitglieder des Vereines, an desien Spitze Oberkantor M. Schorr steht, verdient gemacht haben, indem sie nicht nur bestrebt sind, dem Institute stets neue, Gönner und Unterstützungen zuzuführen, sondern auch keine Zeit und Mühe scheuen, den Ausspeisungen, die regelmäßig an den Sabbath-Feiertagen stattfinden, anzuwohnen und hiezu persönlich die erforderlichen Vorkehrungen zu treffen. Besonders feierlich gestalteten sich die beiden Sederabende, bei denen der Gesamtvorstand, sowie der Ehrenpräsident des Vereines, Sr. Ehrw. Herr Rabbiner S. Fürst, erschienen waren und die der Obmann- Stellvertreter Herr Sigmund Figdor in Vertretung des Obmannes mit einer heimlichen Ansprache an die Beteilten einleitete. Zu wünschen wäre nur, daß dieses Institut, welches, wie der Ehrenpräsident gelegentlich seines in der Schiffsynagoge am Pesiachfeste gehaltenen Vortrages eindringlich hervorhob, eine so segensreiche Tätigkeit entfaltet, das Interesse der großen Oeffentlichkeit mehr in Anspruch nehme und diesem Werke echter und rechter Humanität und Nächstenliebe in höherem Maße die wohlverdiente Teilnahme entgegengebracht würde. Wien. Freitag, den 29. v. M., wurde der Bürgerschullehrer Herr Samuel E p st e i n im Alter von 71 Jahren bei zahlreicher Beteiligung zu Grabe getragen. Der Verblichene war 50 Jahre im Lehramte tätig, davon entfielen 33 Jahre auf sein Wirken in Ottakring, wo er es verstanden har, in der Jugend die Liebe zum Judentum dauernd zu wecken und zu erhalten. Nach dem ergreifenden Vortrage des Hazur-Tomim durch Kantor Smotrizky widmete Rabbiner Dr. Bach dem Heimgegangenen einen ehrenden Nachruf, in welchem er seine hervorragenden Verdienste und Vorzüge, seine Anhänglichkeit an die Familie und an die Schuljugend hervorhob, für welche er im 16. und 17. Bezirke einen Wohltätigkeitsverein begründete, der sehr Ersprießliches leistet. In gleichem Sinne sprachen noch Inspektor Dr. Langfelder und Lehrer Zeckendorf, ein intimer Freund des Verewigten, dem ein ehrenvolles Andenken gesichert ist. Kromau. Im Alter von 76 Jahren starb, geachtet von den Glaubensgenosien und Andersgläubigen, Herr Max Weiß, der viele Jahrzehnte hindurch Kultusvorsteher, Ortsschulrat, Mitglied der Stadtrepräsentanz war und durch seine Frömmigkeit, sowie durch sein wohltätiges Wirken und sein jüdisches Wisien sich auszeichnete. Die Beerdigungsfeierlichkeit, bei welcher Rabbiner Doktor Zwick und Kantor Ehrlich fungierten, fand denn auch unter allgemeiner Beteiligung der Gesamtbevölkerung statt; der Stadtvorstand mit dem Bürgermeister an der Spitze, der Kultusvorstand mit seinen sämtlichen Mitgliedern waren anwesend. An seiner Bahre trauert eine Gattin, die mit ihm in 51jähriger Ehe glücklich gelebt hat, und drei Söhne, Edmund Weiß, Bureauvorstand der Länderbank, Med.-Dr. Julius Weiß, gewesener Sekundararzt des Allgemeinen Krankenhauses, und der Inhaber der technischen Firma Heinrich Weiß, Schwiegersohn des Herrn Karl Seligmann im X. Bezirke. Jgla«. Ueber Einladung des als Gabbe und erster Vorsteher-Stellvertreter überaus verdienstvoll wirkenden Herrn Max W u r m s o h n versammelten sich vergangenen Sonntag die Ausschußmitglieder der Chewra- Kadischa zu einer Festsitzung, um ihrem vieljährigen verdienstvollen Vorsteher, Herrn Wilhelm Oe st erreiche r, anläßlich seines 60. Geburtstages zu gratulieren und ihm eine in prachtvollem Einband und kalligraphisch kunstvoll ausgestattetes Diplom als Ehrenmitglied der Chewra-Kadischa zu überreichen. Die Ernennung erfolgte einstimmig in der Generalversammlung am 5. März. Herr Wurmsohn richtete freundschaftlich innige Worte an den Ausgezeichneten, hob desien vieljähriges, zielbewußtes und segensreiches Wirken als Vorsteher des Vereines hervor und schloß mit dem Wunsche Herr Oesterreicher möge noch ungezählte Jahre in vollster Gesundheit zur Freude seiner Familie sich dieser Ehrung erfreuen und zum Wohle und Gedeihen des Vereines wirken. Herr Oesterreicher dankte tiefbewegt für die ihm mit Uebereinstimmung aller Vereinsmitglieder gewordene Ehrung, erörterte eingehend das Wirken und Streben eines Vorstehers der Chewra- Kadischa, versprach dem Vereine, an dessen Gedeihen er mit vollem Herzen hänge, ungeschmälert wie bisher seine Dienste zu widmen, und bat alle Anwesenden seinen innigsten Dank entgegenzunehmen. Hiemit schloß die Festsitzung. Magyar-Falva. Herr Leo Aß (Spüler des Oberkantor Bauer- Wien) hat an dem vergangenen Pesiachfeste die Funktionen des Kantors ausgeübt und allgemein Beifall und Anerkennung gefunden. Literatur. .. Louuiuvulu Judaica. Der neugegründete Akademische Ber-- hag f ür Kunst und Wissenschaft, an dessen Spitze einige bekannte, jünger.e Gelehrte stehen, plant die Herausgabe eines großen, monumentalen Werkes, das sowohl für die Wissenschaft überhaupt, wie für das Judentum insbesondere, von größter Bedeutung werden dürfte. Ueber die Anlage des Werkes erhalten wir folgende Details: I. BibliothecaTar g.u mica. Sämtliche Targumim zum alten Testamente, in erstmaliger Uebersetzung, unter Mitwirkung namhafter Gelehrter des In- und Auslandes. Herausgegeben von: August Wünsche, Dresden; Jörg Lanz-Liebenfels, Wien; M. Altschüler. Wien. II. Monumenta Talmudica. Unter Mitwirkung namhafter Gelehrter des In- und Auslandes. Herausgegeben von: August Wünsche, Dresden; Jörg Lanz-Liebenfels, Wien; M. Ältschüler, Wien. Nach dem von unserer Anstalt in Gemeinschaft mit den Herren. Herausgebern ausgearbeiten Plane werden die Monumenta Judaica entsprechend ihrem Titel, jene' in Beziehung zur Bibel stehenden Quellen enthalten, die bislang wenig oder überhaupt nicht übersetzt, geschweige denn wissenschaftlich behandelt worden sind. Es kommen demnach für dieses Programm zwei Hauptrichtungen in Betracht: Für die erste Hauptrichtung: Die ersten Uebcrsetzungen der Bibel, die geradezu als Primärquellen angesehen werden müssen, deren Kenntnis aber bislang aus philologischen. und anderen Gründen besonders der h i st o r i s ch e n Forschung verschlossen war. Für die zweite Hauptrichtung kommt hier jenes große Werk in Betracht, das trotz der ziemlich bedeutenden Literatur, die darüber vorhanden ist, eigentlich noch heute als ein Buch mit sieben Siegeln erscheint,, nämlich der Talmud. Die Monumenta Judaica werden demnach entsprechend diesen beiden Hauptrichtungen auch in zwei große Unternehmungen zerfallen: Das erste Unternehmen führt den Titel: Bibliotheca Targumica,. das sind sämtliche ersten Uebcrsetzungen des alten Testamentes. Das zweite Uuternehmeu führt den Titel: Monumenta Talmudica, ba& sind jene historischen Stellen und Quellen des Talmud, die zu dem Weltbilde des Altertums, sowie zur Geschichte desselben in irgend welcher Beziehung stehen. Erstes Unternehmen: Bibliotbeca Targumica wird als ersten (prima pars) hervorragenden Teil jene w i ch r i g st e Uebersetzung enthalten, die bislang überhaupt noch nicht zugänglich gemacht wurde, nämliche dieAramaeica; dieselbe soll in drei Bänden erscheinen, u. zw. soll sie enthaltene I. Teil: Aramaeica. 1. Band: Targumim zum Pentateuch. 1. Abtheilung: Onkelos. 2. Abtheilung: Jonathan und Jeruschalmi I und II. 2. Band: Targumim zu den Propheten. 3. Band: Targumim zu den Hagiographen. Der zu diefem Teil gehörige Appendix soll die abschließenden Untersuchungen über sämtliche drei Bände enthalten. Ferner sind für die Bibliotbeca Targumica in Aussicht genommen: Die Uebersetzung und Behandlung nachfolgender Quellen, deren jede wieder in einen Band zusammengesaßt werden soll. II. Teil: Samaritana. HI. Teil: Syriaea. IY. Teil: Gotbica. Y. Teil: Arabica. Der zweite Teil der Monumenta Judaica enthält: Monumenta Talmudica. Die Behandlung dieses Teiles soll derart geschehen, daß jene Worte, Begriffe rc., die sich in irgend welcher Beziehung zu einer in der wissenschaftlichen Forschung eben zur Diskussion stehenden Frage befinden, herausgegriffen, und sämtliche historische Stellen des Talmud, in denen dieses Wort eben vorkommt, mit allen dazu gehörigen Belegen, Verweisen rc. gebracht werden. So wird die erste Serie das derzeit so wichtige Gebiet des babylonischen Weltbildes behandeln und direkt den Titel führen: Babel und Bibel. So werden behandelt werden im Heft 1 und 2: rokia, Somajim, tebom, tekufa, adam etc. ferner: Planeten, Monate, Engelnamen und Gerichtstag, diesseits und jenseits rc. Das Arbeitsgebiet verteilt sich wie folgt: 1. Herr Dr. M. Altschüler behandelt: Grundtext, Textkritik, erste Uebersetzung, ferner die gesamte talmudische und jüdisch-orientalistische Literatur. Er erscheint als Vertreter der jüdischen Theologie. 2. Herr Prof. Dr. August Wünsche behandelt: Die erste Revision des Manuskriptes, die außerjüdisch-orientalistische und insbesonders die patristische, arabische, syrische, asiyriologisä)e rc. Literatur. Er erscheint als Vertreter der protestantischen Theologie. 3. Herr Dr. I. Lanz-Liebenfels behandelt: Die zweite Revision, sowie Belege, Verweisungen, Beziehungen rc. zu Septuaginta und Vulgata, zu Ulfilas, zur klassischen und germanistischen Literatur. Er erscheint als Vertreter der katholischen Theologie. Insgesamt wird jeder dieser Arbeitskreise daskulturgeschichtlicheGebietnach der Richtung hin beachten, daß sämtliche in Betracht kommenden Stellen dieserQuellen in B-eziehung gebracht werden zuden neue st en arch io logischen, philologischen, anthropologischen und s o n st i g e n Forschungen. Zur Behandlung und Ausgabe der Monumenta Judaica gelangen zuerst: Erstes Unternehmen, 1. Abteilung, Prima, pars, wie oben erläutert. Die drei Bände dieses Teiles werden ungefähr 20—25 Hefte Kleinquart a 5 Bogen enthalten. Jedes dieser Hefte gibt eine Lieferung und kostet im Subskriptionspreise 8 Mark. Von den Monumenta Talmudica kommen zuerst zur Behandlung und Ausgabe die Serie: Babel und Bibel. Es werden jährlich vier Hefte erscheinen, von denen die entsprechende Anzahl bei Abschluß einer Serie zu einem Bande vereinigt werden. Der Subskriptionspreis jeden Heftes ist gleichfalls mit 8 Mark festgesetzt. Jeder Band wird zum Schluffe ein alphabetisches Register haben, überdies soll nach Abschluß des ganzen Werkes ein solches Gesamtregister beigegeben werden.