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Die Wahrheit · 1905-03-31 · Heft 13 (31.3.1905) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion u. Aduttttisttaliöit: Wien, il/i NovarciFasse 27; Telephon Nr. der Druckerei 1531)2. Inserate 20 Hell, per Nonpareille-Zeile. Abonnementsn. Jusertionsbeträge find in Wien zahlbar und klagbar. abfheit Seitschrift für jnöische Jlnfmjetu Kr scheint jeden Kreilag. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" j Gerngspyeis: j Ganzjährig . . . K. 12.— I Halbjährig ... 5*. 6.— Für Cllltllsbeamte: Ganzjährig ... St. 10.— Für Allsimid; Ganzjährig . . . a Mark. 6 Rubel oder 16 FcS. Ur. 13. Wien, 31. Rtär; 1903. Inhalt: Aus der Woche, — Die Waisenkinder von Kischenew. — Hilfsverein für Galizien. — Verlassene Kinder. — Indische Solidarität. — Verschiedene Nachrichten. — Der Sulzerismus und die moderne synagogale Liturgie. — Aus dem österr.-uugar. Kantoren-Berein. Aie geehrten Kerren Abonnenten werden um umgehende Krneuerung des Abonnements für das am 1. April beginnende 2. Auartal ersucht, damit die regelmäßige Zusendung des Mattes keine Anterbrechung erleide. Ans der Woche. Im deutschen Reichstage ist vor einigen Tagen die von den Juden in Deutschland so oft schon beklagte, schmachvolle Zurücksetzung der jüdischen Soldaten in der Armee zum Gegenstände einer Debatte gemacht worden. Der Kriegsminister von Einem erklärte zwar mit rückhaltsloser Offenheit, daß seiner Ueberzeugung nach die jüdischen Soldaten im Frieden wie im Kriege ihre Pflicht erfüllen, und er fügte hinzu, daß er die Weisung erteilt habe, man dürfe die jüdische Religion nicht als einen Grund betrachten, um einen Soldaten nicht zu befördern. Diese Auseinandersetzung des Kriegsministers hat die antisemitischen Abgeordneten sicherlich nicht beftiedigt, aber-auch die Juden in Deutschland werden aus dieser schließlich doch nur platonischen, selbstverständlichen Verbeugung vor dem Gesetze, welches einen Unterschied der Konfession nicht anerkennt, keine volle Beruhigung schöpfen können. Der Kriegsminister hat die Weisung erteilt, daß die Konfession des Soldaten kein Hindernis sein dürfe. Gut! Eine solche prinzipielle Erklärung ist nichts Neues, aber sie hat bisher noch nicht hingereicht, um ein Offizierskorps, dessen Zustimmung bei der Aufnahme eines Offiziers entscheidend ist, von seinem starr behaupteten Vorurteile gegen die Juden abzubringen. Der Jude konnte prinzipiell auch bisher in der preußischen Armee Offizier werden; er wurde es aber in der Praxis nicht. Wenn der Kriegsminister, wie es seine Pflicht wäre, nicht nur gegenüber den jüdischen Soldaten, nein, gegenüber dem Rechte und Gesetze erfüllen wollte, müßte er mehr tun, als bloß einige theoretische Erklärungen abgeben. $ -3fr Was er tun müßte? Nun, eine kleine Reminiszenz, welche die „Frankfurter Zeitung" brachte und die gegenwärtig höchst aktuell erscheint, könnte Se. Exzellenz stuf den richtigen Weg führen. Der Kriegsminister müßte nur die kleine Geschichte beherzigen, die von dem ehemaligen Kavalleriegeneral v. Ed.e lsh ei m - G yul ai, einem geborenen Badenser.;erzählt wird. Eines Tages beschwerte sich bei diesem ein ihm Bekannter von jüdischer Konfession über die Zurücksetzung, die seinem Sohne widerfahren sei. Derselbe habe in einem Husaren-Regiment tadellos gedient, die Prüflingen trefflich bestanden, sei bis zum Vizewachtmeister avanoiert, nun aber weigere sich das Offizierskorps den Juden in seine Reihen aufzunehmen. Edelsheim gibt dem betrübten Vater die Versicherung, er werde die Sache in Ordnung bringen Der Oberst wird beauftragt, die Wahl wiederholen zu lassen und die Herren Offiziere zu verständigen, daß es in der Armee nur Soldaten, nicht aber Juden und Christen gebe und daß jeder, der feine Pflicht erfülle, ein Anrecht aus jegliche Beförderung und Auszeichnung habe. Die Neuwahl findet statt; abermals erfolgt die einstimmige Ablehnung des jüdischen Freiwilligen. Am nächsten Tage erhielt der Oberst das bekannte blaue Briefchen, mit der Bestimmung, er habe nicht verstanden, den Geist im Regiments zu pflegen, den die Armeeleitung verlange. Unterstem neuen Oberst wurde dann merkwürdigerweise der Jude sofort vom Offizierskorps ausgenommen. So muß es gemacht werden, wenn man ernsthaft gegen häßliche, aus unedlen Vorurteilen wurzelnde Uebelstände siegreich ankämpfen will. - Die Debatte im deutschen Reichstage gibt dem Wiener „Deutschen Volksblatt" Gelegenheit, seinen giftigen Geifer auf die Juden im allgemeinen und die jüdischen Soldaten im besonderen zu spritzen. Das freche Blatt ignoriert die Tatsache, daß die jüdischen Soldaten in der österreichischen Armee auf allen Schlachtfeldern ruhmvolle Proben ihrer Tapferkeit gegeben, daß sie in unzähligen Fällen mit ihrem Blute die alte, verlogene Behauptung verlöschten, die Juden seien im Kampfe nicht gleichwertig mit den Sprößligen anderer Bolksstämme. Das nichtswürdige, bis zum Halse in Lügen watende Blatt wagt angesichts der vielen jüdischen Soldaten in der österreichischen Armee, deren Brust hohe Auszeichnungen schmücken, die Worte niederzuschreiben: ..Daß die Begriffe Jude und Soldat ganz unvereinbar sind, daß früher oder später der Augenblick kommen wird und kommen muß, in dem sich die angestammte Zugehörigkeit des Juden zu seiner Raffe als stärker erweist, als seine zufällige Einreihung in die Armee dieses oder jenes Staates, in dem er auf seinem Nomadenzuge durch die Welt just seine Zelle aufgeschlagen hat. Das hat eine langeReihe von Fällen gezeigt, von welchen dieDreyfuß-Affäre wohl die typischeste gewesen i st." Jedes Wort enthält

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