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Die Wahrheit · 1905-03-17 · Heft 11 (17.3.1905) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 11 (17.3.1905)
Date
1905-03-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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♦ Oie geehrten Herren Kantoren werden höstichst I und dringend ersucht, die restlichen Abonnements- > betrage umgehend einrufenden, danrit wir der fortwährenden Mahnungen enthoben werden. Die Administration. Der Sirlzrrismirs und die moderne synngognle Liturgie. Bon P. Minkowsky, Oberkantor der Brodier Gemeinde, Odessa. 777. Mögen Gelehrte und Forscher dem Drama eine höhere Bedeutung als der Lyrik zuschreiben, indem sie behaupten, daß der Zweck des Dramas nicht blos darin bestehe, darzustellen, um angenehm zu machen, sondern auch zu erschüttern und zu belehren;' daß alles Lyrische in den Grenzen der Aesthetik sich bewege, während das Drama ethische Ziele verfolge. Auch wir akzeptieren ihre Meinung und werden sie überall außer der Synagoge gelten lassen, aber in der jüdischen Liturgie hat diese Doktrin keinen historischen Boden, ja sie widerspricht geradezu dem spezifischen Charakter, der dem jüdischen Gottesdienst innewohnt. Nie war der jüdische Gottesdienst das einzige Mittel, auch nicht die Synagoge der einzige Ort für ethische Belehrung der Juden, wie die Gottesdienste und Gotteshäuser der andern Völker. Auch .schloß die monotheistische Konzeption der Juden — die zu Gott beteten und ihm dankten für das Gute sowohl, wie für das Böse und nicht wie die anderen Völker ihre Götzen . anbeteten oder „auf" sie fluchten, je nach dem Nutzen oder Schaden, den sie ihnen zufügten — jede dramatische Weise aus dem Gottesdienste aus. Nicht nur jetzt, wo auch die christliche Liturgie, außer einen kleinen dramatischen Teil, der als Ueberrest des Heidentums zu betrachten ist, auf Lyrismus gegründet ist, sondern auch im klassischen Altertum, wo ein Götzendienst ohne Dramatismus unverständlich war, stand das Judentum fast isoliert in seiner lyrischen Auffassung in der Liturgie. Die Devise der alten Völker und auch der jetzigen Heiden ist: daß Götter nützen sollen, sonst sind sie selbst unnütz.*) Götter, welche weder helfen noch nützen, bleiben ohne Grund und ohne Zweck, und der Glaube muß ihnen unter den Füßen schwinden. Dies spricht sich auch in der Bemerkung chinesischer Bonzen aus: „Ein Gott, der nicht nützen kann oder will, verdient auf jeden Fall Prügel." Götter, die noch gestern dramatisch angebetet und angerufen wurden, werden heute entthront und sind Gegenstände der Geringschätzung. Der Gott einer besiegten Stadt erlitt mit deren Einwohnerschaft eine Niederlage. Ein Bild von dem dramatischen Baalkultus der Phönizier gibt uns der Prophet Elias in seinem Kampfe mit den Adonispriestern, indem er höhnisch ihnen zuruft: Rufet mit lauter Stimme, er ist ja Gott, vielleicht schläft er und muß erst erwachen. Und sie riefen mit lauter Stimme u. s. w. (König I, .18,27 u. 28.) Ein zweites Bild gibt uns der Prophet Jesaja, indem er auch, wie Elias, die Verhältnisse der Heiden zu ihren Götzen ironisch und meisterhaft schildert. Diese Auffassung von einer dramatischen und zürnenden Liturgie ist die Mutter des Polytheismus. Aus der Humanisierung der Götter ad. libitum gestalteten sich wechselnde Verhältnisse zwischen Mensch und Gott, die auf konventionelle Benefizien gegründet waren, und bei der ersten Unverläßlichkeit des letzteren wurde der Bund gelöst, um mit einem würdigeren Patron im Himmel einen neueu Bund zu schließen. *) A. Swoboda, Gestalten des Glaubens. I. Tell, S. 241. Leipzig 1901. Den Juden dagegen war ein derartiger Kult in ihrer Liturgie unbekannt. Schon im grauen Altertum wird von Job, der Söhne und Töchter, Hab und Gut verloren hat und noch dazu von einer unheilvollen Krankheit geplagt wurde, gerühmt, daß er, entgegen der Heidensitte, seinem Gotte keinen Vorwurf gemacht hat. Der Jude kommt in seine Synagoge, um zu beten oder zu loben, und selbst im Unglücke anerkennt er ohne Murren die gerechte Strafe Gottes. (Fortsetzung folgt.) Ans dem öftere.-nngnr. Kantoren- Uerein. Dienstag, den 14. März, fand unter Vorsitz des I. Vizepräsidenten I. Bauer eine Vorstandssitzung statt, an welcher die Vorstandsmitglieder M. B l a t t, I. D ü n m a n n, B. G u t tmann, I. Löwit, M. Schorr, I. Schlesinger und E. Regner teilnahmen. Nach Begrüßung der neukvoptierten Vorstandsmitglieder S. D ü n m a n u, B. G u t t m a n n und I. Schiller, in deren Namen B. Guttmann erwiderte, teilt der Vorsitzende mit, daß der Vereinskassier M. Scho r r 100 Exemplare seines Werkes „Halle! wesimroh" dem österr.-ungar. Kantorenvereine mit der Bestimmung zugewendet habe, daß das Reinerträgnis dieser Werke dem Witwen- und Waisenfond des Vereines zufließe. (Dem Spender wird der Dank votiert.) In einer Zuschrift des Herrn Dr. Marek, Wien, Währingerstraße 125, gibt derselbe bekannt, daß derselbe den Mitgliedern des österr.-ungar. Kantoren-Vereines bei Inanspruchnahme seines zahnärztlichen Ateliers namhafte Begünstigungen einräume. (Wird dankend zur Kenntnis genommen.) Bei Eingang in die Tagesordnung wird beschlossen, der Witwe des vor kurzem verstorbenen Vereinsmitgliedes Markus Rosenfeld in Pisek einen Witwenbeitrag von 400 K zu bewilligen. Im Sinne dieses Beschlusses werden die geehrten Vereinsmitglieder hiemit aufgefordert, laut § 14 der Statuten den Pflichtbeitrag für diesen Todesfall per K 2 umgehend an den Vereinskassier M. Schorr, H., Ob. Donaustraße 47, einzusenden, da die Auszahlung des Witwenbeitrages erst nach Einlauf der Pflichtbeiträge erfolgen kann. Die auf der Tagesordnung stehende Debatte über wichtige Standesfragen wird wegen vorgerückter Zeit für die nächste Sitzung, Donnerstag, den 23. d. M., vertagt. Hiebei soll über die Stellungnahme des Vereines gegen zutage tretende Mißstände bei Entlassungen, Vakanzen und Besetzungen, sowie über solidarisches Vorgehen der Vereinsmitglieder in den genannten Fällen, sowie bei Uebernahme außerordentlicher Funktionen außerhalb des eigentlichen Wirkungskreises beraten werden. Konkurs. Für die durch den Tod des Kantors Gerson Weiss, der dieses Amt durch 38 Jahre bekleidet hat, erledigte Stelle eines Oberkantors an der hiesigen Chor-Tempelgemeinde wird eine eiste Kraft gesucht. Bewerber müssen über schöne, wohlgeschulte Stimme (Tenor vorgezogen) verfügen, vorzüglich musikalisch gebildet, nicht älter als 40 Jahre sein und allen Anforderungen des Amtes entsprechen. Festes Gehalt 50Q0 Francs per Jahr, ausser Emolumenten (3000—4000 Francs). Bewerber wollen sich bis zum 1./14. April 1905 unter Beischluss der Zeugnisse an den Präsidenten Herrn Dr, Adolphe Stern, Strada Sapientu 4 in Bukarest (Rumänien) wenden.

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