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Die Wahrheit · 1905-02-24 · Heft 8 (24.2.1905) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 8 (24.2.1905)
Date
1905-02-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nedaktiou n. Admiiiistralion: Wien, I1/l Novaragasse 27. Telephon Nr. der Druckerei 15302. Inserate Sv Hell, per Nonpareille-Zeile. Abonnementsn. JnsertionS» betrage sind in Wien zahlbar und klagbar. Möhängige Aeitfchrift für Mische Interessent Kr scheint jeden Kreitag. Motto: „Das Siegel C4ottes ist Wahrheit!“ Nezngspyeis: Ganzjährig . . . ft. 12.— i; Halbjährig ... ft. 6.—;i Für Cnltnsbeamte: Ganzjährig ... ft. 10.—j[!! Für Ausland: Ij Ganzjährig . . . s Mark.!! j 6 Rubel oder lti Fcs. j| II_!| |tv. 8. Wien, 24. Februar 1SV3. Inhalt: — Ein Wort für ein jüdisches Alland. — Zlus der Woche. —. Prager Briefe. — Wahlrecht der mährischen Judengemeinden. — Konsul Simon. — Verband für Statistik der Juden. — Großfürst Sergius und die Juden. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Feuilleton: Der kleine Wunderarzt. Die geehrten Kerren Abonnenten werden um freundliche Einsendung des Aöonnementsöetrages für das taufende Huartal ersucht._ Gin Mort für ein jüdische» AUand. „Es ist ein erhebendes Gefühl, sagen zu können, man habe ein Menschenleben gerettet, denn das wiegt schwer im Konto der menschlichen. Oekonomie, und wenn auch Zeiten kommen, in denen das Menschenleben vor manchen Augen tief im Preise sinkt und Hunderttausende aus den Schlachtfeldern elend verbluten, immer siegreicher steigt aus dem rauchenden Qualm von Blut und Schmerzen der Genius der Men s chl i ch k e i t, der Genius der Z i v i l i s a t i o n, die N ä ch st enlieb e! Sie allein ist das völkereinigende Band, das sich friedlich schlingen wird um die Menschheit in ihrer ethischen Vervollkommnung!" Mit diesen schönen, von edler Menschlichkeit eingegebenen Worten ist in den letzten Tagen eine neue großartige. Wohlfahrtsaktion zu Gunsten der armen, kranken, hilflosen und unglücklichen Kinder der Großstadt eingeleitet worden, und mit freudiger Genugtuung werden wir sehen, daß unsere wohlhabenden Glaubensgenossen, die immer in den vordersten Reihen anzutreffen sind, wo ein gutes Werk zu vollbringen ist, mit vollen Händen spenden werden, wie sie es bei der Gründung der „Rettungsgesellschaft", des „Rudolfinerhauses", bei „Alland" und so vielen anderen Humanitären Institutionen getan haben und trotz aller Anfeindungen noch immer tun. Die Freude an der stetigen Manifestation des sprichwörtlich gewordenen „guten jüdischen Herzens" wird aber sehr stark herabgestimmt, wenn wir den soeben erschienenen Bericht des „Vereines zur unentgeltlichen Verpflegung Bru st leidender auf dem Lan d e" zur Hand nehmen und hiebei die traurige Warnehmung machen, daß dieser jüdische Verein, der seit mehr als drei Jahrzehnten im Kampfe gegen den gefährlichsten Feind der Menschheit, die Tuberkulose, ein gewaltiges Stück sozialer Hilfstätigkeit geleistet und hunderte von Menschenleben gerettet hat, in den weiten Kreisen der Glaubensgenossenschaft':^nur spärliche Unterstützung findet und trotz jahrelanger Bemühungen das angestrebte Ziel, die Errichtung' des „Wölfler-Heims" in RoLnau (Mähren), nicht erreichen kann.i! Sollen aber die erzielten günstigen Heilresultate einem größeren Kreis armer Glaubensgenossen zu Gute kommen, dann müßten die Mittel des Vereines bedeutend gestärkt werden, und vör allem wäre es notwendig, den Plan der! Vereinsleitung,' eine mit allen modernen hygienischen Mitteln ausgestattete und nicht nur in den Sommermonaten, sondern das ganze Jahr hindurch funktionierende Anstalt zur Behandlung der Lungenkranken in RoLnau zu errichten, möglichst bald zu verwirklichen. Der Bericht, der die erfreuliche Tatsache konstatiert, daß unter der Leitung des Chefarztes Dr. Perl von 128 Pfleglingen in der Kurperiode 1904 53-1% ihre volle Arbeitsfähigkeit wiedergewonnen haben, verzeichnet wohl unter den Förderern des Vereines einige der bekannten Wiener jüdischen Wohltäter, aber viele andere glänzende Namen, die sonst in den Spendenlisten für allgemeine wohltätige Zwecke niemals fehlen, vermissen wir, und besonders fällt die geringe Anzahl der ordentlichen und unterstützenden Mitglieder auf und zeigt, wie wenig dieser wahrhaft segensreich wirkende Verein in den breiten Schichten der Wiener Bevölkerung unterstützt wird. Und soll es denn Wien allein sein? Von den 128 Personen, die in der abgelaufenen Kurperiode vom Vereine verpflegt wurden, waren 20 nach Wien, 2 nach Niederösterreich, 16 nach Böhmen, Mähren und Schlesien, 60 nach Galizien und 20 nach Ungarn zuständig, aber die Kosten der Verpflegung werden, mit einigen wenigen Ausnahmen, von Wien allein bestritten. So sorgfältig wir auch die Liste der Mitglieder und Spender durchgiengen, fanden wir in derselben nicht eine einzige galizische oder ungarische Gemeinde, oder einen Glaubensgenossen aus diesen Ländern, und auch Böhmen, Mähren und Schlesien sind, abgesehen von zwei oder drei Namen, gar nicht vertreten. Das ist ein großes Unrecht, das unsere Glaubensgenossen außerhalb Wiens nicht nur an dem Vereine sondern auch an ihren leidenden Landsleuten begehen, und wenn ihnen dasselbe nicht spontan zum Bewußtsein kömmt, so sollte der Vereinsvorstand, an dessen Spitze zwei ausgezeichnete Männer, Herr Med. Dr. Adolf Hoffmunn und Herr Bankdirektor Wilh. Kux stehen, sie durch eine eifrigere Propaganda, die man durch Versendung von Zirkularen und Jahresberichten und durch Veröffentlichung von Aufrufen in den jüdischen Blättern einleiten müßte, daran erinnern. Nach dieser Richtung könnte auch der „Allgemeine österreichisch-israelitische Bund", wenn er seine Aufgaben in der Weise wie der „Deutsche israelitische Gemeindebund" erfassen würde, manche ersprießliche Anregung geben. Um die so überaus dringliche Errichtung des „Dr. i Wölfler-Heims" in RoLnau zu beschleunigen, würden wir

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