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Die Wahrheit · 1905-03-17 · Heft 11 (17.3.1905) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 11 (17.3.1905)
Date
1905-03-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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t dl r. 11. durch Organe der n. ö. Landesfindelanstalt wird der vom Laudesausschusse zur Deckung der diesbezüglichen Kosten beanspruchte Betrag bewilligt. Schluß der Sitzung halb 2 Uhr mittags. Spenden. Von HerrnDr. Norbert Klinger in Ausführung der testamentarischen Verfügung des sel. Herrn Heinrich Klinger zur Errichtung einer HeinrichKlinger-Spitalswidmung X. 2000. Von Frau 91 o falte Goldschmidt anläßlich des Sterbegedächtnistages ihres Gatten des sel. Herrn Karl G o l d s ch m i d t zur Honorierung des bei der Seelengedächtnisfeier Fungierenden, sowie für die Kosten des Seelenlichtes X. 50, znr Beteilung an,'jüdische Armen an dem Sterbegedächtnistage X. 200, für die Chewra-Kadischa X. 200, Krankenverein isr. Handelsangehöriger X. 200, für das Altersversorgungshaus X. 600, für den Verein zur Versorgung und Unterstützung hilfsbedürftiger Waisen200, zuf. X. 1450. Von Frau Clotilde Singer anläßlich des Ablebens ihres Gatten Josef Singer zur Verteilung an jüdische Arme am Tage des Begräbnisses, d. i. am 26. Feber, X 1000. Von Herrn Ludwig Bauer lt. testam. Bestimmung der am 2. Feber 1905 verstorbenen Frau Fanny Bauer zur Verteilung an Arme K. 1000. Von Frau Berta Mathias anl. der Vermälung ihres Sohnes Dr. Adolf Mathias zur Verteilung an Arme X. 100. Von Herrn L. n. A. Rosenthal für würdige israel. Arme X. 100. Bon Herrn Emil B o n d y anl. der Geburt einer Tochter für eine arme jüdische Familie X. 20. Bon Herrn Dr. Alfred Berger nom. Ausbildungsschülerin Fräulein Fr. . für die Brigittenauer Schulküche X. 5. Von Fräulein Grete Kohn nach den Bestimmungen des Testamentes des sel. Herrn Hugo Kohn I. für den Verein jüdischer Handelsangehöriger X. 50. Von „Fräulein Jenny und Fritzi" für arme Kinder X. 4. Die Zukunft des nugarifchen Israel. Die Zerrüttung, welche hierzulande unter den Juden herrscht, hat in der verflossenen Woche so recht deutlich gezeigt, daß jene Elemente, welche das gewohnte Fahrwasser nicht verlassen können, noch immer glauben, sie allein seien von der Gottheit auserkoren, über die jüdische Religion zu wachen, damit ja kein Strahl vom Lichte der Zivilisation in das Lager dringe, wo unter der Decke des Glaubens der schnödeste Unfug getrieben wird. Die Landesversammlung der Orthodoxen, wie geharnischt sie auch anfänglich die Waffen geführt, zerrann am Ende in Nichts, und wenn die fanatischen Elemente nach Hause gekommen sein werden, dürften sie das Sonnenlicht erblicken, das bisher in ihre einsame Klause keinen Eingang gesunden hat. Man war ausgezogen, eine Krone zu sinden (Kesser schel tauro) und siehe es zeigte sich so recht, daß die Führer die größtmögliche „Eselei" zustande bringen würden, wenn nicht die Besonneneren und von der Zivilisation Getragenen auf die Haltlosigkeit ihres Verlangens hingewiesen hätten. Mit Bannstrahlen, wie einstens und ehedem, läßt sich das orthodoxe, aufgeklärte Judentum jetzt nicht mehr ins Bockshorn jagen, denn wir leben in einem Zeitalter, wo der Glaube keinen Ansturm zu fürchten hat, weil er schon gar harte Kämpfe mitgemacht und das Siegesbanner noch immer hoch erhebt. Mehr denn je verschanzt sich der Jude hinter den Wällen seiner Religion, weil er in ihr allein die schirmende Macht flndet, die in Leid und Verfolgung ihm Rettung verliehen; nur dürfen wir nicht in das andere Extrem verfallen, das alte Ghetto wieder zurückzuwünschen. Was dem Kerne der Religion nicht widerstrebt, was ihn nicht rüttelt und untergräbt, dem können wir folgen, ohne zu besorgen, daß die Kultur sie ganz verdrängt. Natürlich Jene, die in ihrer abgeschlossenen Klause ihr Leben fristen, die mit dem fortschrittlichen Geiste sich nicht befreunden können, die sind einmal von dem Gedanken nicht abzubringen, daß der Wandel der Zeit die Religion zum Amboß genommen, auf dem in einemfort gehämmert wird . .. In dem orthodoxen Lager scheint es auch heller zu werden; eine neue Generation ist seit der unseligen Teilung entstanden, die zwar an dem Väterglauben festhält, jedoch auch fitr Fortschritt und Zivilisation in ausgiebigem Maße Sorge trägt. Hat schon das Gemeindeleben dort andere Formen angenommen, wo die gebildeten Juden die Führerrolle innehaben, so kam es auch diesmal bei der Sitzung zur Evidenz, daß Glaube und Fortschritt ein und denselben Weg gehen können, ohne im mindesten sich zu bekriegen, oder zu schwächen. Mit welcher Entrüstung wurden die in einzelnen Blättern gegen die ungarische Ortho- Seite 5. doxie geschleuderten Anrempelungen zurückgewiesen, als würde sie in all ihren Handlungen gegen das Vaterland arbeiten. Mit Stolz wiesen sie darauf hin, daß in ihren Versammlungen zum großen Teile die Verhandlungen in ungarischer Sprache geführt werden, daß in ihren Schulen zumeist der Unterricht in ungarischer Sprache erfolgt, daß in ihren Gotteshäusern auch schon die ungarische Sprache Eingang gefunden hat. Wohl harte Kämpfe sind deshalb ausgefochten worden, und mit Recht können diejenigen stolz vor der Oeffentlichkeit darauf pochen, daß es ihr Werk ist, wenn die Orthodoxie nicht bei dem verknöcherten Fanatismus verharrt. Wir unsererseits sind ihnen dankbar für die Konzessionen, die sie dem allbelebenden Fortschritte gemacht haben, denn wir hegen die Hoffnung, daß auf diese Weise von selbst die Annäherung allmählig sich vollziehen wird. Wir stehen nicht mehr so ferne, und nur Lachen erregt es, wenn einige Finsterlinge dem Orthodoxentum weiß machen wollen, daß sie allein den jüdischen Glauben in Pacht genommen haben, und daß die fortschrittlichen Juden eine andere Sekte wären; es wird ihnen niemand auf den Leim gehen. Mögen sie daher die Lehre mit nach Hause genommen haben, daß jeder nach Kräften den religiösen Boden bestelle und das Heil Israels in der Einigung und nicht in der Bekämpfung liegt. Erstarken wir einmal im Innern, so werden wir auch nach Außen hin gegen alle Angriffe gefeit sein. Duna-Földvür. Rabbiner Dr. Samuel Par tos. Diej«discher»Ko1o»ie»inArgentinien. Mosesville, die Stammkolonie der J. C. A.. kann wohl als Musterschöpfung für ein sozial-ökonomisches Unternehmen bezeichnet werden. Hier kann man sehen, was der eiserne Wille, den zu stählen die jüdische Religion als Mittel zu ihrem historischen Zweck sich vor allem zur Aufgabe macht, fertig bringen kann. Vertrieben aus dem Lande der Dunkelmänner, wo noch gegenwärtig jenes mittelalterliche Losungswort, ..der Jude wird verbrannt", die Staatsparole ist, kamen sie vor mehr denn einen Jahrzehnt herüber, die ersten Pioniere jüdischer Kolonisation, nichts mit sich bringend wie das Bewußtsein des freien Menschen und den Willen, ohne Verletzung ihrer Ueberzeugung, ohne Verleugnung ihrer Stammeseigenschaften, durch ihrer redlichen Hände Arbeit allein sich und ihren Familien eine neue Existenz zu gründen in dem Lande der Zukunft: Argentinien. Neues Land, neue Verhältnisse, neue Arbeit. Schwere Jahre hatten sie durchzumachen und bittere Enttäuschungen zu erfahren. Um so erfreulicher ist es heute, dieses kleine Städtchen zu sehen, das hier mit Hilfe und Organisation der «J. C. A. entstanden ist. Zirka 500 jüdische Familien haben hier im Laufe der Jahre eine Kolonie zur Blüte gebracht, die in keiner Weise hinter anderen Ansiedlungen zurücksteht. Ausgedehnte Weizenfelder, Leinanpflanzungen, Kleegefilde, Viehzucht zeigen, daß die Einzelleislungen jüdischer Kolonisten sehr anerkennenswerte sind. Die Kolonie ist in Gruppen eingeteilt, jede 1 km von einander entfernt. Zu jeder Gruppe gehören vier Haushaltungen. Kleine aber nette Häuschen, umgeben von einem kleinen Gemüsegarten, hie und da auch schattige Baumanlagen, zeugen davon, daß die Bewohner Hand in Hand mit der Unternehmung bemüht waren und es zustande gebracht haben, sich hier ein gemütliches Heim aufzuschlagen. Die Unternehmung selbst hat die alten Lehmhäuschen, die sie seinerzeit den Kolonisten gab, nun fast überall durch solide Ziegelsteinhäuser ersetzt, und diese wiederum sind von den wohlhabenderen Kolonisten aus eigenen Kosten vergrößert worden. Schulen und Bethäuser sind eingerichtet, die für die geistige Erziehung der Jungen und Alten sorgen sollen und auch recht gut besucht werden. Ja die Zentralstation besitzt sogar eine Synagoge, so prächtig ausgestattet, daß selbst Buenos Aires sich einer solchen nicht zu schämen brauchte. Mosesville selbst zählt gegen 100 selbständige, auf eigenem Grund und Boden etablierte jüdische Familien, die sich teils aus Geschäftsleuten, teils aus Gewerbetreibenden rekrutieren Die Wahrheit

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