Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 11 (17.3.1905)
- Date
- 1905-03-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 9. Nr. 11. Die Wahrheit die vollste Anerkennung und der wärmste Dank der heutigen Vollversammlung ausgedrückt. Auf Grund der abgeänderten, von der Statthalterei bestätigten Vereinsstatuten, wurde hierauf die Neuwahl des Ausschusses vorgenommen, und wurden einstimmig oder nahezu einstimnng gewählt die Herren: Karl Bondi, Moritz Bretschneider, Joses Grünfeld, Gabriel Hellmann, Moritz Hitschmann, Ignaz Kohn, Samuel Kraus, Ignaz Lang, Wrlhelm Östreicher, Max Pollak, David Reiniger, Moritz Schwarzkopf, Max Wurmsohn, Heinrich Weißenstein und Ignaz Weiner. — Bei der am Sonntag, den 12. März a. c. vollzogenen Konstituierung des neugewählten Ausschusses wurde der bisherige Vereinsvorstand einstimmig wiedergewählt und zwar: Herr Wilhelm Ästreicher zum Vorsteher; Herr Max Wnrmsohn zum 1. und Herr David Reiniger zum 2. Vorsteher-Stellvertreter; Herr Ignaz Kohn zum Beirat und Kassier; Herr Joses Grünseld zum Beirat und Kontrollor. Zum Friedhofs-Inspektor wurde Herr Heinrich Weißenstein ueugewählt. — na — Budapest, 10. März. Einer der edelsten Männer, der Großindustrielle, königl. Rat Marzell Neuschloß, ist heute zu Grabe getragen worden. Er war einer jener Ausnahmsmenschen, die mit Geist und Gemüt gesegnet, ihre seltenen Gaben zum Altar der Nächstenliebe tragen. Einer jener Wenigen, die ihrer Menschenpflicht nicht glauben Genüge geleistet zu haben, wenn sie mit vollen Händen gegeben, sondern in dem die merkwürdige Kraft wohnte, kalte Seelen zu begeistern, den Kultus des Guten zu verbreiten und zu popularisieren, den Verstand anzuregen, das Herz zu befeuern und alle Pfade der Humanität wegsam zu machen. Marzell Neuschloß, den man heute in die Gruft gesenkt hat, war ein edler Vorkämpfer in der Kunst, praktische Wohltätigkeit zu üben. Nicht im bloßen Almosenspenden erschöpfte sich der edle Geist, der ihn beseelte und der hoffentlich nicht mit ihm eingesargt wurde; Marzell Neuschloß war ein schöpferisches Genie auf humanitärem und soziologischem Gebiete. Was die jüngsten zwei Jahrzehnte in Budapest an großen und gemeinnützigen Institutionen hervorgebracht, das verdankte sein Entstehen der rastlosen Initiative des seltenen Mannes oder trug zumindest den Stempel seiner energischen Mitwirkung. Nie hat ihn ein Trostbedürftiger ungetröstet, ein Hilfsbedürftiger mit leeren Händen verlassen; mit dem Spürsinne des echten Philanthropen wußte er allezeit die wirkliche Not zu entdecken und mit den praktischen Sinne des Mannes der Arbeit verstand er sie zu lindern. Und wer heute Zeuge der Leichenfeier aus dem Rosenhügel war, wer diese Wallfahrt von Tausenden mitansah, die nachmittags den bergigen Weg zur Villa in. der Aposwl-utcza hinanschritten, um zu Marzell Neuschloß' Sarge zu gelangen: der mußte empfinden, daß ein Mann, dem solch spontane Kundgebung des Schmerzes von Tausenden gelte, nicht vergeblich gelebt hatte. In der unabsehbaren Menge standen hart neben einander hohe militärische Würdenträger und schlichte Arbeiter, vornehme Staatsfunktionäre und Bürgersleute aller Gesellschaftsklassen und zum Erdrücken gefüllt waren alle Räume des Trauerhauses, in dessen Salon der Sarg Marzell Neuschloß' in einem Haine tropischer Pflanzen, bedeckt und umgeben von den Blumenspenden pietätvoller Freunde ausgebahrt war. Das tiefste Mitgefühl wandte sich der Familie zu: der Witwe Marzell Neuschloß, die dem Heimgegangenen eine so hochsinnige Lebensgefährtin gewesen, und den jugendlichen Kindern, die heute nur einen blassen Begriff haben können, was ihnen das grausame Schicksal geraubt. Szakolcza. Der Szakolczaer Jugendverein veranstaltete am 4. und 5. März eine Dilettanten-Theatervorstellung, bei welcher das vieraktige Volksstück „A falu rossza“ (der Dorflump) zur Aufführung gelangte. Die Darstellung der Hauptrolle, der „Boriska", hatte Frl. Frieda E h r e n st e i n, Tochter des Herrn Tempelvorstehers Philipp Ehrenstein, und ihr temperamentvolles Spiel fand so sehr Beifall, daß sie nach der Vorstellung vom hiesigen Bürgermeister und von den Honoratioren allgemein beglückwünscht wurde. Prag. (Zur Frage der Leichenverbrennung.) Am 22. Dezember v. I. ist in Prag Herr JUDr. Moritz Lichtenstern, Advokat, gestorben. In seinem letzten Willen sprach er u. a. den Wunsch aus, daß nach dem Ableben sein Leichnam in Gotha verbrannt und die Asche in einer Urne in seinem bereiteten Grabe neben dem Grabe seiner verstorbenen Gattin beigesetzt werde. Diesem Wunsche wurde keine Folge gegeben, und die Beerdigung fand nach dem üblichen Ritus statt, Am 21. Januar 1905 richtete die Gesellschaft zur Leichenverbrennung in Prag an das Bezirksgericht für die Altstadt und Josefstadt folgende Zuschrift: „An das löbliche k. k. Bezirksgericht für die Alt- und Josefsladt in Prag! Die Gesellschaft zur Leichenverbrennung in Prag, vertreten durch ihren Präsidenten, den Herrn MUDr. Heinrich Zahor in Prag Nr. 459-1, macht auf die letztwillige Verfügung des Herrn JUDr. Moritz Lichtenstern aufmerksam. Herr JUDr. Moritz Lichtenstern, Advokat in Prag, hat in seinem letzten Willen die Verfügung getroffen, daß sein Körper verbrannt werden soll. Derselbe ist in Prag Nr. 416-1 am 22. Dezember 1904 gestorben. Trotz seiner Verfügung wurde er auf dem israelitischen Friedhofe in Straschnitz beerdigt. Die Sache ist dringend, damit der Ausrede, als ob aus sanitären Rücksichten es vielleicht später nicht zulässig sein wird, vorgebeugt werde. In Anbetracht des § 57 des kais. Patentes vom 9. August 1845, Nr. 208 R.-G., erlauben wir uns, auf diese Angelegenheit aufmerksam zu machen. Prag, am 21. Januar 1905. Dr. Friedr. Zahor." Das Bezirksgericht für die Alt- und Josefstadl in Prag, Abt. X (LGSekr. Ferd. Rich. Trier) erledigte die Eingabe der Gesellschaft für die Leichenverbrennung in Prag mit der folgenden Zuschrift: N. A. x 459/4—36. „Auf die Eingabe vom 21. Januar 1905, Journ.-Nr. 21, wird folgende Verständigung gegeben: Dr. Moritz Lichtenstern, welcher am 22. Dezember 1904 gestorben ist, hat im Nachhänge zu seinem Testament den Wunsch ausgesprochen, daß 1. sein Leichnam im Krematorium in Gotha verbrannt und 2. die übriggebliebene Asche in eine Urne gelegt und auf dem neuen israelitischen Friedhöfe in Straschnitz in einem eigenen, ihm gehörigen Grabe, welches neben dem Grabe feiner Gattin liegt, beerdigt wird. Ferner bestimmt der Verblichene im Detail die Aufschrift auf dem bereits bestehenden Monument, die eventuelle Anbringung einer Gedenktafel daselbst seitens des Vorstandes der Landesjudenschaft, den mit dem Leichenbegängnis auf den Friedhof in Straschnitz verbundenen Aufwand, die Grabrede, die Erhaltung des Grabes, des Monumentes rc., und spricht u. a. den Wunsch aus, daß das Leichenbegängnis mit allen rituellen Zeremonien vorgenommen werde, und gibt der festen Ueberzeugung Ausdruck, daß diesem Wunsche nachgekommen wird. Wie man aus dem Gesagten ersieht, war es der Hauptwunsch des Verstorbenen, daß seine Ueberceste neben dem Grabe seiner im Tode vorangegangenen Gattin auf dem Friedhofe in Straschnitz beigesetzt werden, und daß für ihn dieser Wunsch wichtiger war, als der Wunsch hinsichtlich der Leichenverbrennung in Gotha. Es war auch das Bestreben der Erben, diese beiden Wünsche des Verewigten präzis zu erfüllen, und ist es nicht ihre Schuld, daß sich Hindernisse in den Weg legten, welche in den gegebenen Verhältnissen unüberwindlich waren. Nach der Zuschrift des Öberrabbinats der israelitischen Kultusgemeinde in Prag vom 22. Dezember 1904 ist es im Sinne der israelitischen Religions-Vorschriften ausgeschlossen, die übriggebliebene Asche auf einem Judensriedhose zu bestatten. In einer anderen Zuschrift vom 21. Dezember 1904 teilte die israelitische Beerdigungs-Brüderschaft in Prag mit, daß sie sich einesteils im Falle der Leichenverbrennung nicht am Leichenbegängniffe beteiligen, den Leichenwagen nicht beistellen werde, andersteils auch die Bestattung einer Urne auf dem israelitischen Friedhofe nicht zulasse. Bei einem solchen Sachverhalt ist es natürlich, daß, wenn man beiden Wünschen des Verstorbenen nicht Nachkommen konnte, jener Wunsch erfüllt wurde, an welchem mehr gelegen war, und es blieb den Erben nichts übrig, als jenem Wunsche des Verblichenen nachzukommen, daß er neben seiner Gattin zum ewigen Schlaf bestattet wird." KEsivirlschafl. Union-Bank. Die fünfunddreißig st, e ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der 'Union-Bank findet den 30. März 1905, um 11 Uhr vormittags, in den Banklokalitäten, I., Renngasse 1, statt. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Verwaltungsrates und Vorlage des Bilanz-Abschlusses pro 1904. 2. Bericht des Revifions-Ausschusses und Beschlußfassung hierüber. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes. 4. Wahlen in den Berwaltungsrat. 5. Wahl des Revisions-Ausschusses für das Jahr 1905. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche an der General- Versammlung teilzunehmen wünschen, wollen ihre Aktien in Gemäßheit des § 27 der Statuten spätestens am 22. März a. c. deponieren und zwar: in Wien bei der Liquidatur der Union-Bank, in Triest, bei der Filiale der Union-Bank, in Berlin bei der Berliner Handels-Gesellschaft, in Frankfurt a. M. bei der Deutschen Effekten- und Wechsel-Bank. Wien, am 10. März 1905. Union-Bank. Danksagung. Ausser Stande, für die uns anlässlich des Ablebens meiner unvergesslichen Gattin erwiesene Teilnahme, einzeln zu danken, spreche ich hiexnit allen Korporationen, Vereinen und Freunden in meinem I und meiner Angehörigen Kamen den innigsten Dank aus. W i e n, im Weadar 1905. Rabbiner 8. Fürst. Oeffentliche Danksagung. Es hat dem Allmächtigen gefallen, meinen geliebten ältesten Sohn, Friedrich Back, in seinem 35. Lebensjahre in ein besseres Jenseits abzuberufen. — Bei dem Donnerstag, den 9. d. M., stattgefundenen Leichenbegängnisse sind mir so viele Beweise von Teilnahme bekundet worden, dass ich ausser Stande bin, jedem einzeln hiefür zu danken. — Insbesondere bin ich der hochlöbl. israel. Kultusgemeinde für ihr loyales Entgegenkommen nach jeder Richtung, vornehmlich aber durch die Entsendung unseres geschätzten Oberkantors Herrn Josef Basser, der die Funktion in ergreifender Weise versah, zu ausserordentlichem Danke verpflichtet. Ebenso schulde ich dem verehrlichem Vorstande des Brigittenauer Tempelvereines, wie dem Brigittenauer Unterstützungsverein und dem israel. Frauen-Unteratützungsverein für die Beteiligung an dem Leichenbegängnisse innigen Dank. — Ich bitte daher die hier genannten öffentlichen Korporationen dem Herrn Oberkantor Josef Basser, für seine den göttlichen Namen verherrlichende Funktion, wie alle Privatpersonen, die mich in meinem grossem Schmerze aufgerichtet haben, meine schlichten aber innigsten Dankesworte entgegen nehmen zu wollen. Wien, im März 1905. Josef Back-